Von Wasserfällen, Gletschern und schwarzen Stränden – Islands Süden

Ich weiß noch wie lange ich vor meiner Island-Reise nach der perfekten Richtung für unsere Islandumrundung gesucht habe.

Mit dem Uhrzeigersinn? Oder doch lieber gegen den Uhrzeigersinn?

Wie machen es wohl die anderen Touristen? Und sollte man es dann genauso machen oder lieber genau andersherum?

Ich fand keine Antwort auf die Frage und entschied mich dann die Runde mit dem Uhrzeigersinn zu fahren aus dem einfachen Grund, dass es eben so im Reiseführer beschrieben war und das die Blätterei auf ein Minimum reduziert – wohl wissend, dass ich mein selbsterklärtes Highlight, die Gletscherlagune Jökulsárlón, erst zum Ende der Tour erreichen werde.

Nun ist es ja so, dass Island eine so unfassbar beeindruckende Landschaft aufweist, dass man tatsächlich irgendwann ein bisschen abstumpft. Ah noch ein toller Wasserfall, oh noch ein Geotermalgebiet, uh noch mehr schneebedeckte Berge. Egal wie zauberhaft die Landschaft sein mag, es verliert seine Besonderheit, wenn man es tagtäglich sieht. Das ist wohl das größte Luxusproblem eines Islandreisenden.

Was das jetzt mit der Richtung zu tun hat?

Nun ziemlich viel! Fährt man nämlich so wie ich mit dem Uhrzeigersinn beginnt man mit grünen Landschaften und Fjorden, wie man sie auch in Irland vorfinden könnte und glaubt, es könnte schöner nicht werden.

Dann kommen die schneebedeckten Berge und man glaubt schöner könnte es nicht werden.

Dann kommt die Gegend um den Myvatn und man denkt, das ließe sich nun nicht mehr steigern.

Aber weit gefehlt: Islands Süden setzt dem ganzen noch einmal eins drauf und sorgt dafür, dass man immer wieder aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Einziger Nachteil: Das wissen natürlich die Tausend anderen Island-Reisenden auch und sind im Süden umso zahlreicher vertreten.

Fjallsárlón, die kleine Schwester von Jökulsárlón

Die Gletscherlagune Jökulsárlón war dann tatsächlich noch einmal um einiges schöner, als ich es mir immer in meinen Träumen ausgemalt habe. Dass es nicht nur an dem perfekten Postkartenwetter an diesem Tag lag, zeigt sich im weiteren Verlauf der Runde. Denn zwei Tage mit blauem Himmel hintereinander sind in Island wie ein Sechser im Lotto, der uns leider nicht zuteil wurde. Am nächsten Tag ziehen also wieder dichte Nebelschwaden über die Küstenlandschaft, als wir die Lagune Fjallsárlón erreichen.

Wusstet ihr, dass Jökulsárlón noch eine kleine Schwester hat? Die ebenso beeindruckende Lagune liegt nur wenige Kilometer westlich ein bisschen versteckt im Landesinneren, was dafür sorgt, dass sie auch weit weniger besucht wird. Gerade mal vier andere Reisende besuchen den Gleschersee zeitgleich mit uns. Als ich vom Hügel die unendlich erscheinenden Weiten des Eises betrachte, bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob Sonnenschein wirklich das perfekte Wetter ist. Denn der düstere Nebel verleiht der Lagune eine ganz besonders magische Stimmung. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich Nebel einfach liebe…

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Gletcherfeeling am Fjallsjökull

Die Lagune war nur ein kurzer Stopp auf unserem Weg zu unserem eigentlichen Ziel, dem Skaftafell-Nationalpark, von wo aus mehrmals täglich Gletschertouren angeboten werden. Unsere einfache Gletscher“wanderung“ entpuppt sich leider mehr als Kaffeefahrt für Japaner als eine echte Wanderung. Ich hätte einfach hellhörig werden müssen, als wir als einzige Gruppe keine Helme verpasst bekamen. Auch wenn wir die Eispickel nur zur Zierde mitgeschleppt haben, war es dennoch eine interessante Erfahrung, das ewige Eis unter den eigenen Füßen zu spüren.

