Stand Up Paddling auf der Okertalsperre im Harz

Als ich letzte Woche schon die zweite Nacht in Folge vom Skifahren träumte (und das im August!) wusste ich: ich brauche dringend eine Ersatzbefriedigung um mir die Wartezeit auf den Winter zu verkürzen. Das klingt sicher für den ein oder anderen verrückt, aber ich habe noch nie eine Sportart betrieben, die mich so glücklich macht, wie auf zwei Brettern die Bergwelt zu erkunden. Aber darum soll es ja hier garnicht gehen. Sondern um das Stand Up Paddling – meine neue große Sommerliebe.

Witzigerweise ist sogar eine dämliche Facebook-Anzeige für ein dämliches Netto-billig-SUP-Board schuld, dass ich mich schließlich nach ein paar Tagen hin und her für mein eigenes Board entschied. Natürlich nicht für die billige Netto-Variante, sondern um ein echtes, vernünftiges Board der Marke Simmer Style (alte Hasen in Sachen Windsurfing aus Hawai). Denn was ich in punkto Boardkauf schnell lernte war: wer billig kauft, kauft doppelt.

Stand Up Paddling im UNESCO-Welterbe? Im Harz kein Problem!

Aber auch darum soll es hier gar nicht wirklich gehen, sondern um meine erste „richtige“ Stand Up Paddle-Tour auf der Okertalsperre im Harz, die im wahrsten Sinne wirklich „mindblowing“ war und die letzten Zweifel in mir bezüglich meines neuen Sommersports in raue Harzluft aufgelöst hat.

Nach ein paar Trainingseinheiten auf dem Riedener Waldsee bei Koblenz und dem Kuttelsbacher Teich bei Hahnenklee war ich bereit für Größeres und fand in der Okertalsperre die perfekte Kulisse dafür. Das tiefblaue Wasser in Kombination mit dem Dunkelgrün der Tannen lassen mich sofort an Kanada denken und ich weiß sofort: dieser Ort ist einfach ideal für meine erste kleinere Tour.

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Die erste Euphorie wurde jedoch mal wieder von der typisch deutschen Bürokratie getrübt. An der Anlegestelle der Personenschifffahrt ist „Baden und zu Wasserlassen von Booten verboten um die Schifffahrt nicht zu behindern“ und der Steg des örtlichen Kanuvereins…natürlich abgeschlossen.

Nachdem ich mit meinem 10-Kilo-Board auf dem Rücken schon fast aufgeben wollte, fand ich dann doch unterhalb der Autobrücke Richtung Altenau sowohl einen schattigen Parkplatz als auch einen einfachen Zugang zum Wasser – bei dem tiefen Wasserstand zur Zeit gar nicht so einfach.

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Doch sobald ich mit meinem Board die ersten Paddelschläge in Richtung Harzer Wildnis paddele, sind alle Anfangsschwierigkeiten vergessen. Sogar das mühsame Aufpumpen des Boards, an das ich mich definitiv noch gewöhnen muss (ich versuche es einfach als Teil des Trainings zu sehen), ist schnell in weite Ferne gerückt in Anbetracht der Ruhe und Schönheit um mich herum.

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Statt zur Staumauer paddele ich lieber in Richtung Schulenberg in zwei ruhigere Arme der Talsperre. Ihre Verzweigungen machen sie zum idealen Stand Up Paddling Spot im Harz. Hinter jeder Biegung gibt es etwas Neues zu entdecken und andere Wassersportler (die sich an diesem Morgen auf ein Kanu und drei Badegäste beschränken) – sind ebenso schnell aus dem Blickfeld verschwunden.

Trotz des niedrigen Wasserstands schaffe ich es nicht, die beiden Arme der Talsperre bis zum Ende zu erpaddeln, bevor dann meine Kraft nachlässt und ich glücklich und zufrieden nach etwa 4-5 Kilometern ans Ufer zurück gleite.

