Der Brocken – Harzer Winterpracht auf 1.141 Metern

Winter Brocken

Ich habe mal gelesen, der Harz sei ein merkwürdiges Gebirge. Mitten in der Tiefebene ragt er wie ein dicker Brocken, über 1.000 Meter hervor. Sein höchster Berg, der – wie passend – Brocken bringt es immerhin auf mittelgebirgsstattliche 1.141 Meter. Ebenso wie der Harz ist auch der Brocken ein sehr merkwürdiger Berg. Bis in die 90er Jahre militärisches Sperrgebiet und eine bedeutende Abhörstation der Sowjetunion. Dieser Fakt trägt nicht unbedingt dazu bei, seinen Gipfel schöner zu machen. Seine kahle Kuppe, die auf Grund seiner exponierten Lage ein Klima wie in Island aufweist und oberhalb der Baumgrenze liegt, wird immer noch von Funkmasten und unansehnlichen Gebäuden verschandelt. Seinen echten Zauber zeigt der sagenumwobene Gipfel erst, wenn der erste Schnee die Landschaft in ein Winterwunderland verwandelt und alle Schandflecken der Vergangenheit unter einer zarten weißen Schneedecke verschwinden.

Schon mehrere Wochen vor Weihnachten, rief ich fast täglich den Schneebericht des Brockens ab. Ich war bereits 2011 schon einmal im Winter dort oben und seit dem warte ich auf die passende Gelegenheit für eine Wiederholungstat. Nachdem ich die weißen Weihnachten fast aufgegeben hatte und mir der Brocken auf der Webcam jeden morgen seine kahle, braune Glatze entgegenstreckte, wendete sich schließlich doch alles zum Guten: Der einbrechende Schneefall am ersten Weihnachtstag brachte meinem „Hausberg“ immerhin 15 Zentimeter Neuschnee – und damit genug für eine leichte Schneewanderung.

Am Morgen unserer Tour strahlt mir auf der Webcam bereits die Sonne entgegen. Und das ist wirklich etwas besonderes. Denn der Brocken hält mit 330 Tagen Nebel im Jahr 1958 den absoluten Nebel-Rekord in Deutschland. Und so starten wir bei klirrend kalten minus Neun Grad aber strahlend blauem Himmel vom Parkplatz Oderbrück unsere Brockenbesteigung. Leider sind wir damit nicht alleine. Viele Wanderer und Ausflügler aus dem flachen Umland zieht es an diesem Tag in den Schnee. Wem kann man es auch verübeln, an diesem herrlichen Sonnentag.

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Der Weg von Oderbrück ist mit gut sieben Kilometern der zweitkürzeste auf den Brocken. Kürzer ist nur noch der Weg vom sogenannten Ehrenfriedhof, dessen Parkplatz aber meist total überfüllt ist. Durch zunächst noch überwiegend grüne Tannen führt uns der Weg geradewegs hinauf Richtung Gipfel, auch wenn dieser noch im Tannendickicht verschwindet. Dank der Sonne fühlen sich die Minusgrade gar nicht so kalt an wie befürchtet und er Anstieg tut sein übriges um uns schnell auf Betriebstemperatur zu bringen. Die ersten 3,5 Kilometer lassen wir zügig hinter uns. Dann kommt zum ersten Mal die Brockenspitze in Sicht.

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Je höher wir kommen, desto weißer werden die Tannen um uns herum. So viel Schnee hätten wir gar nicht erwartet.

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Nur wenige hundert Meter später erreichen wir die Schienen der historischen Brockenbahn, welche uns für die nächsten zweieinhalb Kilometer begleiten wird. Die alte Schmalspurbahn ist eines der Highlights der Brockenbesteigung. Besonders jetzt, wo sie sich schnaufend ihren Weg durch die schneebedeckten Tannen bahnt, erinnert sie einen ein bisschen an den Hogwards-Express aus Harry Potter. Die Bahn bringt ganzjährig die „fußlahmen Touristen“ auf den Brocken. Eigentlich kann man mit ihnen nur Mitleid haben – denn ihnen entgeht der schöne Weg, der tausend Mal schöner ist, als der Gipfel selbst.

