Skifahren lernen als Erwachsene?! Meine Tipps & Erfahrungen aus 7 Jahren

Skifahren lernen Erwachsene

Ist man je zu alt um etwas zu lernen? Ich finde nicht! Ich bin überzeugt, dass man (fast) alles lernen kann, egal in welchem Alter und egal mit welchen Ausgangsbedingungen. Es gibt doch nichts schlimmeres als Menschen die ewig sagen „Ach ich würde ja so gerne X oder Y machen, aber dafür ist es jetzt zu spät“ – sei es mit 70 endlich die große Reise machen, die man sich schon immer gewünscht hat, mit 80 noch eine neue Sprache zu lernen oder mit 60 mit dem Yoga anzufangen. Oder wie ich mit 30 mit dem Skifahren lernen anzufangen.

Meine persönliche Skigeschichte begann im Januar 2012 – also vor genau sieben Jahren. Ob ich inzwischen Ski fahren kann? Ja – auch wenn ich mich mit schwarzen Pisten immer noch recht schwer tue und auch noch ab und zu einen schlechten Tag habe. Ob es sich gelohnt hat? Auf jeden Fall! Für mich gibt es nichts schöneres im Winter als bei blauem Himmel die Berge hinabzufegen und alleine für dieses Glücksgefühl hat sich jede Mühe gelohnt. Fakt ist aber auch, dass man als Erwachsener definitiv mit mehr Respekt an die Sache dran geht, weil man einfach „mehr mit dem Kopf fährt“ als wie die kleinen Kinder „mit Gefühl und Spaß“. Und so gibt es auch heute noch Momente, in denen mein Kopf dicht macht und ich einfach nur mit schlotternden Knien am Rande einer steilen, vereisten Piste stehe und einfach nur Angst habe. Während mich das Gefühl zu meinen Anfangszeiten noch regelmäßig begleitet hat, ist es heute glücklicherweise sehr selten geworden. Denn was bei mir einfach überwiegt ist der Flow, den man schon an seinem ersten Skitag ein bisschen spürt. Dieses Gefühl, wie das Skifahren sein wird, wenn man es mal kann. Dieses Gefühl was mit jedem Skitag immer stärker wird.

In diesem Blogpost möchte ich dir einen kleinen Einblick in meine bisherigen Skierfahrungen geben, meine Erfolge und Misserfolge teilen und was ich daraus gelernt habe. Und natürlich meine Tipps verraten, die euch helfen können selbst als Erwachsene Skifahren zu lernen. Also auf die Piste, fertig, los!

Skifahren lernen als Erwachsene #1 – Meine ersten Skierfahrungen beim Skilanglauf in Oberhof

Als Kind war ich immer sehr ängstlich, was wohl auch der Grund war, dass ich trotz Skigebieten vor der Nase im Harz nie das Skifahren versucht habe. Später, als meine Freunde immer fleißig in den Skiurlaub fuhren, keimte in mir immer mehr die Idee, doch mal mit dem Skifahren anzufangen. Nach einem Besuch des Biathlon Weltcups in Oberhof 2012 beschloss ich, es zunächst mal mit dem Langlaufen zu probieren. Aber da ich genauso Ski fahren wollte, wie die Athleten beim Biathlon begann ich gleich mit der fortgeschrittenen Technik, die auch andere Skier erfordert: dem Skating. Noch dazu brachte ich es mir quasi selbst mit Hilfe einer Freundin bei. Mehr schlecht als recht schaffte ich es nach zwei Tagen einigermaßen voran zu kommen und sogar meine erste größere Tour zu absolvieren. Am schlimmsten fand ich dabei die Abfahrten und beschloss: Nein, Abfahrt Ski wird wohl nie meine Sportart werden! Danach fuhr ich noch das ein oder andere Mal Langlauf (z.B. im Harz) und besitze seit den Anfängen auch eigene Skating-Ski – aber dann kam doch alles anders.

Zu meinen ersten Langlauf-Erfahrungen in Oberhof

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Skifahren lernen als Erwachsene #2 – Skifahren lernen in zwei Tagen am Wilden Kaiser? (Skitag 1-3)

Als ich Anfang 2013 das Angebot bekam im Rahmen eines zweitägigen Skikurses für (Wieder-)Einsteiger meine ersten Schwünge auf Alpinski am Wilden Kaiser in Tirol zu probieren sah ich es als Wink des Schicksals. Nach dem Motto: „Wenn nicht jetzt wann dann“ oder „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ versuchte ich also das erste Mal mein Glück auf Alpinski. Zusammen mit einem Skilehrer habe ich es tatsächlich geschafft in den zwei Tagen am Ende angstfrei und mit Spaß sogar leichte rote Pisten herunterzukommen. Wenn ich damals gewusst hätte, was für ein langer Weg mir noch bevorstehen würde, bis ich tatsächlich richtig Ski fahren kann.

