Das Bodetal – Wandern im Grand Canyon Deutschlands

Der Harz ist ja nicht gerade für spektakuläre Wanderungen bekannt. Die Wege führen überwiegend gemütlich durch den dichten Tannenwald – alpine Schluchten und schwindelerregende Höhenwege sucht man größtenteils vergeben. Doch es gibt eine Wanderung, welche die Mystik des Harzes mit der Spektakularität einer Canyon-Landschaft verbindet: nämlich das Bodetal, durch das der berühmte Harzer-Hexen-Stieg führt. Nachdem ich schon so viel Gutes gehört hatte, war es für mich im Frühjahr endlich soweit den “schönsten Wanderweg des Harzes” selbst zu erleben.

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Durch das Bodetal von Thale nach Treseburg

Eigentlich wollte ich die Etappe bereits im letzten Jahr bewandern, allerdings machte mir zunächst das Wetter einen Strich durch die Rechnung und dann rutschte ein Teil des Weges ab und der Weg wurde für Monate gesperrt. An einem schönen Sonntag im April war es dann endlich soweit: Das Wetter war gut und der Weg inzwischen umgeleitet. Die Wanderung beginnt in Thale, einer kleinen Stadt am nordöstlichen Rand des dort steil abfallenden Harzes. Oberhalb des Ortes beginnt der Einstieg in die Schlucht.

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Für die erste halbe Stunde schlängelt sich der Weg noch gemütlich am Ufer der Bode durch das Tal, bis wir das Gasthaus Königsruhe erreichen. Wir ergänzen unser mitgebrachtes Picknick um zwei frischgeräucherte Exemplare, die man auf Anfrage auch “ToGo” ordern kann. Dann lassen wir mit dem Überqueren der Teufelsbrücke den gemütlichen Teil hinter uns. Denn der Weg schraubt sich nun Kurve um Kurve die Schlucht hinauf, was uns nicht nur außer Atem sondern auch fantastische Ausblicke ins Tal bringt.

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Die letzten drei Kilometer bis zu unserem heutigen Ziel, der Ortsteil Treseburg sind schließlich wieder etwas gemütlicher und führen auf gleicher Höhe durch das schon deutlich breitere Tal. Typisch für den Ostharz ist der hohe Anteil an Mischwäldern, der so garnicht zu dem Bild des Nadelwaldgebirges passt. Tatsächlich waren die Buchenreichen Mischwälder jedoch früher im ganzen Harz vorherrschend und sind erst durch Menschenhand den Monokulturen gewichen. Diese sind ein kläglicher Versuch die einst von Abholzung und Bergbau geschundene Landschaft durch Fichten wieder zu beforsten – was leider vielerorts mehr schlecht als recht gelingt. So zeigt sich in vielen Teilen des Oberharzes ein massives Waldsterben.

Im Bodetal jedoch ist von all dem nichts zu spüren. Ob die Landschaft nicht so viele Bodenschätze hergab oder die Bewirtschaftung einfach zu aufwändig gewesen ist, kann ich nur spekulieren. Fakt ist: das Bodetal sieht auch heute noch so aus wie vor Tausenden von Jahren. Es gibt zwischen Thale und Treseburg nach wie vor keine Straße, so dass jeder, der die Wanderung einmal angetreten hat, sie wohl oder übel auch zu Fuß beenden muss.

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Nach rund acht Kilometern erreichen wir zwei Stunden später schließlich Treseburg und stärken uns am Flußufer mit unserem mitgebrachten Picknick. Es gibt zwar im Ort ein paar Einkehrmöglichkeiten, die sind jedoch qualitativ eher nicht zu empfehlen und kein Vergleich zu einem leckeren Picknick mit frisch-geräucherten Forellen in freier Natur.

Über die Rosstrappe von Treseburg nach Thale

Für den Rückweg gibt es mehrere Optionen. Wir entscheiden uns für die Variante parallel zur L93 beziehungsweise K1350 zurück nach Thale zu wandern, weil sie uns einen Abstecher auf die Rosstrappe ermöglicht – einen ausgesetzten Felsen hoch über der Stadt, die einen fantastische Blick auf das Tal und den Hexentanzplatz bietet.

