Gili Meno, die Robinson-Crusoe-Insel

Menschenleere Strände, türkiesblaues Wasser, weißer Sand und unberührte Natur machen Gili Meno für die meisten zu der schönsten und idyllischsten der drei Gili-Inseln vor der Küste von Lombok. Selbst in der turbulentesten Hauptsaison geht es hier beschaulich zu. Auf Gili Meno sollte unsere Indonesienreise ihren krönenden aber ruhigen Abschluss finden. Doch was für andere das Paradies, ist uns schon ein bisschen zu ruhig: Menschen, WLAN und kulinarische Highlights vermissen wir dort.

Mit dem Inselshuttleboot verlassen wir am Morgen des 13ten Tags in Indonesien die Insel Gili Trawangan. Wehmütig blicken wir der immer kleiner werdenden Insel hinterher: wir haben dort viel Spaß gehabt und neue Bekanntschaften geknüpft. Unsere Rucksäcke stehen in der Mitte des kleinen Fischerboots. Ich hoffe, dass uns keine größere Welle erwischt, denn dann wäre alles nass, besonders um die Kameraausrüstung ist mir etwas bange. Aber die See ist ruhig und unsere Sachen finden unbeschadet den Weg in den Hafen von Gili Meno. Hafen ist auch hier etwas übertrieben.

Das Boot legt einfach im Sand an. Dort, an der Ostküste, befinden sich die schönsten Strände und auch die meisten Hotels. Wir haben unseres bereits im voraus gebucht. Doch das teuerste Hotel unserer gesamten Balireise enttäuscht uns ziemlich. Auf der Website sah alles noch ganz toll aus: Hölzerne Einrichtung, ein schönes Badezimmer, fantastische Bewertungen und eine freundliche, deutschsprachige Besitzerin hatte uns überzeugt. Doch wir waren weder in Strandnähe, noch hatten wir ein Frühstück im Preis inbegriffen. Die fehlenden Fensterscheiben ließen uns ich sage mal „im Einklang mit der Natur“ leben. WLAN gab es ebenfalls keins, das sollte aber auf der ganzen Insel bleiben. Unser Robinson-Crusoe-Abenteuer startet also zunächst eher enttäuschend und wir wünschen uns sehnlich nach Gili Trawangan zurück.

So schnell geben wir jedoch nicht auf. Der wunderschöne Garten und der nette Besitzer des Hotels stimmen uns versöhnlich. Also schnappen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg zum Strand. Im Restaurant des Hotels Mallia’s Child essen wir erst mal in Ruhe und genießen einen frischen Saft.

Anschließend suchen wir uns am Strand ein schönes Plätzchen. Doch der aufkommende Wind macht uns einen Strich durch die Rechnung. Der Sand peitscht uns ins Gesicht und die schönen Liegen sind den Gästen der Hotels am Strand vorbehalten. Ich ziehe einen Strandspaziergang vor.

Nachdem ich mich nur ein paar Meter von den Bungalow-Anlagen entfernt habe, bin ich plötzlich völlig alleine. Am Strand liegen wunderschöne Muscheln und Korallenstücke und ich beginne zu sammeln. So langsam finde ich an dem ursprünglichen Urlaub gefallen. Ich sammle wie ein kleines Kind Muschel für Muschel. Die hohen Wellen überspülen teilweise den ganzen Sandstrand und ich muss durch knietiefes Wasser warten. Jetzt bloß nicht ausrutschen, denke ich in Anbetracht meiner Kamera um den Hals.

Eines der wenigen Punkte in der Rubrik „Sehenswertes“ im Lonely Planet auf Gili Meno ist die Schildkrötenaufzuchtstation „Turtle Sanctuary“ südlich der Hotels an der Ostküste. Die Aufzuchtstation besteht aus ein paar Tanks und Badewannen direkt am Strand in denen es vor Babyschildkröten nur so wimmelt. Sind diese groß genug werden sie etwa in einem Alter von acht Wochen in die Freiheit entlassen.

