Chile Chico: Wandern im chilenischen Bryce Canyon

Während ich durch ein Meer an imposanten Felsformationen wandere, frage ich mich immer wieder, woran mich diese unwirkliche Landschaft erinnert. Wie Speere schauen manche Felsen aus der grünen Steppe hervor. Und dann erinnere ich mich plötzlich an ein Bild vom beeindruckenden Bryce Canyon in den USA, der schon lange auf meiner Bucket List steht. Genau daran erinnert mich die Schlucht nahe der Stadt Chile Chico im Norden Patagoniens, die gerade vor mir liegt.

Warum Pläne manchmal dazu da sind über den Haufen geworfen zu werden

Eigentlich war mein Zwischenstopp in Chile Chico gar nicht geplant.

Eigentlich wollte ich längst in Bariloche sein, wenn mir keine ausgebuchten Busse einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten.

Eigentlich hätte ich den „chilenischen Bryce Canyon“ garnicht besucht, weil ich einfach was ganz anderes geplant hatte, nämlich die Cuevas de Mármol. (Memo an mich: Nächstes Mal vorher erkundigen und nicht erst vor Ort feststellen, dass das geplante Ausflugsziel noch fünf Fahrstunden entfernt ist)

Und eigentlich bin ich jetzt im Nachhinein ganz froh, dass Pläne manchmal dazu da sind über den Haufen geworfen zu werden.

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Fakt ist: Chile Chico und ich hatten wirklich nicht den besten Start. Doch dass der Ausflug zum nahe gelegenen Naturschutzgebiet Reserva Lago Jeinimeni um einiges spannender werden würde, als ich gedacht hatte, merke ich schon bei der Anreise. Mit typisch chilenischer Pünktlichkeit (also nicht!) holt uns der Fahrer im Hostel ab und fährt mit seinem Jeep immer tiefer hinein in eine karge und doch faszinierende Steppenlandschaft. Auf holperigen Schotterpisten geht es in Serpentinen über Bergpässe und durch Schluchten, bis wir schließlich nach knapp einer Stunde den Startpunkt unserer Wandertour zu der sogenannten Cueva de las Manos, einer kleinen Höhle mit Handabdrücken und Malereien aus der Steinzeit, erreichen.

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Unser Fahrer aka Guide erklärt uns ein paar Dinge zur Tour bevor wir uns auf den Weg machen. Glücklicherweise sind wir mit einem Kolumbianer aus New York unterwegs, der freundlicherweise die Übersetzungsfunktion übernimmt – denn unser Spanisch lässt leider ebenso zu wünschen übrig wie das Englisch unseres Guides. Aber das sind wir aus Südamerika ja schon gewöhnt.

Auf schmalen Pfaden wandern wir im Gänsemarsch den Felsgebilden am Horizont entgegen. Außer uns ist nur ein weiteres Auto auf dem Parkplatz und auch auf dem Weg begegnen wir keiner Menschenseele. Überhaupt gibt es in Chile Chico kaum andere Touristen oder sie sitzen sie bereits im Bus zu den Cuevas de Mármol. Glück für uns, denn so haben wir das Naturschutzgebiet fast für uns alleine.

Je näher wir den Felsen kommen, desto imposanter werden sie. Die teilweise meterhoch senkrecht in die Höhe ragenden Felsen wirken als hätte sie jemand dorthin gestellt. In Wirklichkeit entstanden sie vor mehreren Tausend Jahren durch Eruptionen und witterungsbedingte, natürliche Sprengungen. Besonders unglaublich ist die Piedra Clavada, ein schmaler Felsen, der ganze 40 Meter in die Luft ragt. Erst im Vergleich zu einem Menschen daneben wird klar, wie gigantisch groß diese natürliche Statur ist.

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Während wir immer tiefer in den Canyon eindringen, kommen immer wieder neue Felsformationen zum Vorschein. Nicht selten bilde ich mir ein in ihnen Gesichter und Tiere zu erkennen. Manchmal gucken mich aber auch echte Gesichter an – nämlich die der Bergvizcachas, eine Art Chinchilas, die in den Felswänden zu Hause sind. Ein bisschen sehen sie aus wie flauschige Hasen.

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Nach etwa einer Stunde Fußweg bergauf haben wir das Aussichtsplateau erreicht und können den Blick Richtung Tal schweifen lassen. Und nur wenig später taucht dann auch der Eingang zur mysteriösen Cueva de las Manos vor uns auf. Schon beim Eintritt in die Höhle kann ich die roten Handabdrücke an der Wand erkennen und bei genauerem Hinsehen auch ein paar schwarze Tierfiguren ausmachen. „Bei uns wäre so etwas sicher schon durch mehrere Absperrgitter vor Besuchern geschützt – hier dagegen könnte ich die Malereien anfassen (was ich natürlich nicht tue).