Und euch sei gesagt: Bucht mindestens die Halbtagestour, wenn ihr einigermaßen fit seid und echtes Gletscherfeeling haben wollt! Und für mich, ist es ein guter Grund wiederzukommen…

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Vík

Weiter führt uns unsere Reise nach Westen. Mit dem zurücklassen der Gletscher verändert sich auch die Landschaft. Sie wird wieder grüner und milder, je näher wir uns unserem Tagesendziel Vík nähern. Die Stadt hat zwar keinen Hafen, dafür aber einen der schönsten Strände Islands. Besonders bekannt sind die Felszinnen  Reynisdrangar, die bis über 60 Meter aus dem Meer ragen. Glaubt man den Isländern so handelt es sich um drei Trolle, die gerade einen Dreimaster an Land ziehen.

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Am nächsten kommt man den „Fabelwesen“ am Strandabschnitt nahe der Nehrung von Dyrhólaós, der mit seinen skurrilen Basaltsäulen und dem statten schwarzen Sandstrand einer der schönsten und besondersten Strände ist, die ich je besucht habe. Dass die Basaltsäulen, die teilweise aussehen wie aufgereihte Orgelpfeifen, einst von der Natur geschaffen wurden, mag man kaum glauben.

Aber schließlich ist es ja das was uns Island lehrt: Die Natur ist der kreativste Künstler. Dieses Sprichwort vom deutschen Philosoph Andreas Tenzer, geht mir in Island einfach nicht aus dem Kopf.

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Die Papageientaucher von Dyrhólaey

Auf Sonne folgen Wolken, auf Wolken folgt Sonne – was uns am nächsten Morgen die besten Bedingungen beschert einen putzigen Einwohner von Vík aus nächster Nähe zu beobachten: den Papageientaucher. Wir rechnen uns allerdings nicht all zu große Chancen aus, denn andere Gäste in unserem Hostel verraten uns beim Frühstück, dass sie am Vortag nicht einen einzigen aus nächster Nähe zu Gesicht bekommen haben.

Das wundert mich allerdings ein bisschen, denn bei unserem Abendspaziergang sind bereits hunderte von Ihnen über unseren Köpfen gekreist. Im Mai und Juni kommen sie eigentlich zu Tausenden auf die Halbinsel Dyrhólaey zum brüten, weshalb auch einige Teile der Insel abgesperrt und nicht betretbar sind. In den zugänglichen Teilen der Insel liegen an diesem Morgen bereits ein paar Vogelfreunde und Fotografen auf der Lauer. Ich geselle mich zu ihnen und warte geduldig.

Das heißt Geduld war noch nie meine Stärke. Als ich schon enttäuscht aufgeben will, spricht mich einer der Vogelfreunde an: „Suchst du danach?“, fragt er in gebrochenem Englisch und zeigt mir ein Foto einer Papageientauchers auf seinem Handydisplay. Er deutet auf den Ort, an dem er es gemacht hat und tatsächlich kann ich im Gras direkt an der Klippenkante einen der bunten Vögel sitzen sehen. Auf dem Bauch robbe ich soweit an die Kante heran, so dass ich ihn gut beobachten kann. Und da sehe ich plötzlich ein weiteres Vogelpärchen keinen Meter unterhalb von mir im dichten Gras sitzen. Ich beobachte die beiden Kerle noch eine Weile bis ich meinen Blick lösen kann und zurück zum Auto trabe.

Was für ein Erfolg!

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Regenbogen am Skógarfoss

Kennt ihr das Märchen von den Regenbögenen im Wasserfall, die man angeblich in Island bei sonnigem Wetter sehen soll? Tja, bis dato hat sich das Phänomen erfolgreich vor mir versteckt – aber da dieser Tag anscheinend mein Glückstag ist, erlebe ich das Schauspiel am Skogarfoss zum ersten Mal. Der 60 Meter hohe Wasserfall liegt rund 40 Kilometer westlich von Vik und ist einer der höchsten Islands.