Nachdem der Wind unsere Körper überall voller Sand gepustet hat, machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Nach einer Dusche versuche ich mich in Entspannung und lese zum ersten Mal auf dieser Reise ein Buch auf unserer Terrasse.

Doch wer mich kennt weiß: lange halte ich den Entspannungsmodus nicht durch. Also starte ich eine Erkundungstour um die Insel, die man – als kleinste der Gilis – in etwa einer Stunde umrunden kann. Nach hundert Metern auf den staubigen Wegen hätte man sich das Duschen fast sparen können. Auf Gili Meno saubere Füße zu behalten ist schier unmöglich. An der Westküste befindet sich ein kleiner Salzsee und ich mache mich auf die Suche. Der Weg führt mich durch unberührte Natur, Palmenwälder und vorbei an ein paar einsamen Gehöften.

Unterwegs begegne ich nur einem Bauern auf einer Pferdekutsche und ein paar Kindern auf dem Fahrrad. Beinahe hätte ich vor lauter Wildniss den See nicht gefunden. Aber das was ich erst als Küste identifiziert hatte, stellte sich dann doch als der See heraus. Auch hier keine Menschenseele.

Die Nordküste verspricht gute Riffs und Schnorchenmöglichkeiten. Doch an diesem Nachmittag herrscht Ebbe, so dass man ohne Boot nur schlecht in tieferes Gewässer vordringen kann. Da wir uns ungern unsere Füße an den zum Teil scharfen Korallen aufschneiden möchten – mal abgesehen von dem auf das man sonst noch so treten kann – entscheiden wir uns gegen einen Schnorchelausflug. Nur wenige Ressorts befinden sich an der Nordküste. Ich beobachte ein paar ältere Menschen sich bei einer Massage am Strand entspannen.

Unseren Abend möchten wir an der Nordwestküste verbringen. Hier gibt es eine Tauchschule und eine Ansammlung von kleineren Bars und Hotels. Und vor allem eins: den Sonnenuntergang. Und der ist an diesem Tag so atemberaubend, dass er uns alle Widrigkeiten, sogar die horrenden Preise für eine Stunde lahmes Internet vergessen lässt.

Was für ein Tag: erst diesen wundervollen Sonnenaufgang über Gili Trawangan und jetzt dieses beeindruckende Sonnenuntergangsschauspiel auf Gili Meno. Im Dunkeln stolpern wir zurück über die Insel. Hier macht sich die Taschenlampenapp auf meinem iPhone echt bezahlt. Auf der Insel leuchtet nicht ein einziges Licht.

Den nächsten Tag verbringen wir mit Lesen, Essen und Vögel im Garten beobachten. Wir entdecken eine kleine Bar im Nordosten der Insel die uns kühle Getränke und zwei Liegestühle bietet. Der Wind hat nachgelassen und der Himmel ist bedeckt, so dass man es am Strand gut aushalten kann. Am Nachmittag, zurück im Hotelgarten bringt uns der Besitzer eine ganz frische Kokosnuss aus dem Garten vorbei. Abends probieren wir eine kleine, heruntergekommene aber freundliche Bar namens Ya Ya aus und freuen uns schon auf die Zivilisation – denn am nächsten Tag werden wir zurück nach Bali fahren. Kuta lockt mit Internet, Trubel und Fastfood, genau das Richtige also nach zwei Tagen auf Robinson Crusoes Spuren.

Am nächsten Morgen greife ich das erste mal seit drei Tagen wieder zu Mascara und Co. Der Weg zurück in die Zivilisation führt uns zunächst wieder mit dem Shuttleboot nach Gili Trawangan und dann mit dem Speedboat zurück nach Bali. Von dort geht es dann mit dem Taxi nach Kuta (was übrigens im Preis inbegriffen ist).

