Mývatn – Eine Reise nach Mordor

Die Landschaft rund um den Mývatn übertrifft alles bisher gesehene. Die grünen Auen des Mývatn Sees werden im Sommer von Millionen Mücken bevölkert. Die karge Einöde des Vukansystem Krafla ist beängstigend lebensfeindlich und faszinierend schön zugleich. Spektakuläre Krater, sprudelnde Schlammtöpfe, skurile Lavaformationen und dampfende Fumarolen erinnern eher an Mordor, als an ein europäisches Land. Mich würde es kaum wundern am Kraterrand des Hverfjalls auf Frodo zu treffen, der sich gerade seines Ringes entledigt.

Auch noch Monate nach meiner Reise fällt es mir schwer das Erlebte in Worte zu fassen. Islands Landschaft macht mich einfach sprachlos. Aber wie soll man auch diese unwirkliche Landschaft in Worte fassen, wenn sie doch so wirkt, als sei sie nicht von dieser Welt. Vielleicht hat mich die Region Mývatn so fasziniert, weil sie so völlig anders ist als der grüne eher an Irland oder Schottland erinnernde Westen des Landes. Wir haben uns für die Erkundung von „Mordor“ zwei Tage Zeit genommen. Im Nachhinein viel zu wenig. Es gibt unendlich viel zu sehen und ein landschaftliches Highlight jagt das nächste.

Das Hochtemperaturgebiet Hverarönd

In die kühle, frische Luft mischt sich ein leichter Gestank nach Schwefel, der immer stärker wird, je näher man den Fumarolen und Schlammtöpfen kommt. Bis es einem schließlich fast den Atem raubt. Der rote Sand unter meinen Füßen wirbelt bei jedem Schritt auf und setzt sich auf Schuhen und Kleidung nieder. Rechts und links von mir zischt und blubbert es abwechselnd und aus diversen Löchern steigt Dampf auf. Aus zahlreichen Schlammtöpfen brodelt es. Dunkle Wolken ziehen tief über die Ebene hinweg. Hverarönd am Fuße des Námafjall ist eines von vielen Hochtemperaturgebieten der Insel, aber das mit Abstand spektakulärste. Markierte Wege führen durch die lebensfeindliche Landschaft.

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Der Kratersee Víti, der größte Hotpot Islands

Ebenfalls zu dem Vukansystem Krafla gehört der Kratersee Víti, nur ein paar Kilometer östlich des Hverarönds. Víti bedeutet im Isländischen Hölle. Im Víti befindet sich heute ein Maar, das seine türkise Farbe durch die Kieselsäurealgen erhält. Vom Rand des Kraters eröffnet sich ein fantastischer Blick auf das Vulkangebiet und den See. Auch im Sommer ziehen sich die Schneefelder nicht vollständig zurück und bieten einen spannenden Kontrast zur sonst rotbraunen Einöde. Durch die fehlende Vegetation fegt der Wind mit hoher Geschwindigkeit über die Ebene, dass es einen fast von den Beinen weht. Ein Pfad führt einmal am Kraterrand entlang um den See herum. Einen Weg zum See herab gibt es nicht.

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Der ungewöhnlichste Hotpot Islands: Grjotagjá

Den wohl ungewöhnlichsten Hotpot der Islands findet man unweit des Seeufers am Rand der Straße 860: der Grjotagjá ist ein unterirdischer Hotpot, der sich in einer Höhle verbirgt. Das Baden in dem See ist jedoch verboten – zum einen weil das Wasser mit gut 40 Grad dafür zu heiß ist und zum anderen, weil sich durch die geringe Fließgeschwindigkeit Bakterien ungehindert vermehren können. Trotzdem ist es etwas besonderes, in die Höhle zu klettern (auf eigene Gefahr!!!) und die Füße ins heiße Wasser zu tauchen. Das Wasser ist so klar, dass man die Felsen am Boden erkennen kann und sich die Hölendecke auf der Wasseroberfläche spiegelt.

