Oh Palmenbaum, oh Palmenbaum: Weihnachten im Meraner Land

Die Gedanken in meinem Kopf kreisen noch irgendwo zwischen Weihnachtsgeschenken, Todo-Listen und weiteren Alltagsdingen, als ich in den Bahnhof von Meran einfahre. Obwohl mich nun 700 Kilometer, acht Stunden Zugfahrt und die Alpen von meinem Alltag trennen, fällt es mir schwer abzuschalten. Meran, die zweitgrößte Stadt Südtirols ist besonders für sein mediterranes Klima bekannt. Und so kommt es, dass im Tal die Palmen vor den schneebedeckten Hängen der Berge stehen. Ob es die Kurstadt wohl schaffen wird, den Weihnachtsfunken in mir zu entflammen?

Die Adventszeit gehört leider nicht gerade zu meinen arbeitsmäßig entspanntesten Zeiten, da kommt der alltägliche Weihnachtswahnsinn noch on top. Als ich aus dem Zug aussteige und sich die fantastische Bergkulisse vor mir ausbreitet erhellt sich meine Stimmung merklich und auch mit jedem Schritt, den ich durch die Straßen von Meran meinem Ziel entgegenlaufe: die Pension Ottmanngut, von dem aus ich uns einige andere Blogger an diesem Wochenende die Meraner Weihnacht kennen lernen werden.

Und so ist es wenig verwunderlich, dass Weihnachtsstimmung bei mir Fehlalarm ist. Nach einer kurzen Verschaufpause in der grandiosen Pension (mehr dazu später) brechen wir zu einem kleinen Stadtspaziergang durch die Altstadt von Meran auf. Es dämmert schon langsam und die Weihnachtsbeleuchtung lässt den leider grauen Himmel in den Hintergrund rücken. Zwischen den kleinen Gässchen hängen geschmackvolle Lichterketten und auch die Buden sind nicht so kitschig wie man sie von anderen Weihnachtsmärkten kennt. Später erfahren wir, dass das alles auch einen guten Grund hat: Bei der Meraner Weihnacht haben die Veranstalter sich nämlich etwas ganz besonderes einfallen lassen. Alle Marktstände sind einheitlich von einem lokalen Bauunternehmen konstruiert und nur aus Materialien vor Ort errichtet worden. Geschmackvolle Farben und eine dezente Beleuchtung dominieren den Christkindelmarkt. Statt des sonst üblichen weihnachtlichen Einheitsbreis sind auf der Meraner Weihnacht viele lokale Kunsthandwerker und Lebensmittelproduzenten vertreten.

Baum der Wünsche: „Ich wünsche mir eine schöne Nutte“

Dinner in der Christbaumkugel

Aber es geht auch moderner. Auf dem Thermenplatz direkt vor der Meraner Therme entdecken wir sechs riesige Weihnachtskugeln. Im Inneren befindet sich eine runde Tafel, an der bis zu zwölf Personen Platz finden. Über der Tafel hängt ein Kronleuchter, der den Innenraum der Kugel in ein weiches, gemütliches Licht taucht. Ich bin begeistert und das noch mehr als ich erfahre, dass wir an diesem Abend genau in einer dieser Kugeln speisen werden. Essen in der Christbaumkugel – das ist schon etwas ganz besonderes. Serviert werden uns in der Thermenkugel lokale Spezialitäten wie Hirschmedaillons mit Rotkraut und Nockerln oder eine deftige Schlachtplatte, dazu gibt es Südtiroler Wein. Das Essen ist köstlich und die Stimmung toll und spätestens nach dem ersten Gläschen Rotwein ist auch der letzte fiese Alltagsgedanke aus meinem Kopf verschwunden.

Stilvoll dinniert es sich in der Christbaumkugel

Als wir am nächsten Morgen aufwachen und die Vorhänge zurückziehen ist plötzlich alles weiß. Auch wenn das Meraner Land so einige Skigebiete vorzuweisen hat, ist Meran im Tal mehr für sein mildes Klima als für dichten Schneefall bekannt. Nicht ohne Grund wachsen im Garten Palmen und Zitrusfrüchte. Der Schnee vor der Haustür ist quasi das Sahnehäubchen des heutigen Tages. Denn in einer Art Schnitzeljagd erkunden wir in sechs Stationen die Meraner Weihnacht. Heute heißt das Geocaching, da wir jedoch totale Anfänger sind gibt es die Abgespeckte Version, die dann doch wieder mehr von etwas von einer Schnitzeljagd hat als von Koordinatenlesen. Und was bringt einen mehr in Weihnachtsstimmung als ein feiner Schneefilm, der wie Puderzucker die Landschaft bedeckt.

Das Schloss Tirol

Dick eingepackt und mit unserer Erkundungsroute ausgestattet, geht es los zur ersten Station. Und die führt uns zunächst einmal hinaus aus Meran und hinein ins Dorf Tirol. Das Schloss Tirol ist eines der wichtigsten historischen Bauten Südtirol, schließlich wurde ja gleich eine ganze Region nach ihm benannt. Durch den immer höher werdenden Schnee stapfen wir den Weg vom Dorf Tirol hinauf zum Schloss. Das eingeschneite Schloss bietet eine traumhafte Kulisse für den Tiroler Schlossadvent, der an diesem Wochenende im Schloss stattfindet. Holzschnitzerei, Keramik und allerlei Kunsthandwerk wird in den historischen Mauern angeboten. Im Hof ist für das kulinarische Herz gesorgt.

