Wie die romantische Stadt Porto mein Herz erobert hat

Die zweitgrößte Stadt Portugals hat weit mehr zu bieten als nur breite Sandstände. Porto besticht durch seiner pittoresken Altstadt, die zahlreichen barocken Kirchen und seine malerischen Flusskulisse. Doch Kultur hin oder her, oft sind es doch die kleinen Augenblicke, die eine Stadt besonders machen: die Portweinschiffe, die in der untergehenden Sonne auf den Douro schippern, die Männerrunde, die ihren Lebensabend energetisch debattierend auf einer Parkbank verbringt, die Wäsche die an den Leinen zwischen den engen Häuserschluchten flattert.

Eine Eine Stadt wie Porto in 24 Stunden zu erkunden scheint unmöglich? Wir nehmen die Herausforderung an! Nachdem wir unseren Vormittag mit Entspannung am Strand verbracht haben, steht der Nachmittag nun ganz im Zeichen der Kultur. Bevor wir jedoch zu einem Stadtrundgang aufbrechen, wollen wir nun endlich unser Gepäck loswerden. So schön die übereinandergestapelten Häuser auch aussehen mögen, so anstrengend ist es auch sich in der Stadt zu bewegen. Hoch, runter, hoch runter geht es durch die engen Gassen. Unsere Pension, Monte Sinai, liegt nahe der Altstadt. Sie gehört einem älteren Ehepaar, das kein einziges Wort englisch spricht. Obwohl wir wussten, dass gerade die älteren Portugiesen meist nur portugiesisch sprechen, sind wir zunächst etwas hilflos. Nicht mal „Danke“ und „Bitte“ hatte ich mir vorher eingeprägt. Erst als der Hausherr 16,50 auf einen Zettel schreibt, verstehen wir, dass wir wir zahlen sollen. 16,50 Euro für ein Doppelzimmer in zentraler Lage – das absolute Schnäppchen auf unserer Reise. Wir folgen der Hausherrin den Flur entlang zu unserem Zimmer. Zugegeben, das Doppelbett ist nicht groß und neben dem Bett passt auch nicht viel mehr hinein in den kleinen Raum, aber alles ist sauber, und für eine Nacht völlig ausreichend.

Froh unsere Rucksäcke losgeworden zu sein, treten wir nur ein paar Minuten später wieder auf die Straße. Unsere Stadtbesichtigungstour beginnen wir am Praca de Bathala östlich der Altstadt. Hier steht das romantische Teatro Nacional São João aus dem Jahr 1794, das der Pariser Opéra Garnier nachempfunden ist – nur eines von zahlreichen Theatern der Stadt.

Die mit Azulejos geschmückte Außenfassade der Kirche Igreja de Santo Ildefonso zieht sofort alle Blicke auf ich. Ihr Wände zeigen das Leben des heiligen Schutzpatrons Igrea Santo Ildefonso. Die schöne Kirche aus dem 18. Jahrhundert liegt am nördlichen Rand des Platzes.

Die alten, rumpelnden Straßenbahnen machten Lissabon weltberühmt. Doch Porto zieht nach: Seit 2007 rumpeln nun auch hier wieder die alten Trams – auf nagelneuen Gleisen, aber mit ebensoviel Charme.

Hinter der Igreja de Santo Ildefonso beginnt die Rua Santa Caterina. Die beliebte Einkaufsstraße Portos lockt mit kleinen Boutiquen und Cafés und auch wir sind langsam kaffeedurstig.

Wir finden einen kleinen Tisch im Café Majestic. Das Café ist eigentlich schon eine Institution. 1921 öffnete das luxuriöses Café damals noch unter dem Namen „Elite“ und entworfen vom Architekten João Queirós.  Wo früher politische Debatten abgehalten wurden, sitzen heute Touristen und Einheimische friedlich nebeneinander und genießen in den Nachmitagsstunden eine Tasse Kaffee oder ein Gläschen Portwein. über neue Ideen. Auch wir sammeln bei einem Kaffee neue Energien.

Eigentlich hätten wir auch den ganzen Nachmittag hier sitzen können und das bunte Treiben auf der Einkaufsstraße beobachten können. Langsam macht sich auf der Schlafmangel bemerkbar. Doch die Neugier treibt uns weiter. Von der Rua Santa Caterina biegen wir links in die Rua Formosa. Hier kann man in den Vormittagsstunden den malerischen Stadtmarkt von Bolhão besuchen. An jedem Wochentag hat dieser bis 17 Uhr geöffnet, an Samstagen zu unserem Bedauern jedoch nur bis 13 Uhr.