Man sagt, dass es nicht die Sonne ist, die die Wassermassen zum Glitzern bringt, sondern eine Kiste voll Gold, welche die ersten Siedliedler von Skógar in ihm versteckt haben sollen. Ein schmaler Pfad führt hinauf zur Kante des Wasserfalls, von wo aus sich ein toller Blick über die Küste bietet. Seine wahre Imposant entfalten die Wassermassen jedoch nur von unten – wo man ohne Regenjacke alledings in nur wenigen Minuten von der Gischt bis auf die Haut durchnässt ist.

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Seljavellir – das schönste Schwimmbad der Welt

Wenn man schon einmal durchnässt ist, dann kann es ja auch richtig nass weitergehen. Denn ganz in der Nähe befindet sich der wohl schönste Pool  der Welt. Mitten in den Bergen liegt das verlassene Schwimmbad, was jedoch auch heute noch regelmäßig gewartet wird. Da es kein Schild gibt, welches auf den Hotpot hinweist, muss man sich auf sein Gespür verlassen.

Dazu biegt man kurz hinter dem berühmten Skógarfoss in die Straße 242 ein und folgt dieser bis zu einem Parkplatz. Von dort aus geht es eine viertel Stunde auf einem Trampelpfad durch die unberührte Natur, bis man schließlich das Bad erreicht. Auch wenn der Pool heute kein echter Geheimtipp mehr ist, haben wir das Becken für die erste Zeit für uns ganz alleine. Erst nach und nach gesellen sich ein paar andere Badefreunde hinzu.

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Seljalandsfoss oder auch: Duschen bei 10 Grad

Wer meint, der Skógarfoss ließe sich in seiner Imposanz nicht mehr übertreffen, der sollte erstmal den Seljalandsfoss erleben. Seine Besonderheit ist ein kleiner Wanderweg, der bis HINTER den Wasserfall führt. Diese nasse Angelegenheit ist eines der faszinierendsten Erlebnisse Islands – finde ich jedenfalls. Und ich muss mich wirklich wundern, dass meine Kamera das ganze so unbeschadet überstanden hat.

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Von dort fehlen nur noch wenige Kilometer und es schließt sich der Kreis – denn den Teil der Route kennen wir bereits von unserem Golden Circle am zweiten Tag. Für uns geht es nun zurück zum Flughafen – natürlich nicht ohne Zwischenstopps auf der Halbinsel Reykjanes, von denen ich euch dann in der letzten Episode meines Island-Tagebuchs erzähle…

Mein Island Guide: Islands Süden

Länge der Etappe: 260 Kilometer

Dauer: Rund 3-4 Stunden reine Fahrzeit, am besten 2 Tage Zeit nehmen mit Übernachtung in Vík

Start/Ziel: Von Jökulsárlón nach Skógar

Meine Highlights: Die Gletscherlagune Fjallsárlón, die schwarzen Strände von Vík, die Papageientaucher, Seljansfoss, Skógarfoss im Regenbogen

Meine Tipps:

  • Unbedingt die Fjallsárlón mitnehmen, auch wenn man schon ihre große Schwester gesehen hat oder sehen wird
  • Die Straße zum Seljansfoss war früher mal eine F-Straße, ist heute aber für alle Fahrzeuge freigegeben. Der Umweg lohnt sich!
  • Papageientaucher von Vík sieht man am ehesten auf der Halbinsel Dyrhólaey, nahe am Klippenrand, da die Vögel dort ihre Nistplätze anlegen.

Die Route auf der Karte:

Papageientaucher, Wasserfälle oder Gletscher – was beeindruckt dich an der isländischen Landschaft am meisten?

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19 Kommentare

  • Oh ich liebe Islands Süden. Habe selber 6 Monate in Hveragerdi gearbeitet und gelebt und war mehrfach u.A. auch am Jokulsarlon … mein absoluter Lieblingsplatz in Island!

  • Großartige Bilder. Ich möchte auch unbedingt mal nach Island. Das Bild mit den lila Blumen im Vordergrund und in den Bergen im Hintergrund ist zauberhaft, das aus Fjallsjökull. Einfach traumhaft!

