Same Same but Different: Beim Biathlon Weltcup 2013 in Oberhof

Schon wieder ist es soweit: der Biathlon Weltcup 2013: Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu – wie auch im letzten Jahr fahren wir die gewundenen Straßen hoch in den Thüringer Wald nach Oberhof, im Hotel bekommen wir das gleiche Zimmer und beim Warten in der Arena gibt es wie immer Würstchen und Tee. Manchmal ist aber auch alles anders: statt Schnee gab´s Regen ohne Ende, die Tanzfläche im Festzelt ist spiegelverkehrt und es herrscht Rauchverbot (Yeyyy!), die Pendelbusse zum Stadion fahren erst viel später und beim Einlass war irgendwie auch alles anders.

Ich bin ja eigentlich nicht so der Gewohnheitsreiser – ähnlich wie bei Büchern, Filmen und Co reise ich ungern zweimal zum gleichen Ziel (ich bin der Überzeugung, dass es einfach noch so viel schönes neues auf der Welt gibt), aber seit dem ich im letzten Jahr den Biathlon Weltcup in Oberhof erlebt habe, war klar: da muss ich nochmal hin. Die Stimmung ist bombe, die sportliche Atmosphäre wahrlich elektrisierend und die Partys lustig. Also haben wir bereits vor der Abreise im letzten Jahr unser Hotelzimmer für den Weltcup 2013 reserviert. Wer zum Biathlon will muss schnell sein: die meisten Quartiere sind spätestens im Februar für das darauffolgende Jahr ausgebucht. Auch bei den Karten heißt es wer zu erst kommt malt zu erst. Wer auf Nummer sicher gehen will und die Karten der Wunschkategorie bekommen möchte, sollte möglichst nach Freischaltung des Onlineverkaufs im September zuschlagen. Karten für die Strecke kann man auch noch vor Ort kaufen, da dort die Plätze quasi unendlich sind. Am Mittwoch nach Neujahr war es dann endlich soweit und ich reiste wie auch im letzten Jahr gemeinsam mit meiner Freundin in den Thüringer Wald.

Mittwoch, 2.1.: Eröffnungsfeier

Bevor es richtig los geht, werden die Wettkämpfe einen Tag vorher mit einer feierlichen Eröffnungsfeier eingeleutet. Hierzu werden alle Mannschaften einzeln aufgerufen und auf die Bühne geholt. Den Abschluss der Feier bildet ein großes Feuerwerk, danach geht die Feierei im Festzelt nebenan weiter. Wer hier feiern will, muss auch ein paar Apré Ski-Klassiker ertragen können. Dafür ist der Eintritt frei, die Getränkepreise moderat und die Stimmung bombastisch. Kleiderordnung: Sportlich, unser persönliches Markenzeichen: die weißen Mützen ;-)

Donnerstag, 3.1.: Damenstaffel

Bevor es los geht, stärken wir uns erst einmal mit einem ausgiebigen Frühstück. Wie auch im letzten Jahr wohnen wir im Aparthotel in einem kleinen Studio. Dank einer kleinen Kochnische samt Kühlschrank, Wasserkocher und Toaster können wir uns die Tage komplett selbst verpflegen. Um 13:30 ist Einlass in der Arena und so finden wir uns gegen 12:30 am Busplatz ein. Von dort aus bringen Pendelbusse die Massen in die DKB Skiarena, die etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt auf einer Anhöhe thront. Zu Fuß ist man eine gute dreiviertel Stunde unterwegs, jedoch bei entsprechend dicker Kleidung komplett durchgeschwitzt. So fällt die Entscheidung für den Pendelbus leicht. Jedoch ist in diesem Jahr alles anders: statt eine Stunde VOR Einlass, fahren die Busse erst eine Stunde NACH Einlass. Für uns bedeutet dies, dass wir entweder doch laufen oder schlechtere Plätze hinnehmen müssen. Wir entscheiden uns für letzteres und trinken noch gemütlich einen Kakao bevor es hinaus in die Kälte geht. Schließlich haben wir dann doch Glück: ein paar nette Herren haben Mitleid mit uns und überlassen uns ihre besten Plätze in der ersten Reihe. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich die uns gemacht haben. Bevor es los geht, herrscht in der Arena ein buntes Treiben. Die Athleten trainieren schon fleißig, die Techniker der Mannschaften testen die Skier auf Herz und Nieren und nebenbei wird die Strecke auf Vordermann gebracht. Es gibt also immer etwas zu sehen und so werden einem auch drei Stunden Wartezeit nicht zu lang. Am ersten Wettkampftag gibt es die Staffel der Damen zu sehen. Dabei setzen die Frauen das erste Highlight beim Heim-Weltcup: Hinter den Staffeln aus der Ukraine und Frankreich wird das deutsche Team bestehend aus Tina Bachmann, Miriam Gössner, Franziska Hildebrand und Nadine Horchler Dritter – und das trotz zweier Gössner-Strafrunden.