Am Ende der Straße gelangt man auf den Praça General Humberto, der gemeinsam mit dem Praça da Liberdade im Stadtzentrum einen weiten, offenen Raum bildet. Am nördlichen Kopf des Platzes domniniert der eindruckvolle Bau des Rathauses. Der 1920 begonnene Bau hat zwei große Innenhöfe und eine filigrane Dekoration aus Mamor und Grannit im Inneren. Erst 2009 ist das Gebäude restauriert worden.

Aber nicht nur das Rathaus ist einen Blick wert. Rund um den Platz stehen zahlreiche alte Häuser aus dem 19. Jahrhundert und bilden eine traumhafte Kulisse. Nur Schatten findet man auf dem weiträumigen Platz wenig.

Am südlichen Ende des Platzes halten wir uns nach rechts. Schon von weitem kann man den imposanten Turm Torre dos Clerigos erkennen, den wir jedoch zunächst – im wahrsten Sinnde des Wortes – links liegen lassen. Die Straße führt steil hinauf zum Praça Gomes in dessen Mitte ein mit Löwen verzierter Brunnen zahlreichen Besuchern ein Platz zum verschnaufen bietet.

Am gegenüberliegenden Ende des Platzes steht die Kirche Igreja do Carmo, die ebenfalls mit herrlichen Azulejofliesen verziert ist. Die um 1870 erbaute Kirche ist mit ihrer verspielten spätbarocken Fassade ein herrliches Beispiel für die Rokoko-Architektur in Porto.

Zurück geht es nun zum Torre dos Clerigos. Der 76 hohe Turm ragt wie eine Speerspitze aus der Stadtkulisse heraus und wirkt auf der kleinen Kirche wahnsinnig überdimensioniert. Für 2 Euro kann man Turm sowie Kirche besichtigen. Den Aufstieg empfehle ich jedoch nur halbwegs schwindelfreien Menschen, da man während des Aufstiegs bei den bodentiefen Fenstern nicht selten ein Gitter vermisst.

Doch die fantastische Aussicht entschädigt für alle Mühen und Ängste. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über die Häuser der Stadt bis zum Ozean.

Unten am Flussufer liegt die Altstadt Ribeira, die zum Weltkulturerbe gehört. Trotz einiger Touristen hat sich das Stadtviertel viel von seiner Ursprünglichkeit behalten.

Die Igreja da Misericórdia mit ihrer Barockfassade aus dem 16. Jahrhundert dominiert die Fassade des kleinen Platzes in der Rua de Flores die laut Reiseführer ein wenig an Paris erinnert. Da ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich dort noch nicht war, kann ich das wenig beurteilen. Was ich aber beurteilen kann, ist dass die Straßen in der Riberia eines der schönsten Stadtviertel sind, die ich je besucht habe.

Die Rua Ferreira Borges führt uns hinab in Richtung Fussufer. Vorbei geht es am klassizistischen Palast Palácio da Bolsa, der in den Jahren von 1842 bis 1910 erbaut wurde.

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Die Sonne steht schon verdächtig tief als wir das Douroufer erreichen. Doch bevor wir uns dem „Müßiggang“ hingeben und am Ufer entlangflanieren steht noch das vielleicht eindrucksvollste Gebäude auf dem Programm: die Katedrale Sé. Obwohl die mächige Kirche eigentlich kaum zu übersehen sein müsste, finden wir den direkten Weg zur Sé nicht. Vielleicht gibt es ihn auch nicht – denn die Straßen, die im Reiseführer nebeneinander liegen, können in Wirklichkeit ganz wo anders hinführen. Durch das auf und ab – Porto liegt auf vier Hügeln – ist es nicht immer leicht sich im Straßengewirr zurecht zu finden.

Dank eines freundlichen alten Mannes, der zwar kein Wort Englisch, wohl aber das Wort „Sé“ versteht finden wir den Weg zur Kathedrale dann schließlich. Diese thront  auf einem der Hügel hoch über der Stadt. Auch der Reiseführer spricht von einem Labyrinth aus mittelalterlichen Gässchen und Treppenaufgängen, die hinauf zur Sé führen.

Fast wie eine Festung wirkt der Sakralbau der ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammt. Schon ein Jahrhundert später würde die Kirche jedoch komplett umgebaut und auch im 18. Jahrhundert noch einmal „modernisiert“. Trotz der Verbesserungsmaßnahmen ist die romanische Grundstruktur noch erhalten geblieben.

Auch hier bietet sich wieder einmal ein fantastischer Blick über die Stadt.

Die Ponte Dom Luís I ist heute so etwas wie das Wahrzeichen Portos. Die zweistöckige Eisenbrücke wurde im Jahr 1886 von einem Schüler Gustav Eiffels entworfen und ist heute beliebtes Postkarten- und Fotomotiv. Das obere Stockwerk ist dabei den Fußgängern und der Straßenbahn vorbehalten, im unteren Stockweg passiert der Autoverkehr den Douro. In der traumhaften Abendsonne überqueren wir die riesige Stahlkonstruktion.

