Der Weg ist das Ziel: Roadtrip an die Algarve

Kennt ihr das auch? Man öffnet die Tür des Mietwagen und setzt sich voller Spannung und Erwartungen in das unbekannte Gefährt – neugierig, was man so alles gemeinsam erleben wird. Der kleine Peugeot 107 und ich sind uns sofort sympathisch. Gemeinsam eroberen wir Portugal: von Lissabon geht es vorbei an traumhaften Stränden durch Pinien- und Korkeichenwälder auf kurvigen Landstraßen an die Algarve. Portugal ist einfach das perfekte Roadtripland und die Autobahngebühren kann man sich wirklich getrost sparen.

Unsere Liebe war eigentlich eine ganz zufällige: Nur drei Tage vor Abflug entscheiden wir uns spontan doch für einen Mietwagen – zum einen, weil man die wirklich schönen Landschaften und Strände nur mit einem eigenen Auto erreichen kann und zum anderen gibt es einfach viele gute Angebote, die einem die Entscheidung pro Mietwagen leicht machen. Um unsere Reisekasse nicht zu sehr zu strapazieren, legten wir die Strecke von Porto nach Lissabon mit dem Zug zurück und den Rest der Route an die Algarve mit eben diesem Peugeot 107. Den grauen Flitzer erstehen wir bei Europcar. Für vier Tage Fahrspaß bezahlen wir – lustigerweise – 107 Euro und können das Auto später ohne Aufpreis in Faro abgeben. Das macht gerade mal 13 Euro pro Person und Tag. Auch wenn man da natürlich noch die Spritkosten zuaddieren muss, erscheint uns das ein auch für Backpacker geeigneter Deal. Und so kommt es, dass der kleine Peugeot und ich schließlich in Lissabon zueinander finden.

Mein Tipp: Ohne Auto unterwegs? Wie wäre es damit, die Algave-Küste mit dem Roller zu erkunden?

Ausflugstipps für die Algave gefällig? Wie wärs mit…

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Unser erstes Abenteuer erleben wir gemeinsam am Cabo da Rocca. Von dort aus geht es strait away nach Süden. Circa 300 Kilometer sind es, die Lissabon von unserem Ziel – Lagos – trennen. Da in Portugal für die Autobahnen eine saftige Mautgebühr kassiert wird legen wir die 300 Kilometern fast komplett auf Landstraßen zurück – ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Lediglich im Stadtgebiet von Lissabon müssen wir die Autobahn benutzen, da wir ohne Navi nur schwer aus der Stadt herausgefunden hätten. Aber die 1,57 sind gerade noch zu verschmerzen. Über die berühmte Ponte 25 de Abril – die der Golden Gate Bridge in San Francisco ähnelt, überqueren wir den breiten Tejo. Schon wenig später verlassen wir bei Setúbal die Autobahn und fahren auf der Landstraße N10 und N5 weiter, die etwa parallel zur A2 nach Süden führen. Bei Alcácer do Sal fahren wir auf der N253 auf ebener, gerader Straße durch weite Kiefernwälder entlang der südlichen Grenze des Sado-Naturparks. An deren Ende liegt ein nahezu unberührtes Strandgebiet aus breiten, weißen Sandstränden, die sich über 30 Kilometer die Küste entlangziehen

Carrasqueira

Doch bevor wir den traumhaften Strand begutachten legen wir fünf Kilometer vor der Stadt Camporta in Carrasqueira unseren ersten Stop ein. Dort sind eigenartige Fischerhäuser zu entdecken, die fast vollständig aus Schilf gebaut sind. Holz wird nur zur Verstärkung der Konstruktion eingesetzt. Was wir jedoch für die kleinen Häuschen halten, entpuppt sich bei näherer Recherche einfach als hölzerne Schutzhütten der Fischer… :-D

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Die schmalen Holzstege laufen auf dünnen Stelzen ins –  gerade nicht vorhandene – Wasser.

