Valparaíso – Ein Tag im schönsten Durcheinander der Welt

Ich muss zugeben: Städte haben es bei mir schwer. Von unberührten Landschaften lasse ich mich schnell in den Bann ziehen, bei Städten ist das meist anders. Außer bei Valparaíso. Die kleine Stadt liegt nur einen Katzensprung von Santiago entfernt an der Pazifikküste Chiles. Einst war sie Chiles wohl bestgehütetster Geheimtipp, heute seit seiner Ernennung zum Weltkulturerbe der UNESCO im Jahr 2003 absoluter Touristenmagnet. Doch das scheint den Flair der Stadt nicht im geringsten zu stören.

Besonders schön wird es natürlich erst dann, wenn viele Tagestouristen bereits wieder in ihre Busse oder Schiffe gestiegen sind und die Stadt zurück in ihren Alltagstrott verfällt. Wobei selbst der in Valpo, wie die Einheimischen ihre Stadt liebevoll nennen, irgendwie viel entspannter scheint als überall sonst. Deshalb kann ich nur jedem empfehlen, nicht bloß für einen Tagesausflug in die Stadt zu kommen, sondern in mindestens für eine oder zwei Nächte den Flair der Stadt in sich aufzunehmen.

8:00 Uhr – Aufwachen mitten in der Altstadt

Der perfekte Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt ist das Hotel Terranostra, das sich direkt am Fuße des Cerro Concepción und somit im Herzen der historischen Altstadt befindet. Das noch ziemlich neue Boutique Hotel  besticht durch seine modern-minimalistische Einrichtung, die genau meinen Geschmack trifft.

Das reichhaltige Frühstück wird in der Café-Bar im Erdgeschoss serviert. Da Valparaíso an allen drei Tagen die wir dort waren morgens von einem dichten Hochnebel bedeckt war, brauchten wir uns am Morgen mal nicht zu beeilen, sondern konnten in aller Ruhe ausschlafen und das Frühstück genießen.

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10:00 Uhr – Aussichtsbalkon 21 de Mayo

Durch die noch kühle Morgenluft (nach Santiago hatte ich mir Valparaíso irgendwie wärmer vorgestellt) schlendern wir vom Hotel ebenerdig Richtung Hafen. Schon auf den ersten Metern wird klar: Valpo ist ein wahres Mekka für Streetart. Wenn es eine Stadt den Trend?! „shabby chic“ verinnerlicht hat, dann ist es die chilenische Hafenstadt. Ich bin schon auf den ersten Metern verliebt. Okay eigentlich bin ich schon seit dem Vorabend verliebt, an dem wir neben dem Gang zur Wäscherei eigentlich nicht mal wirklich was von der Stadt gesehen haben.

Neben der Streetart ist Valpo aber vor allem für eins bekannt – nämlich seine unzähligen Zahnradbahnen, die einen für kleines Geld ohne Anstrengung auf die unzähligen Hügel der Stadt befördern. Der Ascensor Artilleria zum Beispiel endet am Paseo 21 de Mayo, der die schönste Aussicht auf den Hafen verspricht. Da stört es auch wenig, dass Valpo an diesem wolkenverhangenen Morgen mehr an Hamburg erinnert als an eine bunte chilenische Hafenstadt.

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Von oben merkt man schnell: die hügelige Silhouette von Valparaíso gleicht einem Amphitheater. Fast jedes Haus kann mit traumhaften Blicken aufwarten – sogar die kleinen heruntergekommenen aber sympatischen Wellblechhütten, die der Stadt ihr shabby chickes Aussehen verleihen.

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Nach einer ordentlichen Portion Aussicht geht es zu Fuß wieder hinab und vorbei am Mercado und dem Plaza Justicia zum Ascensor Polanco, der uns auf den nächsten Hügel der Stadt bringt. Dieser sogenannte Cerro Concepción ist gleichzeitig auch der berühmteste, denn hier befinden sich wichtige Teile der Altstadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören.

