Reisemüde?! Wann ist viel, zu viel?

Reisemüde? Wann ist viel zu viel?

Reisen ist eins der schönsten Dinge auf der Welt. All die neuen Eindrücke, spannenden Abenteuer und einmaligen Momente, die einem niemand mehr nehmen kann. Die einen zu dem machen, was man heute ist. Die einem die Augen öffnen für die einmalige Schönheit unserer Welt. Aber kann man auch ZU VIEL Reisen? Plötzlich von Eindrücken gesättigt und und zu müde für neue Erfahrungen? Reisemüde sein? Vor einiger Zeit hätte ich ganz klar mit „niemals“ geantwortet. Heute denke ich darüber ein bisschen anders – und möchte diese Gedanken gerne mit euch teilen.

Reisemüde? Die Crux mit der Reisemüdigkeit

„Reisemüdigkeit“ ist ein Thema, das vielen erst während ihrer ersten längeren Reise begegnet. Wenn man über längere Zeit so viel gesehen, erlebt und erfahren hat, dass dies einfach nichts mehr toppen kann. Das alles irgendwie schon einmal dagewesen ist. Das man plötzlich anfängt zu vergleichen.

Etwas, das ich sonst eigentlich nie tue, denn ich möchte jede Region für sich erleben. Anders würde doch auch jedes Mittelmeerziel gegen die traumhaften Strände Südostasiens oder der Karibik einfach nur verlieren. Oder jedes Mittelgebirge gegen die Alpen. Geht man mit einem offenen Blick in eine Reise und lässt sich darauf ein, kann man erst ihre wahre Schönheit entdecken.

Doch das wollte mir gegen Ende meiner Südamerika-Rundreise einfach nicht mehr gelingen. Statt dessen wollte ich einfach nur faul am Pool herumliegen und am liebsten garnichts machen. Kaum etwas konnte mich wirklich begeistern. Ein klares Zeichen für Reisemüdigkeit.

Ähnlich ging es mir auch Anfang des Jahres: Schweiz, Lappland, Panama, Honduras, Australien – und das alles innerhalb von zweieinhalb Monaten. Versteht mich nicht falsch, ich bin verdammt glücklich mit meinem Lifestyle und dass das Reisen mittlerweile zu meinem Job gehört, aber ich musste feststellen: Ja, es gibt auch ein „zu viel“.

Wenn ich etwas mache, dann richtig

Vielleicht liegt es auch ein wenig an meiner Leidenschaftlichkeit. Habe ich etwas (Neues) für mich entdeckt, dann stürze ich mich Hals über Kopf hinein: wenn ich etwas mache, dann richtig. Und ehe ich mich versehe verbringe ich jeden Tag vier bis fünf Stunden im Fitnessstudio (kein Scherz!) bis irgendwann der große Knall kommt oder ich ganz plötzlich die Lust an der Sache verliere und/oder etwas Neues für mich entdecke. Das mit der, ja man könnte es tatsächlich als „Sportsucht“ bezeichnen, ist übrigens inzwischen ein paar Jahre her. (Mittlerweile habe ich einen ganz guten Mittelweg gefunden.)

Sollte es mit dem Reisen etwa genauso sein?

Auch auf Reisen tendiere ich dazu immer „all in“ zu gehen. In den fünf Jahren in denen mein Blog jetzt existiert, habe ich ganze 38 verschiedene Länder (viele mehrfach) bereist. Keine einzige Erinnerung möchte ich davon missen. Aber: Entspannen oder gar an einem schönen Ort, wo es doch sooo viel zu sehen gibt, einmal nichts tun, fällt mir unglaublich schwer. Permanent habe ich sonst das Gefühl „etwas da draußen zu verpassen“.

Deshalb bin ich auch absolut ungeeignet für das Leben als Digitale Nomadin, obwohl ich theoretisch als Selbstständige meine Arbeit von überall erledigen könnte. Ich kann doch aber nicht die ganze Zeit drinnen sitzen und arbeiten, während es draußen doch so viel zu entdecken gibt.

Reidemüde? Eine Frage der goldenen Mitte

Das Gute an der ganzen Reisemüdigkeitsproblematik: nach ein paar Wochen Alltag zu Hause kommt die Reiselust von ganz alleine wieder zurück – jedenfalls ist das bei mir so. Und eins habe ich aus der ganzen Sache gelernt: Ich brauche einfach regelmäßige Reisepausen, Auszeiten um mich auf jede Reise wieder genauso freuen zu können wie auf meinen Sommerurlaub damals als Angestellte. Wie zum Beispiel auf meine bevorstehenden Trip nach Den Haag am Wochenende, auf den ich mich nun nach sechs Wochen Reisepause riesig freue.