Fest steht aber: die erste Hürde hatte ich genommen und anders als befürchtet, konnte ich in diesen zwei Tagen schon ganz normale Pisten fahren – wenn auch natürlich in meinem eigenen, langsamen Tempo. Mein größer Erfolg am dritten Tag war dann die Talabfahrt, die ich ganz alleine (wenn auch nicht ganz angstfrei) gemeistert habe.

Mehr zu meinem Skiabenteuer in Söll am Wilden Kaiser

Skifahren lernen als Erwachsene #2 - Skifahren lernen in zwei Tagen am Wilden Kaiser? (Skitag 1-3) 1 Skifahren lernen als Erwachsene #2 - Skifahren lernen in zwei Tagen am Wilden Kaiser? (Skitag 1-3) 2

Skifahren lernen als Erwachsene #3 – Wieder auf den Ski auf der Turracher Höhe (Skitag 4)

Genau ein Jahr später stand ich dann erneut auf den Ski. Und zwar auf der Turracher Höhe, einem ruhigen, eher familiäreren Skigebiet an der Grenze zwischen Kärnten und der Steiermark – perfekt eigentlich für Anfänger wie mich. Bevor es los ging war ich tierisch aufgeregt und hatte die Befürchtungen, dass ich nichts mehr von alle dem können würde, was ich vor einem Jahr gelernt hatte. Doch das Gegenteil war der Fall: durch die Pause hatte sich das Gelernte sogar noch verfestigt und meine Skilehrerin traute mir sogar schon etwas schwierigere Pisten zu. Begonnen hat mein dritter Skitag auf der Turracher Höhe allerdings erst mit einem Anfängerkurs für meinen Freund, der auch noch nie Ski gefahren war. So konnte ich in Ruhe nochmal alle Basics wiederholen ohne direkt nach einem Jahr Pause oben am Abgrund zu stehen mit der Angst alles vergessen zu haben. Am Ende fuhr ich dann noch alleine ein wenig mit der Skilehrerin alleine herum – was super gut klappte und mir ein richtiges Hochgefühl vermittelte.

Mehr zu meinem Winterkurzurlaub am Turracher See

Skifahren lernen als Erwachsene #3 - Wieder auf den Ski auf der Turracher Höhe (Skitag 4)

Skifahren lernen als Erwachsene #4 – Meine erste Skitour auf das Kitzsteinhorn oder auch: der Tiefpunkt (Skitag 5-6)

Was mich eigentlich zum Skifahren gebracht hat ist der Traum eines Tages abseits der Piste Skitouren gehen zu können. Denn eigentlich ist der Pistenrummel so gar nicht das, was ich mit einem perfekten Winterurlaub in Verbindung bringe. Klar machte mir das Skifahren inzwischen Spaß, aber wie viel cooler müsste es sein, wenn man über menschenleere weiße Flächen stampfen kann, Gipfel erobern und im Anschluss ganz cool und easy ins Tal kurven? So zumindest meine Vorstellung. Angetrieben von diesem Traum startete ich meine erste kleine Skitour aufs Kitzsteinhorn. Wegen Schneemangels und meinen Anfängerfähigkeiten im Skifahren fand die Tour am Rand der Piste statt – trotzdem war es ganz cool, weil ich ein Gefühl dafür bekommen konnte, wie meine Skiabenteuer in der Zukunft vielleicht mal aussehen könnten. Die Abfahrt fiel dann am Ende wegen schlechten Wetters (und Kraftmangel meinerseits) aus.