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Praia de Comporta

Dann geht es weiter zum Praia de Comporta. 1,5 Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt liegt dieser wundervolle Sandstrand, der außer an Wochenenden recht einsam ist. Außer zwei Restaurants ist das Gebiet fast unbebaut.

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Das Meer ist türkisblau und der Blick reicht im Norden bis zum Naturpark Serra da Arrábida zwischen Sesimbra und dem Kleinstädtchen Setúbal. Im Süden sieht bis zum Horizont nichts als breiten Sandstrand und türkises Meer. Je weiter man sich von der „Zivilisation“ entfernt, desto weniger Menschen sind zu sehen.

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Viel Zeit bleibt uns leider nicht – denn das größte Stückchen weg liegt noch vor uns. Skuril und ein interessantes Fotomotiv sind die vom Staub weiß gefärbten Kiefern neben dem Parkplatz der Praia.

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Serra de Grândola: Auf der N120 nach Süden

Die N261 führt weiter nach Süden, wir verlassen sie jedoch auf der N261-1 die uns in den kleinen Ort Grândola führt. Von dort aus geht es über N120 weiter. Die landschaftlich traumhafte Straße passiert die von knorrigen Kork- und Steineichen bewachsene Serra de Grándola.

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Die Korkeichen erkennt man – wenn sie bereits „abgeerntet“ sind – an ihren charakteristischen roten, nackten Stämmen. In der Serra de Grándola gibt es ganze Wälder voll dieser vom Aussterben bedrohten Bäume.

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Die N120 bringt und schließlich auf direktem Wege nach Lagos, an der Algarve. Aus Zeitgründen – okay ich gebe zu wir haben uns nicht nur einmal verfahren – müssen wir die Zahl unserer Zwischenstopps verringern und die wunderschöne Landschaft nur beim Vorbeifahren genießen – jedenfalls dann, wenn wir nicht gerade unsere Nase in die Karte stecken (im Falle meiner Schwester) oder (in meinem Falle) uns um das Überholen von Korkeichenlastern und anderen langsamen Gefährten (die Portugiesen entpuppen sich als gemütliche Autofahrer) konzentrieren.

Ankunft in Lagos

Mit nur einer Stunde Verspätung und mit ziemlichem Hunger treffen wir in Lagos ein. Wer jetzt glaubt wir haben die größte Odysee des Tages schon hinter uns, der hat weit gefehlt. Das Problem: wie findet man sein „Hotel“ wenn die Straße außerhalb des Stadtplan liegt und man kein Navigationssystem hat? Nach fünf netten Helfern finden wir schließlich unser Bayview Guesthouse. Und das entpuppt sich als drei vermietete Zimmer einer Privatwohnung im 15. Stock eines Hochhauses. Alleine beim Anblick unseres Balkons mit dieser grandiosen Sicht auf das Stadtzentrum von Lagos und die Meia Praia bin ich schon hin und weg und total verliebt in unser Quartier, was wir für 50 Euro pro Nacht erstanden haben. Ein absoluter Glücksgriff. Dank voll ausgestatteter Küche und Gästekühlschrank können wir uns hier selbst versorgen und morgens gemütlich bei einer frischen Brise auf dem Balkon frühstücken – mein persönlicher Urlaubstraum!

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Roadtrip ja oder nein: wollt ihr im Urlaub möglichst schnell am Ziel ankommen oder gilt bei euch auch „der Weg ist das Ziel“ und ihr wollt unterwegs möglichst viel mitnehmen?

PS: 1o Tage Portugal nur mit Handgepäck? Kein Problem! Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie und warum ich nur mit Handgepäck reise, dann leg ich dir meine Video-Reihe Nur mit Handgepäck reisen ans Herz!

