Zwischen Streetart, Suflaki und Säulen: Ein Tag in Athen

Athen

Athen ist laut, Athen ist bunt, Athen ist wuselig. Und Athen ist genau nach meinem Geschmack.  Vielleicht ist es die Mischung als Tradition und Moderne, aus Streetart und Säulen, die die Stadt so interessant macht. Obwohl Athen fast 5 Millionen Einwohner hat (fast die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt) lässt sich die Innenstadt problemlos zu Fuß an einem Tag erkunden. Ich habe für dich die perfekte Route zusammengestellt, die dir einen Überblick über die einzelnen Stadtviertel verschafft.

8:00 Uhr – Aufwachen im Alice Inn

Super ruhig und trotzdem zentral wohnt man im Alice Inn, einem kleinen Boutique Hotel unweit der Akropolis. Die Zimmer und Appartements sind in einer großen Altstadtvilla untergebracht, die mit einer solchen Liebe zum Detail eingerichtet ist, dass man sich sofort zu Hause fühlt. Vielleicht liegt es auch am netten Besitzer, der einem das Gefühl gibt, man sei bei Freunden untergekommen. Auch wer nur wenig Zeit in Athen hat, sollte sich doch genug Zeit für das gemütliche Frühstück aus frischgepresstem Orangensaft und einer großen Auswahl an hausgemachten Marmeladen nehmen. Alle Gäste essen übrigens gemeinsam an einem riesigen Küchentisch.

Wer auf der Suche nach einer preiswerten Unterkunft ist und dennoch nicht auf Stil verzichten möchte, kann sich im City Circus Hostel einquartieren. Das Flashpacker-Hostel ist eins der wenigen Hostels Athens und befindet sich mitten in Psiri. Es ist liebevoll eingerichtet, bietet eine Dachterrasse mit Akropolisblick sowie ein leckeres Frühstück.

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10:00 Uhr – Syntagma Square

Gut gestärkt geht es zunächst zum Syntagma Square, der vom Hotel in weniger als zehn Minuten zu erreichen ist. Hier befindet sich auch das Parlament, das in einem ehemaligen Stadtschloss untergebracht ist. Ähnlich wie am Buckingham Palace gibt es auch hier eine Wachablösung. Selbst wenn man die verpasst, lohnt sich ein Blick auf die patrouillierenden Offiziere, die in ihren Uniformen und Wollstrumpfhosen irgendwie deplatziert wirken.

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Vom Syntagma Square führt die verkehrsberuhigte Ermou-Straße zum Monastraki Square. Auf der Haupteinkaufmeile der Stadt gibt es vor allem internationale Geschäfte. Auch hier sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren. Immer wieder sieht man leerstehende Ladenräume, vor denen sich Orgelspieler und die berühmten Sesamring-Verkäufer niedergelassen haben.

10:30 Uhr – Monastraki Square

Der Monastiráki Platz und das gleichnamige Viertel drumherum wird auch als das türkische Athen bezeichnet, weil sich hier während der türkischen Zeit das wirtschaftliche und politische Leben Athens abspielte. Kein Wunder, dass auf dem Platz auch heute noch eine orientalische Atmosphäre zu spüren ist. Rund um den Platz befinden sich Einkaufstraßen und Märkte und schon am Morgen herrscht ein buntes und lebhaftes Treiben, das gegen Abend seinen Höhepunkt erreicht.

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11: 00 Uhr – Gazi, Keramikos & Metaxourgio

Westlich des Platzes befinden sich die Stadtviertel Keramikos und Gazi, die Hipsterviertel der Stadt. Der Name Keramikos stammt wie der Name vermuten lässt von „Keramik“. Das Viertel war einst das wichtigste Zentrum der attischen Keramikproduktion. Daran angeschlossen befand sich sich der historische Friedhof der Stadt. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, vielmehr wird die Stadt Richtung Westen von der ehemaligen Gasfabrik Gazi dominiert, die dem Stadtteil seinen Namen verlieh. Heute ist die Fabrik ein wichtiges Kulturzentrum und so wundert es nicht, dass sich dort zahlreiche (Straßen-)Künstler niedergelassen haben.

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Geradezu fließend ist der Übergang von Gazi nach Metaxourgio, dem Multikulti-Viertel Athens. Neben seiner hohen Anzahl von Einwanderern zeichnet sich das Viertel durch eine aufstrebende Streetart-Szene aus. Ich bin überrascht von der fast schon dörflichen Atmosphäre. Zwischen heruntergekommenen alten Stadthäusern mit kleinen Balkonen treffe auf einen Korbflechter, der mit seiner Frau auf der Straße in der Sonne arbeitet. Er grinst fröhlich, als er mich sieht. Überhaupt bin ich überrascht, wie fröhlich und zufrieden die Athener trotz Wirtschaftskriese sind.

