Wandern in El Chaltén: Ein Drei-Tages-Guide

El Chalten

Eine lange Straße endet im Nichts. Rechts und links von ihr befinden sich Ferienhäuser, Hostels, Pensionen und zwischendurch ein paar Outdoorgeschäfte und Restaurants sowie ganze zwei Supermärkte. Wobei Supermarkt hier noch übertrieben ist. Nein, es ist definitiv nicht das gute Essen, was die Menschen nach El Chaltén verschlägt. Nein und Shoppen will hier auch niemand – es sei denn die Trekkingausrüstung bedarf einer Neuanschaffung. Denn wenn man eines in dem kleinen Dorf im Süden Argentiniens kann, dann ist es Wandern.

Seiner exponierte Lage mitten in einem der wohl eindrucksvollsten Bergmassive Patagoniens verdankt der kleine Ort seiner zunehmenden Berühmtheit als Wanderhochburg des Landes. Zurecht wie ich finde. Denn die spektakulären Wanderungen in der Umgebung können locker mal mit dem Torres del Paine Nationalpark der Nachbarn mithalten.

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Übersicht: Wanderungen in El Chaltén

Tag #1 – Miradores Los Cóndores und Las Águilas
Tag #2 – Laguna Los Tres
Tag #3 – Loma del Pliegue Tumbado

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Wer diesen abgelegenen Ort aufsucht, sollte mindestens drei Tage Zeit einplanen um der faszinierenden Landschaft wirklich gerecht zu werden. In diesem drei Tages Guide zeige ich dir die schönsten Wanderungen, die dir einen guten Einblick in die Umgebung Chalténs vermitteln. Los gehts – und ja nicht die Regenjacke vergessen!

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Tag #1 – Miradores Los Cóndores und Las Águilas

Wenn du bereits am Vorabend angereist bist, hast du am ersten Tag Gelegenheit, dir einen ersten Eindruck von El Chaltén und seiner spektakulären Lage zu verschaffen und dir einen Vorrat an Lebensmitteln anzuschaffen (wenn du wie ich im Hostel oder einer Ferienwohnung wohnst). Kommst du erst gegen Mittag/Nachmittag an, deponiere deine Sachen in der Unterkunft, schnüre die Wanderschuhe und mach dich gleich auf den Weg die Aussichtspunkte Los Cóndores und Las Águilas zu besuchen.

Die einfache Wanderung startet am Besucherzentrum des Nationalparks am Ortseingang und schlängelt sich dahinter den steilen Berghang hinauf, bis du nach rund einer halben Stunde den Condor-Mirador erreichst. Hier liegt dir El Chaltén zu Füßen und wenn du Glück und gute Sicht hast, kannst du sogar schon einen ersten Blick auf den berühmten Mount Fitz Roy werfen.

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Nach einer Verschnaufpause kannst du auch noch den zweiten Aussichtspunkt namens Las Águilas besuchen, der dir eine unbeschreibliche Sicht auf das karge Umland Chalténs sowie die Laguna del Pato verschafft. Es ist wirklich faszinierend, dass sich so eine grüne Bergwelt in Mitten der argentinischen Steppe befindet.

Nun geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück und nach und ein bis eineinhalb Stunden Gehzeit (insgesamt) solltest du das Besucherzentrum wieder erreicht haben.

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Die Wanderung ist ein absolutes Muss selbst für Wandermuffel und kann auch von total Ungeübten ohne Probleme gemeistert werden. Vielleicht packt dich ja doch noch das Wanderfieber.

  • Schwierigkeit einfach
  • Strecke rund 3 km
  • Dauer: 1-1:30 h
  • Höhenmeter: 100 m

Mein Tipp: Alleine Wandern ist dir zu krass? Wie wäre es mit einer geführten Wanderung zum Cerro Torre?

Tag #2 – Laguna Los Tres

Heute wird ein anstrengender Tag, deshalb brich am besten früh auf – alleine weil die (nicht seltenen) Nachmittagsstürme den letzten Teil deiner Wanderung schnell unpassierbar machen können. Die Wanderung zur Laguna Los Tres und damit dem Fuß des Fitz Roys ist DER Klassiker schlechthin und die beste Möglichkeit den berühmten Berg aus nächster Nähe zu betrachten (wenn er sich den zeigt). Sie beginnt am Ende der Avenida San Martín am hinteren Ende des Ortes und ist durch ein Hinweisschild gut ausgeschildert. Nach rund 3 Kilometern bergauf kommst du an eine Weggabelung, an der du dich entscheiden möchtest ob du am Mirador Fitz Roy oder an der Laguna Capri vorbei möchtest.