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21 Kommentare

  • Boahh, diese Fischerbote bei Carrasqueira gefallen mir sehr, bzw. das Zusammenbild, so naturbelassen, so mystisch für mich, ich liebe solche Orte. Im Gegenteil damit mag ich den danach kommenden Strand nicht unbedingt. Für einmal baden ist ok, aber nicht für einen ganzen Urlaub für mich. :-) Die Korkeichen sind interessant, die werde ich in diesem Sommer hoffentlich auf Sardinien sehen. Der Blick aus dem Apartment ist für mich irgendwie so „griechisch“ (ich meine, ich habe schon in Griechenland so ähnliche Blicke gehabt und ich liebe Balkons).
    Übrigens, ich dachte, es heißt dort Algarve. ;-)
    Schöner Bericht.
    Liebe Grüße, Andrea

  • So schöne Fotos! Da wünsche ich mir direkt den Sommer zurück (bei uns liegen gerade 40 cm Schnee…) Das kleine Häuschen gefällt mir besonders gut, – auch wenn’s nur eine Schutzhütte ist. ;)
    Die Strandbilder sind aber auch ein Traum, ich würde am liebsten sofort los. :)

  • Yeah, Roadtrips sind toll und man kommt einfach an Orte, die man sonst nicht gesehen hätte. :D
    Das Meer (buhuu, ich will da hin!) und der geniale Balkon müssen toll gewesen sein. Freu mich auf mehr (Meer)!

    Liebe Grüße
    Christina

  • Ich kann mich Lea anschließen! Mit 50 PS und einer rollenden Schlafgelegenheit ist der Weg eindeutig das Ziel! :-)
    Das war auch das Tolle an unserem Moselurlaub, an den ich immer wieder sehr gerne zurück denke! Das war einfach traumhaft.

    Liebe Grüße
    Jessi

  • Hallo Jana,

    in 3 Monaten machen wir auch einen Roadtrip durch Portugal, danke für deine Anregungen. Ich bin definitiv lieber unterwegs als angekommen, wobei eine gemütliche Siesta in der Mittagshitze drin sein muss :)

    Viele Grüsse
    Alex

  • Hi Jana,
    super Bilder, da bekommt man direkt Fernweh! Ein Roadtrip entlang der Algarve steht auch ganz oben auf meiner Wishlist :).
    VG Steffi

  • Hallo Jana, danke für diesen schönen Bericht – wollen im Sept. auch einen Roadtrip durch Portugal machen. Wie lange wart ihr denn unterwegs? Wir würden die ganze Strecke – also etwa Porto bis Faro – mit dem Auto cruisen und ich frage mich, wie viel Zeit so eingeplant werden sollte ;)

    Liebste Grüße, Claudi

    • Hey Claudi, hach wie toll!! Wir waren 9 Tage unterwegs: 1 Tag Porto, 3 Tage Lissabon und 5 Tage Algarve. Ich denke optimal wären 2 Wochen, man schafft es aber eben auch in 9 Tagen ;-) Viel Spaß und eine tolle Reise, Jana

  • Hallöchen,

    zwei Freundinnen und ich wollen ebenfalls im September jetzt einen Trip nach Portugal machen. Wollte euch mal so fragen was ihr so für Gesamtkosten in Portugal hattet also mit Reisekosten (Bus/Bahn) und mit den Hostels? Wisst ihr auch noch was ihr so für den Tank bezahlen musstet? Würde mich echt mal interessieren. :)

    Liebe Grüße Ana

    • Also wir haben all in all mit Flug, 4 Tage Mietwagen, Bus und Bahn, Hostels sowie sämtliche Essen/Kaffee/Ausgeh-Ausgaben jeder 600,- bezahlt. Was genau eine Tankfüllung gekostet hat, weiß ich leider nicht mehr… LG und eine tolle Reise, Jana

  • Ein wunderschöner Bericht. Und auch ich liebe Portugal. Stimmt; Ideal für Roadmovies! Nur eins. Setúbal ist kein Kleinstädtchen! Minimum so groß wie Offenbach, also über 100.000 Einwohner_innen. Ich habe da mal eine Woche verbracht, Setúbal ist portugiesisches real life in der Gegenwart.Ungeschminkt und schön.

  • Hach, die Algarve! Ich könnte sofort zurück :) Portugal ist ein so wunderschönes Land und wirklich perfekt für einen Roadtrip geeignet. Sehr schöne Bilder!

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