Am nächsten Tag traf ich mich noch einmal meinem Guide Heli zum Gletscherskifahren. Ich weiß nicht ob meine Muskeln noch müde von der Skitour am Tag zuvor waren, ob es an den vielen Menschen lag oder ob Heli und ich einfach nicht gut harmoniert haben. Aber es viel mir an diesem Tag super schwer in Schwung zu kommen und hatte das Gefühl den Erwartungen und Plänen des Skilehrers nicht zu entsprechen. Ich fühlte mich an diesem Tag wie eine Versagerin und auch wenn es gegen Ende doch einigermaßen ging, kam ich an diesem Tag zurück in die Unterkunft zu meinem Freund (der das Skifahren übrigens aus zu großer Angst vor Verletzungen aufgegeben hat) mit den Worten: „Ich weiß nicht, ob ich das Skifahren nicht doch aufgeben sollte…“

Mehr zu meiner Reise nach Zell am See Kaprun

Skifahren lernen als Erwachsene #4 - Meine erste Skitour auf das Kitzsteinhorn oder auch: der Tiefpunkt (Skitag 5-6) Skifahren lernen als Erwachsene #4 - Meine erste Skitour auf das Kitzsteinhorn oder auch: der Tiefpunkt (Skitag 5-6)

Skifahren lernen als Erwachsene #5 – Endlich richtig Ski fahren lernen in Davos (Skitag 7-13)

Soweit kam es nicht: Denn noch war ich nicht bereit das Skifahren aufzugeben. Statt dessen sollte mir ein längerer siebentägiger Skikurs helfen, endlich „richtig“ Skifahren zu lernen. Dieser begann für mich total entspannt: Ich war beruhigt, dass im Anfängerkurs natürlich niemand Erwartungen an mich hatte und ich ganz einfach noch einmal mit den Basics anfangen konnte. Glücklicherweise bestand meine Gruppe zum größten Teil aus Teilnehmerinnen, die schon ein wenig Vorerfahrungen mit dem Skifahren hatten. So konnten wir die Basics ziemlich schnell abschließen und mit den richtigen Pisten beginnen. Die Entscheidung für den längeren Skikurs war das beste, was ich an dieser Stelle hätte machen können. In den ersten 1-3 Tagen merkte ich dann, was es für einen Unterschied Wetter, Tagesform und das ich nenne es mal „Panorama“ ausmachen können. Pisten, die ähnlich flach sind wie die Übunghügel im Tal, kommen einem mit dem entsprechenden Panorama unglaublich steil vor.

Und sobald die Beine erst einmal Zittern und der Kopf dicht macht, ist es auch erst einmal vorbei mit dem Skifahren. Heute weiß ich, wie ich mit solchen Situationen am besten umgehe (nicht zu lange an Steilstücken stehen bleiben, sondern einmal tief durchatmen mit den Gedanken im Kopf „Ich kann das“ und dann beherzt drauflos fahren) und dass sie (jedenfalls für mich) ganz normal sind. Auch das Wetter in Kombination mit unbekannten Pisten kann dazu führen, dass man das Gefühl bekommt, nichts mehr zu können. Gleiches gilt für die eigene Tageform, die sich wirklich stark unterscheiden kann. Den einen Tag ist man noch zuversichtlich, am nächsten Tag will man eigentlich nichts als aufgeben und sich im Spa verkriechen.

Während ich an den ersten zwei Tagen mich noch fragte, wann meine Skischwünge endlich mal so aussehen würden, wie die der Skifahrer, die an mir vorbei sausen, machte es am dritten Tag plötzlich klick. Ich fuhr zum Üben am Nachmittag nach dem Kurs ein und die selbe (blaue) Piste immer und immer wieder. Ich lernte die Piste mit jeder Abfahrt besser kennen, kannte die Kurven, Steilstücke und Tücken und wurde plötzlich immer zuversichtlicher und damit auch schneller. Und ehe ich mich versah, fuhr ich plötzlich richtig Ski. Selbst als ich plötzlich merkte, dass ich auf Grund einer falschen Abbiegung auf einmal eine rote Piste genommen hatte, die wir mit dem Kurs nie gefahren sind und ich darauf hin drei weitere rote Pisten fahren musste um wieder zurück zum Ausgangspunkt zu kommen, blieb ich ruhig und meisterte die Herausforderung.

Fest steht: Meine Woche in Davos hatte definitiv Ups and Downs und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich seit dem „Klick“ nie wieder Angst gehabt hätte. Aber es war der Wendepunkt in meiner Skigeschichte und der Moment, an dem ich ein Skigebiet wirklich erkunden und nicht wie zuvor an einzelnen Pisten üben konnte.

