Abenteuer Rio: Zu Fuß auf den Zuckerhut

Rio de Janeiro

Rio ist DIE Stadt der atemberaubenden Ausblicke schlechthin. Sie liegt umringt von fast 1.000 Meter hohen Bergen – die berühmtesten davon sind der Corcovado (710 Meter) auf dem die Christusstatue steht und der Zuckerhut mit 396 Metern. Auf beide kann man bequem mit der Bergbahn gelangen, doch irgendwie ist es doch so wie mit vielen Dingen im Leben: man kann sie nur wirklich genießen, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat.

Auf den Corcovado führt ein Wanderweg durch die den Tijuca-Wälder bis zur Spitze. Rund 1 1/2 Stunden braucht man für den Aufstieg, doch uns wurde eindringlich von einer Wanderung abgeraten, da es auf den abgelegenen Wegen schon mehrmals zu Raubüberfällen gekommen ist.

Mein Tipp: Wer die Wanderung ohne Risiko machen möchte sollte sich einer geführten Tour anschließen!

Wir entscheiden uns schließlich für eine alternative Wanderung auf den Zuckerhut, dessen Weg leider (oder in diesem Fall glücklicherweise) stärker frequentiert  ist, aber fast ebenso schön durch den Wald führt. Wobei AUF den Zuckerhut ein bisschen übertrieben ist. Denn bis auf den Gipfel gelangt man nur als geübter Kletterer, denn es gilt eine Steilwand von 8 Metern zu überwinden. Bis auf den Morro da Urca, auf dem auch die Mittelstation der Seilbahn liegt, kann aber jeder gelangen, der einigermaßen gut zu Fuß ist und Lust auf ein kleines Rio-Abenteuer hat.

Der Zuckerhut liegt im Stadtteil Urca und lässt sich bequem per Bus erreichen. Überhaupt sind Busse in Rio das beste Fortbewegungsmittel. Es gibt zwar eine Metro, allerdings nur mit zwei Linien, so dass der meiste Teil der Stadt tatsächlich nur per Bus oder Taxi erreichbar ist.

Die Busse halten unweit von der Seilbahnstation entfernt, in der man sich zunächst die Tickets besorgen muss. Denn auf der Mittelstation selbst, ist kein Ticketkauf mehr möglich. Ein wenig ärgerlich: Man zahlt trotzdem den vollen Preis, auch wenn man ein Teil der Strecke zu Fuß zurück legt. Die Fahrt mit der Seilbahn, die bereits 1912 von einem deutschen Architekten gebaut wurde, ist keine günstige Angelegenheit: 62 Real also umgerechnet gut 20 Euro werden fällig für eine Fahrt bis zur Spitze und zurück. Studenten können mit Ausweis die Hälfte des Preises sparen.

Nach dem wir die Tickets besorgt haben, machen wir uns auf dem Weg zum Startpunkt der Wanderung. Diese befindet sich am anderen Ende des Strandes. Ein Torbogen markiert den Eingang zum Naturpark, durch den die nächste Stunde unsere Wanderung führen wird.

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Ab auf den Zuckerhut!

Der Weg führt uns zunächst noch mit leichter Steigung an der Küste entlang und bietet schöne Ausblicke auf den Strand und das azurblaue Meer. Wir haben Glück: die dichten Wolken vom Vortag haben sich verzogen und wir haben zum ersten Mal freie Sicht auf den fast wolkenlosen Himmel. Nach etwa 10 Minuten gelangen wir zu einer Weggabelung. Wir entscheiden uns für den steileren der beiden Wege, der uns in 45 Minuten auf die Spitze des Morro da Urcas führt. Steile treppenartige Wege bringen uns sehr schnell ins Schwitzen – bei Temperaturen um 36 Grad kein Wunder. Glücklicherweise führt der Weg meist schattig durch den Wald und es ergeben sich mehrere Gelegenheiten für eine kurze Pause. Die fremde Vegetation zieht mich schnell in ihren Bann, ich kann mir immer kaum vorstellen, dass sie für die Brasilianer genauso normal ist wie für uns ein Harzer Tannenwald.

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Nach gut einer halben Stunde erreichen wir das nächste Hinweisschild und einen kleinen ersten Aussichtspunkt auf die Stadt. Im Nachhinein ist mir dieser Moment fast mehr im Kopf geblieben als der spektakuläre Ausblick, den man vom Zuckerhut genießen kann.

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Ein Blick auf die Seilbahn verrät uns, dass wir es fast geschafft haben. Fast ebenerdig führt der Weg nun weiter durch den Wald bis wir die Spitze des Hügels erreichen. Hier finden wir nicht nur die Mittelstation der Seilbahn, sondern auch eine Gruppe von kleinen Makaken, die sich in den dichten Bäumen tummeln. Auch ein paar Raubvögel nutzen die Winde um den Berg für ihre Kreise.

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Schon vom Morro da Urca ist die Aussicht fantastisch, doch jetzt wollen auch wir höher hinauf. Nur eine kurze Anstehzeit später befinden wir uns in der Gondel, die uns immer höher und höher auf den eigentlichen Zuckerhut bringt. Während der Fahrt beobachte ich ein paar Kletterer, die sich am steilen Aufstieg versuchen und bin irgendwie ganz froh, den letzten Teil des Weges bequem zurück zu legen. Gerade wenn man aus dem Winter kommt, machen einem die heißen Temperaturen schwer zu schaffen und inzwischen ist es fast Mittag und dementsprechend schwül.

