Winterwandern mit Baby (in der Trage) – Meine Tipps & Erfahrungen

Winterwandern mit Baby in der Trage -  Meine Tipps & Erfahrungen

Wer gerne wandert und den Winter liebt, wird sich als frischgebackene Eltern unweigerlich die Frage stellen, ob und wenn ja wie das Winterwandern mit Baby möglich ist. Als Mutter eines Sommerbabys kam diese Frage zum Glück zu einem Zeitpunkt, an dem ich mit meinem Baby, dem Draußensein und der damit einhergehenden passenden Kleidung schon ein wenig Erfahrung sammeln konnte.

Nun – nach einem Winter mit Hund und Baby – in dem wir an jedem einzelnen Tag mehrere Stunden gemeinsam draußen in der Natur verbracht haben und ein paar winterlichen Recherchetouren für mein neues Wanderbuch, möchte ich gerne mit euch meine Tipps zum Winterwandern mit Baby teilen. Natürlich ist jedes Baby anders und was für uns funktioniert, muss nicht immer auch für euch das Richtige sein. Aber vielleicht ist der ein oder andere Tipp dabei, den ihr für euch umsetzen könnt. Und wenn es am Ende nur der Impuls ist, es mit dem Winterwandern mit Baby einfach mal zu probieren.

Winterwandern mit Baby in der Trage - Meine Tipps & Erfahrungen

Winterwandern mit Baby – Tipp #1: Trage statt Kraxe oder Kinderwagen

Ich persönlich halte gerade bei Minusgraden das Winterwandern mit Baby in der Trage für die einzige Lösung für „längere“ Wintertouren. Einerseits ist das Schieben eines Kinderwagens generell auf vielen Wanderwegen nicht möglich. Liegen dann noch Schnee und Eis ist dieser noch viel mehr ein Klotz am Bein. Ich muss ehrlicher Weise zugeben, dass ich nicht die große Expertin für Kinderwägen bin, da mein Baby ein totales Tragebaby war und ist und der Kinderwagen nur äußerst selten zum Einsatz kam. Und wenn dann doch, ist er schon bei ein paar Schneeflocken auf dem Boden an seine Grenzen gestoßen. Außerdem hatte ich immer Sorgen, dass mein Kind trotz Fußsack und dicker Kleidung bei längerer Zeit im Freien auskühlen könnte. Mal ganz davon abgesehen, dass das Wandern mit Kinderwagen auf Grund der eingeschränkten Mobilität generell nicht so wirklich prickelnd ist.

Steckt euer Baby während der Winterwanderung in der Trage, bekommt es die ganze Zeit eure Körperwärme ab und kann so in der Regel nicht auskühlen. Ihr könnt noch dazu immer zwischendurch am Nacken überprüfen, ob ihm zu kalt ist. Sogar das Stillen ist mit ein wenig Übung auch in der Trage möglich. Und ihr seid mit der Trage natürlich komplett flexibel, was das Terrain und die Wegwahl angeht.

Winterwandern mit Baby in der Trage - Meine Tipps & Erfahrungen

Tipp #2: Kürzere Touren planen

Was schon für jede normale Wintertour gilt, gilt erst recht für das Wandern mit Baby. Nämlich: in der Kürze liegt beim Winterwandern die Würze. Noch bei der Recherche meines ersten Buchs (52 kleine und große Eskapaden im Harz) habe ich mich bei der Tourenplanung von Wintertouren regelmäßig verschätzt, was die Dauer der Touren angeht. Zum einen, weil man im Winter auf Schnee und Eis ein deutlich langsameres Tempo an den Tag legt, als in den wärmeren Jahreszeiten. Zum anderen, weil man durch die Kälte weniger Pausen macht und so insgesamt auch schneller kaputt wird. Noch dazu sind viele (Nicht-Hundebesitzer) im Winter generell seltener draußen unterwegs und damit auch weniger trainiert. Ist man dann noch dazu mit Baby unterwegs, ist das durch das Zusatzgewicht nicht nur anstrengender, sondern man sollte auch des Baby wegens die Draußenzeit nicht aufs unermessliche ausdehnen. Wer doch längere Touren machen möchte, kann sich ja immer noch Stück für Stück steigern. Ich persönlich plane bei meinen Winterwanderungen immer mit rund 8-10 Kilometern.

