Nichts als Sand: Die unendlichen Weiten der polnischen Sahara

Sand, Sand, überall nur Sand. Und Durst habe ich. Mühsam kämpfe ich mich durch den Sand auf die nächste Düne nur um festzustellen, dass dort bereits die Nächsthöhere wartet. Düne um Düne renne ich dem Horizont entgegen, bis ich schließlich auf der mit 42 Meter höchsten Düne Łącka Góra zum stehen komme. Um mich herum nichts als Weite und nur die Kälte verrät, dass ich nicht in der Sahara, sondern im Slowinzischen Nationalpark bin, der polnischen Sahara. Und das Gewässer am Horizont ist keine Fata Morgana sondern die Ostsee.

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Łeba und der Slowinzische Nationalpark

An der polnischen Ostseeküste zwischen den Orten Rowy und Łeba erstreckt sich der Slowinski Park Narodowy, der Slowinzischer Nationalpark. Das Besondere an diesem UNESCO Biosphärenreservat sind seine ausgedehnten Wanderdünen. Diese bewegen sich in Richtung Ostsüdosten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Metern im Jahr und begraben auf ihrem Weg alles unter sich, was ihnen in die Quere kommt. Der angrenzende Nehrungswald hat keine Chance gegen die Massen an Sand, die ihn Stück für Stück begraben. Auf der westlichen Seite der Dünen dagegen wird der Sand abgetragen und legt dabei den vor Jahrhunderten begrabenen Wald wieder frei. Aus den Sandmassen auftauchende tote Baumstämme sind Zeugen für das schon ewig andauernde Verschütten und Wiederauftauchen. Irgendwann wird auch der an die Dünen angrenzende  Lebsko See den Sandmassen zum Opfer fallen. Doch bis es soweit ist, dient der See als Refugium für Vögel, die in den Schilfbuchten ungestört nisten können.

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Wandern in der polnischen Sahara

Wer die legendären Dünen mit eigenen Augen sehen möchte, muss gut zu Fuß sein – oder auf den Sommer warten. Denn dann fahren die Elektrobusse wieder die sechs Kilometer lange Strecke vom Parkplatz in Łeba Rabka bis zur Wydma Łącka. Wer wie wir im Winter beziehungsweise ausbleibenden Frühling in den Nationalpark kommt muss wohl oder übel den Weg dorthin zu Fuß zurücklegen. Etwa eine Stunde benötigt man für den Weg, der Mitten durch den Buchen und Nadelwald führt. Trotz Frühling liegt noch Schnee – aber das ist wohl ein Fluch, der ganz Mitteleuropa in diesem Jahr heimsucht.

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Ein bisschen Bewegung kann ja nie schaden, vor allem, wenn man, wie wir noch am gleichen Tag morgens in Deutschland gestartet ist und somit längere – von Berlin etwa sechsstündige – Autofahrt hinter sich hat. Nach dem man die etwas langweiligen sechs Kilometer Waldstrecke zurück gelegt hat, kommt einem schon der erste Sand entgegen. Von dort aus geht es auf Sand steil bergauf.

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Holzpfosten markieren den Weg hinauf zur größten Düne, der Łącka Góra, die mit ihren über 40 Metern Höhe die Sandlandschaft dominiert. Hat man die Spitze der Düne erreicht, bietet sich ein phänomenaler Blick über die Sandlandschaft. Zu einer Seite eröffnet sich der Blick zur Ostsee, zur anderen Seite liegt der Lebsko See. Dazwischen nichts als Sand.

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Sonnenuntergang in der polnischen Sahara

Dunkle Wolken bieten uns eine dramatische Kulisse und verdunkeln die Sonne, welche bei ihrem Untergang den Himmel in zarten Pastelltönen leuchten lässt. Außer uns ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Den letzten Menschen sind wir am Eingang der Parks begegnet. Zu der späten Nachmittagsstunde sind alle anderen Wanderer selbstverständlich schon lange auf dem Rückweg beziehungsweise genießen bereits ihr deftiges polnisches Essen und den wohlverdienten Feierabend.

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Diese einmalige Stimmung war es wert, den Heimweg fast komplett im Dunkeln zurückzulegen. Das ist zwar nicht sonderlich schön (der Weg durch den Wald ist im Dunkeln auch nicht spannender), aber auf Grund des schnurgeraden Pfads, guter Ausschilderung und – in unserem Falle – dem hellen Schnee nicht weiter tragisch. Schließlich erreichen wir gegen sieben Uhr also gute eineinhalb Stunden später wieder den Parkplatz, wo unser Auto einsam auf uns wartet.

Reisezeit

Im Sommer ist die Dünenlandschaft ein beliebter Spiel- und Picknickplatz. In der unglaublichen Weite findet jeder sein ruhiges Plätzchen. Ohne Wasser sollte man dann die Wanderung nicht anfangen, denn der Sand kann sich auf bis zu 40 Grad aufheizen. Dann kommen tatsächlich Sahara-Assoziationen auf. Jetzt im Winter oder beginnenden Frühjahr teilt man den gesamten Park lediglich mit ein paar anderen Wanderern. Doch vielleicht kommt gerade dadurch diese einzigartige Atmosphäre besonders zur Geltung.

Für mich war ein Besuch der polnischen Sahara mein persönliches Highlight von Polen und sogar eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse auf meinen Reisen überhaupt. Und ich komme definitiv wieder – dann aber im Sommer, damit sich das Wüstenfeeling auch so richtig entfalten kann.

Habt ihr schon einmal von der polnischen Sahara gehört? Hättet ihr gedacht dass die polnische Ostseeküste ein so beeindruckendes Naturschauspiel zu bieten hat?

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