Oben auf dem Zuckerhut herrscht dagegen eine angenehme Brise. Wir suchen uns eine freie Bank mit Blick auf die Stadt und sogar bis zur Christusstatue und genießen erst einmal eine kalte Cola und unser Picknick, das wir uns für diesen Moment mitgebracht haben. Dann drehen wir eine Runde um die Aussichtsplattform um die Sicht zu allen Seiten zu genießen. Schließlich geht es für uns wie für alle anderen auch mit der Seilbahn zurück ins Tal.

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Zu Fuß auf den Zuckerhut: Mein Fazit

Obwohl man sich bei den Temperaturen in Rio (im Sommer) am liebsten gar nicht bewegen möchte, kann ich eine Wanderung auf een Morro da Urca mit anschließender Fahrt auf den Zuckerhut nur jedem Empfehlen. Man kann die Aussicht einfach viel mehr genießen, wenn man sie mit Schweiß erarbeitet hat. Gerade im Vergleich zum Corcovado, den wir später noch per Zahnradbahn besucht haben, ist mir der Zuckerhut in viel besserer Erinnerung geblieben – obwohl er  nur gut halb so hoch ist. Ein bisschen traurig bin ich allerdings immer noch, dass wir nicht zur Christusstatue wandern konnten – aber so ist das leider manchmal hier in Südamerika. Auf solche Warnungen sollte man auf jeden Fall hören – besonders wenn man als Frau alleine bzw. zu zweit unterwegs ist.

Wissenswertes rund um den Zuckerhut

  • Die Bus 511/512 verbinden Copacabana und Ipanema mit dem Stadtteil Urca
  • Tickets unbedingt in der Talstation besorgen! Preis: 62 Real, Studenten zahlen 31
  • Dauer des Aufstiegs: rund eine Stunde wenn man gemütlich geht
  • nicht so gefährlich, da ziemlich stark frequentiert
  • Weitere Infos: www.bondinho.com.br

Wie seht ihr das: könnt ihr Aussichten auch mehr genießen, wenn ihr euch sie selbst erarbeitet habt?

9 Kommentare

  • Sarah Althaus sagt:

    Ein schöner Bericht! Da kommen Erinnerungen an meine Zeit in Brasilien hoch. Ich bin damals auch raufgewandert und habe den Zuckerhut als wunderschön in Erinnerung. Fotos habe ich aber nur ganz schlechte, damals gabs nur Analog (werde ich langsam alt???) und der Fotoapparat war kaputt. Aber zu deiner Frage: Ja, ich habe auch immer das Gefühl, dass ich den Ausblick „mehr verdient“ habe, wenn ich hingelaufen bin, anstatt die Bahn/Gondel zu nehmen.

  • Christina sagt:

    Ich muss zwar nicht auf jeden Hügel oder Berg selbst raufwandern, aber hier würde ich es verstehen. Wären nur nicht die gemeinen 36°C. xD Da ist das „einfach nur rumstehen“ schon schweißtreibend. Aber der Ausblick und die niedlichen Tiere sind es wert!
    Liebe Grüße
    Christina

  • Jana sagt:

    Ich kann dir vollkommen zustimmen! Nur da wohin einen die eigenen Füße getragen haben war man wirklich! In Australien bin ich auch immer bei heißen Temperaturen gewandert. Mit viel Wasser geht das schon! 🙂

  • Pingback: Der Amerika Rückblick ins Netz Januar/Februar 2015 | Rapunzel will raus
  • Martin Hardt sagt:

    Liebe Jana,

    auf der Suche nach Hinweisen auf einen Wanderweg zum Corcovado bin ich auf deine Webside gestoßen und habe vor ca. 3 Wochen Teil 1 am Zuckerhut zu Fuß genossen, weil ich mich anschließe, dass ein „erarbeiteter“ Aussichtspunkt ungleich schöner ist. Vielen Dank für diesen tollen Tipp – der Weg lohnt!! Der Corcovado war an diesen drei Tagen meines Rio-Aufenthaltes in Wolken gehüllt, sodass sich die Frage des Aufstiegs nicht stellte. Heute, bei meiner Rückkehr nach Rio, schien die Sonne und es war Sonntag – Ausflugstag auch für viele Brasilianer. Der Wanderweg zum Corcovado, der im Parque Lage beginnt und nicht zu verfehlen ist, war so stark frequentiert, dass ich – zumindest an Tagen wie heute – jede Gefahr von Überfällen ausschließe. Ein Ranger nimmt am Beginn des Aufstiegs Namen und Adressen auf und es gibt sogar einige geführte Touren, die jedoch nur zu empfehlen sind, wenn man sich dem (langsamen) Gruppentempo anschließen möchte. Der Weg ist nicht nur wegen der Höhenmeter um einiges anspruchsvoller als der Zuckerhut, mit ein wenig Klettern und Kondition aber gut zu bewältigen. Er führt durch den wunderschönen Regenwald und am Ende noch ein Stück entlang Zahnradbahn und Straße. Solltest du noch einmal nach Rio kommen: Habe keine Bedenken und freue dich auf eine tolle Wanderung mit einer Aussicht, die den Zuckerhut noch toppt! Liebe Grüße – Martin

  • Adriana sagt:

    Hallo Jana, wir waren vor einem Monat in Rio de Janeiro. Es ist mittlerweile möglich auf der Zwischenstation ein Ticket zu kaufen. Wir sind das erste Stück gelaufen und dann mit der Seilbahn hochgefahren.
    Den schönsten Blick auf Rio hat man unserer Ansicht nach übrigens vom Morro Dois Irmaos in Vidigal. Der Aufstieg auf den Hügel dauert ca. 30 Minuten und das Beste: Es ist kostenlos 🙂

    Viele Grüße
    Adriana und Sebastian

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