Kuta, eine Liebe auf den zweiten Blick

Es gibt so Orte auf der Welt, die überzeugen erst auf den zweiten Blick. Keine Schönheiten, die einen schon beim bloßen Anblick den Atem anhalten lassen und dennoch versprühen sie einen eigenartigen Charme, den man oft erst zu schätzen weiß, wenn man sie schon wieder verlassen hat. Kuta gehört dazu. Umso mehr freuen wir uns auf unsere Rückkehr, die Surferstimmung am Kuta Beach, die Shops voller DVD-Kopien, die Backpackerstimmung, unser schönes Hotel Lusa, und und und… In Kuta begann unsere Indonesienreise und dort wird sie auch enden.

Zwischen uns und Kuta liegen jedoch noch etliche Stunden: die Fahrt nach Gili Trawangan mit dem Islandshuttle, eine „fröhliche“ Speedboattour und zwei Autostunden auf Bali von Padangbai nach Kuta auf den höchstwahrscheinlich verstopften Straßen rund um Kuta eher länger. Doch der Gedanke heute Nachmittag in Kuta zu sein, lässt uns die Fahrt gut überstehen und auch das Speedboat gleitet verhältnismäßig ruhig über den Ozean – mag sein, dass wir uns einfach nur schon besser daran gewöhnt haben. Die Taxifahrt ist dann noch einmal nervenaufreibend, da unser Fahrer unter unkontrollierte Zuckungen leidet, die ihn jedoch nicht davon abhielten, wie ein Irrer auf den engen Straßen zu überholen. Irgendwann schließe ich die Augen und ergebe mich meinem Schicksal.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht stehe ich an der Rezeption vom Hotel Lusa. Wir haben unsere Wiederkehr bereits bei unserer Abreise vor zehn Tagen angekündigt. Unglaublich, was wir in der Zwischenzeit so alles erlebt haben. Es fühlt sich ein bisschen an wie Heimkommen, vor allem da wir unser altes Hotelzimmer wieder bekommen. Freudig springen wir unter die Frischwasserdusche, die nach Dreck und Salzwasserduschen auf den Gilis eine reine Wohltat ist. Danach tun wir etwas, dass wir seit unserer Ankunft kein einziges Mal gemacht haben: wir essen Burger bei MC Donalds. So sehr ich das indonesische Essen in den letzten zwei Wochen lieb gewonnen habe, so gut schmeckt mir doch der Big Mac nach der langen Fastfood-Abstinenz.

Im Anschluss geht es auf dem direkten Wege hinunter zum Strand. Wir wundern uns, warum dort so viel los ist und wollen es schon auf den heutigen Sonntag schieben, aber dann sehen wir, dass dort gerade eine Surfveranstaltung statt findet, nämlich die Jugendmeisterschaften. Und so ist es nicht verwunderlich, dass so viele Menschen am Strand stehen und den kleinen Surfern zusehen. Unter den Zuschauern entdecke ich so manche stolze Mami, die ihren Sprössling auf dem Brett anfeuert. Die kleine Gewinnerin wird wie ein Star von einer Horde Anhänger aus dem Wasser begleitet.

Als es langsam dunkel wird, brechen wir zu einem letzten Stadtbummel durch Kuta auf. Wir halten die Augen nach ein paar letzten Souvenirs offen und bringen die letzten Rupien unter den Mann. Als Abschluss unserer Reise gönnen wir uns noch etwas ganz besonderes: Cocktails und eine große gemischte Vorspeisenplatte im Hard Rock Café, direkt an der Strandpromenade. Auf dem Rückweg zum Hotel besorgen wir uns noch ein paar Bintang, Erdnüsse und eine DVD und machen es uns ganz dekadent auf dem Hotelzimmer gemütlich.

Am nächsten Morgen wache ich schon früh auf. Mein Herz blutet in Anbetracht der Tatsache, dass wir heute Bali wieder verlassen werden. Ich ziehe mich schnell an und mache mich auf dem Weg zum Strand um mich gebührend zu Verabschieden. Grotesker Weise ist der gestern so wolkige Himmel heute strahlend Blau, nur ein paar Schäfchenwolken ziehen vorbei. Früh morgens wird der Kuta Beach dominiert von Sportlern und ein paar ambitionierten Surfern. Zwei Stunden habe ich Zeit um Lebewohl zu sagen, dann treffe ich mich mit meinem Freund zum Frühstück. Anschließend heißt es Sachen packen und ab zum Flughafen. Während ich so dasitze und den Wellen zusehe, verspreche ich mir und Bali, irgendwann zurückzukehren. Die Insel wird als mein erstes Fernreiseziel immer etwas besonderes für mich bleiben.

