Zum Faltegartenköpfl: Schneeschuhwandern in den Stubaier Alpen

Schneeschuhwandern ist wie Meditation. Während wir durch den tiefen Schnee stapfen, ist nur das Knirschen unter unseren Füßen zu hören. Unsere Wanderung führt uns durch die Stubaier Alpen oberhalb von Ötz vom Sattele zum Faltgartenköpfl (2184 m) und über die Feldringalm zurück. Die einfache Tour führt durch dichte Wälder, bietet tolle Ausblicke zu den höchsten Gipfeln der Stubaier- und Ötztaler Alpen – besonders zum Acherkogel, dem nördlichsten Dreitausender Tirols – und mit der Feldringalm eine gute Einkehrmöglichkeit mit herrlicher Sonnenterrasse.

Vom Sattele folgen wir zunächst dem eher langweiligen Weg entlang der Rodelbahn Richtung Feldringalm. Nach etwa 800 Metern nehmen wir rechts die Abzweigung nach Osten und folgen den Schneespuren durch Wald. Steil geht es nun durch den Wald bergauf, immer den Spuren folgend, die unsere Vorgänger im tiefen Schnee hinterlassen haben. An einer Lichtung legen wir die erste Pause ein und genießen die Sonnenstrahlen, die uns in den dicken Skiklamotten schnell schwitzen lassen.

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Weiter geht es in gleichbleibender Richtung bis zu den ersten freien Flächen der Feldringer Böden. Die Hochebene gibt einen phänomenalen Blick auf die umliegenden Berggipfel der Stubaier- und Ötztaler Alpen frei. Nach kurzer Zeit ist rechter Hand der Gipfelaufbau des Faltegartenköpfls zu sehen.

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Als ich wiederholt bis zu der Hüfte im Schnee versinke (und das trotz der Schneeschuhe!), bin ich zum ersten Mal wirklich froh, dass ich selbige trage. Bislang hatte ich sie eher für eine Erfindung der Wintersportindustrie gehalten um eine gemütlichere Alternative zu Skiern verkaufen zu können, aber wenn man erstmal bis zum Bauch im Schnee steckt, dann machen die „Klumpen unter den Füßen“ tatsächlich Sinn. Und das beste daran: man ist völlig unabhängig von den Winterwanderwegen und kann einfach drauflos querfeldein durch die unberührte Schneelandschaft laufen. Unser Guide Raimund legt einen ganz schönen Schritt vor, denn dunkle Wolken kommen auf und verheißen nichts gutes. Eine halbe Stunde sei es noch bis zum Gipfel schätzt er. Umkehren kommt für mich nicht in Frage und so beeilen wir uns noch vor dem schlechten Wetter am Gipfel zu sein.

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Der einfachste Weg auf das Faltegartenköpfl führt durch die weite Mulde am Gipfel zunächst vorbei und schließlich über eine kurze Steilstufe vom Rücken kommend zum Gipfelkreuz. So erspart man sich eine kurze Kletterpartie und kann auf relativ breiten Wegen zum Gipfel gelangen. Auf dem Grad ist für ein kurzes Stück Schwindelfreiheit gefragt, denn es geht rechts und links des Weges steil nach unten. Aber in den dicken Schneeschuhen hat man bestens Halt.

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Der Abstecher auf das Faltegartenköpfl lohnt sich auf jeden Fall – alleine schon wegen der phantastischen Aussicht, die sich von dort oben bietet. Und auch das Wetter meint es gut mit uns. Die dunklen Wolken haben sich verzogen und geben uns den blauen Himmel und die Sonne zurück.

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Nach einer kurzen Pause am Gipfel folgen wir zunächst dem Weg zurück auf den Feldringer Böden. Dann halten wir uns rechts am Waldrand. Immer wieder überholen uns Skifahrer, denn die Tour ist eine beliebte und einfache Skitouren-Strecke. Noch dazu ist sie ziemlich lavinensicher. Und spätestens jetzt bereue ich, dass es um meine Skikünste nicht besser bestellt ist. Während ich mich im Tiefschnee abmühe, der mich regelmäßig bis zum Bauch begräbt, fahren die Skifahrer locker leicht durch den unberührten Schnee an uns vorbei. Memo an mich: besser Skifahren lernen, damit ich bereit bin für den Tiefschnee.

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Als wir auf den Winterwanderweg treffen, halten wir uns rechts nach Nordwesten und gelangen durch ein kurzes Waldstück zur Feldringalm. Wir haben noch keine sieben Kilometer hinter uns und trotzdem sind meine Beine schwer und müde. Schneeschuhwandern sollte man tatsächlich nicht unterschätzen und lässt sich nicht mit normalem Wandern vergleichen. Rund drei Stunden haben wir bis hierher gebraucht – wahrscheinlich noch länger, weil ich alle paar Meter anhalten und fotografieren musste. Dadurch dass die Alm fernab der Pisten liegt, treffen wir dort nur ein paar Skitourengänger und Familien. Gemütlich sitzen wir in der Sonne, genießen die Aussicht und lassen es uns gut gehen. Und ich bin sicher, das ist auch ein wichtiger Teil der Faszination Wintersport, die mich so langsam voll und ganz in ihren Bann zieht.

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Unbemerkt schließt sich die Wolkendecke und es wird Zeit zu gehen. Von der Alm führt der Weg entlang der Naturrodelbahn zurück zum Sattele. Wer es spaßiger mag (oder wem die Füße schmerzen öhhhmmm) der mietet sich für drei Euro in der Hütte einen Schlitten und saust einfach hinab ins Tal. Die Schneeschuhe einfach auf den Rucksack schnallen und ab geht´s!

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Nachwandern

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz am Sattele, 1.690m – direkt am Übergang von Haiming (Haiminger Berg) nach Kühtai (Ochsengarten). Die Gehzeit beträgt drei bis vier Stunden und es müssen auf den 7,5 Kilometern Weglänge rund 500 Höhenmeter überwunden werden. Die Tour kann ich auch Schneeschuhneulingen absolut empfehlen (ein bisschen Kondition vorausgesetzt). Wer sich alleine nicht traut, der kann die Tour auch als geführte Wanderung mit Raimund und seinem Team machen. Alle anderen können sich z.B. in Sautens mit Schneeschuhen oder Tourenski ausstatten und auf eigene Faust ziehen.

Habt ihr schon mal eine Schneeschuhtour gemacht? Welche Regionen eignen sich besonders zum Winterwandern? Wo sollte ich mal hinfahren?

Vielen Dank an den Tourismusverband Ötztal für die Einladung auf diese Tour. Und Reimund, ich verspreche dir ich komme wieder, wenn ich besser Skifahren kann…

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