Das Schloss Tirol im Nebel

Rundherum: Winterwonderland

Der Tiroler Schlossadvent

Die lebende Krippe

Meraner Weihnacht – zurück auf dem Christkindelmarkt in Meran

Die zweite Station führt uns wieder zurück auf den Meraner Christkindelmarkt – also quasi genau dorthin, wo wir gestern Abend aufgehört haben. Es ist mittlerweile Mittagszeit und der Markt erfreut sich großer Beliebtheit. Eher weniger bekannt ist der kleine Weihnachtsmarkt etwas abseits auf dem Sandplatz. Hier bieten ausschließlich Meraner ihre Waren an – von Käse, über Schokolade bis hin zu regionalen Spezialitäten wie Kirchtagskrapfen, Plent und Knödeltris gibt es hier alles was das Schlemmerherz begehrt. Darüber hinaus gibt es hier den besten Glühwein, den ich je in meinem Leben getrunken habe: Der frisch zubereitete hausgemachte Glühwein ist kein Vergleich zu dem Tetrapackgesöff, was man Vielerorts auf den Weihnachtsmärkten angeboten bekommt.

Die Polenta wird fleißig im Kupferkessel gerührt

Strauben mit Puderzucker

Das Käseparadis

Weihnachten bei Omi Vanni

Wie es Weihnachten bei einer Meraner Familie aussieht, erfahren wir bei Frau Vanni zu Hause. Diese ist im Steinachviertel in der Altstadt von Meran zu Hause. Als wir klingeln, ist sie gerade am Keksebacken und auch ihre Enkelin schaut neugierig um die Ecke. Aber das Hause Vanni ist kein normales Zuhause. Die Wohnung gleicht mehr einem Museum. Schon seit mehreren Jahren sammelt Frau Vanni nämlich Antiquitäten, die sie nicht nicht nur zu Dekorationszwecken aufstellt, sondern richtig darin lebt. In jeder Ecke gibt es etwas neues zu entdecken. Fast jedes Teil hat seine eigene Geschichte, die uns die adrette alte Dame gerne zum besten gibt.

Schenna Schlossadvent

Nun geht es noch einmal rein in den Bus und raus aus Meran. Das Nachbarörtchen Schenna hat ebenfalls ein beeindruckendes Schloss aus dem 14. Jahrhundert zu bieten. Auch hier steht dieses dritte Adventswochenende ganz im Zeichen von Weihnachten: Auf dem Schlossadvent gibt es einen kleinen Handwerksmarkt sowie viele kulinarische und musikalische Leckerbissen. Als die Gruppe von Gitarrenschülern zu ihrer Vorstellung einläuten, fühle ich mich sofort in meine eigene Kindheit zurückversetzt. Auch hier gibt es wieder ein Gläschen leckeren Glühweins und ein paar der leckeren Kekse von Sophie Daprá.

Alles hausgemacht

„Lasst und froh und munter sein…“

Schloss Schenna im dichten Nebel

Ein paar Mal blitzen die Bergspitzen durch die dichte Nebeldecke

Relaxen in der Therme Meran

Was gibt es schöneres als sich nach einem langen Tag an der frischen Luft durchgefroren in die warmen Wonnen der Meraner Therme zu stürzen. Das 2005 errichtete Gebäude besticht durch seine stilvolle gläserne Architektur. Neben dem Schwimmbadbereich mit mehreren Innen und Außenbecken, (bei der Außentemperatur draußen im dampfenden Becken zu relaxen ist eine wahre Freude) gibt es eine riesige Saunalandschaft. Hier ist Kleidung strikt verboten, auch an der Saunabar sollte ja kein Bikinioberteil durch das umgewickelte Handtuch blitzen. Das Wetter lockt nicht nur uns in die Therme und so teilen wir finnische Sauna, Dampfbad, Sanarium und Co mit vielen anderen Wellnessfreunden. Aber bei der großen Auswahl an Saunen findet sich immer ein ruhigeres Plätzchen.

Müde und kaputt aber glücklich schleppen wir uns den Weg zurück zum Hotel. Meran hat es geschafft, mich innerhalb von einem Tag in seinen weihnachtlichen Bann zu ziehen. Sei es die geschmackvolle Weihnachtsdekoration, der sanfte Schneefall, die kleinen Altstadtgässchen, die festlichen Schlösser oder einfach nur ein schöner Tag an der frischen Luft mit lieben Menschen: Weihnachten hat an diesem Tag Einzug in mein Herz gehalten und der Alltag ist kilometerweit weg – 700 um genau zu sein.

Offenlegung: Vielen herzlichen Dank an das Meraner Land für die Einladung, die Meraner Weihnacht mit eigenen Augen zu erleben. Alle Eindrücke und Erlebnisse sind selbstverständlich meine eigenen.

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