Freitag, 4.1.: Herrenstaffel

Auch am zweiten Wettkampftag wurde das Wetter nicht besser. Überhaupt ist Oberhof wegen seines schlechten Wetters verschrieen. Ein paar Österreichische Athleten haben daher den Start in Oberhof verweigert mit der Begründung in 9 von 10 Fällen krank aus dem Thüringer Wald zurückzukehren. Die meisten Athleten kommen jedoch immer wieder gerne nach Oberhof. Fast alle betonen die fantastische Stimmung, welche sie zu Höchstleistungen antreibe. Das hört man als Zuschauer doch nur zu gerne. So etwas wie am ersten Tag passiert uns am zweiten natürlich nicht nochmal und so gehen wir zu Fuß hinauf zur Arena. Das Wetter scheint noch schlechter als am ersten, die Sicht ist katastrophal – dazu kommt noch ein starker Wind, was die Schießleistungen noch stärker beeinträchtig als der eh schon störende Nebel. Trotzdem ist das Rennen für die Männerstaffel der Deutschen ein voller Erfolg. Nach Russland und Norwegen landen sie ebenfalls auf Platz Drei.

Biathlon_Oberhof2013-0

Samstag, 5.1.: Sprint Damen und Herren

Nach zwei spannenden Tagen in der Arena gönnen wir uns am dritten Tag eine kleine Auszeit. Eigentlich hatten wir geplant an diesem Tag selbst auf die Skier zu steigen, jedoch machte uns der fehlende Schnee einen Strich durch die Rechnung. Auch wenn es auf den Bildern anders aussieht: Schnee gab es die ganze Woche nur in der Arena in Form von Kunstschnee. Besonders spannend: diese Art Kunstschnee schmilzt erst bei 4 Grad plus, und so brauchte die Strecke nur einmal vor dem Wettkampf präpariert werden und hielt die ganzen vier Tage. Selbst fahren hätte ich auf der Strecke jedoch nicht wollen: der Kunstschnee war am letzten Tag sowas von vereist, dass ich wohl sicher keine 10 Meter weit gekommen wäre, bevor ich mich auf die Nase gelegt hätte. Auch aus unserer Alternative wurde nichts: die Skihalle war an allen Wettkampftage ausschließlich dem Training der Athleten vorbehalten. Und so wurde aus unserem Skitag ein gemütlicher Tag mit Ausschlafen, Quatschen und Bummeln im Intersport (mehr Geschäfte hat Oberhof leider nicht zu bieten). Die Sprintwettkämpfe der Frauen und Männer schauten wir gemütlich auf dem Hotelbett an. Das größte sportliche Highlight des Tages: Miriam Gössner gewinnt den Sprint der Damen, und beendet den Wettkampf trotz zwei Strafrunden mit zwei Sekunden Vorsprung auf die fehlerfreie Norwegerin Tora Berger. Zweitbeste Deutsche wird die noch angeschlagene Andrea Henkel auf Rang 3. Bei den Herren sieht es leider weniger rosig aus: bester Deutscher ist Arnd Peiffer auf Rang 12. Unser Abend wird dann wieder aktiver: nach einem leckeren Essen im italienischen Restaurant Corina (nur zu empfehlen, aber unbedingt reservieren) feiern wir im Festzelt in den Geburtstag meiner Freundin rein. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass dies ein laaanger Abend wurde…

Sonntag, 6.1.: Verfolgung Damen und Herren

Spät geendet und früh begonnen: da die Wettkämpfe am letzten Tag schon Mittags beginnen, quälen wir uns früh aus den Federn und sind bereits um 10 Uhr in die Arena. Nach zwei Tagen im Stadtion (Mobile Tribüne K kann ich nur empfehlen) haben wir an diesem Tag Karten für die Strecke. Die sind mit rund 20 Euro deutlich günstiger als die Arenakarten (30-35 Euro)und man kann sich entlang der Route frei einen Platz aussuchen. Wie die meisten anderen Zuschauer wählen wir einen Platz am sogenannten Birxtsteig, dem steilsten Anstieg auf der Strecke. Ganz unten suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen. Unschlagbarer Vorteil der Strecke: man ist den Athleten zum Greifen nahe und kann tolle Fotos schießen. Besonders bei den Damen sind die Ausgangbedingungen für die Wettkämpfe ausgesprochen gut, denn die Athleten starten bei der Verfolgung in der Reihenfolge und den Abständen aus den gestrigen Sprintwettkämpfen. Go Miri!

