Berlin auf der Spur: Neun Tipps für Superlative

Berlin und ich, das ist so eine Sache. Berlin ist cool – man fühlt sich irgendwie anders, irgendwie hipper, wenn man in der Ringbahn vorbei an den mit Graffiti besprühten Häuserfassaden fährt, durch die „arm-aber-sexy“ Stadtviertel schlendert und mit möglichst coolem Blick nach vorne es sich nicht anmerken lässt, dass man hier doch eigentlich nur Touri ist und sich mal wieder verlaufen hat. Für mich ist Berlin eine Stadt der Superlative: groß – extravagant und sexy. Und genau das war mein Plan: finde die größten, coolsten und besten Hotspots der Hauptstadt.

Ich muss ehrlich zugeben: irgendwie bin ich dann jedes Mal auch wieder froh in mein kleines Frankfurt zu kommen, was im Vergleich viel mehr Dorf als Großstadt ist. In Berlin bin ich ein notorischer Zuspätkommer schlicht und alleine deshalb, weil ich die Fahrzeiten von A nach B einfach hoffnungslos unterschätze. Wenn man in Frankfurt 10 Minuten in der U-Bahn sitzt, dann ist man von einem Ende der Stadt zum anderen Ende gelangt. In Berlin schafft man es in 10 Minuten gerade mal ins angrenzende Stadtviertel. Berlin und ich, das ist eine Hassliebe und doch kommen wir mit jedem Mal besser miteinander aus. Vielleicht auch deshalb, weil wir zum ersten Mal ganz alleine Zeit hatten uns gegenseitig zu beschnuppern. Meinen beruflichen Aufenthalt nämlich habe ich genutzt, der Faszination der Hauptstadt ein wenig auf die Spur zu gehen. Sicher werde und will ich euch gar keine Insidertipps geben. Nein, ich möchte euch einfach von meinem ersten richtigen Date mit Berlin erzählen und die Dinge zeigen, die mich begeistert haben.

1. Der Fernsehturm

Ihr wisst ja wie sehr ich Ausblicke liebe und auf einen Besuch des Fernsehturmes habe ich mich schon ganz lange gefreut. Schließlich ist er mit seinen 368 Metern Höhe als höchstes Bauwerk Deutschlands ganz sicher ein Superlativ. Wie stolz war ich als ich gegen sieben Uhr vor dem Eingang stand und direkt in den Lift steigen konnte ohne mir in einer langen Schlange die Beine in den Bauch zu stehen. Stolz, die Touristenfalls umgangen zu sein, trifft mich erstmal der Schlag: 12,50 Euro Eintritt für eine 40 sekündige Fahrt zur Aussichtsplattform ist ganz schön happig. Ich weiß nicht, was ich mir vorgestellt hatte, aber irgendwie war ich enttäuscht, dass man den Ausblick nur durch Scheiben betrachten kann – obwohl ich mir das ja hätte denken können. Was mich aber am meisten geärgert hat ist dass man es bei dem Eintrittspreis nicht mal für nötig zu halten scheint, die Scheiben ordentlich zu putzen.

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Klar war die Aussicht atemberaubend, aber irgendwie wollte sich das Glücksgefühl, was mich sonst beim Anblick eines Ausblicks ereilt nicht so richtig einstellen. Damit wollte ich mich einfach nicht zufrieden geben und begab mich am nächsten Tag weiter auf die Suche nach dem perfekten Blick über Berlin.

2. Die perfekte Aussicht über Berlin…

…fand ich nur ein paar Meter entfernt, auf dem Dach des Park Inn Hotels. Für insgesamt 7 Euro bekommt man da nämlich Zugang zur Dachterrasse (3 Euro) und obendrein noch ein eisgekühltes Bier. Und hier fand ich ihn: den pefekten Ausblick. Und da wurde mir auch klar, was mir auf dem Fernsehturm – ungeputze Scheiben mal hin oder her – gefehlt hat: und zwar der Fernsehturm selbst. Ich finde ohne Fernsehturm ist Berlin nicht Berlin und eine Aussicht nur eine Aussicht und nicht DIE Aussicht. Versteht ihr mich? Er muss einfach mit aufs Bild. Das ist wie wenn das Brautpaar selbst das Hochzeitsfoto schießt. Auf dem Foto fehlt das Brautpaar. Und das ist auch der Grund warum ich den Fernsehturm trotzdem in diese Liste aufgenommen hab: Berlin ist einfach unvollständig ohne ihn. Mit meinem Bierchen saß ich also in einem der Liegestühle, lauschte den Gesprächen auf der Nachbarliege, die sich um ein neues Tattoo mit Berlinmotiv drehten und genoss den Blick hinüber zum Fernsehturm, während die Sonne sich Stück für Stück in der Spree versenkte. In meinem Bauch spürte ich eben dieses Kribbeln, was ich am Tag zuvor so schmerzlich vermisst habe, ein Gefühl unendlicher Freiheit.

