In neun Tagen zur Babuschka: Ein kulinarischer Guide für Polen

Deftig, süß und sättigend – mit diesen drei Worten kann man die polnische Küche ziemlich treffsicher beschreiben. Auch wenn mir unsere Polenreise wettertechnisch nicht immer das geboten hat, was ich mir erhofft habe, hat mich das kulinarische Polen nie enttäuscht. Nichts passt zum österlichen Wintereinbruch besser als ein deftiges Essen in einem gemütlichen Restaurant. Eine Woche länger und mein Bauch hätte tatsächlich Babuschka-ähnliche Züge angenommen – das polnische Essen schmeckt einfach zu gut! Hier kommt mein kulinarischer Guide für Polen.

1. Zrazy

Die Polen lieben Fleischgerichte jeder Art. Die polnische Rinderroulade ist eines der Klassiker schlechthin. Man isst sie meist mit Kartoffeln und warmer roter Beete. Das Fleisch ist butterzart und gefüllt mit einer würzigen Zwiebelmasse. Die warme rote Beete ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich ganz lecker.

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2. Kotlet schabowy

Noch lieber als Rindfleisch essen die Polen Schweinefleisch – hier paniert als Kotelett mit Kartoffeln und Rotkraut. Als Gemüse gibt es bei fast allen Gerichten Kohl in allen Variationen: ob gekocht oder als Salat – Kohl ist regional und gesund.

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3. Gołąbki

Und schon wieder Kohl, diesmal als Roulade – wahlweise mit Tomaten oder Pilzsauce. Anders als bei uns üblich wird die Kohlroulade nicht angebraten sondern gekocht serviert. Im Inneren findet man eine Masse aus Hackfleisch, Zwiebeln und Reis. Yummi!

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4. Pierogi – in allen Variationen

Piroggen haben sich während der letzten Tage zu meinem absoluten polnischen Lieblingsgericht entwickelt. Es gibt sie in allen erdenklichen Variationen, es gibt sogar ganze Restaurants, sogenannte Pierogerien, die sich vollends der polnischen Mehlpreise verschrieben haben. Am ehesten kann man die Teigtaschen mit Maultaschen oder Ravioli vergleichen. Es gibt sie gebraten, gekocht oder gebacken aus dem Ofen. Die klassischen Pierogi werden mit Fleisch oder vegetarisch mit Sauerkraut und Pilzen gefüllt, gekocht und anschließend gebraten serviert.

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5. Żurek

Die typische Sauermehlsuppe ist eine kaschubische Suppe auf der Basis einer Sauerteigbrühe. Sie ist nicht nur in der Kaschubei sondern auch in ganz Polen ein wichtiger Bestandteil der Küche und wird klassisch in einem ausgehöhlten Brotleib serviert. Die Suppe kann mit Milch gefärbt und mit Wurst, geräuchertem Schweinespeck, Schweinerippchen sowie Kartoffeln und Gemüse gespickt werden. Zum Schluss wird ihr meist ein hartgekochtes Ei hinzu gegeben. So ausgestattet ist die deftige Suppe geeignet auch den kräftigsten Feldarbeiter (also auch mich ;-)) satt zu bekommen. In einem typischen Restaurant ist sie mit einem Preis von circa 10-12 Zloti (umgerechnet 2,50-3,00 Euro) ein sättigendes und zugleich preiswertes Vergnügen.

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6. Wildgerichte

Nie habe ich in Deutschland so gutes Fleisch bekommen wie in Polen. Das liegt vor allem an den besseren Zuchtbedingungen, den meistens leben die Tiere hier tatsächlich noch auf der Weide. Besonders lecker sind Wildgerichte wie Reh oder Hirsch. Fast jeden Tag begegneten uns auf unserer Reise Rehherden, die auf den weißen Schneefeldern nach Essbarem suchen. Ähnlich wie bei uns muss der Wildbestand zum Schutz der Flora und Fauna eingedämmt werden und so gibt es in vielen Restaurants Wildgerichte zu günstigen Preisen. Als ehemaliger Vegetarier tue ich mich zwar mit Wildgerichten schwer, jedoch muss auch ich zugeben, dass es eigentlich kein gesünderes und ökologisch vertretbareres Fleisch als dieses gibt. Daher wanderte auch einmal ein Rehgulasch mit Kartoffelgratin und Rotkohl auf meinen Teller.

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7. Naleśnik

Auch wenn es Vegetarier in Polen sicher nicht leicht haben, gibt es doch das ein oder andere Gericht, dass ohne Fleisch auskommt. Ein Beispiel dafür sind Pfannkuchen, die sowohl süß als auch herzhaft serviert werden – hier in einem Auflauf mit Spinat, Tomate und Béchamelsoße gefüllt und mit Käse überbacken. Ob dieses Gericht jetzt tatsächlich typisch polnisch ist stelle ich mal in Frage, aber es ist lecker und vegetarisch und auf zahlreichen Speisekarten in verschiedenen Variationen zu finden.

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8. Bigos

Der fleischiger Klassiker ist wohl das Nationalgericht der Polen schlechthin. Es handelt sich um einen Sauerkrauteintopf mit Speck, geräucherten Würstchen, Pilzen sowie meistens Kartoffeln, der traditionell mit Brot serviert wird. Die polnische Hausfrau kocht das Gericht gerne auf Vorrat, da es bei jedem Aufwärmen an Geschmack gewinnt. Bigos ist eins meiner Lieblingsgerichte aus der Kindheit – jedoch wurde unsere Variante kalorienärmer mit weniger Speck und zu Kartoffeln serviert.