Ich empfehle dir ersteres. Den Aussichtspunkt erreichst du nach rund einer Stunde. Mach dir keine Sorgen, wenn du hier auf Grund der Wolken noch nichts siehst – noch ist nichts verloren. Relativ ebenerdig geht es von hier über eine Hochebene weiter, bis du das kostenlose Camp Poincenot erreichst.

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Etwas später erreichst du eine kleine Schutzhütte an der du dich für den bevorstehenden steilen Anstieg stärken kannst. Denn die letzten zwei Kilometer haben es in sich. In steilen Serpentinen geht in immer kärgere Höhen bis du schließlich die Bergkuppe erreichst, die den Blick auf den Fitz Roy freigibt. Der Blick auf das Bergmassiv und den vorgelagerten See entschädigt für alle Mühen. Wenn du noch ein bisschen Kraft hast, dann kannst du den Hügel linker Hand erklimmen und noch einen zweiten Gletschersee auftauchen sehen. Wichtig: Der Wind auf dem letzten Teilstück kann sehr gefährlich sein. Wenn du merkst, dass es dich von den Füßen weht, kehre lieber um und/oder erkundige dich bei entgegenkommenden Wandern nach der Situation am Zielpunkt.

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Nun wird es Zeit für den Rückweg. Sei gerade im ersten Streckenabschnitt besonders vorsichtig, da das Steilstück bergab noch ein bisschen kniffeliger ist als bergauf. Folge deinem Hinweg, bis du die Abzweigung zur Laguna Capri erreichst und nimm diese. Der Weg führt dich vorbei an dem See zurück nach El Chaltén und sorgt für etwas Abwechslung.

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Ach ja: Schlechtes Wetter ist in El Chaltén übrigens keine Ausrede. Zum einen kann das Wetter in Minuten umschwenken und aus Regen wird Sonnenschein (und umgekehrt) und zum anderen kann man ansonsten unter Umständen seine drei Tage nur mit Warten auf gutes Wetter verbringen. Denn leider ist es so: es kann selbst bei einem dreiwöchigen Aufenthalt vorkommen, dass sich der Fitz Roy nicht ein einziges Mal hinter der Wolkendecke hervor wagt.

  • Schwierigkeit mittel
  • Strecke 24 km
  • Dauer: 7-8:00 h
  • Höhenmeter: 700 m

Tag #3 – Loma del Pliegue Tumbado

Wenn du die gestrige Tour gut gemeistert hast, bist du jetzt bereit für deinen ersten Gipfel. Der Loma del Pliegue Tumbado ist mit seinen 1298 Metern Höhe einer der wenigen „leichten“ Gipfel der Region, der ohne Guide und spezielle Ausrüstung begehbar ist. Von seiner Spitze aus bietet sich eine fantastische Sicht sowohl auf das Fitz Roy- als auch das Torres-Massiv. Okay gute Sicht mal wieder vorausgesetzt.

Die Wanderung startet wie die erste Tour am Besucherzentrum ortseingangs. Geht man zunächst noch den gleichen Weg wie an Tag 1, trennen sich beide schnell und man folgt der entsprechenden Ausschilderung. Auf den rund 10 Kilometern bis zum Gipfel müssen fast 1.000 Höhenmeter überwunden werden – nicht ohne also. Zunächst geht es moderat aber stetig bergan durch eine weite Graslandschaft. Wenn die Sonne scheint, kann es hier regelrecht heiß werden.

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Nachdem man einen ursprünglichen Südbuchenwald durchquert hat (Augen nach Magellansprechten und Kara Karas aufhalten!) teilt sich der Weg. Rechts geht es in viereinhalb Stunden zur Laguna Toro (Achtung: 2-Tages-Tour!). Du hälst dich links. Es geht weiter durch den Wald bis man nach rund einer weiteren Stunde die karge Hochebene erreicht hat. Hier gilt erneut: Vorsicht vor dem Wind, der das gesamte letzte Wegstück unpassierbar machen kann.