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3. Berliner auf Zeit für 6,50 Euro

Die beste Möglichkeit dem Puls von Berlin auf den Grund zu gehen ist weder teuer noch exklusiv. Man braucht nur zur nächsten S-Bahnstation zu gehen und beim Fahrkartenautomaten auf „Tageskarte AB“ zu drücken und schon hat man neben grandioser Flexibilität (sehr hilfreich auch, wenn man dann doch mal wieder in die falsche Bahn eingestiegen ist) gleichzeitig die Möglichkeit, die Berliner bei ihrem täglichen Leben zu beobachten. Setzt man sich mit dem Ticket in die Ringbahn, kann man noch dazu beobachten wie sich mit den Stadtvierteln draußen auch die ein- und aussteigenden Menschen verändern. Besonders cool ist es natürlich mit den Öffentlichen selbst zur „Arbeit“ oder in meinem Falle einem Veranstaltungsort zu fahren. Wenn man am zweiten Tag schon weiß, wo und wie man umsteigen muss, kann man ganz leicht einen auf hipper Berliner machen. Aber nicht vergessen dabei einen möglichst coolen und teilnahmslosen Blick aufzusetzen.

4. Streetart City

Auch schon aus der S-Bahn zu beobachten ist die coole Streetart, die ich in dieser Form bisher in keiner Stadt erlebt habe. Selbst die eigentlich hässlichsten Orte wirken mit den bunten Bildern, wie ein künstlerisch inszeniertes Stillleben. An jeder U-Bahnstation, Straßenecke oder Unterführung kann man immer wieder neue Kunstwerke entdecken. Aber dass ich auf Streetart stehe, wusstet ihr ja schon oder?

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Eigentlich wollte ich ja meine Streetartkenntnisse (die auf dem Stand „Ohh wie cool“ sind) bei einer Graffiti-Tour ausbauen, doch das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Wer will schon im strömenden Regen durch die Berliner Stadteile spazieren und verregnete Bilder machen. Das werde ich für meinen nächsten Besuch in der Hauptstadt auf jeden Fall auf die Todo-Liste setzen.

5. Der ehemalige Flughafen Tempelhof…

…ist heute der wohl coolste Park der Welt. Wo einst Flugzeuge gen Himmel rollten, rollen heute nur Inlineskates und Fahrräder. Der einst wichtigste Flughafen Deutschlands gehört heute den Berlinern, die dort Grillen, Sporteln oder einfach nur die Sonne genießen. Alte Schilder und verblassende Markierungen auf dem Asphalt erinnern noch an seine einstige Bestimmung und sind ein tolles Fotomotiv. Ich wünsche mir sehr, dass die Berliner ihren Tempelhof behalten dürfen und nicht bald die ersten Gebäude auf dem riesigen Gelände gebaut werden. So wie ich das mitbekommen habe, scheint das ja durchaus in der Diskussion zu sein.

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6. Das größte Hotel Deutschlands…

…hätte es wohl nie in meine Liste geschafft, wäre es nicht der Ort gewesen, an dem ich mich in den vier Tagen Berlin am meisten aufgehalten hätte. Das Estrel Hotel nämlich war der Veranstaltungsort des Kongresses der Ärrzte und Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, auf dem ich beruflich mit einem Stand vertreten war. Das von außen eher unauffällige Gebäude gleicht von Innen mehr einer Stadt als einem Hotel. Restaurants, Cafés und Supermärkte im Inneren lassen die wahre Größe des Komplexes erahnen. Für mich ist das nichts: Ich mag kleine Hotels mit Charme und keine großen unpersönlichen Anlagen, in denen jeder Flur und jedes Zimmer gleich aussieht. Schrecklich, oder nicht? Das einzig nette ist der zugehörige Biergarten gegenüber am Kanalufer. Kein Wunder, dass viele Kongressbesucher für ein Bierchen in der Sonne den Kongress geschwänzt haben. Pssst ich verrats auch nicht…