Winterwandern mit Baby – Tipp #3: Übung macht den Meister

Was generell für das Wandern mit Trage beziehungsweise das Baby-Tragen im Allgemeinen gilt: Übung macht den Meister – und zwar für Eltern und Kind. Wer sein Baby nur alle paar Wochen mal für eine Wanderung in die Trage packen möchte, wird unter Umständen nicht nur vom Baby Protest ernten. Auch der Körper muss sich wie beim Tragen eines schweren Rucksacks erst langsam an das Zusatzgewicht gewöhnen. Insbesondere das Tragen vor dem Bauch fordert noch einmal andere Muskeln als das Tragen von Gewicht auf dem Rücken. Ich weiß wovon ich spreche, denn mein Baby wiegt mittlerweile deutlich über 10 Kilo. Am besten ist es von Geburt an am Ball zu bleiben und den Trainingseffekt durch das steigende Babygewicht auszunutzen. Mindestens 2-3 Spaziergänge empfehle ich pro Woche auf jeden Fall damit ihr euch an das Tragen gewöhnt.

Tipp #4: Ab welchem Alter Winterwandern mit Baby?

Grundsätzlich werden in den ersten beiden Lebenswochen Spaziergänge von maximal 30 Minuten empfohlen. Danach kann die Dauer pro Woche um 15 Minuten erhöht werden. Bei Minusgraden wäre ich hier persönlich noch ein bisschen vorsichtiger, wobei jeder sein Kind selbst am besten kennt und auch wie Kälte-empfindlich es ist. Ab einem Alter von zwei Monaten können passend angezogene Babys dann mehrere Stunden draußen bleiben. Bei ihnen klappt die Wärmeregulierung auch schon viel besser als bei Neugeborenen.

Natürlich kommt es wie bei allem auf das Kind an und auch ein bisschen darauf, wie viel vom Baby aus der Trage beziehungsweise Jacke (s. Tipp #8) guckt, wie sehr sie also Wind und Wetter ausgesetzt sind. Ich selbst war mit Mini mit circa 3 Monaten einmal bei starkem Wind auf Amrum am Strand spazieren beziehungsweise wandern. Er mochte das in diesem Alter überhaupt noch nicht, mittlerweile, mit 9 Monaten, stört ihn Wind und Wetter dagegen überhaupt nicht mehr.

Winterwandern mit Baby – Tipp #5: Die richtige Trage

Mit Tipps für die richtige Babytrage lassen sich ganze Bücher füllen und es ist schwer hier eine pauschale Empfehlung auszusprechen  – zumal ich nur meine eigenen Erfahrungen kenne und keine ausgebildete Trageberaterin bin. Ich kann euch also nur empfehlen eine Trageberatung zu machen. Das habe ich selbst gemacht, als Mini circa 4 Monate alt war. Zuvor hatten wir ein weiches Tragetuch sowie eine sogenannte Halfbuckle-Trage im Einsatz. Das ist quasi ein Hybrid aus Tuch und „Rucksacktrage“. Sie hat einen festen Bauchgurt und wird dann aber mit Trägern gebunden. Diese Art der Trage ist wie das Tragen im Tuch ab Geburt geeignet, während die Babys für eine klassische Babytrage mit Gurten & Schnallen erst ein gewisses Gewicht benötigen und sie für zarte Neugeborene auch meist zu starr und unnachgiebig ist.

Draußen waren wir bis dato mit der Limas Halfbuckle, die mir jedoch mit steigendem Gewicht von Mini zu unbequem wurde. Außerdem empfand ich das Binden der Trage mit den langen Trägern zum Beispiel auf schmutzigen Parkplätzen als sehr nervig. Danach sind wir auf eine Ruckeli Slim umgestiegen, die sich während der Beratung mit ihrer sanften Polsterung einfach gut angefühlt hat. Diese haben wir bis heute täglich im Einsatz.

Als Alternative zur Ruckeli habe ich auch die Limas Fullbuckle getestet, die mir persönlich zu starr und dick gepolstert war sowie eine Trage von Sandiia, die ich als unbequem und schlecht gefedert empfand (auch wenn sie natürlich sehr schön ist). Da Mini inzwischen die maximale Stegbreite der Ruckeli-Trage erreicht hat, überlege ich in Zukunft auf eine Toddler-Trage für Kleinkinder umzusteigen. Das wäre für mich auch der ideale Tipp zum Winterwandern mit Kleinkind.

Tipp #6: Die richtige Kleidung fürs Baby

Ich bin ein großer Wollwalk-Fan – vor allem wegen seiner wärmeregulierenden Eigenschaften. Wollwalk ist ein Stoff aus reiner Schurwolle, der unter dem Einfluss von Wasser, Wärme und Reibung kontrolliert verfilzt wird. Dadurch wird er besonders dehnungs- und scheuerbeständig. Ist es kalt, hält ein Wollwalk-Anzug konstant warm, ist es wärmer, sorgt er dafür, dass der Körper nicht überhitzt.