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12:00 Uhr – Streetart in Psiri

Südwestlich von Metaxourgio schließt sich der Stadtteil Psiri an, die Keimzelle der Athener Streetart. Man findet fast keine Häuserfassade, die nicht von irgendwelchen mehr oder weniger kunstvollen Graffitis verziert ist. Leider stehen heute einige Gebäude leer. Das ehemalige Inviertel ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Die Szene ist längst weitergezogen nach Gazi und Exarchia. Wer sich für Streetart begeistern kann, findet in Psiri einen Abriss über die Geschichte der Straßenkunst in Athen – von den ersten Wurzeln bis heute. Und natürlich gibt es weiterhin jede Menge coole Bars und Cafés.

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13:00 Uhr – Suflaki-Imbiss

Warum man sich gerade um die Mittagszeit in Psiri aufhalten sollte? Hier gibt es den besten Suflaki-Imbiss der Stadt. Zwischen lauter Einheimischen genießt man bei Kωστας (Kostas) auf dem St. Irinis Square Suflaki und Keftedes (Hackbällchen) Pitas stilecht aus der Aluschale. Aus dem kleinen Innenraum duftet es herrlich nach Gewürzen und gegrilltem Fleisch. Besonders toll: auch als Nicht-Einheimischer wird man nett und freundlich bedient und bei Bedarf auch die Karte übersetzt. Achtung: Der Imbiss hat nur bis in den frühen Nachmittag geöffnet!

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Wer im Anschluss noch Platz für einen Nachtisch hat, kann gleich nebenan bei LUKUMAΔΕΣ in der 21 Aiolou Straße einkehren. Das Café ist bekannt für seine Loukoumades, kleine Donat-ähnliche Teigbällchen die mit Honig und Zimt genossen werden.

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15:00 Uhr – Das alternative Studentenviertel Exarchia

Gut gestärkt, geht es weiter in den Norden der Stadt. Hier befindet sich nahe der Universität das alternative Studentenviertel Exarchia. Dass das Viertel vor allem als Ausgangspunkt der Unruhen bekannt wurde, sollte vor einem Besuch nicht abschrecken. Heute ist es ein cooler Szene-Stadtteil mit vielen Bars und Cafés und natürlich Streetart. Eine Besonderheit ist ein Park mitten im Herzen des Viertels. Hier rissen im März 2009 die Bewohner des Stadtteils Pflaster und Asphalt eines Parkplatzes auf und pflanzten Büsche und Blumen ein, um einen Park anzulegen, da es in dem Viertel zuvor keine Grünflächen gab. Dieses Urban Gardening Projekt sorgte dafür, dass der Parkplatz nicht erneut errichtet werden durfte. Denn eine Regelung besagt, dass Plätze mit Bäumen ab einem Meter Höhe, nicht abgerissen werden dürfen.

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17:00 Uhr – The Ancient Agora

Nun wird es Zeit für ein paar Säulen. Mit der Metro gelangt man schnell zurück zum Monastraki Square und damit zum Eingang zur Ausgrabungsstätte „Anchient Agora“. Hier kann man für 12 Euro eine Eintrittskarte erwerben, mit der man verschiedene Tempel und Ausgrabungsstätten in der Stadt besuchen kann und die auch zum Eintritt der Akropolis berechtigt. Das Ausgrabungsgelände war einst der Marktplatz von Athen und vereint zwei wichtige Athener Epochen: die Antike und das römische Zeitalter. Über dem Gelände thront nicht nur die Akropolis sondern auch der Tempel des Hephaestus, der als besterhaltenster antiker Tempel gilt.

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Das zweite Gebäude, welches das Gelände dominiert ist die alte römische Markthalle, die mit ihrem offenen Säulenbau sozusagen über ein antikes Kühlsystem verfügt. Es sorgt dafür, dass in der Halle die Temperatur meist um 5 Grad kälter als die Außentemperatur ist. Eine angenehme Erfrischung an einem heißen Nachmittag.

