Zu den Pinguinen auf der Isla Magdalena {Punta Arenas}

Noch steht die Sonne tief am Himmel, aber es verspricht ein herrlicher Tag zu werden. Obwohl ich an diesem Morgen so ziemlich alle warmen Klamotten übereinander gezogen hat, lässt der kalte Wind mich frieren. Eisig fegt er über die kargen Hügel der kleinen Insel. Was mich auf dieses verlassene Eiland namens Magdalena geführt hat? Pinguine. Und zwar die größte Kolonie ganz Südchiles. Und so habe ich in Ushuaia eisern auf die überall angepriesenen Touren verzichtet. Denn erstmal sind die Kolonien dort ziemlich weit entfernt, dazu sind die angebotenen Touren extrem teuer und die meisten Anbieter (bis auf den Teuersten) haben keine Erlaubnis an Land zu gehen.

Auf der Isla Magdalena auf der ich mich gerade befinde, habe ich dagegen die Möglichkeit gemeinsam mit 60.000 Pinguinen spazieren zu gehen. In dem gleichnamigen Nationalpark kann man auf abgesperrten Wegen die Insel auf einem Rundgang erkunden und die Pinguine in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Aber nicht nur Pinguine gibt es in dem Naturschutzgebiet zu sehen: auch Kormorane und zahlreiche weitere Seevögel sowie Seelöwen sind hier zu Hause.

Die Touren starten in Punta Arenas, der Hauptstadt der Región de Magallanes y de la Antártica Chilena. Wer wie ich nur wenig Zeit in der Gegend hat und trotzdem Pinguine sehen will, dem empfiehlt sich eine geführte Tour zur Insel zu buchen. Die Touren starten im Zentrum der Stadt vor dem Büro des jeweiligen Anbieters. Im Großen und Ganzen gibt es zwei Anbieter: Comapa Tourismo und Solo Expediciones. Comapa Tourismo startet täglich um 15 Uhr zur Insel, die Kosten für die Tour sind mit 30.000 Chilenischen Pesos günstiger als die von Solo Expeditiones, die rund 50.000 Pesos kostet. Sie startet dagegen um 7 Uhr morgens und beinhaltet auch einen Abstecher zur Marta Island, wo man vom Boot aus Seelöwen, Kormorane, Möwen, antartische Tauben und Seeelefanten beobachten kann.

Da wir bereits am kommenden Nachmittag die Stadt wieder verlassen werden, bleibt uns nur die teuerere Morgentour mit Solo Expediciones. Gefühlt mitten in der Nacht stehen wir also bei strahlendem Sonnenschein vor dem unscheinbaren Büro der Agentur, das wir schon von der Buchung am Vortag kennen. Zu uns gesellen sich nur rund 20 andere Pinguinliebhaber – vielleicht der Vorteil der teureren Variante. Per Minivan geht es zunächst zum Bootsanleger in Laredo, wo bereits der kleine Katamaran auf uns wartet. Die See ist ruhig und das Boot gleitet sanft über die schwarzblauen Fluten der Magellanstraße. Wir halten gespannt die Augen nach Delfinen auf, die sich manchmal auf dem Weg zeigen, aber einzig ein paar Möwen kreisen über unseren Köpfen.

Punta Arenas Punta Arenas

Als wir die Insel Marta erreichen, dürfen wir alle aus dem Boot klettern und am Rand des Rumpfes Platz nehmen. Von dort können wir die Seelöwenkolonie und die Kormorane, die oben auf dem Felsen brüten am besten beobachten. Ein paar Jungtiere kommen ganz nah ans Boot heran, so dass man sie sogar riechen kann. Wenn mir einer erzählt, dass Pinguine stinken, der sollte mal Seelöwen riechen. Anlegen darf man auf dieser Insel nicht um die Flora und Fauna nicht zu stören.

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Nach einer viertel Stunde geht es weiter – ich kann es nun kaum mehr erwarten endlich die Pinguine aus nächster Nähe zu sehen. Meine Befürchtungen, dass die Zahl der Pinguine auf Magdalena Island hoffnungslos aufgebauscht wird, lösen sich glücklicherweise mit Ankunft bei der Insel auf. Schon vom Wasser aus kann ich die Tausende Pinguine erkennen, die auf der kargen Insel herumwuseln.

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Eine Stunde Zeit haben wir ab jetzt, die Insel auf einem abesteckten Pfad zu erkunden und den Pinguinen ganz nah zu kommen. Die Pfade dienen dem Schutz der Tiere. Sie halten zwar uns ab, in den Pinguinnestern herumzuspazieren, aber nicht die Pinguine, die sich nicht selten zu uns gesellen und uns ein Stück des Wegen begleiten. Man hat förmlich das Gefühl als wollten sie mit uns kommunizieren.

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Der Weg führt uns einmal um die Insel zu einem kleinen Leuchtturm – dem einzigen Gebäude auf der Insel – und anschließend zurück zum Bootsanleger. Die Zeit vergeht wie im Flug aber bietet uns genug Gelegenheit die 600.000 Magellan-Pinguine in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben. Wir beobachten Eltern, wie sie in die Erdlöcher zu ihren Nestern krabbeln, noch ganz flauschige Jungtiere, die ihre ersten Erfahrungen in der Gruppe sammeln und liebevolle Partner, die gemeinsam Seite an Seite die Insel unsicher machen.

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Nach einer Stunde auf der ausgesetzten Insel sind wir völlig durchgefroren und ein wenig froh zurück auf dem Boot zu sein, wo wir von der Crew mit heißem Tee, Café und Keksen begrüßt werden. Auch wenn die Tour mit rund 70 Euro pro Person auch nicht gerade günstig ist, war sie ihr Geld auf jeden Fall wert. Selten hat man die Gelegenheit, den Pinguinen so nah zu kommen, ohne sie jedoch in ihrem Lebensraum zu stören.

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Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten sowie aktuelle Preise und Abfahrtszeiten findest du HIER und HIER.

Hast du schon einmal Pinguine in freier Wildbahn beobachten können? Wenn ja wo und wie hat es dir gefallen?

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