Bozen: Mit dem Rennrad zu den Rittener Erdpyraminden

Es gibt zwei Gründe, warum ich das Wandern immer dem Rennradfahren vorziehen würde: 1. Man ist eingeschränkt auf asphaltierte Straßen, so dass man oft nicht dorthin gelangt wo es wirklich schön ist. Und wenn es denn mal wirklich schön ist, kann man es  2. nicht so richtig genießen, weil man sich wahrscheinlich gerade tierisch abmühen muss. Während gegen 2. außer Training nichts zu machen ist, kann man 1. doch ein wenig beeinflussen: Wie wäre es mit einer Radtour zu den berühmten Rittner Erdpyramiden, die man quasi von der Straße aus sehen kann?

Durch die Weinberge nach oben

Nachdem wir in den Dolomiten auf dem Rennrad ja so ziemlich versagt haben, weichen wir für unsere nächste Radtour ins benachbarte Südtirol aus. Die Radtour beginnt in Bozen. Hier sind die Berge flacher und die Temperaturen milder – beides unschlagbare Argumente die 90 minütige Autofahrt dorthin auf uns zu nehmen. An der Rentscher Straße finden wir am Ortsrand leicht einen Parkplatz und fahren mit dem Rennrad zunächst ein Stück ins Stadtzentrum. Am Hotel Rentscher Hof nehmen wir rechts die Abzweigung in Richtung Ritten. Der Ritten ist mit seinen sanften Hügeln und saftigen Wiesen ein beliebtes Wandergebiet – heute allerdings erkunden wir selbigen per Rennrad.

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Auch wenn die Berge hier sanfter sind – die Rennradtouren sind nicht zwangsläufig einfacher. Denn vor uns liegt ein nicht enden wollender Anstieg von 1.000 Höhenmetern, die wir Kurve um Kurve erkämpfen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Pausen wir auf der Strecke machen mussten – Fakt ist, die ersten 15 Kilometer geht es NUR bergauf. Wenigstens haben wir durch die vielen Pausen Gelegenheit die Landschaft ein bisschen auf uns wirken zu lassen und um Fotos zu machen. Da lobe ich mir das Wandern, wo man jederzeit anhalten und genießen kann. Beim Rennrad fahren versuche ich – besonders bergauf – jedes Absteigen zu vermeiden, als dem einfachen Grund dass ich mir wackligen Beinen nicht mehr richtig in die Klickpedale komme. Das bedeutet, dass wir nur an den Stellen anhalten können, wo ich ein Stück gerader Straße vor mir habe, auf der ich wieder aufsteigen kann. Jaja, ich gestehe: ich bin noch ein blutiger Anfänger :-D

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Zu den Rittener Erdpyramiden

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir schließlich den Ort Klobenstein auf 1.154 Metern. Hier haben wir nicht nur das anstrengendste Stück des Weges hinter uns gebracht, sondern es wird auch noch richtig spannend. Bergab geht es ins Nachbarörtchen Lengmoos, wo es das vielleicht berühmteste Naturpänomen Südtirols zu sehen gibt: die Rittener Erdpyramiden. Diese hätte man kaum verpassen können – sind doch schon unzählige Reisebusse an uns vorbeigefahren, die nun hier an der kleinen Hauptstraße geparkt stehen. Den Rentnerscharen pilgern wir nun zu Fuß hinterher zum Aussichtspunkt, der die beste Sicht auf das Naturspektakel bietet. Für solche Ausflüge empfiehlt es sich grundsätzlich beim Rennradfahren noch ein paar normale Schuhe im Rucksack zu haben. Die Rentner jedenfalls mustern uns argwöhnisch, wie wir unsere Schuhe wechseln und die Rennräder schiebend auf dem Schotterweg weiterlaufen.

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Die Rittner Erdpyramiden sind die höchsten und schönsten Europas. Sie entstehen dadurch, dass ein Stein, das das lehmige Material trocken hält und so vor dem abfließen schützt. Im trockenen Zustand ist der späteiszeitliche Moränenlehm steinhart und wächst unter dem Schutz des Steines wie eine Säule bis zu 30 Meter in die Höhe.

Irgendwo im Nirgendwo

Hatte ich schon einmal erwähnt, wie suboptimal mein Orientierungssinn ist? Nein? Dann tue ich das hiermit. Denn nach einem laaaaangen Bergabstück müssen wir schließlich feststellen, dass wir uns verfahren haben. Und was tut man, wenn man gerade mehr als 1.000 Höhenmeter in den Knochen hat? Jedenfalls nicht zurück den Berg hinauf fahren. Statt dessen versuchen wir es geradeaus und finden dank Smartphone eine Alternative: über den kleinen Ort Saubach wollen wir hinab ins Eisacktal gelangen und von dort (hoffentlich ebenerdig) zurück nach Bozen fahren. Der Nachteil: Die Tour wird damit um gute 10 Kilometer länger und ob wir damit wirklich die Steigung umgehen, wissen wir natürlich vorher nicht.