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11:00 Uhr – Streifzug durch Conzeptión und Alegre

Der beste Plan für einen Streifzug durch Concepción ist keinen Plan zu haben. Denn selbst wenn man den hätte, würde man sich eh nach zwei Kreuzungen in dem Gewirr aus Treppen, Gässchen und Aufzügen verlaufen. Und das ist auch gut so. Hinter jeder Ecke gibt es etwas neues zu entdecken – ein kleiner Shop, ein tolles Graffiti, ein bunt geschmücktes Haus oder eben der nächste sensationelle Ausblick der noch toller zu sein scheint als der letzte. Jetzt wo die Sonne einen großen Teil der Nebelschicht verdrängt hat, sehen die natürlich noch deutlich schöner aus als am Morgen.

Fließend sind die Übergänge zum Cerro Alegre, der sich dahinter ein wenig höher an den Hügel schmiegt. Auch hier gilt: Verlaufen unbedingt erwünscht.

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13:00 Uhr – Die besten Sandwiches der Stadt

Zur Mittagszeit sollte man dann allerdings spätestens mit dem Verlaufen aufhören und sich im La Cocó in der Calle Alegre einfinden. Das gemütliche Café bietet nicht nur die besten Sandwiches der Stadt (ob sie die besten sind, kann ich nicht beurteilen, aber gut sind sie auf jeden Fall) sondern auch hausgemachte Limonaden und eine liebevolle Einrichtung, in der man sich sofort wohl fühlt. Am besten an einem der Tische im kleinen Hinterhof Platz nehmen und den vegetarischen Sandwich mit Ziegenkäse und getrockneten Tomaten bestellen! Yummi!

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14:00 Uhr – Spaziergang auf der Avenida Alemana

Nach dem Essen wird es Zeit für einen Verdauungsspaziergang. Dazu folgt man kurz hinter dem Café der Avenida Alemania, einer langen Panoramastraße, die in Schleifen den Hügel entlang führt. Ganz so anstrengend wie das jetzt klingt ist es eigentlich gar nicht, denn in Alegre hat man bereits die meisten Höhenmeter zurückgelegt und bewegt sich für Valpoverhältnisse fast auf einer Ebene oberhalb der Stadtteile Milaflores, Carcél, La Loma, San Juan de Dios und Yungay bis die wiederaufkeimenden Touristenmassen die Ankunft an der Casa Museo La Sebastiana ankündigen. Es handelt sich um das ehemalige Haus des Dichters Pablo Neruda, das heute ein Museum beherbergt.

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Da das Wetter zu schön für eine Besichtigung und es für eine Kaffee-Pause (im hochgelobten und sicherlich guten Museumscafé) noch zu früh ist, genießen wir auf einer Bank für einen Moment die grandiose Aussicht und setzen dann unseren Stadtrundgang weiter fort.

15:00 Uhr – Abstieg durch Bellavista zum Hafen

Erst beim „Abstieg“ auf Meeresebene merken wir, wie viele Höhenmeter wir inzwischen zurückgelegt haben. Steil geht es hinab durch das Viertel Bellavista, das ähnlich schön wie die vorausgegangen, jedoch deutlich weniger touristisch ist. Nur eins bleibt gleich: ohne Verlaufen geht es auch in diesem Fall nicht.

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Nach einigem Auf und Ab spuckt uns Bellavista am Hafen wieder aus – jedoch deutlich südlicher als am Morgen und bei deutlich schönerem Wetter. Mein Tipp: Von einem Fußgängerüberweg zum Hafen hat man eine tolle Sicht auf die Küste und ein Blick zurück auf die aufgetürmten Häusermassen lohnt sich hier auf jeden Fall auch.