Mehr zu meinem Skikurs in Davos und meine Fortschritte als Videodokumentation

Skifahren lernen als Erwachsene #5 - Endlich richtig Ski fahren lernen in Davos (Skitag 7-13) Skifahren lernen als Erwachsene #5 - Endlich richtig Ski fahren lernen in Davos (Skitag 7-13)

Skifahren lernen als Erwachsene #6 – Weiter gehts nach Laax und meine ersten Freestyle-Versuche?!? (Skitag 14-16)

Für mich als „Skineuling“ waren bzw sind Freesyle, Halfpipe und Co eine ganz andere Welt, in die ich mich normalerweise nie wagen würde. Wenn man das allerdings ganz safe und ohne Angst machen kann – dann warum nicht mal einen Versuche wagen? Das Skigebiet Laax in der Schweiz besitzt eine der ersten Freestyle Acamdemys Europas, also eine Halle, in der man mit Hilfe von Trampolinen, kleinen Halfpipes aus einer Art Kunstrasen sowie riesigen Luftkissen und anderen Attraktionen, die Welt des Freestyles ganz spielerisch erkunden kann. Und so kam es, dass ich mich nur wenige Tage nach meinem Skikurs in Davos während meiner Reise nach Laax nicht nur auf die 235 Pistenkilometer, sondern auch auf meine erste kleine „Minihalfpipe“ wagte. Auf der Piste gab es auch in Laax wieder Höhen und Tiefen, Probleme mit unpassenden Skischuhen (die nicht zu eng aber auch nicht zu weit sein dürfen, gerade wenn man noch Anfänger ist) zum Beispiel, schmale Ziehwege auf denen ich nur schlecht Kurven fahren konnte und zu viel Angst vor „Schuss“ hatte. Aber auch viele Erfolgserlebnisse.

Mehr zu meinen Skierlebnissen in Laax und meinen Fortschritten als Video

Skifahren lernen als Erwachsene #6 - Weiter gehts nach Laax und meine ersten Freestyle-Versuche?!? (Skitag 14-16) Skifahren lernen als Erwachsene #6 - Weiter gehts nach Laax und meine ersten Freestyle-Versuche?!? (Skitag 14-16)

Skifahren lernen als Erwachsene #7 – Skiyoga und erste Tiefschneeerfahrungen in St Moritz (Skitag 17)

Wie man Skifahren mit Yoga kombinieren kann? Genau das habe ich mich vor meinem Trip nach St. Moritz auch gefragt. Danach wie ich das eine je ohne das andere machen konnte. Also zumindest das Skifahren. Mein Guide Sabrina Nussbaum hat mir die Augen geöffnet, dass Yoga on Snow viel mehr ist als nur fancy Yogaposen mit Ski unter den Füßen, sondern ein ganzheitliches Erlebnis. Das beginnt mit der richtigen Atmung auf der Piste und endet beim Sonnengruß, den man auf Ski in einer etwas abgewandelten Form praktiziert. Auch wenn ich den auf der Piste alleine noch nicht praktiziert habe, habe ich dennoch viel gelernt was Ruhe und Gelassenheit beim Skifahren angeht und das Vertrauen in sich selbst – alles Dinge, die mir viel geholfen haben meine gelegentliche Angst vor neuen und steilen Pisten in den Griff zu bekommen. Noch dazu konnte ich im vielen Neuschnee die ersten Tiefschneeerfahrungen machen.

Mehr zum Skiyoga und anderen Wintererlebnissen in St. Moritz (auch als Video)

Skifahren lernen als Erwachsene #7 - Skiyoga und erste Tiefschneeerfahrungen in St Moritz (Skitag 17) Skifahren lernen als Erwachsene #7 - Skiyoga und erste Tiefschneeerfahrungen in St Moritz (Skitag 17)

Skifahren lernen als Erwachsene #8 – Skiroadtrip durchs Salzkammergut (Skitag 18-20)

Eine Saison später, 2017, verschlug es mich für eine kleinen Skiroadtrip ins Salzkammergut in Österreich – im Nachhinein für mich die perfekte Region um mit dem Skifahren anzufangen da die Skigebiete Dachstein West, die Tauplitz und Gaissau-Hintersee als Familienskigebiete mit vielen breiten und leichten Pisten gelten und trotz tollem Panorama nicht das Gefühl von steilen Abgründen aufkommt. Trotzdem gab es genug Herausforderungen: ich habe die ersten schwarzen Pisten gemeistert und meinen ersten fiesen Zusammenstoß überlebt. Mein Knie hat noch Monate danach bei Belastung geschmerzt, aber sonst ist nichts wirklich schlimmes passiert. Neben dem Skifahren durfte ich auch noch einen Blick hinter die Kulissen einer Pistenraupe werfen – eine spannende Erfahrung!

