Kambodschanisch Kochen für Dummies

Als ich auf der Fähre von Koh Rong zurück zum Festland saß, hätte ich mir in den Arsch beißen können. Hatte ich tatsächlich das Inselparadies für einen Kochkurs in Phnom Penh sitzen lassen? Ich, die doch viel lieber isst als selbst den Kochlöffel zu schwingen? Schwitzen in der Küche statt Baden am vielleicht schönsten Strand der Welt? Aber in meinem Kopf sah doch alles so wunderschön aus: wie wir auf dem Markt liebevoll die Zutaten zusammensuchen und wie sich diese unter meinen Händen zu einem wohlduftenden und leckeren Currygericht verwandeln.

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Kochschürze statt Bikini?

Ja, ich bin eine lausige Ernährungswissenschaftlerin. Manchmal packt mich dann doch der Ehrgeiz und ich mutiere für kurze Zeit zur Küchenfee, nur um dann ein paar Tage später der Küche wieder vollends den Rücken zukehren. Abgesehen von dieser Ambivalenz fasziniert mich besonders die Küche fremder Länder, in die ich auf meiner Kambodscha Reise gerne eintauchen wollte. Und so kam ich eben auch auf die Idee, mich an meinem letzten Tag in Kambodscha für einen Kochkurs einzuschreiben. Mein Wille war war auch noch ungebrochen, als der Kurs für den letzten Tag bereits ausgebucht war, und ich deshalb meinen Aufenthalt auf Koh Rong einen Tag früher beenden musste. Da war ich aber auch noch nicht dort gewesen und hatte gesehen, welch Inseltraum ich für diesen Kochkurs verlassen müssen werde.

Khmer Küche für Anfänger

Doch für Reue ist es nun zu spät: Am Tag der Wahrheit trifft sich eine bunte Meute von Backpacker bis Luxusreisenden vor dem Restaurant Frizz. Nach einer Kurzen Einleitung geht es auch direkt ins Tuktuk und zum Markt. Denn bevor fleißig die Mörser geschwungen werden, müssen zunächst die Zutaten eingekauft werden. Ein Erlebnis, worauf ich mich fast am meisten gefreut habe. Anders als in Europa fühle ich mich auf südostasiatischen Märkten einfach immer ein wenig fehl am Platze. Wie viel toller ist es doch unter den Fittichen eines Locals die einzelnen Stände abzuklappern und ganz nebenbei noch vieles über die Kambodschanische Küche zu erfahren. Und das war es auch.

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Besonders spannend fand ich die Herstellung von Kokosmilch, die uns unser Lehrer anhand der kleinen Markt“fabrik“ erklärte, oder die noch zappelnden Fische, die vor unseren Augen für unser späteres Hauptgericht filetiert wurden. Ja auf kambodschanischen Märkten schwingt meine Stimmung immer zwischen Ekel und Faszination – und manchmal beides gleichzeitig.

Auf die Kochlöffel, fertig, los!

Am Ende des Einkaufes hat jeder von uns einen Beutel frischer Zutaten in der Hand und es geht per Tuktuk in die Kochschule. Da wir alle nur einen Halbtageskurs gebucht haben, werden wir zwei Gänge zubereiten: eine Vorspeise und eine Hauptspeise – und zwar beides echte Klassiker: frittierte Frühlingsrollen und die kambodschanische Nationalspeise: Amok.

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10 kleine Frühlingsrollen…

Zutaten:

  • 2 Schüsseln Taro Wurzel Streifen
  • 2 Schüsseln Karotten Streifen
  • 25 Blätter Reispapier
  • 1 Esslöffel Erdnüsse
  • 1 Ei
  • 3 Tassen Öl
  • Salz, Zucker, Pfeffer

Los gehts mit den Frühlingsrollen. Dazu werden zunächst Karotten und Taro Wurzeln mit dem Sparschäler in kleine feine Streifen geschnitten. Während die Karotten verzehrsfertig auf ihren Einsatz warten, bedürfen die Taro Streifen einer besonderen Behandlung. Denn die Taro Wurzel enthält schleimhautreizende Kristalle und ist ohne weitere Verarbeitung roh ungenießbar. Um die Kristalle auszuschwämmen werden die Spalten nun mit den Händen geknetet, bis eine weißliche Milch austritt. Anschließend werden sie gewaschen und die Prozedur beginnt von neuem. Erst wenn keine weitere Milch mehr austritt, ist auch die Taro Wurzel bereit zur Weiterverarbeitung.

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Nun werden alle Zutaten vermengt und zu kleinen Fingerdicken Röllchen geformt. Diese müssen dann nurnoch mit Reispapier umwickelt werden und fertig sind die Frühlingsrollen. Das schaffe sogar ich mit links.

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Während die Frühlingrollen im heißen Öl vor sich hinbraten – ich glaube kaum, dass Ihnen viel heißer ist als uns bei der Kocharbeit – machen wir mit der Soße weiter. Denn was sind schon Frühlingsrollen ohne den passenden Süß-Saur-Dip.