Auch wenn sich Gili Meno in den vergangenen zwei Tagen von seiner schönsten Seite gezeigt hat, sind wir nicht richtig warm mit ihr geworden. Was für einige der Traum auf Erden ist, fühlte sich für uns ein bisschen so an wie gefangen im Paradies. Nicht dass ihr mich falsch versteht: Ich kann gut ein paar Tage auf Internet und Zivilisation aushalten. Jedoch mangelte es für meinen Geschmack eindeutig an Aktivitäten. Ich bin einfach kein Strand- oder Poollieger und werde es wohl auch nie werden.

Wie ist da bei dir? Gibt es jemanden, dem es ebenso geht wie mir? Oder könntest du gut und gerne eine Woche auf einer einsamen Insel aushalten?

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9 Kommentare

  • Hallo Jana, wir sind auch für Abenteuer und Entdeckung, Ruhe wünschen wir dazwischendurch schon 1-2 Tage, aber dann muß schon wieder was losgehen. Deshalb kann ich z.B. die Malediven mir als Urlaubsziel nicht vorstellen, es wäre mir zu langweilig. Wir haben im Mexiko-Urlaub eine Woche am Weltende rausgesetzt, 200 km vor aller Zivilisation verbracht. Dort war es nach zwei Tagen auch langweilig. Ich mag die Mischung von „Action“ und „relax“. Liebe Grüße, Flögi

  • Strand und Sonnenuntergang sind ja echt ein Traum, aber mehr als zwei Tage würde ich das auch nicht haben wollen. Früher konnte ich sogar zwei Wochen am Strand liegen, lesen und schlafen. Jetzt ist das gar nicht mehr meins. Aber für ein paar wenige Tage wäre das mal eine super Erholung.

    Bussi

  • Hach wirklich ein Traum und die Baby-Schildkröten hätte ich zu gerne gesehen! 😀
    Soo niedlich!
    Bin schon gespannt auf eure letzten Tage in Kuta.

    Liebe Grüße
    Christina

  • Ich kann dich gut verstehen. Als wir auf Rodrigues (neben Mauritius) waren, ging es uns ganz ähnlich. So extrem, dass wir sogar die 7 Tage auf 5 verkürzten und trotzdem schon das Gefühl hatten, jeden Millimeter der Insel gesehen zu haben.
    Keine Frage, sie war traumhaft schön, aber einfach nicht das Richtige für uns in dem Moment.

  • Also ich glaube 2 Tage könnte ich da schon gut aushalten, bzw. mehr weil ich natürlich tauchen gehen würde 😀
    Der Sonnenuntergang ist wirklich grandios, die Wolken! Toll!

    Wo gehts denn nächstes Jahr in SOA hin? Kannst doch nicht nur so kleine Stückchen von Infos ins www schreiben 😉

    LG
    Manuela

  • Mist, das sieht extrem danach aus, als hätte ich ne Menge verpasst, als ich meine ganzen Tage auf Trawangan verbracht habe. Jetzt muß ich nochmal hin und Du bist Schuld 😉

    Cheerz
    lookinforjonny.de

  • Das sind wirklich ganz großartige Fotos, die du da geschossen hast!
    Sie erinnern mich sehr an die kleine Insel Mauritius, die sich ebenfalls im Indischen Ozean befindet. Hier auf Mauritius haben wir auch diese wunderschönen Strände mit dem türkisfarbenen Wasser. Für mich persönlich, wäre eine reiner Strandurlaub auch nichts… Ich mag es verschiedene Möglichkeiten zu haben und genau das findet du auf Mauritius. Obwohl die Insel ebenso recht klein ist, ist sie sehr vielseitig in ihrer Landschaft und somit auch mit dem Angebot an Aktivitäten.
    Hast du schon mal überlegt, auf die Insel Mauritius zu reisen??
    Oder an was denkst du, wenn du an Mauritius denkst? 🙂 Das würde mich interessieren.

    Viele Liebe Grüße aus Mauritius 🙂

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