Mehr zu meinem Skiroadtrip durch das Salzkammergut

Skifahren lernen als Erwachsene #8 - Skiroadtrip durchs Salzkammergut (Skitag 18-20) Skifahren lernen als Erwachsene #8 - Skiroadtrip durchs Salzkammergut (Skitag 18-20)

Skifahren lernen als Erwachsene #9 – Jungfrauregion oder auch: zurück in der Schweiz (Skitag 20/21)

Vom Salzkammergut ging es direkt weiter in die Jungfrauregion in der Schweiz. Trotz leichter Schmerzen vom Unfall im Salzkammergut, habe ich neben anderen Winterabenteuern auch zwei Tage auf Skiern verbracht. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie unglaublich die Panoramen in der Schweiz doch sind, aber auch unglaublich beängstigend und nichts für Anfänger, die Probleme mit Höhenangst oder steilen Abfahrten haben! Inzwischen konnte ich aber mit solchen Ängsten gut umgehen und hab mich nicht herunterziehen lassen. Statt dessen habe ich viel an meiner Technik gefeilt, da ich laut unserem Guide noch ein recht „unberechenbarer Skifahrer“ wäre und die Kurven zu sehr erzwingen würde, anstatt „mit dem Flow“ zu gehen. Ich wusste sofort was er meint: mein Problem war, dass ich mir das Schuss fahren (also gerade den Abhang herunter) zu viel Angst gemacht hat und ich zu viel und zu hektisch gedreht habe um schnell die nächste Kurve einzuleiten. So ist das eben beim Skifahren: man lernt nie aus!

Skifahren lernen als Erwachsene #9 - Jungfrauregion oder auch: zurück in der Schweiz (Skitag 20/21) Skifahren lernen als Erwachsene #9 - Jungfrauregion oder auch: zurück in der Schweiz (Skitag 20/21)

Skifahren lernen als Erwachsene #10 – Skitour für Anfänger und wie ich meine eigenen Ski gebaut habe (Skitag 22-24)

Wiederum ein Jahr später, also 2018 ging es dann im Winter nach St Johann im Pongau. Hier habe ich mal wieder eine Skitour gemacht und gemerkt, wie schwierig die super leichten und flexiblen Tourenski im Handling gerade auf vereisten Pisten sind. Ich hatte mal wieder einen „Dramamoment“ bei der Talabfahrt und in mir aktuell nicht sicher, ob ich wirklich Lust habe künftig in die Skitour-Richtung zu gehen. Umso toller war dann der Workshop in dem ich meine eigenen Ski gebaut habe und noch besser der erste Skitag auf diesen. Ich hatte einen richtigen Flow und bin mit meinem Guide einmal quer durchs Skigebiet gebrettert. Meine selbstgebauten Ski sind nicht nur super schön, sondern auch sehr hochwertig und auch schwerer als klassische (Damen)ski. Ich persönlich komme damit sehr gut klar, weil sie dadurch ruhiger und stabiler fahren.

Mehr zu meiner Skitour und meinem Skibauworkshop

Skifahren lernen als Erwachsene #10 - Skitour für Anfänger und wie ich meine eigenen Ski gebaut habe (Skitag 22-24) Skifahren lernen als Erwachsene #10 - Skitour für Anfänger und wie ich meine eigenen Ski gebaut habe (Skitag 22-24)

Skifahren lernen als Erwachsene #11 – Skifahren in Finnland in Vuokatti und Koli (Skitag 25-27)

Ebenfalls 2018 flog ich zum Skifahren nach Finnland. Es war für mich quasi das erste Mal, wo ich auf reinem, tiefen Naturschnee gefahren bin – ein Gefühl, dass wir in den Alpen kaum mehr kennen. Besonders die zwei Tage im Skigebiet Vuokatti waren mit Temperaturen um die -10 bis -20 Grad perfekt, schwieriger wurde es dann in Koli, wo die Bedingungen durch das einsetzende Tauwetter leider alles andere als optimal waren. Und soll ich euch was verraten: ich hab nach der zweiten Abfahrt aufgegeben und mich lieber in den Spa verkrümelt. Heute weiß ich aber: solche „schlechte Tage“ haben die meisten Skifahrer und besonders wenn die Bedingungen so schwierig sind, ist das auch echt kein Drama.

