Bariloche – Alpenfeeling in Argentinien

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Von Bariloche hatte ich eigentlich immer nur Negatives gehört. Touristisch überlaufen, Wanderungen im Gänsemarsch, Souveniershops und an die Alpen erinnernde Holzhüttchen mit wenig Charme. Und so war ich auch eigentlich gar nicht so böse, dass sich durch ein paar Buchungsprobleme unser Aufenthalt in Bariloche auf dem Weg nach Norden schließlich auf de facto einen ganzen Tag beschränkte. Eigentlich. Denn als ich an eben jenem Morgen aus dem Hostelfenster blickte, sah ich nur strahlenden Sonnenschein, soweit das Auge reichte. So einen blauen Himmel hatte ich seit dem Verlassen von Buenos Aires vor mehreren Wochen nicht mehr gesehen.

Bariloche in einem Tag erleben

Eigentlich hatten wir für den Tag nichts geplant. Wollten ein bisschen durch die Stadt bummeln und uns um die Weiterreise am nächsten Tag kümmern. Doch irgendwie kribbelte es bei Anblick solchen Wetters in unseren Beinen.

Vielleicht sollten wir Bariloche doch eine Chance geben und zu einer kleinen Wanderung aufbrechen?

Planlos fragten wir den Hostelmitarbeiter um Rat und ehe wir uns versahen fanden wir uns im Bus zur Skizentrum Villa Catedral wieder, das der Ausgangspunkt einer Tageswanderung zum Refugio Frey darstellt. Nur dass wir gar keinen ganzen Tag mehr zur Verfügung hatten, denn bis wir schließlich im richtigen Bus saßen, ist es bereits fast schon Mittag.

Wanderung zum Refugio Frey

Das Refugio Frey ist vom Parkplatz des Skizentrums über einen gut ausgeschilderten Wanderweg zu erreichen, der zwar nicht all zu schwer, aber dennoch ziemlich anstrengend ist – wie wir schnell feststellen müssen. Aber durch unseren relativ guten Trainingsstand (nach Torres del Paine und El Chaltén) kommen wir trotzdem ganz gut voran.

Für den barilochener Herbst ist es ziemlich kühl, aber für uns der wärmste Wandertag, seit wir vor ein paar Wochen Buenos Aires verlassen haben. Ich weiß nicht ob es an der fortgeschrittenen Uhrzeit liegt, oder wir einfach einen guten Tag erwischt haben, aber obwohl der Weg wohl zu den beliebtesten der Gegend gehört, ist angenehm wenig los.

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Die erste Stunde führt uns die hölzerne Wegmarkierung oberhalb des Lago Gutiérrez entlang, bis wir schließlich tiefer in den Wald und das Tal eindringen. Aus dem leichten Auf und Ab wird ein steiles Bergauf, 750 Höhenmeter wollen ja schließlich auch überwunden werden. Richtig spektakulär wird die Wanderung erst, als wir schließlich die Waldgrenze hinter uns lassen und sich der Cerro Cathedral-Gebirgszug von seiner alpinen Seite zeigt.

An einem heißen Sommertag wird es hier sicher schnell ungemütlich, aber durch den kalten Wind genießen wir die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut, während sich unser Weg immer höher und höher den schroffen Bergspitzen nähert. Erst als wir fast davor stehen, kommt unser Tagesziel, das Refugio Frey in Sicht. Die kleine Berghütte erinnert mich stark an ihre Geschwister in den Alpen. Ausgesetzt thront sie auf einem Bergkamm direkt vor dem Ufer eines kleine Bergsees, dem Lago Frey.

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Aus der Hoffnung, dass die Hütte auch von Innen mit einer Alpenhütte mithalten kann, wird schnell zerschlagen. Außer man steht auf Sandwiches und Fertigpizza. Wir entscheiden uns dagegen und ziehen ein paar Kräcker am Ufer des Sees vor.

Insgeheim freuen wir uns jetzt schon auf unser Abendessen, schließlich darf an unserem letzen Abend in Argentinien ein leckeres Steak auf dem Teller nicht fehlen. Und so machen wir uns auch ziemlich bald auf den Rückweg, denn wir sind uns nicht sicher, wie lange die Busse in die Stadt vom Cerro Cathedral noch fahren werden.

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Der Rückweg zieht sich ganz schön in die Länge – auch ein Grund, warum ich Rundwege bevorzuge. Trotzdem bietet uns die langsam tiefer stehende Sonne nochmal eine schöne Sicht auf das tiefe Blau des Gutiérrez-See. Unterwegs begegnen wir einer Truppe junger Soldaten, die voll ausgestattet auf dem Weg zu einer Übung zu sein scheinen.

Ansonsten haben die meisten bereits den Weg ins Tal angetreten, so dass wir auch jetzt wieder die meiste Zeit des Weges alleine verbringen. Am Parkplatz angekommen, setzen wir uns zu den anderen Wartenden am Bushäuschen. Wir wissen zwar nicht, wann der Bus fahren soll, aber dass zumindest noch andere Leute da sind, lässt uns hoffen, dass der letzte Bus noch nicht abgefahren ist. Hinterher erfahren wir, dass wir uns gar nicht so hätten beeilen müssen, denn der Bus fährt bis 8 Uhr zu jeder vollen Stunde.

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Das beste Steak Argentiniens

Unseren letzten Abend lassen wir dann (wieder) im Steaklokal El Boliche de Alberto ausklingen. Denn nach mehr als einem Monat vergeblicher Suche nach DEM BESTEN STEAK in Argentinien wurden wir unerwartet in Bariloche fündig. Vielleicht sollte man dazu sagen:

Die Vorstellungen von einem perfekten Steak gehen zwischen Deutschen und Argentiniern ziemlich stark auseinander.

Der Argentinier mag sein Steak nämlich am liebsten pur (nur mit ein bisschen Brot), durchwachsen, absolut durchgebraten und ohne Soße während ich mein Steak gerne zart, innen leicht rosa und mit viel Soße genieße. Das El Boliche de Alberto trifft beide Geschmäcker indem sie die Steaks nach Wunsch garen und in einem kleinen Schüsselchen ihre hausgemachte Soße servieren. Dazu gibt es frisches Brot und wir bestellen noch einen großen Salat sowie eine schöne Flasche Rotwein on top.

Und so kam ich schließlich doch noch unerwartet zum besten Steak meines Lebens.

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Ich muss zugeben: Bariloche hat mich echt positiv überrascht. Vielleicht lag es daran, dass wir keinerlei Erwartungen hatten, vielleicht lag es auch an dem traumhaften Wetter, dass wir im Süden Patagoniens schon so lange vermisst hatten. Auf jeden Fall überquerten wir am nächsten Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge die Grenze nach Chile und ließen Argentinien (für diese Reise zumindest) hinter uns.

Warst du schonmal in Bariloche? Wenn ja, wie hat es dir gefallen? Und wo hast du dein bisher bestes Steak  gegessen?

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