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9. Fisch

Besonders an der Ostseeküste sind Fischgerichte ein wichtiger Bestandteil der Speisekarte. Klassisch wird Seefisch wie Dorsch, Hering und Karpfen verarbeitet. In der pommerschen und masurischen Seenplatte kommen Süßwasserfische wie Wels, Zander, Hecht und Aal sowie Schleie, Flussbarsch oder Forelle auf den Tisch. Zum Karfreitag gab es bei mir ein leckeres Dorschfilet auf Zuchini-Camenbert-Bett in Tomatensoße mit Kartoffelspalten.

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10. Gerichte des Grauens

Auch in Polen gibt es sie, ich nenne sie mal liebevoll „Gerichte des Grauens“, bei denen einem schon beim Lesen des Zutatenverzeichnis ganz anders wird – jedenfalls einem kulinarischen Weichei wie mir. Da wäre zum einen Flaki, ein Kuttelgericht mit in Streifen geschnittenem Rinderpansen und Gemüse wie Karotten, Sellerie und Zwiebeln oder auch die Czernina, eine schwarze Suppe die aus Entenblut hergestellt und mit Kartoffelklößchen serviert wird. Hätte ich das mal gewusst als ich sie nichts ahnend bestellt hab… Naja ich hab sie überlebt obwohl mir doch etwas schlecht wurde, als ich erfahren habe, woraus die Suppe besteht.

11. Kuchenträume

Die Polen machen den wunderbarsten Kuchen. In fast jedem Café oder Restaurant gibt es mehrere selbstgemachte Kuchen und Torten, die in Polen klassischer weise als Abschluss der Hauptmahlzeit gegessen werden. Diese wird – anders als bei uns – irgendwann zwischen 12 und 17 Uhr eingenommen. Natürlich kann man auch am Nachmittag Kaffee und Kuchen essen gehen. Auf unserer Reise sind uns zahlreichen wirklich tolle und einzigartige Cafés begegnet, die sich bestens für eine Aufwärmpause am Nachmittag eignen.

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12. Gofry

Vor allem an der Ostseeküste und bei schönem Wetter eignet sich für den süßen Hunger zwischendurch die sogenannten Gofry, heiße Waffeln, die in kleinen Buden mit den verschiedensten „Toppings“ serviert werden. Diese Stände findet man vor allem in den Badeorten wie Zopot oder auf der Halbinsel Hel an jeder Ecke. Sogar jetzt im März haben einige von Ihnen schon geöffnet. Natürlich schmeckt die Waffel bei Sonnenschein und 25 Grad sicher noch tausend Mal besser als bei Minusgraden und eiskaltem Ostseewind.

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13. Frühstücken auf polnisch

Auch das Frühstück in Polen ist eine eher deftige Angelegenheit. Auf einem klassischen Frühstücksbuffet sind Heringssalat, Mayonaise und Co sind neben Rührei und Würstchen keine Seltenheit. Obst und Säfte dagegen findet man seltener auf dem Tisch. Vorsicht gilt auch beim Kaffee, der häufig von Nescafé statt aus der Filtermaschine kommt. Was die generelle Qualität angeht, hatten wir in den letzten neun Tagen von ausgezeichnet bis Hauptsache sattmachend alles. Selbst Brötchen scheinen auf einem polnischen Frühstückstisch nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit zu seinen. Hier ist – wie beim Reisen generell – etwas ich nenne es mal „kulinarische Flexibilität“ von Vorteil.

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14. Herbata

Wer den Nescafé umgehen möchte, entscheidet sich einfach für Herbata. Der schwarze Tee wird in Polen mit Zucker und Zitrone genossen und rundet neben Kuchen ein gelungenes Mahl ab. Schmeckt übrigens auch zum deftigen Essen lecker und beruhigt den Magen.

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15. Prince Polo

Was für uns der Kinderriegel ist für die Polen der Prince Polo, nämlich das Sehnsuchtsobjekt der Kindheit schlechthin. Die Schokowaffel gibt es in mehreren Geschmacksrichtungen – am besten schmeckt mir die klassische Version mit dunkler Schokolade. Kein Wunder also, dass gleich 4 Riegel mit ins Gepäck gewandert sind.

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16. Redd´s Himbeerbier

Zum Abschluss noch eine alkoholische Spezialität: das Redd´s Red. Das polnische Bier mit Himbeergeschmack war unser Feierabenddrink schlechthin. Schließlich bin ich kein großer Bierfan und Wein ist in Polen verhältnismäßig teuer. Geschmacklich erinnert mich das Red ein bisschen an Berliner Weiße mit Schuss – nur ohne die Säure. Neben Himbeere gibt es auch eine Cranberry Variante die, wie ich finde, ebenso lecker ist. Auch hiervon sind vier Dosen in mein Reisegepäck gewandert und werden mir den nächsten Feierabend mit schönen Erinnerungen versüßen.

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Nach neun Tagen herrlichster Schlemmerei ist ab jetzt wieder Schmalhans Küchenmeister damit ich das nächste Mal auf der Waage keinen Schock bekomme. Worauf ich mich jetzt in Deutschland freue? Salat, Obst und Pasta… und ein leckeres Curry vom Thai meines Vertrauens!!!

Welches Gericht ist eurer Favorit? Habe ich irgendwelche typisch polnischen Gerichte in meinem Guide vergessen? Überlegt ihr euch auch schon vorher, was ihr in eurem Reiseland so alles probieren wollt?

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