Mehr zu meinen Erlebnissen in Vuokatti und Koli

Skifahren lernen als Erwachsene #11 - Skifahren in Finnland in Vuokatti und Koli (Skitag 25-27) Skifahren lernen als Erwachsene #11 - Skifahren in Finnland in Vuokatti und Koli (Skitag 25-27)

Was ich euch und meinem Skianfänger-Ich heute sagen würde?

Mal abgesehen davon, dass ich mich selbst immer noch als Skianfängerin sehe (nachdem man mir darauf hin immer die schlimmsten und kürzesten Anfängerski im Verleih angedreht hat weiß ich, dass ich sagen muss „Ich fahre sicher rote Pisten“) würde ich jedem raten, der schon immer mal das Skifahren versuchen wollte, aber sich nicht so recht getraut hat, vielleicht weil alle Freunde schon so routinierte Skifahrer sind oder vielleicht, weil es sich nie ergeben hat es zu versuchen. Lasst euch nicht abschrecken von allen Zweiflern und bildet euch ein eigenes Urteil.

Fazit: Meine Tipps zum Skifahren lernen als Erwachsene

  • Auch wenn sich die beiden Sportarten doch sehr unterscheiden hilft ein wenig Langlauferfahrung auf jeden Fall auch in den Anfängen des Skifahrenlernens. Man hat zumindest schon mal „lange Bretter unter den Füßen gehabt“ und kann skaten (ganz praktisch wenn man auf Abfahrtski kurze Steigungen oder Geraden überwinden muss).
  • Ein kurzer Schnupperskikurs (wie bei mir) ist super um zu schauen, ob das Skifahren überhaupt etwas für einen ist. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man viel Geld für einen Skikurs ausgibt und dann erst einmal tagelang am Kinderhang üben muss, bevor man überhaupt mal ein Gefühl dafür bekommen kann, wie es so ist richtig Ski zu fahren. Alternativ geht auch ein Crashkurs in einer Skihalle bei euch um die Ecke.
  • Ein längerer Skikurs von mindestens einer Woche ist meiner Meinung nach unerlässlich um wirklich Skifahren zu lassen. Es braucht einfach die Zeit und Übung, die man in mehren Kurztrips kaum bekommen kann – es sei denn man wohnt in den Bergen (aber dann kann man ja eigentlich auch Ski fahren oder?)
  • Besser zum Anfang sind Skigebiete, die nicht gerade mit ihren atemberaubenden Panoramen werben, den hier wirken selbst einfache, blaue Pisten steiler als anderswo
  • Besonders ängstliche sollten sich überlegen, vielleicht in Skandinavien oder Finnland Skifahren zu lernen – da gibt es sogar noch einfachere, grüne Pisten
  • Wer Skifahren lernen will, sollte unbedingt am Ball bleiben und möglichst mehrere Jahre hintereinander für mehrere Tage Skifahren gehen – nur durch die Regelmäßigkeit verfestigen sich die Fähigkeiten
  • Sucht euch auf jeden Fall zum Skifahren (lernen) möglichst Zeiten, an denen die Skigebiete nicht so voll sind – also vor allem unter der Woche. Besonders gut ist die Woche nach dem 6. Januar, weil da die meisten Leute wieder bei der Arbeit sind.
  • Lieber unterfordern als überfordern: Es ist immer besser zu leichte Pisten zu fahren als zu schwere. Denn nichts ist schlimmer als das Gefühl überfordert zu sein, denn genau dann kommt diese „ängstliche Schockstarre“.
  • Generell habe ich aber auch gemerkt: je schneller ihr fahrt, desto sicherer fahrt ihr und deshalb fahre ich mittlerweile lieber rote als blaue Pisten.
  • Schlechte Tage hat jeder Mal, besonders auf Skiern, und wenn dann Wetter und/oder Bedingungen auch noch schlecht sind… Von solchen Tagen solltet ihr euch auf keinen Fall entmutigen lassen. Wie sagt man so schön: „Bei schönem Wetter kann jeder Ski fahren“? Ich würde eher sagen: „Bei schönem Wetter ist das Skifahren definitiv einfacher.
  • Am besten ist es natürlich, sich für das Skifahren lernen als Erwachsene einen Skibuddy zu suchen, mit dem man es zusammen lernt und dann regelmäßig gemeinsam weiter übt. Denn nichts ist schlimmer als als Anfänger mit einer Gruppe geübter Skifahrer zu fahren und sich ständig überfordert und wie ein Klotz am Bein zu fühlen. Dann im Zweifelsfall lieber alleine für sich üben immer mal irgendwo für Pausen verabreden. Jetzt nach fast 30 Skitagen kann ich mittlerweile gut mit durchschnittlichen Skifahrern mithalten, die Profis lasse ich aber lieber ziehen…
  • Wenn ihr schon ein bisschen dabei seid, lohnt es sich auf jeden Fall eigene Skischuhe zu kaufen. Ich hatte immer ganz viele Probleme mit den Schuhen, die entweder zu schmal oder zu breit für meinen Fuß waren. Daneben war auch das Anziehen mit meinem hohen Spann ein Krampf. Als ich dann eines Tages in ein paar Skischuhe hineinschlüpfte, die sich anfühlten wie Wolken und die noch dazu brandneu waren, habe ich dieses Exemplar nach meinem Skitag kurzer Hand gekauft und diesen Kauf nie bereut.

