Reiten am Rio Serrano oder auch: Das Pferdemädchen in mir

Ich erinnere mich noch genau: Ich war 8 und es war mein erster Tag in der Reithalle. Alle meine Freundinnen warne besessen von Pferden, nur an mir war der Trend irgendwie vorbeigegangen. Nach drei Wendy-Gehirnwäschen ließ ich mich schließlich doch überreden und bin mal mitgegangen. Doch meine Pferdefreude endete jäh mit einem ungewollten Galopp in der Reithalle gefolgt von einem durchdrehenden Pferd. Seit dem Tag habe ich um Pferde einen großen Bogen gemacht. Bis heute.

Das Pferdemädchen in mir

Über 20 Jahre nach meinem missglückten ersten Reitversuch bekam mein Pferdemädchen-Ich doch noch ganz unerwartet zu einem Comeback. Schon bei meinem Besuch im Gaucho-Nest San Antonio de Areco mitten in der Pampa Argentiniens keimte der Wunsch in mir wieder mal auf ein Pferd zu steigen. Schließlich gehören Pferde zu Südamerika einfach dazu. Und schließlich geht es hier nicht darum, im Kreis in einer Reithalle zu laufen, sondern in der atemberaubenden Landschaft Patagoniens. Das klingt schon mehr nach meinem Geschmack. Und als ich während meines Aufenthaltes im Hotel Rio Serrano im Süden Chiles unerwartet die Gelegenheit dazu bekam, konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

Als die Stunde der Wahrheit näher rückte wurde ich doch etwas nervös. Was, wenn Pferde und ich einfach nicht zusammenpassen? Doch für Zweifel ist es jetzt zu spät. Und wer sich mit einem Gleitschirm den Berg hinabstürzt oder einen Caynon hinabrutscht, der wird sich ja nicht von einem Pferd einschüchtern lassen.

Ehe ich mich versehe, steht mir schon ein riesiger Gaul gegenüber, der mich heute auf meinem Ausflug an den Rio Serrano begleiten wird. Sein gutmütiger Blick lässt alle Angst vergessen. Nach einem kurzen Annäherungsversuch geht es rein in den Sattel. Gemächlich verlassen wir im Schritttempo das Hotelgelände. Das Rio Serrano liegt knapp außerhalb des Torres del Paine Nationalpark am Ufer des gleichnamigen Flusses. Während wir durch Wiesen und Wälder entlang seines Ufers reiten, bieten sich immer wieder spektakuläre Blicke auf das Torres del Paine Bergmassiv, die man vom Parkinneren niemals haben wird. Sogar die berühmten Torres kann man von hier aus sehen – gute Sicht und keine Wolken vorausgesetzt.

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Ich beginne zu verstehen, warum das Reiten so viele in den Bann zieht. Auf dem Rücken des Pferdes wird man erstaunlich ruhig und entspannt. Es ist wie eine Art Entschleunigungskur. Aber vielleicht liegt es auch nur an meinem Pferd. Denn als ich nachfrage, warum mein Pferd immer das letzte der Gruppe ist, erklärt man mir, dass es sich um das langsamste Pferd im Stall handelt, auf das man sonst meistens Kinder setzt. Na vielen Dank! Wenn ich wolle, dass er schneller wird, solle ich ihn mit den Füßen Signale geben. Leichter gesagt als getan. Lazy boy scheint durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Jedenfalls dachte ich das…

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Auf dem Rückweg sehen wir eine Gruppe Pferde auf der Weide grasen. Sie waren wohl von der Weide ausgebüchst und genossen ihre Freiheit. Als wir näher kommen und unsere Guides die Ausreißer einfangen wollen, beginnen sie plötzlich zu galoppieren. Ich weiß nicht wie das passieren konnte, aber auf einmal fängt auch Lazy boy – ja mein Pferd! – das mich die letzte Stunde im gefühlten Schneckentempo durch die Landschaft getragen hat, an seinen Schritt zu beschleunigen – erst in einen leichten Trab, dann im Gallopp. Mit einem Schlag fühle ich mich zurückversetzt in meine Kindheit.

Doch anscheinend bin nicht mehr der kleine Angsthase, der ich damals war. Denn neben der Angst macht sich auch ein Gefühl von Freiheit in mir breit. Wir rasen über die Wiese, die Ausreißer vorweg, dann ich und der Rest der Gruppe hinterher.

Es dauert nicht lange, da haben die Guides uns eingeholt und Lazy Boy wieder in ein anfängergeeignetes Tempo gedrosselt. Ich bin immer noch voller Adrenalin, als wir den Stall erreichen und kann es nicht erwarten wieder auf ein Pferd zu steigen und durch die Weiten Patagonien zu galoppieren.

Ja, ein bisschen Pferdemädchen steckt wohl doch auch in mir.

Torres del Paine

Das Hotel Rio Serrano

Auch wenn das Hotel Rio Serrano außerhalb des Nationalparks Torres del Paine liegt, heißt das nicht, dass die Landschaft hier weniger schön ist. Weite Wiesen geben den Blick auf das Bergmassiv frei und werden von mystischen Wäldern unterbrochen, die ebenso schön sind wie die im Nationalpark. Das Beste: Viele Zimmer – so auch unseres –  des Hotels bieten erstklassige Panoramablicke auf den Nationalpark. Ich hätte Stunden dasitzen können und einfach nur aus dem Fenster und die Wolken vorbeiziehen sehen können.

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Nach fünf Tagen Wandern und Fertiggerichten, war das Essen im Hotel eine Offenbarung. Eine überschaubare Auswahl an Zutaten wurde zu immer neuen, interessanten Kreationen kombiniert, so dass es auch länger bleibenden Gästen nie langweilig wurde. Das hat sogar mich als Nicht-Buffet-Fan überzeugt. Doch noch mehr als das abendliche Buffet habe ich das liebevoll angerichtete Mittagsmenü genossen. Das Auge isst eben mit und so schön kann ich mir auch das leckerste Buffet auf meinem Teller nicht anrichten. Geht es da noch jemandem so?

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Infos und Preise

Weitere Informationen zum Hotel und dessen Reitangebot sowie Buchungsmöglichkeiten gibt es auf hotelrioserrano.cl. Die Preise für ein Doppelzimmer beginnen übrigens bei 300,- USD. Drei Nächte inklusive Vollverpflegung und Ausflugspaket gibt es ab 1.850,- USD.

Mein Reitabenteuer am Rio Serrano wurde vom Hotel Rio Serrano unterstützt. Meine Meinung ist und bleibt wie immer meine eigene.

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