Paraty – Dschungel-Paradies zwischen Rio de Janeiro und São Paulo

Ich mag den Trubel der Großstadt. Wirklich! Aber nach ein paar Tagen wird mir das ganze schnell zu viel – vor allem wenn einem Temperaturen weit jenseits der 30 Grad Marke zusätzlich zu schaffen machen. Was liegt da näher als zwischen den brasilianischen Megacitys Rio de Janeiro am Zuckerhut und São Paulo einen entspannten Zwischenstopp einzulegen! Schnell war dafür der passende Ort gefunden: Die Kleinstadt Paraty liegt ziemlich genau zwischen beiden Städten und wartet nicht nur mit Traumstränden auf, sondern besitzt zudem eine denkmalgeschützte Altstadt. Gesagt. Getan. In vier Stunden bringt uns der Bus von Rio in die alte Kolonialstadt. Schon der Ausblick aus dem Bus während der Fahrt setzt die Messlatte hoch. Wir passieren dichte Dschungel und traumhafte Küstenorte bis wir schließlich an unserem Ziel ankommen.

Dort regnet es. In Strömen. Eigentlich regnet es an jedem Tag in Paraty – jedenfalls solange wir dort waren. Das ist auch eigentlich kein Problem, denn nach einer Stunde ist der Spuk meistens vorbei. Doof nur, wenn man genau zu der Zeit am Busterminal ankommt und über einen Kilometer zu Fuß zur Unterkunft laufen muss. Aber der Regen gehört zu der intakten Dschungellandschaft einfach dazu. Denn der kleine Ort Paraty liegt eingebettet von der Serra da Bocain, einem großen Nationalpark, der sich bis in den Bundesstaat São Paulo ausdehnt. Die vorgelagerten Inseln zählen zu den besten Tauchspots Brasiliens und die einsamen Strände und kleinen Buchten sind ebenfalls nicht zu verachten. Es gibt so viel zu sehen, dass wir in unseren drei Tagen dort nur einen kleinen Eindruck von der Gegend bekommen können.

Wir wohnen etwas außerhalb des Ortskerns im kleinen Music Art Hostel, das zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber dafür mit einem netten Pool mit Dschungelblick aufwartet. Von dort aus kann man die historische Altstadt von Paraty in 10 Minuten erreichen. Entlang des Flusses spaziert man vorbei an Palmenwäldern sowie kleinen Hotels und Restaurants zum Hafen der Stadt. Hier starten regelmäßig Boote zu den nahe gelegenen Inseln.

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Zeitreise in 17. Jahrhundert

Auch wenn die meisten wegen der tollen Strände herkommen: ein Blick auf die denkmalgeschützte Altstadt lohnt sich auf jeden Fall – auch bei 36 Grad. Wenn man durch die verkehrsberuhigten Kopfsteinstraßen schlendert, fühlt man sich wie auf einer Zeitreise ins  17. Jahrhundert, aus dem die meisten Häuser der Stadt stammen. Sie sind weiß gestrichen und sorgen mit bunten Fenster und Türrahmen für farbenfrohe Hingucker. Das Kopfsteinpflaster wurde seinerzeit von den Sklaven verlegt und bis heute werden die meisten Straßen nur von Eselskarren befahren. In vielen Häusern haben sich kleine mehr oder wenige geschmackvolle Souvenirgeschäfte angesiedelt. Viel Kundschaft haben Sie an diesem Tag nicht. Vielleicht liegt es an der frühen Uhrzeit oder den heißen Temperaturen – jedenfalls haben wir die Gassen fast für uns alleine.

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Trinidade – Von Dschungelpfaden und Traumstränden

Da Paraty selbst nur einen ziemlich unspektakulären Strand besitzt, heißt es zum Baden raus aus der Stadt. Eine 40-minütige Busfahrt entfernt und mitten im Duschungel liegt das Dorf Trinidade. Hier gibt es einige der schönsten Sandstrände der Region – jedenfalls wenn man nicht ein Boot chartern und zu den unbewohnten Inseln aufbrechen möchte.