Und es wäre ja auch einfach nur schade, wenn man vor lauter Reisen die schönen Dinge vor der eigenen Haustür nicht genießen könnte, wie ich es jetzt in meinen Reiseauszeiten liebend gerne tue.

Und wenn dich auf Reisen der Travel-Blues überkommt?

Bist du gerade auf einer längeren Reise und dir kommen die Symptome irgendwie bekannt vor? Fühlt du dich auch reisemüde? Dann schalt einen ganz zurück. Nimm dir mehr Zeit an den einzelnen Orten oder verbringe gar mehrere Wochen an einem einzigen Ort, mache ganz alltägliche Dinge, die du auch zu Hause gerne machst wie Kinobesuche, Sport oder Kochen (wenn möglich) und nimm dir Zeit, deine bisherigen Erlebnisse zu verarbeiten.

Und wenn es ganz schlimm ist: Leg doch einfach während deiner (Welt)Reise einen mehrwöchigen Heimatstopp ein. So sammelst du wieder neue Energie und hast wieder richtig Bock auf deine Weiterreise. Wichtig ist, dass DU dich gut fühlst und es sich für DICH richtig anfühlt.

Reisemüde? Wie siehst du das? Wärst (oder bist) du am liebsten die ganze Zeit auf Reisen oder brauchst du wie ich regelmäßige Pausen?

PS: Vielleicht scheinen meine Gedanken für den ein oder anderen das absolute Luxusproblem zu sein. Sind sie auch! Ich wollte euch aber einfach daran teilhaben lassen und bin super gespannt auf eure Meinungen. Vielleicht zeigen sie aber auch, dass jeder Lebensstil seine Vor- und Nachteile hat – auch wenn man sie anfangs nicht sieht oder sehen möchte. Und bei mir hat es einige Zeit gedauert mir einzugestehen, dass ich nicht zum Dauerreisen gemacht bin und dass die Mischung aus Reisen und Abenteuern vor der Haustür, die sich auch auf meinem Blog widerspiegelt für mich einfach am Schönsten ist und nicht bloß eine Notlösung für eine begrenzte Zahl an Urlaubstagen.

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14 Kommentare

  • Ich verstehe dich da gut – manchmal denke ich auch „Du erlebst so viele Dinge und bei manchen davon kannst du einfach nicht mehr so dankbar sein dafür wie früher“ … während andere bei meinen Geschichten noch stauenen und „WOW“ sagen bin ich sogar müde geworden davon zu berichten und immer und immer wieder das gleiche zu erzählen…

    Aber zwischendurch gibt es immer wieder Erlebnisse bei denen ich denke „JA,genau deswegen mache ich das alles“

    Lg Mel

  • Ich kann deine Gedanken und dein „Luxusprobelm“ sehr gut nachvollziehe. Früher dachte ich immer – schade, dass ich nicht mal ein halbes Jahr Travel & Work gemacht habe – oder habe oft überlegt ob ich mal ein Sabbatical mit einer großen Weltreise machen soll. Aber irgendwie nutzt sich das mit den neuen Eindrücken auch ab und ich glaube, öfter im Jahr verreisen und dort auch mal ein paar Entspannungstage an Pool und Strand einlegen ist mehr mein Ding. Dann freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind darauf, plane wochenlang auf den Trip hin, genieße das dann erfüllte Fernweh und lasse die Eindrücke auf mich prasseln. Das heißt nicht, dass ich nicht mal ein Sabbatical oder so machen würde – aber dann vielleicht eher mal einen Monat oder länger an einem Platz leben um dort so richtig einzutauchen. Daher wäre für mich das Leben als digitale Nomadin auch nichts, ich brauche doch meinen festen Ankerpunkt, mein Zuhause und meinen Freundeskreis um das Erlebte zu verarbeiten und zu erzählen. Liebe Grüße *thea

  • Ohja, das kenne ich! In 2014 war ich bspw. jedes Wochenende im September unterwegs. Jede Kurzreise war super und sie waren sehr unterschiedlich, aber das hat dazu geführt, dass ich Ende 2014 gar keine Lust mehr aufs Reisen hatte. Daher lege ich jetzt regelmäßig Pausen ein und stopfe meinen Reiseplan nicht mehr so voll.