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Wandern auf dem Tuffring Hverfjall

Majestätisch erhebt sich der Hverfjall-Krater am Ostufer des Mývatns. Der Tuffring gehört ebenfalls zum Vulkansystem der Krafla. Er bildete sich vor etwa 2500 Jahren bei einer gewaltigen Wasserdampfexplosion, die ausgelöst wurden, als heißes Magma auf das Grundwasser traf. Die Lava am Hverfjall ist durch Wasserdampf glasig erstarrt und setzte sich am Rande einer gigantischen Wasserdampfsäule ab. Der so gebildete Ring hat einen Durchmesser von einem Kilometer eine Höhe von bis zu 150 Metern. Vom Parkplatz führt ein Weg hinauf auf dem Kraterrand von wo aus man selbigen in etwa vier Kilometern umrunden kann. Entlang des Weges bieten sich immer wieder fantastische Ausblicke auf den See, das Kratergebiet sowie die Wüste Möðrudalsöræfi.

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Spaziergang durch das Lavafeld Dimmuborgir

Nähert man sich dem Mývatn von Osten, kommt man an dem Lavafeld Dimmuborgir vorbei, was so viel bedeutet wie dunkle Städte oder dunkle Burgen. Die bizarren Steinformationen erinnern tatsächlich ein wenig an verfallene Ruinen von Burgen und Türmen. Die Isänder glauben, das in den Ruinen zahlreiche Elfen und Trollen hausen. Ein Netz aus Spazier- und Wanderwegen führt durch das Gelände. Je nach Lust und Laune kann man von 30 Minuten bis zu drei Stunden durch die spektakuläre Felslandschaft wandern und seiner Fantasie freien Lauf lassen.

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Kunst aus Lava: Kalfaströnd

Noch mehr spektakuläre Lavaformationen gibt es am Ostufer des Sees. Von Parkplatz gibt es einen Rundwanderweg, der auf rund zwei Kilometern am Ufer des Mývatn zu den Felsskupturen führt. Im Sommer empfehle ich unbedingt einen Mückenhut zu benutzen. Ich für meinen Teil habe es ohne nur ein paar Minuten am Seerand ausgehalten, bevor mich die Mücken endgültig wahnsinnig gemacht haben.

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Die Pseudovulkane Skútustaðagígar

Wenn heiße Lava über ein Feuchtgebiet wie Sümpfe, Seen oder Teiche strömt, verdampft das Wasser schlagartig. Der Dampf durchbricht die Lavadecke in Form einer sogenannten phreatomagmatischen Explosion. Dabei wird die Lava, und teilweise auch das Untergrundmaterial, fragmentiert und als Ablagerung um einen Krater aufgeworfen. Eindrucksvolle Beispiele dieser Pseudokrater gibt es am Südufer des Mývatns zu bestaunen. Die mit Gras bewachsenen Erhebungen sehen ein bisschen aus wie kleine Ufos. Heute sind sie ein beliebter Ausgangspunkt für Vogelbeobachter.

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Ein göttlicher Wasserfall: der Godafoss

Rund 40 Kilometer westlich des Sees befindet sich einer der spektakulärsten Wasserfälle Islands, der Godafoss. In den sogenannten Götterwasserfall sollen der Sage nach die letzten heidnischen Götterskulpturen geworfen worden sein, nachdem das Land das Christentum angenommen hatte.

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Der Jökulsárgljúfur-Nationalpark

Nördlich vom Mývatn und nur über eine Schotterstraße (inzwischen für PKW freigegeben) zu erreichen, befindet sich der Jökulsárgljúfur-Nationalpark am Ufer des Flusses Jökulsá á Fjöllum. Die hufeisenförmigen Schlucht Ásbyrgi zieht sich vom Norden bis zum mächtigsten Wasserfall Europas, dem Dettifoss, im Süden. Der Nationalpark ist ein Paradies für Wanderer. Ein Wanderweg zieht sich einmal von Norden nach Süden durch die Schlucht. Während die Landschaft im Norden noch lieblich ist, wird sie gen Süden immer kahler und schroffer, bis man schließlich am Ende den Dettifoss erreicht. Hier donnert das von Schwebeteilchen graubraun gefärbte Wasser mit einer eindrucksvollen Gewalt hinab in die Schlucht, die man vor lauter Gischtnebel kaum erahnen kann.