Fest steht – auch was das Skifahren lernen angeht: Macht auf jeden Fall euer Ding und sag bloß nicht: Das schaffe ich nie! Dafür bin ich zu alt. Oder das lerne ich nicht mehr. Man kann (fast) alles lernen wenn man nur will. Und man muss ja auch kein Profi werden um auf der Piste Spaß zu haben. Wie so oft gilt: der Weg ist das Ziel – auch beim Skifahren lernen.

Ich finde auf jeden Fall es gibt nichts tolleres, als im Winter in den Bergen Ski zu fahren, die Sonne, den Schnee und das Leben zu genießen – übrigens auch das beste Mittel gegen Winterdepression

Wie war das bei dir mit dem Skifahren lernen: hast du vielleicht auch erst als Erwachsener angefangen? Gibt es etwas, was du erst spät gelernt hast und wie sind deine Erfahrungen?

PS: Stefanie vom Gipfelglück-Blog hat auch erst mit 35 mit dem Skifahren lernen angefangen. Ihre Erfahrungen hat sie in 10 Tipps  zum Skifahren lernen zusammengefasst und sogar eine Facebook Gruppe für Skianfänger gegründet!

PPS. Kennst du schon meine Skiurlaub Essentials für Anfänger?

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22 Kommentare

  • Hallo Jana,
    ich finde es total schön, dass du auch der Meinung ist, dass es nie zu spät ist, etwas Neues zu lernen. Den Wilden Kaiser und die Umgebung liebe ich über alles, schön, dass du dort auch schon warst! :)
    Ich kann nicht Ski-Fahren, aber ich mache im Winter auch selten Urlaub. Deinen Bericht finde ich trotzdem super :)
    Einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag wünsch ich dir,
    Jean

  • Hallo Jana, toller Bericht. Macht Mut.
    Ich habe vor 3 Jahren mit 33 meine ersten Versuche im Abfahrtsski gemacht. Im ersten Jahr noch im Erzgebirge, sind wir die nächsten zwei Jahre nach Österreich. Da wir jedes Jahr nur eine Woche Ski fahren, bin ich auch drei Jahre später erst leicht fortgeschritten. Ich gönne mir aber jedes Jahr am ersten Tag einen Skilehrer. Ich fahre noch sehr kopflastig und muss es, laut meines Mannes „einfach mal laufen lassen“. Ich arbeite dran. In drei Wochen ist es wieder soweit. Auf zum Stubai Gletscher.

    P.S. Mein Sohn hat mit 5 Jahren einen Tag Skischule gehabt und fährt seit dem alles. Er hat keine Angst, Respekt ja, und ruft seiner Mama zu: „Komm Mama du kannst das“. Das ist der Moment wo man sich zwischen Weinen und Lachen entscheiden muss. Meist beides auf einmal.

    • Hi Eileen, danke für deinen lieben Kommentar! Ich finds total super, dass du es noch gewagt hast mit dem Skifahren, es geht ja auch nicht darum zum Profi zu werden, sondern einfach Spaß an der Sache zu haben. Weiter so! Bei mir geht es Freitag nach Davos, nochmal eine Woche Skikurs, ich hoffe danach bin ich soweit, alleine zu fahren. Ich freu mich auf jeden Fall riesig und werde hier berichten! Liebe Grüße, Jana

  • Hallo Eileen,

    Total witzig, ich klicke mich gerade so durch und stoße auf deinen Artikel.

