Belle-Ile – die schön(st)e Insel im Süden der Bretagne

Ein kalter Wind fegt mir entgegen als ich mich auf den Weg zum Fähranleger mache. Es ist noch früh und eine dicke, graue Wolkenschicht hängt über dem Hafen von Quiberon im Süden der Bretagne. Von hier aus soll mich die Compagnie Océane innerhalb von einer Stunde zur Belle-Ile, der „schönen Insel“ bringen. „Ob sie ihrem Namen wohl gerecht werden wird“, frage ich mich und wickele meinen Schal dichter um meinen Hals. Ich mache mich trotzdem auf den Weg aufs Deck. Wetter hin oder her: ich muss die Fahrt einfach an der frischen Luft genießen.

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Guten Morgen du schöne Belle-ile!

Bereits als wir den Hafen von Le Palais, dem größten Ort der Insel, erreichen, beginnt sich die Wolkendecke ein wenig zu lichten und die Luft fühlt sich direkt ein paar Grad wärmer an. Mein Guide Pierre wartet bereits auf mich.

Unsere erste Station ist die Fischkonservenfabrik La Belle-Iloise. Das Familienunternehmen stellt bunte Fischkonserven in allen Farben und Geschmacksvariationen in Handarbeit her. Direkt daneben schlemmen wir uns in der Biscuiterie La Bien Nommée durch die keksigen Inselspezialitäten, die ein wenig besser zur morgendlichen Uhrzeit passen, als die deftigen Fischvariationen der Nachbarn.

Bevor wir uns die Serpentinen vom Hafen zur Zitadelle machen, schauen wir noch kurz auf dem kleinen Markt vorbei, der jeden Tag auf dem dörflichen Marktplatz stattfindet. Hier kaufen die Einwohner ihren frischen Fisch, Obst und Gemüse sowie Blumen. Wir beobachten fasziniert das Treiben. Ich finde ja nirgends sonst kann man den Flair eines Ortes so gut einfangen wie auf dem Wochenmarkt.

Die pyramidenförmige Zitadelle thront direkt über dem Ortskern und ist auch für Kulturbanausen (wie mich?!) einen Besuch wert – alleine wegen des phänomenalen Ausblicks, den man von dort aus auf die Küste und La Palais hat.

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Mittagessen im Port de Sauzon

Unser nächster Stopp, der Hafen von Sauzon,  ist keine 15 Minuten Autofahrt entfernt – einer der Vorteile einer doch recht überschaubaren Insel. Dass hier die meisten Touristen gerne unterkommen wundert mich nicht. Die ruhige Bucht mit lauter Schiffen und die bunten Häuschen entlang der Hafenpromenade versprüht direkt Urlaubsflair.

Wir essen im Restaurant Saint-Louis am Hafen zu Mittag und ich lasse mir von Pierre zeigen, wie man Garnelen eigentlich richtig ausnimmt, ohne mich sofort als Leihe zu outen. Irgendwie sieht das Ganze bei ihm trotzdem viel einfacher aus!

Bevor es weitergeht schlendern wir noch ein wenig am Hafen entlang und Pierre erzählt, warum es die hiesigen Hotels durch den Boom von Airbnb so schwer haben. Gewinner der Sache sind wohlhabende Pariser, die auf der Insel leerstehende Wohnungen kaufen und sie über die Plattform vermieten. Ich bin überrascht, die Problematik mal von einer anderen Seite zu sehen, dachte ich doch immer ich würde mit meiner Buchung über Airbnb die Bevölkerung vor Ort unterstützen.

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Am Pointe des Poulans

Es dauert wieder keine 20 Minuten bis wir das Kap Pointe des Poulans und somit das andere Ende der Insel erreichen. Trotz strahlendem Sonnenschein weht uns ein rauer Wind entgegen, doch gerade diese natürliche, raue Landschaft macht doch irgendwie den Charme der Bretagne aus. Wir spazieren vom Parkplatz zum Leuchtturm und ich verstehe langsam, was Monet an der kleinen schönen Insel gefunden hat.

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Küstenwanderung mit alpinem Charakter

An der Bucht Kerel ist es dann Zeit Abschied von Pierre zu nehmen. Von dort aus wandere ich auf eigene Faust nach Port Coton, vor dessen Felsen Monet so sehr inspiriert war, dass sie heute im New Yorker Metropolitan Museum of Art zu finden sind.

Aber zwischen mir und meinem Endpunkt liegt ein überraschend wilder und alpiner Wanderweg, den ich so nicht von einer Küstenwanderung erwartet hatte. Hoch und runter geht es immer entlang der Küstenlinie und mit spektakulären Ausblicken auf die türkis schimmernden Buchten, die so aussehen, als würden sie eher in die Karibik passen als an den rauen Atlantik. Tja, die Bretagne kann einen eben immer wieder aufs Neue überraschen.

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Übernachten auf den Klippen im Hotel Grand Large

Als ich schließlich mein Hotel für diese Nacht erreiche bin ich völlig erledigt. Auf so eine anstrengende Wanderung zum Ende des Tages war ich nicht vorbereitet. Trotzdem hat sich jeder einzelne Kilometer davon gelohnt. Leider hat der hauseigene beheizte Pool inzwischen schon geschlossen, sonst wäre er genau die angenehme Erfrischung gewesen, die ich jetzt gut gebraucht hätte.

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Während ich mir statt dessen ein Glas Wein genehmige und den Sonnenuntergang aus dem Fenster beobachte, möchte ich noch gar nicht daran denken, dass ich am nächsten Tag schon wieder dieses kleine Paradies verlassen muss.

Fest steht: Die Belle-Ile hat ihren Namen auf jeden Fall zurecht! Und ich kann es kaum erwarten eines Tages zurückzukehren und einen ganzen Urlaub auf der kleinen Insel zu verbringen. Dann miete ich mir aber auf jeden Fall eine alte Ente um die Insel so richtig stilvoll zu entdecken!

Vielen Dank an Tourisme Bretagne für die Einladung auf die Belle-Ile.

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