Leider liefen die Verfolgungsrennen für die deutschen Mannschaften nicht so gut. Miri verspielt ihren ersten Platz mit insgesamt ich glaube 15 Schießfehlern (folglich 15 Strafrunden) und auch die Herren haben gegen die starke Konkurrenz nur wenig auszurichten. Trotzdem waren es zwei unheimlich spannende Rennen und ich hoffe ihr verzeiht mir die nun folgende Bilderflut aus sportiven Momenten, die jedoch – besonders im Falle der Herren – ich denke auch für Nichtbiathlonfans ganz nett anzusehen sind… ;-) (Für alle diejenigen der Hinweis: die Deutschen sind die mit den schwarz-rot-goldenen Anzügen ;-))

Anders als viele andere, die gleich nach den Wettkämpfen die Heimreise antreten, haben wir noch einen Tag Zeit uns von Oberhof zu verabschieden. Wir verzichten auf das Gedrängel am Ausgang und warten noch ein bisschen in der Arena. Nach nur einer halben Stunde ist es plötzlich fast gespenstisch leer an der Strecke und die Aufräumarbeiten der Helfer sind bereits voll im Gange. Nur schwer können wir uns verabschieden und als wir die Arena verlassen sind wir beide ganz traurig. Schon wieder ein Jahr rum, und langsam muss man nun auch wieder an den Alltag denken, der uns in nur zwei Tagen wieder hat.

Montag, 7.1.: Abreise und endlich wieder selbst auf Skiern

Bevor wir nun unser persönliches Oberhofkapitel für dieses Jahr endgültig wieder schließen, geht es am Montag für uns zum Abschied in die Skihalle. Da die Leistungssportler Oberhof bereits verlassen haben oder kurz davor sind, ist die Skihalle nun wieder für den Breitensport geöffnet. Die DKB Skisporthalle ist einzigartig in Deutschland und bietet Langlaufvergnügen das ganze Jahr. Auf drei Strecken und über insgesamt etwa drei Kilometern kann man sich genügend auspowern. Es war unser erster Besuch und der Skihalle und wir sind angenehm überrascht: die Spuren sind breit, der Schnee ist schön und es ist auch gar nicht komisch, dass man in der Halle statt draußen trainiert. Mein nun insgesamt vierter Tag auf Skiern verlief super, mit jedem Tag verliebe ich mich mehr in diesen fantastischen Sport. Und auch wenn uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht und weiter in Richtung Frühling schwenkt: in der Skihalle werde ich dieses Jahr bestimmt noch ein paar Mal fahren.

Hier könnt ihr übrigens meinen Bericht vom letzten Jahr nachlesen.

Und wer jetzt Blut geleckt hat: der Biathlon Weltcup in Oberhof findet 2014 vom 3. bis 5. Januar statt. Jetzt aber schnell ein Hotel reservieren… unser Zimmer wartet bereits auf uns…

Steht ihr auch auf Sportevents oder lassen euch Muskelpower und Sportemotionen eher kalt?

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8 Kommentare

  • Toller Bericht. Ich finde ja, das Biathleten mit Abstand die härtestes Athleten sind. In meiner alten Heimatstadt waren die Jungs und Mädels im Sommer oft im Trainingslager, daher kenne ich ein paar von den alten Sportlern. Ich finde die Leistung absolut beeindruckend.
    Ist bestimmt ein tolles Ereignis, wenn das Wetter mitspielt ;-)
    VG,
    Jörg

  • Wenn so etwas interessiert ist das sicherlich spannend. MIr wäre das eindeutig zu kalt und vorallem dieser Schnee. Hauptsache es hat dir gefallen. Viele Grüße Summer

  • Du könntest direkt zur Sport-Berichterstattung wechseln ;-) Ich bin eigentlich nicht so der Sport-Event-Fan, aber deinen Bericht lesend, bekomme ich auch Lust, eimal einen solchen Event mitzuerleben.

    • Hallo Summer, ob ich einen zusammenfassenden Überblick mache weiß ich noch nicht, es ist jedoch so einiges in Planung in das ich euch bald einweihen werde :-) Als nächstes geht es in zwei Wochen nach Edinburgh, und zu Ostern werde ich einen Roadtrip machen, wohin verrate ich euch nächste Woche *freu* Auch der Sommerurlaub ist bereits in Planung. Was ich schon verraten kann ist: es wird wieder nach Südostasien gehen :-)
      Und für den Herbst ist Tauchscheinmachen angesagt, vermutlich in Ägypten im roten Meer…
      So jetzt weißt du mehr als alle anderen ;-)
      Liebe Grüße, Jana

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