Die Bushaltestelle liegt im kleinen Ortskern, der bereits chillige Surferatmosphäre versprüht. Man erreicht zunächst den ziemlich vollen Hauptstrand an den wir uns aber gleich rechts halten und einem schmalen Pfad durch den Dschungel folgen. An seinem Ende wartet ein breiter einsamer Sandstrand, wie ich ihn in Brasilien bisher noch nicht gesehen habe. Doch die wahre Überraschung erwartet uns bereits auf dem Weg: denn keinen Meter vom Wegesrand entfernt, sehen wir plötzlich ein Faultier auf Augenhöhe im Baum hängen. Später erfahren wir, dass es sogar Safaritouren gibt, um die seltenen Tiere zu Gesicht zu bekommen – was nicht selten dennoch missglückt. Und wir laufen ihm einfach so über den Weg…

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Am Strand vorbei führt der Weg weiter durch das Dickicht zu einem natürlichen Pool. Umringt von Felsen und Natur kann man hier ohne Wellen im seichten Wasser planschen. Das lockt nicht nur uns, sondern auch eine Reihe vorwiegend brasilianischer Badegäste an, so dass wir nach einem kurzen Bad zurück zum Strand flüchten.

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Ja, Paraty ist eine Oase, die ich in der Form zwischen Rio und São Paulo nicht erwartet hatte. Nur einen Nachteil hat das Ganze: Durch die viele Feuchtigkeit ist der Ort ein wahres Paradies für Moskitos und wir sind trotz doppeltem Mückenschutz nach drei Tagen hoffnungslos zerstochen. Aber dass das Paradies oft auch eine Kehrseite hat, kenne ich ja noch von Koh Rong...

Infos und Tipps

  • Paraty ist aus Rio in viereinhalb Stunden mit der Busgesellschaft COSTA VERDE zu erreichen (Preis 62 Real = rund 20 Euro), nach und von São Paulo fährt die Gesellschaft Rodoviaria in sechs Stunden (Preis 52 Real = 17 Euro). Die Tickets bekommt man direkt an den Busbahnhöfen von Rio, São Paulo und Paraty. Am besten ein bis zwei Tage vorher buchen!
  • Die Busse kommen am zentralen Busbahnhof an, von dem die historische Altstadt etwa 1 Kilometer entfernt ist. Wer nicht all zu schweres Gepäck dabei hat, kann gut laufen.
  • Ebenfalls vom Busbahnhof fährt auch der Bus stündlich nach Trinidade, der pro Fahrt und Person 3,50 Real (rund 1 Euro) kostet.
  • Wir hatten gelesen, dass die Unterkünfte in Paraty gerade in der Hauptsaison schnell ausgebucht sind. Wir hatten damit (trotz Ferienzeit) keine Probleme und konnten auch noch 2 Tage vorher spontan eine Unterkunft buchen.
  • Unbedingt einen guten Mückenschutz mitnehmen oder vor Ort kaufen. Das beste lokale Produkt heißt „Off“. Noch besser ist für die Nacht ein Moskitonetz, das wir leider nicht dabei hatten.

Wäre ein Zwischenstopp in Paraty auch was für dich?

Und findest du auch, dass die schönsten Orte auf Erden meistens auch eine „fiese Kehrseite“ haben?

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6 Kommentare

  • Hi Jana,
    super, du bist in Sued Amerika. Ich bin 2009 ebenfalls mit meiner Schwester mit dem Rucksack durch Brasilien gezogen. Habe mich schon seit deiner Ankündigung auf die Bilder gefreut – da kommen Erinnerungen hoch ;-)
    Wenn ich 1 MUST HAVE im Vorfeld hätte nennen können, wäre es das Mückennetz gewesen. Unseres war wahrlich Gold wert…!
    Viel Spass weiterhin, geniesse die Reise (aber das tust du ja eh meistens).
    Sabine

  • Wow, das ist echt ein hübsches Städtchen, das mich grad reizt, obwohl Brasilien bei mir bislang überhaupt nicht auf dem Radar lag.

    Ich musste übrigens schmunzeln, als ich las, dass du die Unterkunft „spontan“ zwei Tage vorher gebucht hast. :)

    Gruss, Oli

  • Pingback: Der Amerika Rückblick ins Netz Januar/Februar 2015 | Rapunzel will raus
  • Hallo,
    war vergangenen März ebenfalls in Paraty, was für mich ein traumhaftes Kleinod darstellt. Mit den Moskitos hatte ich allerdings keine oder nur ganz wenig Probleme. Hatte kein Moskitonetz für die Nacht, auch keinen Moskitoschutz und zerstochen war ich auch nicht. Als Ergänzung noch kann man in jedem Reisebüro vor Ort eine der zahlreichen Bootstouren auf die Nachbarinseln und Buchten buchen. Ist im Übrigen sehr interessant.

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