Novembertage in Wien und meine 10 Tipps für deinen ersten Besuch

Ich sitze gerade in einem Café im vierten Bezirk von Wien und nutze gerade eine Stimmung, die mich bei Städtetrips höchst selten überkommt. Euphorie. Euphorie für diese Stadt und das dringende Bedürfnis, diese mit der Welt teilen zu müssen. Dabei bin ich überhaupt nicht mit der Absicht in diese Stadt gekommen um hier in irgendeiner Art Sightseeing zu machen. Geschweige denn darüber zu schreiben. Und doch ist es irgendwie passiert. Einfach so. Wien hat mich berührt. Mit seiner melancholischen Novemberstimmung, seiner Kultur und seinen Menschen, von denen ich an diesem Wochenende auch einige zauberhafte „Exemplare“ kennenlernen durfte.

Und weil ich mir wünsche, dass auch ihr eines Tages dieses Gefühl empfindet, was ich gerade fühle, möchte ich mit euch meine 10 Lieblingsorte und Dinge teilen, die ich an diesem Wochenende erkundet habe. Nein, keine ultimativen, noch nie dagewesenen Insidertipps. (Da fragt ihr besser die Wiener selbst.) Sondern einfach nur die Dinge, die diese Stadt für mich irgendwie besonders (schön) machen und die ihr prima innerhalb eines  Wochenendes erkunden könnt.

Eine Runde durch den ersten Bezirk

Dichter Nebel lag über der Stadt als mein Nachtzug am Freitag morgen um 8 Uhr in den Bahnhof einrollte. Während er mich feucht-nass einhüllt, auf meinem Weg zum Hotel, wickelt mich auch die Stadt um den Finger. Und ehe ich mich versehe, finde ich mich plötzlich mit einem Reiseführer in der Hand auf dem Weg in den ersten Bezirk wieder. Im ersten Bezirk befinden sich so ziemlich die meisten klassischen Sehenswürdigkeiten Wiens und so zieht es mich zunächst auch erst einmal hierher.

Dass ich mir den Reiseführer hier eigentlich hätte sparen können (wie auch auf dem Rest der Reise) merke ich schnell. Denn man stolpert ganz automatisch an den typischen Highlights vorbei. Hofburg, Oper, Karlskirche, Stephansplatz – sie alle liegen dicht beieinander. Ich weiß noch als ich das erste Mal in Wien war, ich war 14 Jahre alt und völlig überwältigt von der immerhin zweitgrößten deutschsprachigen Stadt. Bei einem Bummel durch den „Ersten“ fühlt sich die Stadt plötzlich ganz klein an. Natürlich ein Trugschluss, aber dennoch kann man das Stadtzentrum super zu Fuß erkunden (24 Kilometer bin ich an diesem ersten Tag trotzdem gelaufen).

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Pferdekutschen & Wien von oben: Stephansdom

Während sich an schönen Tagen die Touristen an der Schlange des Aufzugs auf den Turm des Stephansdom die Füße platt stehen, wie sonst die Pferde vor den zahlreichen Kutschen, die den Platz vor der Kirche bevölkern, gibt es neben mir an diesem nebligen Novembermorgen nur ein paar andere Irre, die sich der eisigen Kälte aussetzen und einen Blick auf die nebelverschleierten Dächter Wiens werfen wollen. Aber soll ich euch was verraten: mir gefällt die Stimmung bei diesem Wetter viel besser. Eine Touristin aus Russland macht netterweise ein Foto von mir und ich versuche auszuharren und die Aussicht einzufangen, bis ich Hände und Füße kaum mehr bewegen kann. Wie gut, dass man sich im Inneren der Kirche noch ein wenig aufwärmen und die nächsten Stationen planen kann.

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Eine Melanche in einem traditionellen Kaffeehaus trinken

Wie gut, dass nicht alle Wien Highlights einen Aufenthalt im Freien voraussetzen. Und so lande ich im berühmten Wiener Kaffeehaus Hawelka in einer Seitengasse unweit vom Stephansplatz entfernt. Eine Melange und ein Stückchen warmer Apfelstrudel wecken meine tauben Hände und Füße wieder auf. Natürlich sind neben mir auch noch andere Touristen da (wie so ziemlich überall in Wien), aber dennoch bleibt der typische Kaffeehausflair erhalten. Ich schmökere noch ein bisschen im Reiseführer und überlege meine nächsten Schritte.

