Reisen geht durch den Magen: Budapest kulinarisch

So gerne ich reise, so gerne esse ich auch – am liebsten natürlich beides. Warum sollte denn auch nur unser Kopf neue Eindrücke genießen können? Auf die ungarische Küche habe ich mich sehr gefreut. Sie ist geprägt durch deftige Gerichte, leckere und gute Weine, mächtige Torten sowie eine ausgeprägte Kaffeehauskultur. Natürlich kann man nach drei Tagen, nicht die ganze Küche Ungarns kennen, aber ich habe einen kleinen Eindruck bekommen und so viel probiert wie es geht. Hier kommt meine persönliche Schlemmerliste aus Budapest.

Deftig ungarisch genießen

Ja, die Ungarn lieben es deftig. Fleisch gibt es in allen Variationen. Die traditionelle Nationalküche beruht auf einfachen Bauerngerichten wie Eintöpfen und Suppen. Moderne Köche präsentieren auch zunehmend moderne Interpretationen der schweren Klassiker.

Als ich die Speisekarte am ersten Abend aufschlage weiß ich sofort für was ich mich entscheiden werde: Das Szegediner Gulasch, ungarisch Székelykáposzta oder Székelygulyás, ist eine Art Krautgulasch mit Sauerkraut und Sauerrahm. Das Rezept war schon bei meiner Mutter daheim eines meiner Lieblingsessen – jedenfalls bevor ich für 10 Jahre zur Vegetarierin wurde – und deshalb war ich neugierig wie dieses ungarische Essen in seinem Herkunftsland so schmecken wird. Und ich sage euch: es war fantastisch. Da die Zubereitung mit Schweinefleisch der klassischen ungarischen Küche widerspricht entstammt das Gericht vermutlich der Wiener Küche. Auch wenn es nun doch nicht das typisch ungarische Gericht war, lecker war es trotzdem und das ist ja schließlich das wichtigste oder?

Zum Essen lasse ich mir einen ungarischen Weißwein empfehlen: einen St. Andrea Napbor aus dem Jahr 2011. Der Spitzenweißwein des St. Andrea Weingutes ist eine Mischung der Trauben Lindenblättriger, Pinot Blanc, Chardonnay und Traminer. Der würzige, intensiv Geschmack passt hervorragend zu dem deftigen Gulasch. Ein Rotwein wäre mir in Anbetracht der milden Temperaturen einfach zu schwer gewesen. Insgesamt spielen die ungarischen Weine in der Spitzenliga mit. Besonders bekannt ist der süße Tokajer, der jedoch für mich als trockener Weinliebhaber eher weniger geeignet ist.

„My coffeehouse is my castle“

beschreibt der ungarische Autor Dezső Kosztolányi über die Kaffeehausliebe der Budapester in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Und wer schon sein ganzes Leben im Kaffeehaus verbringt der möchte es auch schön haben. Und so fühlt man sich in einem der Kaffeehäusern, die auch heute noch so aussehen wie vor 150 Jahren, wie in die Zeit der Jahrhundertwende zurückversetzt. Das Café Gerbeaud ist der Klassiker schlechthin. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1870 ist es eine feste Budapester Größe. Auch wenn der Laden heute nur so von Touristen wimmelt: die Kuchen sind eine Sünde wert und die Kulisse ist fantastisch. Man sitzt entweder direkt auf dem Vörösmarty tér auf der Terrasse und kann das Treiben beobachten oder im stilvollen Inneren. In unserem Falle letzteres, da wir das Kaffee zur Flucht vor einem Regenschauer nutzen. Wer kann sich bei der Kuchenauswahl entscheiden?

Streetfood

Wenn das Wetter stimmt gibt es nichts schöneres als einen Mittagsnack in der Sonne zu genießen. Einfach auf eine Bank oder in unserem Fall Treppe gesetzt und das bunte Treiben drumherum beobachten. Die herzhaften Schmandkuchen haben uns sofort angelacht, ich wähle die Variante mit körnigem Frischkäse. Für nicht mal zwei Euro werden wir pappsatt, dazu gibt es ein Getränk aus dem stilvollen Pappbecher. Was soll ich sagen: einfach, lecker, preiswert – ich bin ein absoluter Streetfoodfan.

Ebenfalls in die Kategorie Streetfood zählen die Kürtös kalacs, die süsse Rinde. Der süße Kuchen mit dem deutschen Namen Baumstriezelkuchen besteht aus einem Hefö-eteig, der mit einer klebrigen Vanille-Zucker-Panade über dem Grill zubereitet wird. Noch warm wird die fertige Gebäckrolle in Plastikfolie eingeschlagen und kann entweder noch warm oder kalt zu Hause verzehrt werden. Obwohl wir nach den Schmandkuchen schon satt sind, lassen wir uns vom Duft verleiten und uns nicht nehmen Kürtös kalacs einmal zu probieren. Mein Tipp: Auf jeden Fall noch warm essen und keinesfalls lange liegen lassen. Die knackige Zuckerkruste schmeckt am nächsten Tag fad und labbrig. Die Kürtös kalacs gibt es in den unterschiedlichsten Variationen, wir haben uns jedoch für den Vanilleklassiker entschieden.