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Auf der Rosstrappe

Der Weg zur Rosstrappe ist gut ausgeschildert und leicht zu gehen, so dass wir nach rund eineinhalb Stunden die spektakuläre Aussichtsplattform erreichen. Der Name des Felsvorprungs geht zurück auf eine Sage in der der Riese Bodo die Königstochter Brunhilde verfolgte, die er gegen ihren Willen heiraten wollte. Brunhilde entfloh auf einem weißen Pferd. Am Abgrund der Roßtrappe rettete sie sich mit einem gewagten Sprung auf den gegenüberliegenden Felsen, wobei sie ihre Krone verlor, die im Fluss versank. Der Riese stürzte mit der Krone in die Tiefe, wurde in einen Hund verwandelt und bewacht seitdem die Krone der Prinzessin. Der Abdruck des Pferdehufs soll noch heute zu sehen sein.

Natürlich sind wir nicht die einzigen, die die Pferdespuren erspähen und den herrlichen Ausblick genießen wollen – den schließlich führt ein Sesselift bequem von Thale auf den Gipfel hinauf. Und weil selbige nördlich der Alpen doch eher eine Seltenheit sind, sparen wir uns den steilen Abstieg und schweben statt dessen genüsslich hinab ins Tal.

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Infos zum Nachwandern

Wer mit dem Auto anreist, folgt zunächst in Thale den Schildern Richtung Seilbahn. An der Talstation gibt es einen großen Parkplatz, wo man sein Auto abstellen kann. Für insgesamt etwa 16 Kilometer lange Wanderung sollte man rund vier Stunden Gehzeit einplanen. Es besteht aber auch die Möglichkeit sich den Rückweg zu sparen und mit dem Bus von Treseburg direkt zur Rosstrappe zu fahren. Den Abstecher über selbige kann ich aber auf Grund der grandiosen Aussicht nur empfehlen.

Und wie gefällt euch das Bodetal? Hättet ihr diese Landschaft im Harz erwartet? Habt ihr noch weitere Wandertipps im Harz für mich? Dann ab in die Kommentare damit!

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14 Kommentare

  • Oh da war ich auch erst letztens oben. Die Aussicht auf der Rosstrappe ist wirklich toll! Und wenn man keine größeren Berge in der Nähe hat, dann ist der Harz zum Wandern auch ganz nett ;)

  • Wunderschön, ich fahre in zwei Wochen zum Wandern in den Harz. Wollte eigentlich klassisch von Schierke den Broken hoch, aber das sieht noch schöner aus. Davon haben wir auch damals in der Grundschule gesprochen.

  • Was für ein Zufall; in 2 Wochen bin ich für ein Wochenende im Harz und suche noch Wanderanregungen. Vielen Dank;) Wandertipps habe ich demnach nicht, aber was andere Aktivitäten angeht: den Wurmberg kann man mit Monsterroller runterfahren und an der Rappbode-Talsperre gibt es eine rasante Doppelseilbahn – Magazipline genannt.

  • Klingt wirklich super. Ich bin damals “nur” den Broken hoch – war aber auch wunderschön im Winter bei Schnee. Diese Wanderung klingt auch wirklich wunderschön … :-)
    LG
    Mel

    • He Jana. Sollte es dich noch mal in den Harz verschlagen, versuch´s doch mal mit der Ecketalsperre. Wildromantisch und erstaunlich entlegen geht´s auf gebirgigen Pfaden durch Hochmooere und Wald de “Pionierweg” bis zur Eckerquerung, dort über die Steine kraxeln und auf der anderen Seite zurück. Von dort führt auch ein 4,5 Kilometer langer brutal-steiler Aufstieg zum Brocken (Teufelsstieg?), der einen Abstecher lohnt.
      Besonders zwischen Dezember und März hast du hier viel Ungestörtheit, weil keine Busse fahren und mit dem Auto sowieso kein Hinkommen ist. Da heißt es mindestens 3 Kilometer bergauf marschieren, bevor du überhaupt ankommst.
      Und nein, Jana, du bist nicht allein, es gibt noch mehr Harzfans.

  • Die Aussicht die du da hast ist ja gigantisch! Da muss ich auch mal hin, die Forelle würde ich aber eher mitnehmen und oben essen. Mit so vollem Magen könnte ich nicht laufen :)

  • Gerade über FB hier gelandet, eine meiner Lieblingslandschaften, das Bodetal, wunderschön wild geblieben… Vermutlich hast du’s bei den bei dir so schlecht weggekommenen Gaststätten in Treseburg aber nicht den kleinen Weg hoch zum Bergcafé Mendorf geschafft, das finde ich nämlich sehr empfehlenswert, immer ausprobiert, wenn ich da war. Gute Küche, schöne Aussicht. Falls du mal wieder hinkommst ;-)

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