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Über den Naschmarkt schlendern (mit Glühwein in der Hand)

Bis ich den Naschmarkt erreiche, sind meine Hände schon wieder zu Eisklumpen erstarrt und ich genehmige mir gemeinsam mit einer lieben Bloggerfreundin, die auch gerade in Wien unterwegs ist, den ersten Glühwein in diesem Jahr, bevor wir durch die ziemlich leer gefegten Marktstände schlendern. Ich weiß noch genau, wie mich damals bei meinem ersten Besuch die Größe des Marktes überwältigt hat, heute kommt er mir eher klein vor. So ändern sich die Perspektiven. Statt in einem der klassischen österreichischen Lokale rund um den Markt einzukehren, bevorzugen wir eine Falafelbox in einem kleinen kleinen ökologischen Café – versteckt, zwischen all den Ständen mit Oliven, Blumen und Gewürzmischungen.

Wien Sightseeing Tipps: Über den Naschmarkt schlendern (mit Glühwein in der Hand) Wien Sightseeing Tipps: Über den Naschmarkt schlendern (mit Glühwein in der Hand)Wien Sightseeing Tipps: Über den Naschmarkt schlendern (mit Glühwein in der Hand)

Ein Spaziergang am Kanal

Als die Sonne sich am Nachmittag überraschend zeigt, beschließen wir entlang des Kanals und durch den Stadtpark in Richtung Prater zu schlendern. Der liegt nicht gerade um die Ecke, aber da wir beide gerne wandern beziehungsweise zu Fuß gehen, stört uns das nicht weiter. Ich finde nur zu Fuß bekommt man wirklich einen Eindruck für die Ausmaße und Lage einer Stadt – und wenn dann noch die Sonne scheint, gibt es eigentlich nichts Schöneres. Unterwegs bieten sich immer wieder ein paar schöne Ausblicke auf die Stadt und den Kanal, bis wir ihn schließlich Richtung Prater überqueren und den Rücken zukehren.

Wien Sightseeing Tipps: Ein Spaziergang am Kanal Wien Sightseeing Tipps: Ein Spaziergang am Kanal

Über den Prater bummeln (oder zumindest das Riesenrad fotografieren)

Der Kanal samt Sonnenuntergang hat mich irgendwie ziemlich aufgehalten, so dass letztendlich statt für einen Besuch des Praters nur die Zeit für ein schnelles Foto bleibt. Wer möchte und noch nicht genug von Ausblicken auf Wien hat, kann natürlich den Rummel besuchen und mit dem Riesenrad und anderen Fahrgeschäften fahren.

Wien Sightseeing Tipps: Über den Prater bummeln (oder zumindest das Riesenrad fotografieren)

Slow Food genießen

Mir für meinen Teil reicht es aber erst einmal mit Draußenaktivitäten und ich widme den Nachmittag statt dessen lieber der Genussseite in mir. Erste Station: die Lunzers Maß-Greißlerei, dem ersten verpackungsfreien Supermarkt Österreichs, in dem ich nicht nur die sympathische Besitzerin kennen lerne, sondern mir auch einen hausgemachten Maronenkuchen sowie eine Tasse heiße Schokolade schmecken lasse.

Wien Sightseeing Tipps: Slow Food Genießen Wien Sightseeing Tipps: Slow Food Genießen

Aber das war nur der Auftakt eines langen kulinarischen Abends. Denn später geht es weiter in die Labstelle, einem Michelin- und Gault Millau-gekrönten Slow-Food-Restaurants mitten in der Stadt. Weil ich mich immer so schlecht entscheiden kann, ordere ich das vegetarische Überraschungsmenü und lasse mich auf die regionalen und saisonalen Speisen ein, die der Küchenchef mir kredenzt. Dabei genieße ich die moderne und trotzdem gemütliche Atmosphäre und die schönen Gespräche mit den anderen Bloggern, mit denen ich diesen Abend gemeinsam verbringe.

Wien Sightseeing Tipps: Slow Food Genießen Wien Sightseeing Tipps: Slow Food GenießenWien Sightseeing Tipps: Slow Food Genießen

Shopping mal anders mit Lucie

Ziemlich platt vom langen Abend zuvor (und den 24 Kilometern vom Vortag) treffe ich am nächsten Morgen eine interessante Persönlichkeit, die mit ihrer motivierenden Art meine Müdigkeit ganz schnell vergehen lässt: Lucie. Die Stylistin stammt eigentlich aus New York und bietet seit ein paar Jahren etwas andere Shoppingtouren quer durch Wien an.