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18:00 Uhr – Sonnenuntergang auf der Akropolis

Nachdem man den ganzen Tag die Akropolis nur von weitem bestaunt und der Versuchung widerstanden hat, gleich auf den Hügel zu steigen, ist es nun an der Zeit das Wahrzeichen der Stadt zu besuchen. Das Warten hat gleich mehrere Vorteile: Gegen Abend ist es weniger heiß, was den Aufstieg weniger schweißtreibend macht und außerdem ist ein Großteil der Touristen längst auf ihrem Kreuzfahrtschiff zurück oder in einem der Restaurants am Fuße des Berges eingekehrt. Und man kommt in den Genuss den Sonnenaufgang vom Hügel zu erleben – ein ganz besonders magisches Ereignis.

Bevor es nun aber auf das Akropolis-Gelände geht, lohnt es sich die Aussicht auf die Stadt und die Tempel der Akropolis vom Marshügel zu erleben. Der kleine Hügel befindet sich kurz vor dem Eingangstor der Akropolis und kann kostenlos besucht werden. Das führt dazu, dass sich neben den Touristen hier auch viele Einheimische tummeln, die den Sonnenuntergang mit einem kühlen Getränk in der Hand genießen.

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Ohne jede Wartezeit kann man nun das Akropolisgelände betreten. Was die Meisten nicht wissen: Die Akropolis bezeichnet lediglich den Hügel, auf dem die Tempel liegen und nicht nur das Parthenon, das sich im Zentrum des Hügels befindet. Bis gegen 19 Uhr die Sonne untergeht, hat man genug Zeit, die Ruinen zu erkunden und dabei zuzusehen, wie mehr und mehr Menschen den Abstieg Richtung Stadt antreten.

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Mit nur noch einer Hand voll Menschen – jedenfalls für Akropolis-Verhältnisse – kann man nun der Sonne zusehen, wie sie über den Bergen im Westen der Stadt langsam untergeht. Das warme Licht der untergehenden Sonne taucht die Säulen der Tempel in ein warmes, seichtes Licht und zaubern erst die Magie, die man ansonsten auf der Akropolis eher vermisst.

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19:30 Uhr – Abendessen in Psiri

Sobald die Sonne weg ist, wird es schnell kühl auf dem Hügel und es ist Zeit den Rückweg anzutreten. Jetzt bloß nicht in in einem der Restaurants am Fuße des Berges einkehren, sondern besser den Weg zurück nach Psiri zurücklegen und dort in einem der zahlreichen Restaurants niederlassen. Wer immernoch nicht müde ist kann dort oder in Gazi oder Exachia das Athener Nachtleben erleben, das sich bis weit in die frühen Morgenstunden hinzieht.

Weitere Tipps für Athen

  • Der Herbst ist die beste Jahreszeit für einen Städtetrip nach Athen. Milde 25 Grad sind es jetzt noch in der griechischen Hauptstadt – warm genug aber nicht zu warm um die Stadt zu erkunden. Das Meer ist noch warm und die Oliven hängen reif an den Bäumen. Aber auch im Frühjahr lohnt sich ein Besuch.
  • Wer keinen ganzen Tag Zeit hat, die Stadt zu erkunden, weil er vielleicht mit dem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, aber keine Lust auf Stadtführungen mit Sonnenschirm hat, dem kann ich die Touren von Athens by Bike nur ans Herz legen. Über verkehrsberuhigte Straßen geht es zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Athens. Gleichzeitig bekommt man als Fahrradfahrer einen ganz anderen Eindruck von der Stadt.
  • Wer ebenso auf Streetart steht wie ich, dem kann ich die Streetart Tour von dopios empfehlen. Fast vier Stunden war ich mit Manolis in Psiri auf den Spuren der Athener Streetart unterwegs. Davon werde ich dir ein anders Mal mehr erzählen.
  • Weitere tolle Stadtführungen abseits vom Mainstream gibts bei Athen Insiders. Von Kochkursen, über kulinarische Stadtführungen und Fototouren gibt es so ziemlich alles. Schade, dass ich die Touren nicht selbst erleben konnte – aber schließlich ist das doch ein guter Grund um wiederzukommen…
  • Athen wird regelmäßig von vielen Fluggesellschaften direkt angeflogen. Ich bin mit der gerade als beste regionale Airline ausgezeichneten Aegean Airlines von Frankfurt nach Athen gereist. Weitere Flugverbindungen gibt es ab München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin, Nürnberg, Hannover und Hamburg.

Hab ich was vergessen? Was sind deine Tipps für Athen? Verrats mir in den Kommentaren!

Viele Dank an Discover Greece für die Einladung nach Athen und natürlich auch an alle Kooperationspartner Aegean Airlines, City Circus , Alice Inn, Dopios und Athens by Bike. Weiterführende Infos zu Athen und ganz Griechenland gibts auf www.discovergreece.com.

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