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7. Die geschichtsträchtigste Mauer

Vielleicht liegt es daran, dass meine Familie selbst davon betroffen war – jedenfalls habe ich als eigentlicher Geschichtsmuffel festgestellt, wie sehr mich die Geschichte der Ost-West-Trennung interessiert. Die Vorstellung, dass nicht nur von Cousinen und Cousins durch die Mauer getrennt zu sein, sondern von den eigenen Kindern, Partnern oder Eltern, wie es in Berlin nicht selten der Fall war, jagt mir eine Gänsehaut ein. Auf der anderen Seite macht es mich so unglaublich stolz, welches Wunder uns Deutschen 1989 mit der Wiedervereinigung widerfahren ist. Ich bin unendlich dankbar heute innerhalb von einer Stunde meine Familie in Thüringen besuchen zu können und in Berlin mit einem Schritt vom Westen in den Osten treten zu können. Wo man im Harz schon lange nichts mehr von der ehemaligen Grenze spürt, ist die Mauergeschichte in Berlin noch sehr präsent – und damit ein wahrliches Superlativ.

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8. Die Stadtführungen des Unterweltenvereins…

…lassen einen Eintauchen in die geheime Unterwelt Berlins. Durch ehemalige Bunkeranlagen gehen sie verschiedenen Themengebieten wie Bunkerleben, Atomschutz oder unterirdischen Fluchten nach. Ich habe mich – wie könnte es auch anders sein – für die Tour  „Mauerdurchbrüche“ entschieden. In der zweistündigen Führung (leider Fotografierverbot) gehen die Teilnehmer der Geschichte der Mauerfluchten auf den Grund. Insgesamt gab es mehr als 70 Fluchttunnel von denen jedoch nur etwa 20 Prozent erfolgreich waren. Aber auch die sogenannten „Geisterbahnhöfe“ oder die Kanalisation waren beliebte Fluchtorte, deren spannende Geschichte ebenfalls erzählt wird. Die Tour endet in den historischen Gewölben einer ehemaligen Brauerei, wo man anhand eines Tunnelnachbaus die Bedingungen der Tunnelbauer nachempfinden kann. Wer auf Geschichte zum Anfassen steht, dem kann ich eine Tour mit dem gemeinnützigen Verein nur ans Herz legen. Für meinen nächsten Berlin-Besuch steht auf jeden Fall die Tour 2 „Vom Flankturm zum Trümmerberg“ auf dem Programm, die ich wegen fehlendem festen Schuhwerk leider nicht mitmachen konnte.

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9. Die beste Currywurst der Welt

„Eene Currywurst für die hübsche Dame!“ Geschmeichelt nehme ich den heiligen Teller entgegen. Die Currywurst gehört zu Berlin irgendwie genauso wie der Fernsehturm. Diese Mal wollte ich es wissen: wo gibt’s die beste Currywurst Berlins? Ich fragte einige Berliner im Vorfeld und war ein wenig enttäuscht, dass mir jeder zwar gute aber nicht die beste Currywurstbude Berlins nennen konnte. Müssen die Berliner es nicht wissen, wenn sie doch ständig in den Genuss der typischen Currywurst kommen können? Letztendlich hatte ich mich eigentlich schon fürs „Curry 36“ am Mehringdamm 36 entschieden – aber es kam dann doch anders als geplant. Mein Magen hing schon auf dem Boden, als unser Guide gegen Ende der Unterweltentour nur so beiläufig erwähnte, dass es über uns, an der U-Bahn Station Gesundbrunnen eine super Currywurstbude geben würde. Die hauseigene Fleischerei beliefere auch das Curry 36 mit dem Vorteil, dass hier – also bei der Bude namens Currywurst Baude auch noch der Ketchup hausgemacht sei. Damit war die Entscheidung gefallen. Während ich meinen Stehtisch mit einem älteren Herren und zwei fülligen Mitarbeitern der Berliner Verkehrsbetriebe teile und in meine Wurst beiße, wird mir plötzlich klar, dass es stimmt: Die beste Currywurst gibt es da, wo der Appetit am größten ist.

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Ich frage mich immer wieder ob ich wohl in Berlin leben könnte. Ich weiß es nicht –  aber ich bin in dieser Woche der Faszination Berlins ein Stück auf die Spur gekommen und freue mich jetzt schon darauf, was ich beim nächsten Mal erleben werde, denn eins ist Berlin sicher nie: langweilig.