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Ein Blick auf die Karte verrät, dass ich bisher nur einen winzigen Teil der Talsperre erkundet habe. Sie erstreckt sich über ein Gebiet von insgesamt 85 Quadratkilometer und eine Umrundung (zu Fuß) schlägt mit ganzen 20 Kilometern zu buche. Ähnlich weit wäre auch eine komplette Umrundung mit dem Stand Up Paddle-Board.

Aber davon bin ich noch weit entfernt. Bis dahin nehme ich mir einfach jeden Seitenarm einzeln vor und suche nach der schönsten Stelle für einen SUP Beach Club. Irgendwie wäre es ja cool, wenn es einen gäbe, aber auf der anderen Seite wäre es dann mit dem einsamen Kanadafeeling auch vorbei.

Stand Up Paddling im Harz

Obwohl es der Harz einige tolle SUP-Spots zu bieten hat (einige davon gehören sogar zum UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserregal), gibt es noch nirgendwo eine Verleihstation für Paddleboards. Auf folgenden Seen und Teichen ist das Stand Up Paddeln aber grundsätzlich erlaubt:

  • Okertalsperre
  • Innerstetalsperre
  • Wendefurther Talsperre
  • Odertalsperre
  • Kelbra Talsperre
  • Badeseen bei Hahnenklee wie der Kuttelsbacher Teich oder der Obere Grumbacher Teich
  • Badeseen bei Clausthal wie: der Ziegenberger Teich, der Prinzenteich, der Semmelwieser Teich, der Obere und Untere Flambacher Teich, der Haderbacher Teich, der Oberer Hahnebalzer Teich, der Hasenbacher Teich, der Pixhaier Teich, der Sumpfteich, der Zechenteiche, der Hüttenteich, die Einersberger Teiche, die Eschenbacher Teiche, der Langeteich, der Langer Teich, der Schröterbacher Teich, der Stadtweger Teich und der Kiefhölzer Teich
  • Bergsee Wiesenbeker Teich in Bad Lauterberg
  • Schalker Teich in Schulenberg
  • Spiegelthaler Teiche in Wildemann

Natürlich sind gerade die kleineren Badeseen vor allem für Anfänger und für ein bisschen Wasserspaß bei heißem Sommerwetter geeignet (dafür lässt sich das SUP-Board aber einfach herrlich zweckentfremden).

Vielleicht eine Orientierungshilfe: sobald es einen Tretbootverleih gibt, Boote erlaubt sind und/oder das Baden gestattet ist, kann man sich auch als Stand Up Paddler in die Fluten stürzen.

Kennst du noch einen tollen SUP-Spot im Harz oder haben sich einige Infos geändert? Dann hinterlasse gerne eine Kommentar, so dass ich diesem Artikel nach und nach weitere Infos hinzufügen kann!

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10 Kommentare

  • Wow, cool! Das will ich auch unbedingt mal machen! Wie schwer ist es auf dem Board das Gleichgewicht zu halten? Die Wasseroberfläche verrät, dass es nicht ganz windstill war. Ist das ein Problem oder plumpst man gar nicht so oft ins Wasser, wie ich gerade denke? 😀
    Auf jeden Fall ein super Tipp für Abenteuer und Urlaub in Deutschland, danke dafür! 🙂

  • Hi Jana,
    wieder ein cooles Abenteuer direkt vor der Haustür. Und klasse Fotos. 👍🏼

    Warst du dort allein unterwegs und hast die Fotos per Selbstauslöser gemacht oder hattest du einen Fotoassistenten dabei? Ich frage mich ja immer, wie du deine tolllen Fotos machst. 😉

    Liebe Grüße aus eem Saarland,
    Katja

    • Danke dir! Das ist immer unterschiedlich – da ich ja mit meiner Family dort war, hatte ich gleich 3 „Fotoassistenten“ 😉 Aber oft reicht auch der Selbstauslöser (wie z.B. kürzlich in Den Haag) LG Jana

  • Die Bilder machen richtig Lust auf mehr. Ich wohne zwar in der Nähe vom Harz aber an der Talsperre war ich noch nie. Es sieht wirklich toll aus, wenn die Sonne das nächste mal lacht, wird ich mir auch mein SUP Board schnappen.
    Danke für den Location Tipp.

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