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16:00 Uhr –  Kaffeepause mit Ausblick

Nach diesem ausgiebigen Stadtrundgang wird es Zeit für eine nachmittägliche Kaffeepause. Aber natürlich soll es nicht irgendein Café sein, sondern das beste der Stadt – oder so ähnlich. Schließlich entscheide wir uns für das Café de Iris. Dazu müssen wir allerdings erst einmal zurück auf den Cerro Concepción. Wer noch fit genug ist, kann zu Fuß den kurzen aber knackigen Aufstieg meistern oder eben mit dem Ascensor Concepción fahren.

Direkt an einem der schönsten Aussichtspunkte der Stadt, dem Paseo Atkinson liegt das kleine Café, das neben gutem Kaffee auch eine Vielzahl von Torten und Kuchen (der übrigens auch in Chile Kuchen heißt) anbietet. Die Besitzerin – ich schätze mal Iris – gibt auf Anfrage gerne Auskunft zu den einzelnen Backwaren – mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Spanisch (in meinem Fall) und Englisch (in ihrem Fall). Nur guten Appetit sollte man in Anbetracht der mächtigen Teilchen auf jeden Fall mitbringen.

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17:00 Uhr – Einkaufsbummel durch Concepción

Den Rest des Nachmittags lässt sich hervorragend für einen Einkaufsbummel nutzen. Valparaiso und besonders Concepción ist bekannt für seine kleinen Läden mit Mode und Accessoires sowie Dekostücken und wer in Santiago noch kein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen gefunden hat, wird hier sicher fündig. Gegen Spätnachmittag sind die Straßen schon ziemlich leer, so dass man die meisten Geschäfte fast für sich alleine hat.

Ein kleiner Tipp: Nicht nur gewaschene Wäsche sondern auch ein paar hübsche Accessoires wie bunte Rucksäcke und Schals gibt es in der etwas versteckt gelegenen Funny Laundry, die glücklicherweise nicht so verrückt ist, wie der Name es vermuten lässt. Unsere Wäsche haben wir jedenfalls sauber und zum Glück völlig unlustig zurückbekommen.

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20:00 Uhr – Fisch in allen Variationen

Jetzt zahlt sich aus, wer beim Kuchen nicht zu sehr zugeschlagen hat. Denn Valpo hat kulinarisch noch so viel mehr zu bieten. Die Lage am Meer lässt es bereits vermuten: hier gibt es ausgezeichneten frischen Fisch – auch in Sushiform. Das lassen wir uns natürlich nicht nehmen und probieren die Tama Sushi Bar aus. Ich sage nur: richtig tolles Sushi zu günstigen Preisen. Zur Happy Hour gibt es ein kleines Sushi-Menü für zwei Personen inklusive einem Getränk schon für 6.800 Chilenische Pesos, also umgerechnet 10 Euro. Okay wir haben das ganze dann noch einmal für den selben Betrag um ein paar aufwändigere Sushiröllchen ergänzt. Aber dennoch: so günstiges und gutes Sushi habe ich selten gegessen.

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Etwas edler und chilenischer geht es im Zamba & Canuta direkt an der Seafront zu. Wer auch hier auf rohen Fisch nicht verzichten möchte, dem lege ich die in Südamerika beliebte Vorspeise Ceviche ans Herz. Ceviche besteht in seiner ursprünglichen Form aus kleingeschnittenem, rohem Fisch verschiedener Sorten, die in Limettensaft mariniert werden. Geschmacklich lecker, aber für meinen Geschmack zu sehr tentakelig. Aber auch der gebratene Fisch ist absolut zu empfehlen.

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Übrigens: Wer nach dem Essen noch Energie hat, kann den Abend gleich im Untergeschoss in der Bar La Piedra de Feliz bei Livemusik ausklingen lassen.

Hier findest du schon einmal eine gute Karte für die Stadt in die du dir schon vor der Reise alle Highlights einzeichnen kannst.

Hast du noch ergänzende Tipps für Valparaiso? Was gefällt dir an der Stadt am besten? Ab in die Kommentare damit!

Mein Aufenthalt in Valparaíso wurde von Viajes PlanV unterstützt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung ist und bleibt natürlich meine eigene.

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