Moderne kulinarische Einflüsse

Als Kontrastprogramm zum deftigen Essen zuvor, möchte ich am zweiten Tag mal etwas wagen. Man sagt den Ungarn ja nach, sie hätten nur wenig für Vegetarier zu bieten. Umso überraschter war ich, als ich einen vegetarischen Burger auf der Karte entdeckte. Grund genug um noch einmal in das Restaurant vom Vortag zurückzukehren. Und das hat sich wirklich gelohnt: Ich habe dort den besten vegetarischen Burger bekommen, den ich jeh gegessen habe. Auf dem dunklen Brötchen stapeln sich gegrilltes Gemüse, Zwiebelringe, gebackener Ziegenkäse und ein Salatblatt. Dazu gibt es ein Schälchen Paprika-Mago-Sugo. Fromidable!

Ein Bierchen in Ehren, kann keiner verwehren…

Ich bin ja eigentlich gar nicht so der Biertrinker. Anders ist das im Urlaub. Jedes regionale Bier muss probiert werden und schmeckt mir vorzüglich. Ich habe dieses Phänomen das „Bintang Phänomen“ getauft. In Indonesien erzählte uns ein australisches Pärchen, wie gerne sie doch Bintang auf Bali trinkt. Das sie das balinesiche Bier auch in Australien kaufen können, machte uns ein wenig neidisch. Jedoch bedauerten sie, dass das Bier in Australien einfach nicht so gut schmeckt wie auf Bali. Gleiches gilt für den leckeren Lambrusco vom Gardasee oder das Schüttelbrot aus den Alpen. Es gehört zu solchen Köstlichkeiten einfach die entsprechende Atmosphäre. Der Lambrusco braucht den Blick über die Seekulisse und das Schüttelbrot den schweifenden Blick über die Bergketten und das Bintang braucht den dazugehörigen Strand, den vorangegangenen Tauchkurs und die Urlaubsatmosphäre. So ist das bei mir auch mit dem Bier. Ich liebe es mir auf Reisen spätnachmittags im Laden um die Ecke ein gekülhltes Bier zu besorgen und dieses dann möglichst mit toller Kulisse zu genießen. Am ersten Tag war unsere Kulisse die Sicht vom Gellértberg, am zweiten Tag gab es zum Bierchen den Parlamentsblick vom Budaer Donauufer. Ich weiß nicht was schöner war…

Nicht nur kulturell sondern auch kulinarisch hat mich Budapest überzeugt. Gerne würde ich einmal durch Ungarn reisen und all die ländlichen Köstlichkeiten probieren, die dort sicher noch viel ursprünglicher sind als das, was man im modernen Budapest so bekommt. Wenn ich das mal tue, werde ich euch berichten.

Lokal oder MC Donalds: wie speist ihr auf Reisen? Bereitet ihr euch auf dem kulinarischen Teil ebenso vor wie auf den kulturellen? Hab ihr vielleicht auch ein kulinarisches Ritual wenn ihr unterwegs seid?

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7 Kommentare

  • Gut war es „zum Frühstück“ zu lesen! :-) Im Gerbaud war ich noch nie, es ist bekannt sehr teuer, früher war ein Treffpunkt auuschliesslich reicher Menschen. Aber wie ich dein Foto von dem anschauen, haette ich schon ein grosses Problem mit dem Waehlen, weil ich bestimmt die Haelfte davon mögen und ausprobieren würde. :-) Das Soproni Bier mit dem Parlament ist so ein tolles Foto, dass ich hier die Erlaubnis dazu verlange, dass ich dieses Bild in meinem ungarischen Blog, als „Bild des Tages“ veröffentlichen darf, natürlich mit Hnweis auf deinen Blog. ?
    Wir essen in Mc Donald’s und co. nur wenn es echt eilig ist, sonst mag ich auch sehr gerne irgendwo reinsitzen und gemütlich essen.
    Ahh, ja, dann sehe ich schon, wo die vermissten Teilen eines Tages bei euch so vergangen sind… :-)
    Liebe Grüsse noch aus Budapest :-)

  • Dieses alte Kaffeehaus finde ich ja umwerfend, ich hätte mich jetzt spontan für ein rosafarbenes Törtchen entschieden ;-) Haha, Dosenbier find ich klasse, vor allem das letzte Bild. Mc Doof kommt mir im Urlaub nicht in die Tüte ähh… Magen, ich probiere auch gerne alles Neue aus. Wenn es mal schnell gehen muss, dann gehe ich lieber in eine Bäckerei und hole mir dort etwas. Rituale? Klar, der Vino Verde war in Portugal immer Pflichtprogramm, schön gekühlt, wenn man von einem langen Ausflug zurück ist, schön auf der Terrasse oder Balkon zu genießen.
    LG Kilchen

  • Oh ja, Essen ist was tolles und ich probiere unterwegs auch gerne einheimische Speisen. Das mit dem Bier kenne ich auch. In Wien gehört immer auch eine schöne kühle Flasche Zipfer mit Zitrone dazu. :-)

    Das Kaffeehaus ist wunderschön! Auch da muss ich natürlich wieder an Wien denken. Dort fällt mir die Kuchenauswahl aber nicht schwer: Ein Stück original Sachertorte. Da geht nichts drüber!

    Bussi

  • Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so gutes Szegediner Gulasch wie in Budapest, bzw. in Ugarn. Aber Ungarn und seine Hauptstadt können – aus meiner Sicht – auch kulturell mit Wien oder Prag mithalten.

  • Deine Texte machen richtig Fernweh! :) Ich fahre in ein paar Tagen nach Budapest und wollte einmal fragen, was das denn für ein Restaurant war, in dem du zweimal warst? :)
    Liebe Grüße!

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