  • Hallo Jana, ich musste ein bisschen schmunzeln: Ich kann eigentlich gar nicht genug von Islands Landschaft bekommen : ) Übrigens gibt es zwei weitere Eisberg-Lagunen, an die sich noch einmal weniger Menschen verirren und die in eine ziemlich atemberaubende Kulisse eingebettet sind: Heinabergslón und Hoffelslón.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man – sofern man ein Vorhaben nicht allein SICHER bewältigen kann – am besten mit Local Guides unterwegs ist. Ortsansässige, Leute, die ihr Leben lang auf die Gletscher hinaus oder ins Gebirge gegangen sind, Leute, die auch eine fundierte Lebensrettungsausbildung haben. Gerade bei Skaftafell, rund um den Svínafellsjökull (Ich vermute, dort habt ihr die Wanderung unternommen?) gibt es im Geröll Stellen, in die man wie im Treibsand versinken kann. Unterirdisches Eis, das in den Sommermonaten taut und gefährliche Sinklöcher entstehen lässt. Ja, und ohne Helm und Harness auf den Gletscher hinauszugehen ist absolut unseriös. Weil es gerade ein so populäres Reiseziel ist, machen sich in Island zunehmend unqualifizierte Anbieter breit, die das schnelle Geld verdienen möchten. Das ist schade.
    Ein schöner Bericht über mein Lieblingsland!
    Sonnige Grüße, Jutta

  • Liebe Jana,
    ein toller Bericht über eine wunderbare Gegend. Islands Süden ist einzigartig, wundervoll und jederzeit eine Reise wert. Auch wunderschön ist kurz hinter Klaustur die Schlucht Fjarðárgljúfur. Dazu biegst du von der Ringstraße in Richtung Vik fahrend recht ab auf die Straße 206 nach Holt und folgst dieser bis zu einem kleinen Parkplatz. (Zwischendurch kommt rechts eine Abzweigung auf eine F-Straße nach Laki; hier einfach dran vorbeifahren und geradeaus den Hügel hinauf.) Vom Parkplatz aus blickst du nach wenigen Metern in den grünen Canyon; ein toller Zwischenstop.

    http://www.moosearoundtheworld.de/skogafoss-vik-seljalandsfoss-islands-sueden/
    Herzliche Grüße
    Anke

  • Hallo Jana,

    wir fliegen Anfang diesen Oktobers nach Island. 🙂 Ich freue mich schon tierisch!

    Ich würde auch so gerne eine Gletschertour machen. Weißt du, ob man zu dieser Zeit schon welche machen kann? Hab mehrfach gelesen, dass das Eis eventuell noch zu abgetaut ist vom Sommer und es deswegen zu gefährlich ist.
    Was bezahlt man denn so für eine gute Tour?

    Vielen lieben Dank im Voraus. 🙂

    • Hi Linda, puh das kann ich dir leider garnicht sagen. Ich fand meine Tour jetzt nicht so toll, aber der Anbieter hat auch noch längere, bessere Touren im Angebot. Liebe Grüße, Jana

  • Hallo Jana,
    wir (mein Mann und ich) fliegen Ende Mai 2017 nach Island. Dein Blog und deine Bilder haben uns bei unserer Reiseplanung sehr geholfen. Also vielen Dank schonmal dafür 🙂
    Wir haben unsere erste Übernachtungsmöglichkeit in Gauksmyri. Dort bleiben wir 2 Nächte und dann geht es mit dem Uhrzeigersinn weiter um die ganze Insel :). Hast du einen Tipp für uns, was wir uns im Nord-Westen unbedingt ansehen müssen?
    Vielen Dank schon einmal vorab und vielen Dank für deine Inspirationen.

    Liebe Grüße Sebastian und Kerstin

    • Hallo ihr Zwei, schaut euch am besten die entsprechenden Blogposts dazu an, da hab ich all mein Wissen und meine Tipps reingepackt, die ich jetzt zum Teil schon nicht mehr weiß nach der Zeit 😀 Freut mich auf jeden Fall riesig, dass meine Berichte euch weitergeholfen haben 🙂

  • Hallo Jana!
    Ich habe gerade dank deinem Blog unsere Reise für August geplant. Danke für die Tipps Bilder und Anregungen!
    Mal eine ganz andere Frage.
    Mir gefällt deine Jacke so gut, verrätst du mir die Marke und evtl den Namen, falls du diesen weißt?!? Das wäre super lieb!
    Danke und mach weiter so!
    LG Sandra

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