Und jetzt seid ihr gefragt: Was sind eure Tipps für Berlin? Wo gibt es die beste Currywurst? Wo sollte ich beim nächsten Mal hingegen? Was sind eure Lieblingshotspots?

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13 Kommentare

  • Das ist ja cool, auch mich verbindet eine Hassliebe mit Berlin. Ich bin absolut davon überzeugt, dass ich nie und nimmer in dieser Stadt wohnen wollen würde, komme aber immer sehr gerne in unsere Hauptstadt und vermisse sie auch, wenn ich länger nicht da war. Merkwürdig, oder?
    Meine Highlights sind bisher auch das Tempelhofer Feld und die Unterwelten-Tour. Besonders gefällt mir, dass ich die Touri-Highlights schon so oft gesehen habe, dass ich mich mittlerweile eher treiben lasse und eben nach Veranstaltungen oder ähnlichem Ausschau halte, bevor es nach Berlin geht. Für den nächsten Besuch stehen eine Trabbi-Tour und der Besuch der ehemaligen Flughafenterminals Tempelhof an.

    Sonnige Grüße
    Jessi

    PS: Komm, wir fahren nach Amsterdam… :-)

  • Hej Jana,

    apropos Ausblick, das fällt mir das Deck 5 ein. Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee (erreichbar mit Ringbahn und der U2) in die Schönhauser Allee Arkaden – einfach in den Aufzug steigen und bis nach oben fahren. Erstens super Ausblick (ist zwar jetzt nicht unglaublich hoch aber immer noch ganz nett) und zweitens bei gutem Wetter eine herrliche Bar mit Sandstrand auf dem Dach … Ein Traum :D Und natürlich zumeist hoffnungslos überlaufen. War lange Zeit ein Geheimtipp, der sich inzwischen natürlich gemausert hat. Aber rechtzeitig da sein ist auch hier wie so oft der Schlüssel ^^

    LG, Lea

  • Deine persönliche Sicht auf die Nichtberliner ist für mich als Vollberliner Sehr erfrischend. Du musst auch mal die City West besuchen. Funkturm, Olympiastadion lohnen auch. Und für Geschichtskunde gibt es das Schloss Charlottenburg.

  • Da hast Du ein paar schöne Orte ausgewählt – bestätige ich Dir als Berliner. Die sind übrigens meist gar nicht cool und unbeteiligt – das sind die Neuberliner, die denken, man müsse hier so sein :) Sag ich mal ganz pauschal.

    Aussicht mit guten Drinks gibt’s übrigens im Solar am Anhalter Bahnhof. Auch immer recht voll, aber cool!

    • Hihi das ist doch oft so: die Zugezogenen sind meist die Schlimmsten :-D Danke für das Lob, ich wollte mal ganz bewusst nicht das übliche Touriprogramm machen ;-) Liebe Grüße, Jana

  • Was für ein schöner Newsletter. Dankeschön! Viel Spaß in Amsterdam und in Südostasien. Freue mich schon auf deine Berichte. Alles Gute Summer
    P.S. Ich bin 41 Jahre und noch nie geflogen, also bist du mit 23 Jahren relativ jung gewesen.

  • Ich war nun perplex wie viele Superlative Berlins ich schon besucht habe. Nur aufs Park Inn Hotel und zum Flughafen Tempelhof habe ich’s noch nicht geschafft. Naja, immerhin habe ich ihn aus der Ferne gesehen. Zählt das schon? ;-)

    Absolut Top sind die Unterwelten-Touren. Ist schon ein paar Jahre her – aber absolut spitze! :-)

    • Man müsste mal einen Berliner fragen, ob das tatsächlich DIE Superlative sind…aber es sind meine Superlative ;-) Du musst unbedingt mal nach Tempelhof, ist wirklich toll dort und das Park Inn Hotel kann ich dir auch nur ans Herz legen: ich werde defintiv wiederkommen und alle Mitreisenden dort hoch schleppen :-D
      Liebe Grüße, Jana

      • Tempelhof: Für den nächsten Besuch fix notiert. Hoffentlich ist dann genügend Zeit dafür. Während meines letzten Besuchs ließ mir die ITB leider kaum Zeit für einen schönen City-Stroll. ;-)

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