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Wer keine Zeit für eine Mehrtageswanderung hat und dennoch einen Eindruck von der Imposanz der Schlucht bekommen möchte, kann auf schmalen, abenteuerlichen Wegen vom Dettifoss nach Norden Wandern. Der Weg ist mit Hilfe von gelben Wegzeichen markiert, die jedoch nicht immer so leicht zu finden sind. Wer die vier Kilometer bis zum Hafragilsfoss geschafft hat, wo sich das Tal der Jökulsá mit der von Westen kommenden Klamm Hafragil dem vereinen, wird mit der wohl fantastisches Aussicht des gesamten Nationalparks belohnt.

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Die blaue Lagune des Nordens: Mývatn Nature Baths

Einen Tag in Mordor beendet man am besten in den Mývatn Nature Baths, einem großen Geotermalbad, das auch als günstige Alternative zur berühmten Blue Lagoon im Südwesten gilt. Der Eintritt ist mit rund 20 Euro relativ moderat und das Wasser ebenso schön blau und heiß.

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Mein Island Guide: Islands Norden – Rund um den Mývatn

-> Alle Highlights auf der Karte

Wie gefällt dir die Gegend um den Mývatn? Was hat dich am meisten beeindruckt? Bist du schon einmal auf einen Vulkan gestiegen?

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21 Kommentare

  • Wahnsinn!!! Ein total toller Bericht, den ich genau so unterschreiben kann. Myvatn ist nicht von dieser Welt, einfach atemberaubend schön, obwohl es so skurril und fast schon unheimlich ist. Wir hatten nur Mücken bei Kalfastönd, aber dafür dann Millionen. Ansonsten blieben wir davon verschont und haben uns auch ohne Gazeschleier keine Stiche geholt.
    Dimmuborgir ist einzigartig schön – wer da nicht an Trolle glaubt war nicht da ;-) Am schönsten ist der Wanderweg mitten durch das Lavafeld, nicht nur außen herum.
    Die blubbernden Schlammtöpfe sind mit meine Lieblinge gewesen, auch wenn es bestialisch stinkt! Ich liebe es <3 In der Nähe des tollen Viti Sees gibt es noch so ein Hochtemperaturfeld beim Vulkan Leirhnjukur.
    Also für mich steht fest: Beim nächsten Mal Island ist der Myvatn wieder dabei, ein absolutes Muss! Wann warst du denn da? Am Viti liegt noch deutlich mehr Schnee als bei uns Ende Juli :)

  • Ich finde die türkisblaue Farbe mancher Seen immer wieder faszinierend: Hast du einmal beobachtet, dass auch einige Flüsse fast türkisblau sind und sich manchmal mit dunkleren Flüssen (die viel Sediment mitschwemmen) vermischen? Das sieht irre aus. Bei meinem letzten Besuch am Mývatn haben mein Filius und ich übrigens die volle Dosis Mücken abbekommen … Unser Spaziergang viel relativ kurz aus! : )

  • Die Landschaft sieht richtig eindrucksvoll aus – hammer Fotos :-)
    Wir fahren in 2 Wochen hin, sind aber mit einem Wohnmobil unterwegs. Natürlich wollen wir Myvatn und Umgebung nicht missen. Kommt man da auch gut mit einem Wohnmobil an die einzelnen Lavafelder oder muss man sich hier beschränken?

    Viele Grüße
    Thomas

  • Hallo Jana,
    ich möchte Island heuer im Juli mit Motorrad, Zelt (und natürlich einer guten Kamera) machen..kann man überall frei campen bzw. wie kalt sind die Nächte draussen nach deiner Erfahrung?
    Auf Campingplätzen gibt es ja auch so nette kleine Hütten zum übernachten – weißt du wie die genannt werden bzw. ob die problemlos zu bekommen sind?
    Danke für ev. Info+liebe Grüße aus Wien,
    Peter

    • Hallo Peter, nachts kann es schon sehr kalt werden, ich weiß nicht wie abgehärtet du bist. Wegen der Hütten würde ich mich mal bei den einzelnen Campingplätzen erkundigen, ich denke aber, dass man die vorher reservieren muss… Liebe Grüße, Jana

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