Herbstwanderung am Regenstein

Eine mittelalterliche Burgruine, Sandhöhlen und eine Mühle aus dem 12. Jahrhundert – der Regenstein nördlich der Stadt Blankenburg am Nordrand des Harzes verspricht ein interessantes Ziel für einen herbstlichen Ausflug zu sein. Ein fünf Kilometer langer Rundwanderweg führt durch den bunten Herbstwald vorbei an allen drei Sehenswürdigkeiten. Bei knapp über Null Grad und nach dem Motto “Erleben statt Herbstblues” starten wir (von meiner Heimatstadt Goslar aus) unseren Ausflug ins benachbarte Bundesland Sachsen-Anhalt.

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Letztes Wochenende stand für mich ein Besuch in der Heimat auf dem Programm. Wer es noch nicht weiß: ich komme aus der schönen Kaiserstadt Goslar am Harz. Dank des Kälteeinbruchs von 20 Grad in nur einer Woche, bin ich natürlich hoffnungslos zu dünn angezogen. Aber anders als in Frankfurt, wo es an diesem Samstag schon den ersten Schnee gab, sind bei uns zumindest Plusgrade und ein paar Sonnenstrahlen gemeldet. Davon sieht man jedoch noch nichts.

Als wir zur Wanderung aufbrechen hängt noch eine dichte Wolkendecke über dem Harz. Unser Auto parken wir am Fuße des Regensteins auf einem großen kostenlosen Parkplatz. Von hier aus geht es sogleich hinein in den Herbstwald. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Herbst noch nie so bunt war wie in diesem Jahr. Er kommt fast einem Indian-Summer gleich.

Wir folgen der Beschilderung in Richtung Regensteinmühle. Diese wurde im 12. Jahrhunderts erbaut und befand sich zu dieser Zeit im Besitz der Regensteiner Grafen. Als Mahl- und Ölmühle wurde sie bis in das 15. Jahrhundert hinein genutzt und verfiel danach langsam. Im 17. und 18. Jahrhundert erfolgte die Integration des Ruinenkomplexes der Regensteinmühle in das Verteidigungssystem der Burg Regenstein. Durch die Preussen wurden die restlichen Bauten der Mühle im Jahre 1758 gesprengt. Im Jahr 1988 bis 1991 begann man mit der Freilegung und Restauration der Ruinen.

Die beiden Wasserräder mit einem Durchmesser von vier beziehungsweise fünf Metern sind Nachbauten, welche aus den originalen Fundstücken rekonstruiert wurden. Die Wassermühle war nicht einfach nur eine Mühle, es war eine komplexe Anlage, mit einem zwei Kilometer langen Mühlgraben, zwei jeweils etwa 20 Meter langen Wasserstollen sowie einigen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Neben den zwei Wasserrädern wurden auch zwei Wasserstollen, ein Wehr, ein Freigerinne sowie die freigelegten Grundmauern teilrekonstruiert. Und gemäß Planung sollen weitere Teile der Mühle Schritt für Schritt wieder hergestellt werden.

Nach der Mühle führt uns unser Weg zu den Sandhölen. Leider ist der Weg nicht immer so gut ausgeschildert und wir verlaufen uns ein paar Mal. Wie gut, dass wir keine lange Wanderung geplant haben und jetzt nicht noch 20 Kilometer vor uns haben.

Gemeinsam mit Wandernavi, iPhone und Karte aus dem Internet finden wir die Sandhöhlen schließlich doch. Auf einer großen Waldlichtung sehen wir die großen Sandsteinfelsen, in denen sich zahlreiche kleine Höhlen befinden. Diese Lichtung soll in frühgeschichtlicher Zeit einmal ein Thingplatz der germanischen Urbevölkerung gewesen sein. Ich muss zugeben die Sansteinhöhlen hatte ich mir spannender vorgestellt.

Dann geht der Weg weiter zur Burg Regenstein. Diese hingegen beeindruckt uns völlig. Die Reste der im Jahre 1169 erstmals erwähnten Burg befinden sich auf einem imposanten, knapp 300 Meter hohen exponierten Felssporn. Wer keine Lust auf die kleine Rundwanderung hat, kann von unserem Parkplatz auch direkt in etwa zehn Minuten zur Burgruine gelangen. Auf unserem Weg geht es bergauf und bergab bis wir den Eingang zum Burggelände erreichen.

Der Eintritt für die Burgruine kostet drei Euro (Studenten: 1,50). Dafür kann man sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen, bekommt einen kleinen Faltplan und eine atemberaubende Sicht auf das Regensteingebiet. Ein guter Deal wie ich finde.

Besonders an der Burgruine ist ihre aus dem Sandstein herausgearbeitete Architektur. Die heute noch erhaltenen 32 Felsräumen und Gräben können größtenteils besichtigt werden. Ein bisschen Vorstellungskraft braucht es jedoch schon um Küche, Schlafgemächer und Wohnräume auch als solche zu identifizieren. Neben den Höhlenräumen wies die Burg noch zahlreiche Gebäude, vier Toranlagen und sieben Türme auf. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert.

Der Regenstein war vom 12. bis 15. Jahrhundert Herrschaftsmittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft, deren Machtbereich große Teile des Nordharzes und des Vorlandes umfasst. Mitte des 15. Jahrhunderts ist der Regenstein zugunsten Blankenburgs und Derenburgs aufgegeben worden. Bei der Tragweite wundert es uns fast ein wenig, warum wir vorher noch nichts von der Burg gehört haben.

Besonders toll – ihr kennt mich ja – war für mich natürlich der Ausblick. Auch wenn die Sicht an diesem Tag nicht den versprochenen 50 Kilometern entspricht, ist der Blick über die bunten Herbstwälder fantastisch. Und zu unserer großen Freude lässt sich sogar die Sonne über dem Regenstein blicken.

Waldluft macht ja bekanntlich hungrig und es wird Zeit für uns nach Blankenburg zu fahren. Was Buddha in der Harzstadt zu suchen hat und was es dort sonst noch so alles zu sehen gibt, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal.

Was tut ihr gegen den Herbstblues?

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6 Kommentare

  • Wunderschöne Impressionen. Jetzt weiss ich gar nicht was schöner ist, die tolle herbstliche Landschaft oder dein rotes Jäckchen ;-) Voll süss *lach*

    Liebe Grüße
    Kilchen

    PS: Wenn ich vom Heim-Laptop schreibe, bin ich immer schon bei dir eingeloggt *freu*!

  • Kakao trinken!! Äh öhh… wäre meine Antwort gegen den Herbstblues. ;-)
    Tolle Bilder und die bunten Blätter lassen einen wirklich an den Indian Summer denken. Hach, schöööön. Herbstspaziergänge (bei schönem Wetter) sind immer toll.
    Liebe Grüße
    Christina

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