Schon der Blick ins Landesinnere lässt vermuten, dass sich nur wenige Flussbiegungen später üppig grüne Weinberge an die Steilhänge rechts und links des Flusses schmiegen.

Am Ende der Brücke angelangt führt eine Seilbahn direkt hinab ins Viertel Vila Nova de Gaia. Wir sparen uns jedoch die 10 Euro und laufen zu Fuß hinab ans Flussufer. Das lohnt sich übrigens nicht nur für den Geldbeutel: auf dem Weg durch die kleinen Gassen hinab, locken immer wieder fantastische Ausblicke auf den Fluss und die gegenüberliegende Ribeira sowie die eindrucksvolle Brücke.

Bei der Strecke die wir inzwischen zu Fuß zurückgelegt haben, ist es ein Wunder, dass wir unsere Füße noch spüren. Das wir uns später nach dem Essen noch verlaufen werden, wussten wir zu dem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht und so spazieren wir am Flussufer entlang vorbei an den bekannten Portweinkeltereien, die sich eine nach der anderen am Flussufer reihen. Im Wasser schippern ruhig die alten Portweinschiffe, die heute nur noch Dekorationszwecken dienen. Eigentlich wollten wir hier noch an einer Portweinverköstigung teilnehmen. Aber da haben wir uns dann doch ein bisschen zu viel für einen Tag vorgenommen. Und so begnügen wir uns mit einem Uferspaziergang, schließlich sind wir beide auch nicht so die Portweinfans.

Nun wird es Zeit, den Rückweg anzutreten und nach einem passenden Restaurant für das Abendessen Ausschau zu halten. Diesmal überqueren wir die Brücke auf der unteren Ebene und gelangen damit direkt zur Uferpromenade Cais de Ribeira. Hier gibt es natürlich ein Restaurant neben dem nächsten – doch nicht gerade in unserer Preisklasse.

An der Uferpromenade ist richtig was los. Neben einige Marktstände nutzen auch ein paar Artisten die Flaniermeile als Bühne. Fast alle Plätze in den Restaurants sind besetzt, schließlich ist Samstag Abend und neben den Touristen sind auch zahlreiche Portugiesen in Ausgehlaune. Im Praca da Ribeira öffnet sich die Altstadt zum Flussufer.

Wer seine Reisekasse schonen und trotzdem hervorragend essen möchte, dem empfehle ich das Churrasqueira do Infante, ein kleines Lokal etwas oberhalb der Uferpromenade in der Rua Mouzinho da Silveira. Tagesgerichte gibt es hier schon ab 5-6 Euro. Insgesamt haben wir für zwei Seebarschgerichte (robalo) mit Wein und Wasser nicht einmal 20 Euro ausgegeben. Das Restaurant ist bei Einheimischen sehr beliebt – neben uns entlarven wir nur ein anderes Pärchen als Touristen. Ein paar Portugieschkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Wir mussten uns mühevoll mit Hilfe des Reiseführers die Speisekarte übersetzten. Aber Essen und Preis waren es definitiv wert.

Nach dem Essen wollen wir einfach nur noch ins Bett. Natürlich passiert was passieren musste: Statt den kurzen Weg durch die Altstadt zu nehmen, möchte ich lieber am Flussufer entlang zum Hotel laufen. Nur leider führt die Straße, die ich zu nehmen gedachte nicht unten am Fluss, sondern oben auf dem Hügel entlang. Und so irren wir fast eine Stunde durch die zum Teil düsteren Stadtviertel, bis wir endlich unser Hotel erreichen und kaputt in unser Bett plumpsen.

Ich gestehe: eigentlich stand Porto gar nicht auf unserer Reiseliste. In neun Tagen Lissabon und die Algarve zu erkunden ist schon knapp genug, aber auch noch Porto besuchen? Letztendlich haben wir es Ryanair zu verdanken – die Flüge nach Porto waren deutlich preiswerter waren als die nach Lissabon – dass die Stadt auf unsere Reiseroute gewandert ist. Trotz der längeren Reiseroute haben wir den Zwischenstopp in Porto nie bereut. Porto hat seinen Platz als ewige Nummer hinter der quirligen Hauptstadt Lissabon meines Erachtens nicht verdient. Und spätestens wenn sich die Abendsonne über dem Dourotal senkt und die Stadt in ein goldenes Licht taucht, bricht das romantische Porto alle Herzen – jedenfalls unsere.

Wie hat dir Porto gefallen? Was sind deine Highlights?

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