Magische Alfama: Verwinkelte Gassen und fantastische Ausblicke

Lissabon ist eine Metropole, daran besteht kein Zweifel. Spätestens beim Anblick von verstopften Straßen, farblosen modernen Bauten und rasenden Menschenmassen wird man unsanft aus seinen romantisierten Fantasien im Kopf auf den Boden der Tatsachen geholt. Doch es gibt sie noch: die verwinkelten Gassen, die trocknende Wäsche in den Häuserschluchten, die melancholische Fadomusik die aus den Häusern dringt. Das labyrintische Gassengewirr der Alfama verkörpert dörfliche Atmosphäre mitten in der Großstadt.

Der Name Alfama stammt von dem arabischen Begriff al-Hama (zu deutsch: „heiße Quellen“) ab, welche bereits im 11. Jahrhundert von arabischen Reisenden gepriesen wurden. Und in der Tat: die Alfama, die sich entlang der Überreste der arabischen Stadtmauer erstreckt, rettet ein Stück der mittelalterlichen, maurischen Atmosphäre bis in die Gegenwart. Durch die engen schmalen Gassen windet sich die berühmte Straßenbahnlinie 28 den Berg hinauf. Wie sich die Straßenbahn nur Zentimeter von den Hauswänden entfernt durch die Alfarma schlängelt ist schon eine Sehenswürdigkeit an sich. Und genau damit Beginnt unsere Erkundungstour: in der Nähe des Praça do Comercio steigen wir in eine der meist chronisch überfüllten gelben Bahnen.

Am Lago da Graça haben wir die Endstation und damit auch den höchsten Punkt erreicht. Wer jetzt denkt es würde den Rest des Weges nur noch bergab gehen, irrt. Immer wieder geht es auf und ab durch die steilen Gassen und so ist ein Start am höchsten Punkt nur vernünftig, wenn man nach drei Stunden Fußmarsch bei der Hitze nicht zusammenbrechen möchte.

Ich habe euch ja bereits von meinem Lieblingswort während unseres Portugaltrips erzählt: Miradouro. Das lieblich klingende Wort kündigt eine ebenso liebliche Sache an, nämlich Ausblicke. Und ich kann von dieses Aussichtspunkten gar nicht genug bekommen. Als erstes lassen wir uns vom Miradouro da Senhora  do Monte verzaubern, welcher sich hinter der gleichnamigen Kirche befindet.

Und schon geht es zum nächsten Aussichtspunkt, dem Miradouro da Graça, hinter der ebenfalls gleichnamigen Kirche. Dieser ist von einem traumhaften Park umgeben und während die Pinien- und Olivenbäume über einem angenehmen Schatten spenden kann man den Blick über die Stadt schweifen lassen. Wir lassen uns verführen und legen hier auf einer schattigen Bank bereits die erste Pause ein – obwohl wir noch nicht einmal richtig mit unserer Tour angefangen haben.

Mit einer Besichtigung der Ingreja de São Vicente de Fora beginnt nun das Kulturprogram. Die Renaissancekirche ist besonders für ihre mit Kachelpaneelen verzierten Kreuzgänge bekannt.

Wir halten uns nach Osten und werden überrascht von dem kleinen Flohmarkt, dem Feira da Landra (zu Deutsch: Diebesmarkt), welcher jeden Dienstag und Samstag die Straße hinter dem Panteão Nacional mit quirlig bunten Plunder und Trödel – und natürlich Menschen – füllt. Angeblich soll der Name ja Programm sein, jedoch kommen wir wohlbehalten und mit sämtlichen Wertsachen, aber jedoch ohne etwas gekauft zu haben (wenn man doch nur eine Möglichkeit gehabt hätte die tollen alten Möbel mit nach Hause zu bekommen) am Panteão Nacional an.