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Das Glück ist uns hold – und wir gelangen auf schmalen Straßen und mit einer kleinen Ausnahme größtenteils ebenerdig und bergab nach Saubach. Wir sehen Orte, die wir sonst wahrscheinlich nie gesehen hätten, Obstplantagen und Sonnenblumen sowie Ziegen auf der Straße. Das ist das Südtirol, das ich liebe.

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Über den Eisacktal-Radweg zurück nach Bozen

Im Tal angekommen liegen nun noch 20 Kilometer auf der Landstraße SS12 vor uns. Doch stellten sich diese als Highlight der ganzen Tour heraus. Was wir nämlich vorher nicht wussten, ist dass wir im Eisacktal mitten auf dem ausgebauten Bantrassenradweg von Brixen nach Bozen gelandet sind. Dieser führt leicht bergab nach Bozen und zwar herrlich gelegen an der Eisack entlang.

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Immer wieder gibt es sogenannte „Radstationen“ auf der Strecke – kleine Gaststätten, die sich auf die Versorgung von Radfahrern spezialisiert haben. Nachdem wir seit dem Morgen keine wirkliche Pause eingelegt haben, kommt uns das gerade recht. Bei einer kleinen Bio-Gaststube genießen wir die letzten Sonnenstrahlen bei einem frisch gezapften Radler.

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Die restliche Strecke bis Bozen ist dann förmlich ein Kinderspiel. Bis nach Bozen ist der Radweg ausgeschildert und führt mal rechts mal links der Eisack, aber immer auf eigens für Radfahrer reservierten Wegen bis in den Ortskern. Dann müssen wir nur noch unser Auto finden und die Geschichte geht glimpflich mit einem Happy End zu Ende.

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Den Eisacktal-Radweg kann ich übrigens auch weniger geübten Radfahrern empfehlen. Fährt man mit dem Zug nach Brixen und dann von dort aus mit dem Rad nach Bozen muss man kaum Höhenmeter überwinden und man kommt dennoch in den Genuss der lieblichen Südtiroler Landschaft.

Streckendetails

  • Länge: 53 Kilometer
  • Höhenmeter aufwärts: 1.478
  • Höhenmeter abwärts: 1.525
  • Dauer im Schlappistatus: 5 Stunden
  • Schwierigkeit: leicht/mittelschwer (sagt jedenfalls mein Rennradbuch)

Soll ich oder soll ich nicht?

Und ich sollte vielleicht doch mal mit dem Mountainbiken anfangen, um beim Radfahren mehr Natur zu erleben. Allerdings wäre da immer noch das Problem mit dem Fotografieren und unanstrengend ist das ganze ja auch nicht. Mal abgesehen von meiner mangelnden Fähigkeit mich in unwegsamem Gelände mit dem Rad den Berg hinabzustürzen. Vielleicht bleibe ich in den Bergen einfach beim Wandern. Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn man sich ein Stückchen verlaufen hat.

Radfahren oder Wandern: Was bevorzugt ihr?

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4 Kommentare

  • Die Pyramiden sehen ja richtig ulkig aus. Ich werde mir das ganze bei meiner nächsten Tour im Eisacktal mal vom nahen anschauen. Schöner Tipp. Vielen Dank!!

  • Sehr schöne Tour, muss ich mir gleich mal merken! :) Und nur Geduld, das mit der Kondition beim Rennradfahren kommt schneller als Du denkst.

    Ich bin bekennender Wandermuffel, mit dem Rad ist man vielleicht nicht ganz so in der Natur, aber man macht mehr Strecke und sieht auch viel Natur, wenn man die richtigen Straßen nimmt. Vielleicht ist ja ein Cyclocrosser was für Dich, damit kann man auch mal Feldwege oder Waldwege nehmen und hat trotzdem schmale Reifen für den Speed auf der Straße. ;)

    Liebe Grüße!

  • Wunderschöne Bilder. Ich war letztes Jahr mit meinem Freund in einem Hotel in Marling, dort haben wir auch eine Mountainbike Tour gemacht! Es ist einfach total schön dort!

  • Südtirol ist ein Traum. Es gibt keinen schöneren Erdfleck, oder Felsfleck ;) Im Eisachtal war ich auch schon. Letztes Jahr dann im Hotel Klausen. Ich glaube in der Gegend gibt es gar keinen schlechten Ort?! :D

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