    Liebste Grüße
    Jessi

    • Danke für diesen Artikel!
      Er beschreibt meine momentane Gefühlslage perfekt. Ich liebe Abenteuer und reisen, kann aber die ganzen Highlights nicht mehr so schätzen wie am Anfang meiner Reise durch Lateinamerika, vermisse meine Heimat und kann es kaum erwarten wieder nach Hause zu kommen. Ja selbst die Arbeit fehlt mir!
      Schön zu hören, dass es nicht nur mir so geht.

  • Ach ich kann dich total gut verstehen. Mir steht mein Sabbatjahr und damit 14 Monate Reisen bevor. Ich bin gespannt, wie es mir dann gehen wird. Deine Tipps behalte ich schon mal im Kopf ;-)

    Liebe Grüße
    Nadine

  • Ja, das kommt mir bekannt vor, auch wenn ich lange nicht so viel unterwegs bin wie du. Aber einige Fern-, Europa- und Städtetrip später, beginnt bei mir inzwischen auch oft das Vergleichen neuer Orte mit meinen Lieblingszielen. Man wird insgesamt schwieriger zu beeindrucken. Ich muss mich dann öfter mal selbst daran erinnern, dass andere Leute verdammt dankbar sein würden, wenn sie so eine Reise überhaupt machen könnten und dass ein wenig mehr Dankbarkeit schon angemessen wäre, anstatt darüber nachzudenken, dass es damals an dem und dem Ort aber viel sonniger, beeindruckender, kulturell interessanter oder sonstwas war. Dabei könnte man die Reise viel mehr genießen, wenn man einfach akzeptieren würde, dass zB Kanada nunmal nicht Hawaii ist und es im Hochgebirge auch mal kühl und regnerisch sein kann, dafür aber grandiose Fotos von mordorähnlichen Berglandschaften entstehen. Bei mir ist im Allgemeinen wirklich nach 3 Wochen Fernreise der Reiseakku so aufgebraucht, dass ich wirklich nach Hause möchte, um die Eindrücke erstmal zu verarbeiten, Fotos zu sichten und sich an dem Erlebten zu erfreuen. Aber das Reisefieber kehrt auch bei mir immer ganz schnell zurück nach einer Reise, nach unserer Kanadareise im Juli freue ich mich nun schon wahnsinnig auf einen Städtetrip nach Kopenhagen im Oktober und Südafrika im November :-) Liebe Grüße und weiterhin frohes Reisen, Marike

  • Das kann ich gut verstehen. Irgendwann hat man einfach mal so einen Punkt erreicht und dafür muss man noch nicht mal viel und lange am Stück verreisen. Aber dafür hat man ja seinen regulären Job, damit man schnell doch wieder verreisen möchte :)

    Liebe Grüße
    Christian

  • Hallo Jana! Die Welt genießen heißt ja nicht nur, ständig auf Reisen zu sein. Wenn einem danach ist, ist es doch super, längere Zeit am selben Ort zu verbringen. Es geht schließlich drum, zu tun was einem Spaß macht und nicht, möglichst viel unterwegs zu sein. Dann wäre es nicht mehr Freiheit, sondern Verpflichtung.
    Viele Grüße
    Biene

  • Hallo Jana,
    ja, das gehört eben zum Reisen einfach dazu! Auch ich verspüre ab und an eine gewisse Reisemüdigkeit.
    trotzdem habe ich mich dazu entschlossen auch meinen eigenen reiseblog zu gründen und über meine Reisen zu schreiben.

    Viele Grüße,
    die Reisefanatikerin

  • Ein sehr sehr schöner Beitrag! Ich dachte auch immer man kann doch nicht reisemüde sein, inzwischen denke ich aber auch etwas anders. Ich glaube, manchmal ist es einfach zu viel. Zu viele Eindrücke, zu viele Fotos, zu viel darüber auf dem Blog und in Social Media schreiben, zu viel Planung. Dann mache ich eine Zeit lang Pause und verbringe die Zeit mit ganz alltäglichen Dingen wie Kino, Freunde treffen usw. Und irgendwann will man wieder weg – was erleben :)
    Lg Sabrina von http://www.smilesfromabroad.at

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