    Ich bin selber gerade 30 geworden und meine Eltern sind nie Skifahren mit mir gegangen.
    Nun haben uns Freunde gefragt, ob wir nicht mit Ihnen nach Sölden fahren wollen um Ostern rum.
    Jetzt stand ich letztes Wochenende das erste mal aufn Skiern ( einmal überhaupt testen ob ich skifahren mag) und was soll ich sagen? Es macht wahnsinnig Spaß.

    Jetzt freu ich mich extrem auf Ostern im Schnee.

    Liebe Grüße
    Sabrina

  • Danke für diesen ausführlichen Bericht. Ich mache mich auch dieses Jahr das erste Mal daran. Bin schon ganz aufgeregt. Bei mir geht es nach Vent Ötztal. Ich hoffe, ich lerne es auch schnell!

  • Hallo! Danke für diesen interessanten Bericht. Mit Skifahren kann man egal im welchen Alter anfangen, Hauptsache man hat dabei Spaß. Lg

  • Hallo und vielen Dank für den informativen Artikel. Skifahren stelle ich mir ähnlich wie Radfahren vor. Ein Mal gerlernt und man kann es im Schlaf. Ich hoffe, dass ich mich in diesem Jahr bei meinen ersten Versuchen gut anstellen und jede Menge Spaß haben werde. VG Gabriele

  • Ich habe gar keine Geduld! Ich will sofort Profi sein, aber es geht nicht so. Vielen Dank für diese Tipps. Ich bin glücklich das, es irgendwie möglich ist, Skifahren in 2 tage zu lernen!

  • Ich stand mit 40 Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Wenn man etwas unbedingt will, dann klappt es auch. Mit 53 habe ich nochmal eine neue Sportart beginnen.
    Man muss sich halt bewusst sein, dass man keine 15 mehr ist und ein wenig sensibler auf den Körper hören. Auch wenn man nie das Level erreichen wird, wie jemand, der jung begonnen hat – der Spaß ist das Wichtigste, nicht der Schwierigkeitsgrad.

    Fred

    • Sehe ich ganz genauso! Mittlerweile bin ich durch regelmäßiges Training oft sicherer unterwegs als Leute, die als Kind Skifahren gelernt und es dann jahrelang nicht gemacht haben :-)

  • Hallo und danke für diesen tollen Beitrag! Ich habe auch Skifahren gelernt, als ich schon fast 30 war, und mein Mann hat es immer noch nicht gemacht! In einigen Wochen fahren wir mit der ganzen Familie auf die Berge und mein Mann und 16-jähriger Sohn können zusammen in die Skischule! Mann ist nie zu alt um irgendwas zu lernen, wenn man die Motivation hat! Viele Grüße, Sophie

  • Man ist nie zu alt, um Spaß zu haben! Ich mag es wirklich, dass du gesagt hast, du sollst dir nie einreden, dass du es nicht kannst. Es braucht etwas Übung, aber jeder kann Ski fahren.

  • Ich glaube das kann man auch noch ohne weiteres als Erwachsene lernen. ;) Ich wohne zwar direkt an den Alpen und bei uns lernt man das meistens eher schon im Kindergartenalter, aber zum Beispiel konnte meine Oma auch lange nicht Skifahren und hat es erst als Erwachsene gelernt.
    Was mir dann immer etwas Sorgen bereitet (und auf den Pisten echt nervt bzw. gefährlich wird) sind die ganzen Städter, die ohne Skikurs gleich mal auf die Piste rauf wollen. Dann auch gleich noch Talabfahrt usw… Das kommt immer mehr vor (Ausrüstung kostet ja schon genug; da wird am Skikurs gespart) und als Einheimische rümpft man da die Nase. ;)

  • Ich finde es ja mutig, wenn man noch spät das Skifahren lernt! Es lohnt sich aber halt echt auch, wenn man nach einem anstrengenden Tag auf der Skipiste ein schönes Winterpanorama und einen heissen Tee geniessen kann. Es gibt ja auch welche, die trauen sich sogar noch an ein Snowboard! Hut ab.

  • Ich werde dieses Jahr mit meiner Frau zum ersten Mal Skifahren gehen. Sie hat für uns bereits eine Unterkunft und eine Skipauschale gebucht. Danke für Tipp, dass man in einem zweitägigen Kurs bereits das Skifahren lernen kann.

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