Auf dem Ilmtal-Radweg durch das Weimarer Land

Der Ilmtal-Radweg ist ein 123 km langer Radwanderweg, der von Allzunah am Rennsteig bis nach Großheringen an der Saale führt. Der Fluss Ilm wird dabei von der Quelle bis zur Mündung (und noch ein bisschen darüber hinaus) begleitet. Landschaftlich geht es von den rauen Rennsteighöhen über die sanften, waldigen Hügel rund um Weimar bis in die Weinberge an der Saale. Wer eine Tour auf dem Ilmtal-Radweg machen möchte, braucht weder besonders viel Training noch Zeit. Denn schon zwei Tage auf dem – übrigens 4-Sterne-zertifizierten – Radweg reichen um einen wunderschönen Einblick in die abwechslungsreiche Landschaft des Weimarer Landes zu bekommen.

Wenn dann noch überall entlang des Weges kleine Gasthäuser und Cafés für ein Päuschen sowie Bett+Bike-Hotels für die Nacht warten, ist so ein kleines Radabenteuer perfekt. Für mich waren es auf jeden Fall genug Gründe, Thüringens erster sogenannter „Qualitätsradroute“ einen Besuch abzustatten und ein wenig mehr von dem Bundesland kennenzulernen, aus dem ein Teil meiner Familie stammt. Und so kamen wir nicht selten an Orten vorbei, die meine Oma in ihren Geschichten und Erzählungen erwähnt  hat oder aus dem der ein oder andere ferne Verwandte kommt.

Da es mir beim (Rad-)Wandern mehr um Genuss und Erlebnisse als um reines „Kilometerfressen geht“ habe ich mir für die zweitägige Tour die Etappen von der Zweiburgenstadt Kranichfeld bis zum Ende des Radwanderwegs an der Saale ausgesucht. Das hat den Vorteil, dass die Übernachtung dabei in die Stadt Weimar fällt, die ich sowieso schon längst mal besuchen wollte. Außerdem hatte ich die tolle Vision, am Ende der Tour mit einem Glas Müller-Thurgau von der Saale mitten in den Weinbergen die Tour gebührend zu beenden. Gesagt getan!

Mein Tipp: Wenn ihr die 2-Tages-Tour auf meinen Spuren nachfahren möchtet und auch mit dem Auto anreist: Parkt euer Auto im Weimar und fahrt von da aus mit dem Zug zum Ausgangspunkt nach Kranichfeld. So müsst ihr beim Radfahren nur euer Tagesgepäck dabei haben und könnt das Gepäck für die Nacht im Auto (am Hotel) lassen. Der Zug von Weimar nach Kranichfeld braucht nur rund 45 Minuten, dann kann es auch schon mit dem Radeln los gehen. Am zweiten Tag fahrt ihr dann direkt vom Hotel mit dem Fahrrad los und könnt dann am Ziel in Großheringen mit dem Zug in rund 20 Minuten wieder zurück nach Weimar fahren.

Ilmtal-Radweg Etappe 2 – Von Kranichfeld über Bad Berka nach Weimar

Länge: 30 Kilometer, Aufstieg: 255 Höhenmeter, Dauer: 2-3 Stunden

Start in Kranichfeld

Nach der weiten Anreise am Vormittag ist es bereits Mittagszeit, als wir den Startpunkt unserer Radttour, die Zweiburgenstadt Kranichfeld erreichen. Wer sich wie wir erst einmal stärken möchte, bevor er die rund 30 Kilometer lange Etappe in Angriff nimmt, dem empfehle ich das Bistro-Café Alex11 direkt an der Hauptstraße des kleinen Örtchens. Hier gibt es nicht nur leckeren, hausgemachten Kuchen, sondern auch herzhafte (vegetarische) Kleinigkeiten wie Flammkuchen, Salate oder Ofenkartoffeln. Einziges Manko: Es gibt keine Sitzplätze im Freien.

Von Kranichfeld nach Tannroda

Gut gestärkt lassen wir die zwei Burgen schweren Herzens (rechts und) links liegen und folgen der Ausschilderung nach Tannroda, wo ebenfalls ein kleines Schloss, eine Burg sowie das Thüringer Korbmachermuseum zu einem ersten Halt lockt. Wir entscheiden uns jedoch statt dessen für ein Päuschen an den idyllischen Teichen kurz vor der Ortseinfahrt – ein wirklich malerischer Ort mit Bänken, Seerosen und schattenspendenden Bäumen.