Auch wenn das individuelle Temperaturempfinden von Baby zu Baby unterschiedlich ist, sagt man, dass ein Wollwalk-Anzug ideal ist bei Temperaturen von -15 bis +12 Grad. Der Anzug wird wie ein klassischer Schneeanzug über der normalen Kleidung des Babys getragen. Wir haben im Winter über dem Langarmbody einen dünnen Pullover sowie eine Strickhose an. An den Füßen trägt Mini (nur draußen) Socken und dünne Merino-Wollschuhe. Mütze und Halstuch werden draußen natürlich auch angezogen. Ist es besonders kalt kann man auch zusätzlich noch eine Strumpfhose drunter ziehen.

Winterwandern mit Baby – Tipp #7: Eine Tragejacke macht den Unterschied

Auch wenn der Wollwalk-Anzug bis -15 Grad zum Einsatz kommen kann, bin ich persönlich froh, dass ich unser Baby insbesondere bei Minusgraden zusätzlich unter meiner Tragejacke habe. Eine Tragejacke ist eine Jacke mit einem Einsatz für das Baby. In der Regel ist dieser vorne und wird einfach in den bestehenden Reißverschluss eingesetzt. Es gibt auch universelle Trageeinsätze für eure normalen Jacken. Dadurch, dass das Baby mit unter der Jacke steckt, ist es nicht nur extra wind- und wettergeschützt, sondern ihr habt auch einfach eine gute Kontrolle ob es ihm zu kalt oder warm ist.

In der Regel gilt: Ist euch warm, ist auch dem Baby warm und umgekehrt. Durch die Eigenschaften  des Wollwalks kann es auch nicht überhitzen. Ich besitze zwei Tragejacken, eine Regenjacke und eine Winterjacke, die bei mir täglich im Einsatz sind. Positiver Nebeneffekt: Man kann das (ein-)schlafende Baby wunderbar von äußeren Einflüssen abschirmen und den Kopf stützen. Wichtig ist hierbei, dass das Kind noch gut Luft bekommt. Falls ihr einen Schal benötigt, solltet ihr selbst. nur einen schmalen, dünnen Schlauchschal anziehen.

Meine Tragejacken sind von Seraphine Maternity und sind so geschnitten, dass sie auch schon in der Schwangerschaft zum Einsatz kommen können. Ich trage meine aber auch so ohne Einsatz gern.

Tipp #8: Bauch- oder Rückentragen?

Ich habe unser Baby trotz 10 Kilo Körpergewicht im Winter ausschließlich vor dem Bauch getragen. So hatte ich einfach das beste Gefühl, ob ihm vielleicht zu kalt sein könnte und konnte ihn bei einsetzendem Regen oder Schneefall besser abschirmen. Mal abgesehen davon, dass ich keine Jacke besitze, die einen Rückentrageeinsatz hat. Wer so eine Jacke besitzt und mit einer zweiten Person wandert, die mal nach dem Baby gucken kann, spricht prinzipiell nichts gegen das Rückentragen.

Winterwandern mit Baby – Tipp #9: Verpflegung & Gepäck für Wintertouren

Wie bei jeder „normalen“ Wintertour habe ich auch bei Winterwanderungen mit Baby immer eine Flasche mit heißem Tee und ein, zwei Riegel dabei. Für das Baby gehört natürlich auch immer das normale Programm (Wickeltasche, Wechselkleidung und bei nicht gestillten Kindern Fläschchenzubehör sowie gegebenenfalls Snacks) ins Gepäck. Ansonsten halte ich das Gepäck so leicht wie möglich – insbesondere wenn ich alleine unterwegs bin.

Winterwandern mit Baby in der Trage - Meine Tipps & Erfahrungen

Tipp #10: Pausen (im Warmen) einplanen

Nicht nur um das längere Tragen angenehmer zu machen, sondern auch für Still- und Wickelpause lohnt es sich schon von vorneherein eine Tour mit Einkehr (in der Mitte) zu planen. Bei mir persönlich liegt die Schmerzgrenze fürs Tragen bei circa eineinhalb Stunden am Stück. Nach einer Pause geht es dann aber erneut gut noch einmal eine bis eineinhalb Stunden. Stillen oder Fläschchen geben geht meiner Meinung nach zur Not auch draußen, aber Wickeln möchte ich mein Kind nicht bei Wintertemperaturen.

Winterwandern mit Baby in der Trage - Meine Tipps & Erfahrungen

Habt ihr noch weitere Tipps oder Fragen zum Winterwandern mit Baby in der Trage? Dann lasst uns gerne in den Kommentaren dazu austauschen!

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