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Hast du Glück und der Wind hält sich in Grenzen folge den gelben Stäben über die felsige Ebene. Hier kannst du die runde karge und geröllige Kuppe deines heutigen Gipfels bereits vor dir sehen. Für die letzte Stunde musst du dir auf jeden Fall Kräfte aufheben. Denn die Besteigung der Kuppe hat es in sich. Der Weg windet sich steil (und damit meine ich echt steil!) den Berg hinauf. Pass besonders mit dem Geröll auf!

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Hast du es schließlich geschafft, wartet ein kleiner improvisierter Gipfelstab auf dich, der einen glücklicher nicht machen kann. Wenn du mehr Glück hast als ich, erwartet dich ein unglaubliches Bergpanorama. Such dir eine windgeschütze Ecke (ich bezweifele, dass es hier oben jemals windstill ist) für deine Mittagsrast.

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Der Abstieg fordert besonders im erste Teilstück noch einmal volle Konzentration. Hast du das Plateau wieder erreicht laufen sich die acht Kilometer bis zum Ausgangspunkt fast von alleine. Hierzu folgst du einfach deinem Hinweg.

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Auch wenn oder gerade weil die Wanderung nicht zu den Top 3 der beliebtesten Wege in Chaltén ist, gehört sie für mich unbedingt in diesen 3-Tage-Guide. Im Gegensatz zu den Wanderungen zur Laguna Los Tres und zur Laguna Torre zeigt sich die Landschaft doch noch einmal von einer anderen Seite. Und so ein Gipfel muss einfach auch mal sein!

  • Schwierigkeit mittel
  • Strecke 20 km
  • Dauer 7:00 h
  • Höhenmeter: 1.000 m

Wenn du früh losgegangen bist, bleibt jetzt noch genug Zeit für Duschen, Essen sowie Packen und du kannst mit dem Nachtbus weiter Richtung Norden (Los Antiquos/Barriloche) oder Süden (El Calafaté) aufbrechen. Nach so einer Wanderung schläft man selbst im Bus wie ein Baby.

Möchtest du dagegen noch ein paar Tage länger bleiben (was ich absolut verstehen kann) gibt es natürlich noch zahlreiche weitere Wanderungen (z.B. zur Laguna Torre oder eine 2-Tages-Trekkingtour zur Laguna Toro) in der Region. Die beste Auskunft über das Wetter, den Zustand der Wege und Wandertipps bekommst du im Besucherzentrum des Nationalpark Los Glaciares. Die netten Mitarbeiter helfen dir immer gerne weiter! Wichtig ist: Möchtest du eine Mehrtagestour gehen, musst du dich unbedingt vorher dort kostenlos registrieren.

Leben in El Chaltén

Das Leben in El Chaltén ist leider nicht besonders günstig. Vor allem Lebensmittel sind sehr teuer und frisches Obst und Gemüse oft Mangelware bzw. teilweise sogar verschimmelt im Supermarkt. Denk trotzdem unbedingt dran dich für die Wanderungen mit genügend Proviant einzudecken, da es unterwegs keinerlei Einkehrmöglichkeiten gibt. Deine Wasservorrat dagegen kannst du an allen Flüssen unterwegs auffüllen.

Relativ günstig kannst du im Hostel Rancho Grande übernachten und essen. Vor allem die Burger sind echt lecker! In der zwar sehr spartanischen aber immerhin vorhandenen Küche kannst du dir deine Mahlzeiten auch selbst kochen. Besonders praktisch: Es ist eins der wenigen Orte, in denen du in El Chaltén mit Kreditkarte zahlen kannst. Denn Bargeld ist im Ort ebenso rar wie frisches Gemüse. Nimm also auf jeden Fall genug Geld mit und plane genug Reserve für das Busticket für die Weiterfahrt ein. Wir wären deshalb beinahe in Chaltén gestrandet und konnten nur dank der integrierten Chaltén Travel Agentur im Hostel (zwar mit einem teureren Bus, aber immerhin überhaupt) weiterreisen.

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Und, wann startet dein Wanderabenteuer in El Chaltén? Oder warst du schon dort und hast noch weitere Tipps? Immer her damit!

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