Der imposante Bau des Pantheon Santa Engrácia verschlägt einem dem Atem – man muss sich schon ganz schön weit von den Mauern entfernen, um das ganze Gebäude auf ein Foto zu bekommen. Was von außen schon gigantisch wirkt ist von innen noch um einiges eindrucksvoller. Dank unserer Lissabon Card haben wir freien Eintritt in die heiligen Hallen. Zu Fuß kann man das Gebäude bis zur Kuppel erklimmen. Der Blick von oben in das Kirchenschiff ist gigantisch und nichts für Höhenangstler. Aber auch die Sicht von der Dachterrasse auf die Stadt und das Teijo-Ufer ist unglaublich.

Nach diesem Schlenker geht es den Weg zurück in Richtung des Kastells. Auf der Straße Costa do Castello umrunden wir die Wehrburg aus dem 13. Jahrhundert: Links von uns erheben sich die massiven Mauern, rechts bietet sich immer wieder eine imposanter Aussicht über die Stadt.

Eine Besichtigung der historischen Burganlagen des Castelo de São Jorge verspricht zwar einen atemberaubenden Blick über die Stadt, jedoch entscheiden wir uns in Anbetracht der bisherigen Ausblicke und des überteuerten Eintrittspreises gegen eine Besichtigung der Anlage.

Statt dessen machen wir uns auf den Weg zu dem wohl schönsten Ausblick der Tour. Hinter der unscheinbaren Ingreja de Santa Luzia, verbirgt sich der weniger unscheinbare gleichnamige, mit prächtigsten Bougainvillen geschmückte Miradouro de Santa Luzia. Sitzgelegenheiten laden zum verweilen ein. Auf den schattigen Plätzen lässt es sich prima aushalten.

Bevor es nun hinab durch die Gassen der Alfama geht, kommen wir am Lago das Portas do Sol an einem weiteren Aussichtspunkt vorbei, dem Miradouro das Portas do Sol. Hier genießt auch die Statur Sao Vicente die Aussicht.

Durch die Gassen der Alfama geht es nun bergab. In nur ganz kurzer Zeit haben die Orientierung und damit auch unsere zurechtgelegte Route verloren. Aber vielleicht gehört das auch einfach dazu, im Labyrinth der Alfama. In den Gassen ist die Großstadt plötzlich ganz weit weg. Hier spielen auf den Straßen Fußball (ein Fehlschuss und der Ball rollt hunderte Meter die steile Straße hinab), Frauen unterhalten sich von Fenster zu Fenster und die kleinen Kneipen sind auch an den frühen Mittagsstunden schon gut besucht. Haben wir uns erst einmal verlaufen, sind plötzlich alle Touristen verschwunden. Und schließlich spucke uns die Alfama in der Nähe des Fadomuseums wieder aus. In einem ehemaligen Wasserpumpwerk wird den Besuchern hier heute die Geschichte des berühmten melancholischen portugiesischen Gesangs näher gebracht.

Auf dem Weg zurück ins Stadtzentrum passieren wir die Catedral Sé Partriacal. Diese den romanischen Wehrkirchen Nordfrankreichs nachempfundende Kathedrale wurde an der Stelle errichtet, wo früher eine Moschee stand. Leider haben wir Pech und die Kirche ist für Besichtigungen geschlossen. Damit stehen wir schon zum zweiten Mal hier vor verschlossenen Türen.

Auf einer der Parkbänke vor der Sé beenden wir unseren Spaziergang durch die Alfama mit einem Picknick. Die Route stammt übrigens aus meinem Lonely Planet Reiseführer. Für die zwei Kilometer lange Strecke veranschlagt der Reiseführer 2-3 Stunden. Wir sind weder mit dem einen noch dem anderen hingekommen: diverse Irrwege haben uns einiges an Zeit und Kilometer gekostet, aber schließlich geht es ja genau darum: auch einmal die plattgewalzten Pfade zu verlassen und sich einfach nur treiben lassen. Und wo geht das besser als in den verwinkelten Gassen der Alfama…

Wie macht ihr das eigentlich auf Reisen: Überlegt ihr euch vorher eine feste Route, der ihr folgt oder lasst ihr euch einfach treiben? Wie ist euer Eindruck von der Alfama?