Zutaten:

  • 4 Knoblauchzehen
  • 1 Scharlotte
  • 1 frische rote Pfefferschote
  • 2 frische Chillischoten
  • 2 Esslöffel Fischsoße
  • 2 Esslöffel Zucker
  • 1 Esslöffel Salz
  • 2 Esslöffel Zitronensaft
  • 1 Esslöffel zerkleinerte Erdnüsse
  • 1/2 Schale Wasser

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Auch dieser ist garnicht schwer. Im Prinzip werden alle trockenen Zutaten im Mörser zerkleinert und mit den flüssigen Zutaten vermengt – kein Hexenwerk. Übrigens schmeckt die Soße umso besser, wenn sie ein paar Tage gezogen hat und ist dann auch ein paar Wochen im Kühlschrank haltbar.

Und hier das festige Ergebnis:

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Sind sie nicht perfekt?

Amok ohne Amok!

Amok ist ein kambodschanisches Curry, das jedoch nicht gekocht sondern gedämpft wird. Von der Konsistenz ist es eher fester, als man sich ein normales Curry so vorstellt. Herzstück jeden Currys ist die richtige Würzpaste, die der Kambodschaner als Kroenung bezeichnet.

Zutaten:

  • 5 getrocknete rote Chillies
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 Esslöffel Galangal, klein geschnitten
  • 1 Esslöffel Lemongrass
  • Saft 1/4 Limette
  • 1 Esslöffel Salz
  • ggf. 4 Esslöffel Erdnüsse

Die Zutaten für das Kroenung werden klein geschnitten und im Mörser zu einer festen Paste zerstampft. Erst dann geht es an das eigentliche Amok.

Zutaten:

  • 30 g junge Nhor Blätte (was auch immer das sein soll)
  • 3 Esslöffel Fishsoße
  • 3 Esslöffel Limettenblätter
  • 3 Chillischoten
  • 500 g Fisch
  • 2 Schälchen Kokosmilch
  • 1 Ei, getrennt

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Der Fisch wird zunächst in kleine Stückchen zerlegt und bereitgestellt. Die Currypaste wird mit der Kokosmilch gelöst. Anschließend kommen auch die anderen Zutaten samt Fisch in die Kokosmilch-Mischung. Aus erwärmten Banenblättern wird ein kleines Schälchen geformt, in welches die fertige Currymischung gefüllt wird. Die kleinen Päckchen garen schließlich 15-20 im Wasserdampf.

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Wie kleine Kuchen werden die Bananenpäckchen im Anschluss auf den Teller gestürzt. Hier zeigt sich dann, wie gut man gearbeitet hat und als mein erstes eigenes Fisch Amog auf meinem Teller lag, war ich stolz wie Oskar. Und noch dazu schmeckte es absolut göttlich. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, das mit Abstand beste Amok meiner Reise selbst gemacht zu haben. Und für dieses Erfolgserlebnis hat es sich auch tatsächlich gelohnt, Koh Rong einen Tag eher den Rücken zu Kehren. Auch wenn die die beiden Gerichte wohl niemals nachkochen werde…

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Wissenwertes

Mittlerweile bieten mehrere Kochschulen in Phnom Penh aber auch in Siem Reap oder sogar Sihanoukville kambodschanische Kochkurse an. Die Cambodia Cooking Class war die erste Kochschule in Phnom Penh und bietet insgesamt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Halbtageskurs kostet 15 Dollar und war meiner Meinung nach lang genug, um einen ersten Einblick in die Welt der kambodschanischen Küche zu bekommen. Ein ganzer Tag mit vier Gerichten kostet 23 Dollar. Die Kurse sind extrem beliebt, daher sollte man möglichst früh buchen. Die beiden Kochlehrer sind wirklich super nett und lustig und auch mit den anderen Teilnehmern hatten wir viel Spaß. Insgesamt ein toller Tag und ein Reiseerlebnis der anderen Art.

Habt ihr schon einmal einen Kochkurs im Ausland mitgemacht?

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7 Kommentare

  • Mjam mjam sieht total lecker aus! Mir hätte vor allem der Marktbesuch gefallen: Endlich mal jemand der mir erklärt was ich da immer esse. ;D
    Bis vor kurzem hätte ich noch gesagt, dass ein Koch Kurs nichts für mich ist, aber seit ich in Hamburg einen besucht habe, finde ich es toll.
    Liebe Grüße
    Christina

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  • War vor ein paar Wochen dort mit ein paar Freunden essen, Essen war ok Bedienung auch. Aber kambodschanisch ist für mich anders, das essen war mehr chinesisch. Ich war selber vor zwei Jahren in Kambodscha und weiß wie es schmecken sollte, war sehr entäuschend. Wer nur gebratene Nudeln mit Ente haben will ist hier gut beraten.

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