Yoko Onos Half-a-Wind Show: Eine Retrospektive

„I love life, life is something that I love“. Dieser inspirierende Satz stammt von Yoko Ono, die ihren 80sten Geburtstag mit einer retrospektiven Ausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt feiert. Als riesiger Beatles-Fan war die Frau für mich bisher ein Mysterium. Fakt ist, sie ist nicht nur John Lennons Frau und Muse sondern eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer heutigen Zeit. Die Ausstellung „Half-a-Wind Show“ porträtiert Onos Werke der letzten 60 Jahre. Die wirklich eindrucksvolle und bunte Mischung hat mir die faszinierende Frau ein Stück näher gebracht.

Ich gebe zu: Außer ihrem Song „Give peace a chance“, von dem ich noch eine alte Schalplatte besitze, wusste ich bisher wenig von der Frau, die meinen Beatles-Liebling John Lennon doch so stark inspiriert und beeinflusst hat. Als ich damals seine Biographie las, wurde ich regelrecht sauer auf die Künstlerin, durch die sich Lennon mehr und mehr von den Beatles abgekapselt hat und statt dessen zusammen mit Ono performanceartige teilweise kaum zu ertragene Musikstücke komponierte. Ich habe mich gefragt, was diese Frau wohl an sich haben muss, dass sie einen der bedeutendsten Künstler der 60ger/70ger Jahre so maßlos inspiriert hat. Eine Zeitreise in die letzten 60 Jahre von Onos Schaffen konnten ein Stück weit zur Beantwortung beitragen und meine Meinung über Ono und ihre Kunst revolutionieren.

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Bekannt wurde Yoko Ono schon weit vor ihrem Treffen mit Lennon mit ihren ersten Arbeiten in den frühen 1960er-Jahren. Aber jetzt ist auch Schluss damit, Onos Kunst immer nur in Beziehung zu John Lennon zu setzen. Denn sie hat in den 80 Jahren ihres Lebens bewiesen, dass sie selbst eine eigenständige und inovative Künstlerin ist. Onos Karriere (und damit auch die Ausstellung) begann in den frühen 60ger Jahren. Sowohl die 1961 und 1962 ausgestellten „Instructions for Paintings“, die Performance „Cut Piece “ sowie das 1964 erschienene Buch „Grapefruit “, sind Meilensteine in ihrer künstlerischen Ausrichtung und bestimmen maßgeblich ihr weiteres Schaffen. Cut Peace zählt dabei zu einem der nach Aussagen der Künstlerin „gewaltsamsten“ Performances. In dem Stück lässt sie sich vom Publikum mit einer Schere Stücke aus der Kleidung schneiden. Mehrmals sei sie während der Aufführung mit der Schere bedroht worden.

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Schwerpunkt der Retrospektive sind Yoko Onos Werke aus den 1960er- und 70er-Jahren, die ihren Einfluss auf Fluxusbewegung, Konzept- und Performancekunst zeigen. In Ihren Werken spiegelt sich Onos Kampf für Frieden, Gleichberechtigung und Menschenrechte wieder. Ein Schachspiel beispielsweise mit ausschließlich weißen Figuren soll symbolisieren, dass es wenn alle Menschen gleich sind – keinen Kampf geben würde. Auch ihren Filmen- und Musikprojekten wird die Ausstellung gerecht und lässt einen Besuch nicht langweilig werden. Anders als in gewöhnlichen Kunstgalerien gibt es zahlreiche Aufforderungen zum Mitmachen und Teil der Kunst werden.

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Auch wenn man mich nicht gerade als Kunstkenner bezeichnen würde, hat mich die Retrospektive unglaublich inspiriert und begeistert. Als der Audioguide nach etwa 25 Tracks das Ende der Ausstellung verkündete, war ich regelrecht enttäuscht, dass es schon vorbei ist. Das ging mir bisher in keinem Museum und keiner Ausstellung so. Üblicherweise fange ich nämlich – ja ich gestehe – nach spätestens 1,5 Stunden mich an zu langweilen und kann schlicht und einfach nichts mehr aufnehmen. Hier war es ganz anders: Yoko Onos Half-a-Wind Show ist wahrlich etwas für alle Sinne (nur gerochen habe ich nichts…)

Hier könnt ihr euch in einem kleinen Film einen ersten Eindruck über die Ausstellung verschaffen, die noch bis Ende der Woche besucht werden kann. Wenn ihr also aus Frankfurt und Umgebung kommt, kann ich euch einen Besuch echt nur ans Herz legen. Ach ja: Der Eintrittspreis liegt bei 9 Euro regulär und 7 Euro ermäßigt zuzüglich 3 Euro für den Auidoguide, den ich nicht hätte missen wollen.

Habt ihr euch die Ausstellung bereits angesehen? Wie habt ihr sie erlebt? Oder sind Kunstausstellungen generell nichts für euch?

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