Gede holt uns um 12 Uhr ab und bringt uns zum Flughafen. Wir lernen seine liebe Frau und seinen zuckersüßen Sohn kennen. Der Abschied fällt uns gar nicht leicht und ich muss die Tränen zurückhalten, als wir die Einfahrt zum Flughafen nehmen. Warum fallen mir Abschiede bloß immer so schwer. Nicht nur dass unser Urlaub damit vorbei ist, wir lassen auch eine wunderschöne Insel und lieb gewonnene Menschen zurück. Mir kommt es vor als sein die vergangenen 16 Tage 16 Wochen gewesen. Amüsiert denke ich an unsere Ankunft zurück, als alles so neu und ungewohnt war. Jetzt fühlt sich Bali vertraut an und wir haben so unglaublich viel von der Insel gesehen. Auch Gede versprechen wir ihn irgendwann wieder zu besuchen und seine Essenseinladung einzulösen. Dann fährt er weg und wir betreten den Flughafen. Je näher der Abflug rückt, desto mehr Bali versuche ich noch in mich aufzunehmen. Ein letztes Mal erkundigen wir uns im Flughafen nach dem verlorenen Gepäck meines Freundes. Von dem fehlt immer noch jede Spur, man versichert uns jedoch, dass es bei Wiederauffinden direkt nach Frankfurt geschickt wird.

Am Gate werden wir noch von einer Gruppe balinesischer Schüler abgepasst, die eine Umfrage unter Touristen durchführen. Sie befragen uns zu unserer Reise, der Route, der Dauer, unseren Ausgaben und unserer Meinung zu Bali. Wir helfen gerne, auch wenn die Rekapitulation der Reise ein großes Loch in die Wunde reist. Die letzten Minuten bis zum Abflug versuche ich mich mit Lesen abzulenken, doch das will nicht recht gelingen.

Bye Bye Bali denke ich, während ich schweren Herzens ins Flugzeug steige. Ich konnte bisher nie diese Leute verstehen, die ein Reiseziel gleich mehrmals hintereinander besuchen – gibt es doch so viel anderes auf der Welt, was sich zu bereisen lohnt. Doch eins weiß ich sicher: auch wenn ich bis zu meinem nächsten Balibesuch noch ein wenig Zeit verstreichen lasse, wird mich meine nächste große Reise im Jahr 2013 ganz sicher wieder nach Südostasien führen – wohin genau, werde ich heute aber noch nicht verraten.

Wohin ging eure erste Fernreise? Habt ihr ein Reiseziel in das ihr euch regelrecht verliebt habt?

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6 Kommentare

  • Meine erste Fernreise ging nach San Francisco, beruflich. Das war wirklich etwas unglaublich besonderes! Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, denn dann geht es an die Ostküste.

    Verliebt habe ich mich allerdings überhaupt nicht in die USA, sondern in Südengland. Und in Wien! :-)

    Bussi

  • Meine weiteste Fernreise ging nach Mallorca – wenn man das überhaupt als „fern“ betiteln kann ;-) Respekt, dass du als erstes Fernreiseziel Indonesien ausgesucht hast, ist ja auch nicht gerade typisch. Ich erkenne übrigens einige Parallelen, die wohl alle Reisende kennen: man hat sich gerade eingelebt, möchte nicht mehr weg – und wenn man dann doch muss entsteht der Wunsch, schon bald wiederzukommen.

    Viele Grüße,
    Alex

    • Mit Fernreise meine ich eine Reise mit einer Flugdauer von min 6 Stunden und auf einen anderen Kontinent ;-) meine erste Flugreise dagegen ging mach London… Von daher gab es vor Indonesien noch eine ganze Reihe „Nahziele“ in Europa :-)
      Liebe Grüße, Jana

  • Hallo Jana, dein Abschied kenne ich sehr gut, bei mir ist es auch immer schwer, schmerzhaft und nachdenklich. Mein erste Fernreise führte nach Mauritius und als erstes so was, lebt natürlich die Insel in meiner Erinnerung auch ganz stark, auch wenn wir dort 8 Tage unter dem Unwetter leiden mussten. Erste Reisen sind immer was besonderes, so meine erste Griechenlandreise nach Korfu ist nach 17 Jahren noch immer meine stärkste Reiseerinnerung. So, jetzt kann Budapest kommen! :-) LG

    • Ja, ab nächster Woche geht es mit Budapest weiter! Ich freu mich schon euch davon zu berichten :-) Liebe Grüße, Jana
      PS: Meine erste größere Reise führte mich vor fast 10 Jahren unter anderem eben auch nach Budapest. Vielleicht ist das auch der Grund warum mir die Stadt so ans Herz gewachsen ist…

  • Ein ganz toller Beitrag! Ich hatte im Jahr 2011 ebenfalls ein Auslandssemester in Kalifornien und kenne zu gut dieses Gefühl, wenn man wieder zurück muss :( Setdem reise häufiger ich und lese auch gerne alle Beiträge über Reisen! Nur leider ist es zur Zeit ziemlich teuer mal in die fernen Länder zu fliegen, besonders wenn die Flugdauer über 6 Stunden dauert. Übrigens habe ich neulich bei einem Flugvergleich einen ziemlich günstigen Flug, iich glaube hier, nach New York gesehen, und überlege mal über Sylvester dorthin zu fliegen. Mal schauen! Hoffe dieses Jahr noch eine tolle Reise zu unternehmen! Schöne Grüße Ulrike

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