Wir erkunden gemeinsam den 4. Bezirk, in dem, wie sie erzählt, die Geschäfte glücklicherweise etwas früher öffnen als in anderen Stadtteilen. Denn es ist gerade einmal 10 Uhr morgens, als wir das erste Geschäft betreten. Es folgen noch zahlreiche weitere und ich bin immer wieder überrascht, welche regionalen und oft fairen Shops man abseits der Haupteinkaufsmeile so erkunden kann, wenn man weiß, wo sie sich verstecken. Lucie kennt sie alle und ich hätte am liebsten den ganzen Tag mit ihr und ihrem sympathischen Lachen verbracht.

Wien Sightseeing Tipps: Shopping mal anders mit Lucie Wien Sightseeing Tipps: Shopping mal anders mit Lucie Wien Sightseeing Tipps: Shopping mal anders mit Lucie

Der Klassiker: das Schloss Schönbrunn

Gegen Mittag ging es dann zu der Veranstaltung, wegen der ich eigentlich in Wien war. Nämlich dem Reisesalon, der in diesem Jahr in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn stattfindet. Natürlich schaue ich auch beim Schloss selbst vorbei und werde ganz unerwartet Zeuge der offiziellen Weihnachtsmarkteröffnung, der jedes Jahr auf dem Vorplatz statt findet. Chorgesang und die leuchtenden Lichter des riesigen Weihnachtsbaumes schaffen es tatsächlich, mich ein bisschen in Vorweihnachtsstimmung zu versetzen.

Wien Sightseeing Tipps - Der Klassiker: das Schloss SchönbrunnWien Sightseeing Tipps - Der Klassiker: das Schloss Schönbrunn Wien Sightseeing Tipps - Der Klassiker: das Schloss Schönbrunn

Lainzer Tiergarten oder auch: ein Besuch im/am Wienerwald

Am Sonntag Morgen werde ich zum ersten Mal von der Sonne geweckt. Jetzt heißt es nichts wie raus. Und da ich nach ein paar Tage in der Stadt bekanntlicher Weise regelmäßig in die Natur flüchte, steht das Ausflugsziel schnell fest. Der Lainzer Tiergarten am Rand des Wienerwaldes, den ich gemeinsam mit zwei weiteren lieben Wienern besuche. Wir beobachten das Dammwild und die Enten auf dem kleinen Teich und kehren schließlich für einen Kaffee in das kleine Hermesvilla ein, das einst die Sommerresidenz von Kaiserin Sissi war. Oft kann man in der großzügigen Parkanlage sogar freilaufende Wildschweine sichten.

Wien Sightseeing Tipps: Lainzer Tiergarten oder auch: ein Besuch im/am WienerwaldWien Sightseeing Tipps: Lainzer Tiergarten oder auch: ein Besuch im/am Wienerwald Wien Sightseeing Tipps: Lainzer Tiergarten oder auch: ein Besuch im/am WienerwaldWien Sightseeing Tipps: Lainzer Tiergarten oder auch: ein Besuch im/am Wienerwald

Und so geht nun mein Wien-Wochenende hier im Café Zweitbester zu Ende. Draußen ist es bereits dunkel. Und um 21 Uhr fährt auch schon mein Nachtzug, der mich bis Morgen früh wieder zurück nach Koblenz bringt. Ich hoffe dieser Beitrag transportiert die Stimmung, in der ich mich gerade befinde. Und ich freue mich, wenn der ein oder andere von euch vielleicht mal auf meinen Spuren in Wien unterwegs ist. Und der ein oder andere Tipp dabei ist, der euch auch so berührt wie mich. In diesem Sinne: „Servus, Baba und Pfiat euch!“

Wart ihr schon in in Wien und habt noch weitere Tipps auf Lager? Ich freue mich auf euren Kommentar!

PS: Und schaut auf jeden Fall auch auf den Blogs der lieben Menschen vorbei, die mein Wien-Wochenende so schön gemacht haben: Janett von Teilzeitreisender, die mit mir ihr Nachtzugabteil geteilt hat, weil mein Ticket falsch ausgestellt war, und Elena von Creativelena, die mich mit ihrer positiven Ausstrahlung direkt um den Finger gewickelt hat. Ich danke Kathi und Romeo von Sommertage für den schönen Ausflug in den Tiergarten und die spannenden Gespräche und Kathrin von Fräulein Draußen, für das spontane Naschmarktdate sowie allen anderen, die ich an diesem Wochenende kennenlernen oder wiedersehen durfte!

Meine Reise nach Wien fand im Rahmen des Reisesalons statt, denen ich für die Einladung herzlich Danke.

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