Von Tannroda nach Bad Berka

Weiter geht es durch Waldstücke und über weite Wiesen und Felder in die Kurstadt Bad Berka. Wer mag kann hier im sogenannten „Kleinen Venedig“ direkt an einem kleinen Kanal (namens Mühlgraben) auf eine Tasse Kaffee (in unserem Fall geeisten Latte Macchiato) oder ein kühles Bier im Alten Brauhaus (Brauhausstraße 3) einkehren. Wem mehr nach einem Eis ist, wird im Oha-Eis-Café (Bahnhoffstraße 4) fündig, was wir selbst leider erst zu spät entdeckt haben.

Von Bad Berka nach Mellingen

Während der erste Teil der Tour recht ebenerdig verläuft, hat es der nächste Teil mit zwei starken Steigungen etwas mehr in sich. Aber hey, man kann ja bei Steigungen über 13 Prozent jederzeit auch mal sein Fahrrad schieben oder? Über die Dörfer Hetschburg, Buchfart, Oettern geht es nach Mellingen. Außerhalb der Ortschaften wird die Landschaft von Wald dominiert, der in den späten Nachmittagsstunden in ein besonders schönes Licht getaucht wird.

Von Mellingen nach Weimar

Von Mellingen nach Weimar geht es dann plötzlich ganz schnell. Über weite Felder und später durch den Ilmpark führt der Weg auf gut ausgebauten Wegen, so dass ihr in Nullkommanichts in der UNESCO-Welterbestadt Weimar angekommen seid. Überhaupt muss ich hier an dieser Stelle mal ein großes Lob für die Wegausschilderung aussprechen. Nur an wenigen Stellen und das eigentlich auch nur dann, wenn wir uns mal vom Radweg entfernt haben, mussten wir einen Blick in die Karte werfen!

Ilmtal-Radweg Etappenziel Weimar

Auch wenn ihr vielleicht schon kaputt sein solltet, empfehle ich euch einen Blick auf das Stadtschloss Weimar, den Platz der Demokratie mit dem hübschen Gebäude der Hochschule für Musik sowie den wirklich tollen Marktplatz mit dem Neptunbrunnen. Wir sind danach im gemütlichen ACC-Café-Restaurant im Kulturzentrum eingekehrt. Bei schönem Wetter sitzt man hier an rustikalen Holztischen unter den Bäumen und kann sich eine kleine aber feine Auswahl an leckeren Monatsgerichten mit vielen vegetarischen Optionen oder dauerhafte Kleinigkeiten schmecken lassen. Natürlich mit einem leckeren Glas Weißwein aus der Region.

Für uns ging es dann wieder ein Stück den Ilmtal-Radweg zurück durch den Ilm-Park in den Stadtteil Ehringsdorf. Hier haben wir im Radhotel Kipperquelle übernachtet. Das kleine Hotel wird mit viel Liebe zum Detail geführt. Alle Zimmer sind nach berühmten Radfahrern benannt, Gäste können die hauseigene Fahrradgarage nutzen und auch den wunderschönen, gepflegten Garten mit Liegen und Sitzgelegenheiten. Das Highlight war aber für uns das leckere Bio-Frühstücksbuffet mit einer großen Auswahl an frischen Brötchen, Käse sowie Obst und rohem Gemüse.

Ein kleiner Tipp: Fragt am besten nach einem Zimmer zum Garten heraus. Auch wenn die Straße nachts kaum befahren ist, sind früh morgens natürlich besonders unter der Woche einige Autofahrer unterwegs. Das trübt meiner Meinung nach ein wenig die sonst super ruhige und idyllische Lage des Hotels!

Etappe 3 – Von Weimar über Eberstedt nach Bad Sulza

Länge: 38,5 Kilometer, Aufstieg: 305 Höhenmeter, Dauer: 3-4 Stunden

Von Weimar nach Kromsdorf

Die ersten Kilometer am Morgen sind auf dieser Etappe von weiten Parks rund um Weimar dominiert. Da wären zum einen Parlanlagen von Tiefurt und Kromsdorf, die durch den sogenannten Maria-Pawlowna-Promenadenweg verbunden sind. Oft ist man der Ilm hier sehr Nahe und kann sogar an einigen Stellen die Füße ins Wasser halten. Das ist ansonsten auf Grund des naturbelassenen und überwucherten Flusses selten möglich.

Von Kromsdorf nach Oßmannstedt

Über weite Felder geht es oberhalb von Denstedt dann weiter nach Oßmannstedt. Hier dominieren landwirtschaftliche Nutzflächen und Landidylle das Landschaftsbild. In Oßmannstedt angekommen solltet ihr euch die wunderschöne Parkanlage des Wielandgutes nicht entgehen lassen.