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Haltet mich für einen Geschichtsbanausen, aber seien wir mal ehrlich: Auch wenn es faszinierend ist, sooo alte Relikte unserer Vorfahren hautnah zu sehen, kann die Höhle doch nicht mit der atemberaubenden Landschaft drum herum mithalten. Warum liest man vom Reserva Lago Jeinimeni nur nichts? Hat Patagonien so viele unglaubliche Flecken Natur zu bieten, dass so etwas in der Masse untergeht?

Nach einer Mittagspause in der Höhle setzen wir unsere kleine Wanderung fort. Der Weg führt uns weiter bergab ins Tal. Noch mehr Felsformationen kreuzen unseren Weg (beziehungsweise wir ihren). Auch wenn ich schon gefühlte 500 Bilder von unterschiedlichen Felsen auf meiner Speicherkarte angesammelt habe, kann ich nicht aufhören immer wieder neue zu fotografieren. Wenn noch einmal jemand bezweifeln sollte, wie ich trotz lauter Fotografieren die Schönheit der Umgebung überhaupt noch genießen könnte, dem kann ich nur um die Ohren werfen: Nicht trotz, sondern WEGEN! Denn während mein Geist quasi schon übersättigt ist vor lauter Panoramen, schärft das Fotoauge den Blick auf die Details, die kleinen Dinge am Wegesrand, die ich sonst einfach übersehen würde.

Und so verbringe ich den Rückweg damit zu Fotografieren und dann möglichst ohne Sturz den Rest unserer kleinen Gruppe einzuholen. Wie so üblich.

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Schon von Weitem war mir eine weiße Felsformation aufgefallen, die meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Jetzt führt uns der Weg mitten hindurch. Was aus der Ferne aussah wie ein paar helle Felsbröcke wirkt aus der Nähe als würde man über den Mond laufen. Und genauso heißt die Formation auch: Valle de la Luna, das Tal des Mondes. Ich kann mich kaum satt sehen an der skurilen Landschaft und entdecke immer wieder neue Gesichter in den weißen Felsen. Siehst du sie auch?

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Nach guten zwei Stunden reiner Gehzeit (und defacto 5 Stunden insgesamt) erreichen wir schließlich den Parkplatz, der nicht weit entfernt unterhalb des Mondtals liegt. Nachdem ich zuerst dachte unser Guide wäre überflüssig und auf eigene Faust und per Taxi zu der Rundwanderung aufbrechen wollte, war ich letztendlich doch froh einen Experten dabei gehabt zu haben, der genau weiß wo der Weg entlang führt und ein paar Details am Wegesrand zeigen konnte, die ich sonst sicher übersehen hätte. Mal abgesehen davon, dass wir eh keinen Taxifahrer gefunden haben, der uns dort in die Pampa bringen wollte. Vielleicht ganz gut so, bei meinem Orientierungssinn…

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Wandern im Reserva Lago Jeinimeni – Meine Tipps

Chile Chico liegt nicht weit vom argentinischen Los Antiquos entfernt, welches gut durch die Busroute El Chaltén – Bariloche angebunden ist (liegt ungefähr auf der Hälfte, ca. 12 Stunden Fahrt in beide Richtungen). Von Los Antiguos fährt täglich ein Minivan rüber nach Chile Chico und zurück. Dieser Fährt, sobald morgens alle Busse aus El Chaltén angekommen sind und kostet umgerechnet rund 15 Euro.

Die Tour zur Cueva de las Manos wird von mehreren Tourenanbietern in Chile Chico angeboten. Am besten gleich bei Anreise nach möglichen Optionen für den kommenden Tag erkundigen. Wir haben zu dritt circa 50 Euro pro Person für eine private Tour ausgegeben. Das ist nicht gerade günstig, aber auch nicht unüblich für Chile.

Wer mit einem eigenen Fahrzeug unterwegs ist und einen guten Orientierungssinn und Trittsicherheit mitbringt, kann es auch auf eigene Faust versuchen. Dann würde ich aber auf jeden Fall empfehlen die nachfolgende Tour als GPX auf ein Navigationsgerät bzw. das Handy laden, die ich bei Outdooraktive entdeckt habe.

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Wichtig: Wer wie wir gleich am selben Tag der Wanderung noch zurück nach Los Antiquos möchte um am nächsten Morgen den 7-Uhr-Bus nach Bariloche zu bekommen, muss sich vom Tourguide an der Grenze zu Argentinien absetzen lassen und die rund sieben Kilometer zwischen den beiden Grenzstationen zu Fuß oder per Anhalter zurücklegen, denn der Minivan fährt bereits am frühen Abend. Das dürfte aber eigentlich kein Problem sein.

Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall froh mich für den Ausflug ins Reserva Lago Jeinimeni entschieden hab und nicht für die Cuevas de Mármol. Denn egal wie spektakulär die auch auf den Bilder aussehen (googelt mal „Cuevas de Mármol“), nichts kann einen schönen Wanderausflug durch diese spektakuläre Canyon-Landschaft schlagen. #my2cents.

Oder was meinst du? Erinnert dich die Landschaft nicht auch an den Bryce Canyon?

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