Und noch etwas in eigener Sache: Ich bin von Skyscanner Deutschland zur besten Reisebloggerin 2013 nominiert. Was für eine Ehre, neben so tollen Bloggerinnen ausgewählt worden zu sein, alleine darüber freue ich mich wie ein Schnitzel!! :-) Wenn ihr mich noch glücklicher machen möchtet, dann könnt ihr natürlich gerne hier für mich abstimmen.

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12 Kommentare

  • Danke für deine tollen Lissabon – Impressionen. In knapp 9 Tagen geht es ja auch für mich dahin und ich bin schon richtig gespannt auf Portugal, Lissabon und alles was damit zu tun hat. Leider habe ich in so Großstädten kaum Orientierungssinn, deshalb bringen mir Karten und Touren auch recht wenig. Grob orientier ich mich daran, die tollsten Sachen findet man aber, wenn man sich einfach mal in Tram, Bus oder Whatever setzt und einfach drauf los fährt. Das ging mir in Rom, in Barcelona und auch letztes Jahr in Prag so.

  • Hej Jana

    Wow, so viele bekannte Orte, Gebäude, Dinge … Lisboa ist schon eine der tollsten Städte die ich bis jetzt kennenlernen durfte. Ein wundervoller Bericht!

    Lg, Lea

  • Hach….Deine Fotos machen soooo viel Lust auf Sommer und Wärme. Leider weit entfernt. Ich will jetzt auch sofort nach Lissabon. Da gibts bestimmt wenigstens blauen Himmel. Liebe Grüße!

  • Eine wirklich schöne Stadt, die du auf wunderschönen Bildern festgehalten hast.
    Da wünscht man sich gerade, auch schön in der Sonne sitzen zu können ^^

  • Lissabon hat eine Golden Gate Bridge! :-)
    Hach, wie gerne wäre ich jetzt dort und würde im warmen Sonnenschein aufs Meer blicken…

    Ich plane die Route meist ganz genau, um möglichst viel zu sehen. Würde es aber auch gerne mal ruhiger angehen lassen, klappt nur leider nie…

    Bussi

  • Hallo Jana, Alfama gefällt mir sehr gut, ich liebe solche steilen Dassen mit Treppen :-)
    Bei manchen Reisen plane ich alles auf die Millimeter und Minute, schriftlich am PC und drucke die Tagesabläufe aus, bei Städtereisen lasse uns eher einfach von dem Spontanität treiben…aber be Rundreisen muß alles nach Plan laufen, weil ich echt krank wäre daran, wenn wir irgendwas von den geplanten Sachen nicht sehen könnten. Liebe Grüße

  • Ach tut das gut die liebe Sonne zu sehen, kann Deinen Bildern und Texten nur folgen Lissabon ist wirklich eine sehr schöne Stadt die man besuchen muss.

  • Ach, wie sehr ich diese Stadt liebe! Traumhaft! Die Route ist richtig gut, damit hat man definitiv wirklich alle Highlights der Alfama gesehen! Mit Studentenrabatt ist auch das Castelo einigermaßen bezahlbar (4 Euro) und der Ausblick sowie die ganze Anlage selbst lohnen sich dafür auf jeden Fall :) Gigantische Ausblicke sind eben Lissabons Spezialität :) Nur eine kleine Anmerkung – feira da ladra bedeutet meines Wissen einfach nur Flohmarkt :)

    • Dankeschön :-) Das mit dem Flohmarkt stand so in beiden Reiseführern, denke das ist so ähnlich wie bei uns: Auf dem Flohmarkt gibt ja auch keine Flöhe…der Begriff hat sich sicher mit der Zeit eingebürgert ;-) vermute ich jetzt einfach mal :-D
      Liebe Grüße, Jana

  • Pingback: Belém: Wenn Lissaboner Kultur auf sündhafte Puddingtörtchen trifftSonne & Wolken

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