Von Oßmanstedt nach Bad Sulza

Im weiteren Verlauf führt der Weg über die Dörfer Niederroßla und Zottelstedt nach Eberstedt mit seiner historischen Ölmühle. Dann geht es bergab bis in die Kur- und Weinstadt Bad Sulza. Da wir jedoch noch am gleichen Tag abreisen müssen, entscheiden wir uns dazu diesen Teil des Weges mit dem Zug abzukürzen. Von Oßmanstedt sind wir somit in nur 13 Minuten in Bad Sulza. Und haben genug Zeit das Ortszentrum sowie den gepflegten Kurpark mit seinen Wasserspielen anzuschauen.

Früher hätte ich solche „Abkürzungen“ für Schummelei gehalten und lieber alles daran gesetzt aus eigener Kraft am Ziel anzukommen. Heute ist mir das Erlebnis wichtiger als falscher Ehrgeiz. Dass es die Möglichkeit gibt die ein oder andere Wegstrecke durch kurze Stücke mit der Bahn abzukürzen macht für mich den Ilmtal-Radweg noch reizvoller. Schließlich weiß man ja nie, ob man vielleicht mal einen schlechten Tag hat, eine Reifenpanne oder andere Gründe, warum man die ganzen (an diesem Tag 40) Kilometer nicht komplett fahren möchte.

Von Bad Sulza in die Weinberge nach Großheringen

Sobald wir Bad Sulza hinter uns gelassen haben, tauchen auch schon die ersten Weinberge am Horizont auf. Genau so habe ich mir die letzten Kilometer der Etappe vorgestellt. Schnell haben wir Großheringen und damit die Mündung der Ilm in die Saale erreicht. Wie schön, dass der Radweg aber noch ein Stückchen weiter und zwar in das Weindorf Kaatschen führt. Denn hier, umringt von Weinbergen, könnt ihr bei einem leckeren Essen und dem obligatorischen Gläschen lokalen Weins in der Thüringer Weinstube des Weingutes Zahn die Fahrradtour ausklingen lassen.

Nach dem Motto „Wein ist unsere Passion“ ist der Familienbetrieb ein fester Bestandteil des Weinbaugebietes Saale-Unstrut. Rund um den Ort Kaatschen bewirtschaftet sie ganze 12 Hektar Weinberge. Dank 1.600 Sonnenstunden pro Jahr geht es nicht nur dem Wein in dem kleinen Ort sehr gut, sondern auch die Chancen auf einen schönen Platz unter den Weinreben auf der Terrasse direkt an der Saale stehen hoch. Nach einer ausgiebigen Mittagspause mit Semmelknödeln und Winzer-Flammkuchen (die Spezialität des Hauses, die Vegetarier auch einfach ohne Fleisch bestellen können) rollen wir die letzten zwei Kilometer zurück nach Großheringen, von wo aus der Zug zurück nach Weimar fährt.

Und was ist mit der Etappe 1 – Von Allzunah nach Kranichfeld?

Länge: 52,5 Kilometer, Aufstieg: 346 Höhenmeter, Dauer: 4-5 Stunden

Genau, bei unserer zweitägigen Radtour auf dem Ilmtal-Radweg haben wir uns für die letzten zwei Etappen der Tour entschieden. Die erste Etappe von Rennsteigort Allzunah über Ilmenau bis nach Kranichfeld musste dieses Mal dabei leider hinten runterfallen. Generell ist die Tour mit 52 Kilometern für Genussradler (wie mich) auch fast ein wenig lang für einen Tag. Besonders, wenn man am gleichen Tag anreist würde ich euch empfehlen auch diesen Teil der Tour auf zwei Etappen aufzuteilen. Hier empfielt sich eine Übernachtung in Ilmenau. Den Teil der Tour noch nachzuholen, steht auf jeden Fall noch auf meiner Wunschliste!

Habt ihr schon einmal von dem Ilmtal-Radweg gehört und habt ihr noch weitere Tipps für tolle Radwanderwege in Deutschland?

* in Zusammenarbeit mit dem Weimarer Land

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1 Kommentar

  • Hallo! Sehr schöner Artikel. Habe dabei einen kleinen Fehler gefunden, in der Überschrift „Von Oßmanstedt nach Bad Berka“. Müsste das nicht nach „Von Oßmanstedt nach Bad Sulza“ heißen? :-)

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