Aber ohne die Touristen kämen wir Wanderer auch nicht in den Genuss einen Blick auf die historische Lok zu erhaschen, die auf diesem Teil des Weges den Höhepunkt darstellt. Wenn man das laute Tuten der Bahn vernimmt, muss man sich und die Kamera schnell in Position bringen, denn nur ein paar Sekunden später ist das Schauspiel vorbei.

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Aber wir treffen nicht nur auf die Brockenbahn, sondern auch auf dichte Nebelschwaden, die sich mit jedem Höhenmeter dichter vor die Sonne schieben. Es dauert nicht lange, da sind wir und der Brocken im dichten Nebel verschwunden. Dann wird es also doch nichts mit den 70 Kilometern Fernsicht, die es noch am Morgen gegeben hat.

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Seite an Seite mit den Schmalspurschienen erreichen wir die magische  1.000 Meter Marke. Die Sicht ist inzwischen auf wenige Meter geschrumpft. Mir macht das wenig aus, denn wenn ich eins dieses Jahr gelernt habe, dann ist es den Nebel zu lieben. Wie bizarre Eisskulpturen ragen die vereisten Bäume aus dem weißen nichts hervor. Ich kann mich gar nicht satt sehen an der Winterpracht.

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Für den letzten Kilometer verlassen wir schließlich die Schienen, die in einem Bogen auf die Kuppe führen und marschieren auf der breiten Brockenstraße zum Gipfel. Inzwischen hat der Nebel nicht nur die Bäume, sondern auch uns mit einer weißen Schicht überzogen. Zügig legen wir die letzten Meter zurück und freuen uns schon auf die Aufwärmung im Brockenwirt, die zu jeder Winterbesteigung einfach dazu gehört.

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Der gemütliche Gastraum platzt bereits aus allen Nähten als wir gegen Mittag eintreffen. Aber schließlich findet sich doch noch ein kleines Plätzchen für uns und wir können uns die obligatorische Erbsensuppe mit echtem Harzer Knackwürstchen schmecken lassen. All zu lange möchten wir unsere begehrten Plätze jedoch nicht blockieren und so machen wir uns nach kurzer Aufwärmzeit auf den Rückweg. Wir schenken uns den Abstecher zum Gipfel, der sowieso nur aus einem merkwürdigen Felsbrocken auf dem zugigen Brockenlateau besteht, schießen noch ein Erinnerungsfoto und machen uns an den Abstieg.

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Wir ahnen schon, dass wir die Sonnen an diesem Tag nicht mehr wiedersehen werden. Dafür haben wir aber die Gelegenheit noch einmal auf eine Brockenbahn zu treffen, die erneut eine Fuhre Menschen am Gipfel abläd. Ich habe fast das Gefühl, dass der Nebel noch dichter geworden ist. Auch merke ich jetzt erst, welche dicken Eiszapfen bereits den kleinen Backlauf zieren, der uns teile des Weges begleitet. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Nebel den Blick auf die kleinen, schönen Details lenkt, die sonst im Panorama eher untergehen würden.

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Nach eineinhalb Stunden erreichen wir – wie befürchtet ebenfalls im Nebel – unseren Ausgangspunkt in Oderbrück. Trotz des schlechteren Wetters ist der Parkplatz noch um einiges voller als noch am Morgen. Bereits in der Dämmerung machen wir uns auf den Heimweg und freuen uns schon auf den Punsch der dort auf uns wartet. Das sind eben die Freunden, die man nur beim Winterwandern erlebt…

Nachwandern

Wer den Wintereinbruch in Deutschland jetzt noch für eine Brockenbesteigung nutzen möchte, sollte sich möglichst beeilen, denn bereits ab Anfang Januar sind auch für den Harz schon wieder Plusgrade gemeldet. Die Wanderung von Oderbrück zum Brocken und zurück ist knapp 16 Kilometer lang. Da der Weg als Winterwanderweg ausgeschrieben ist, wird er selbst bei meterhohem Schnee meist freigeräumt. Für die gesamte Strecke sollte man eine gemütliche Gehzeit von rund 3 1/2 Stunden (2 Stunden rauf und 1,5 Stunden runter) einplanen. Mit Pause ist man also etwa 4-5 Stunden unterwegs.

Beim letzten Mal bin ich übrigens vom Torfhaus auf den Brocken gewandert. Der Weg ist ebenfalls empfehlenswert und führt im Anfangs- und Endstück durch das idyllische Hochmoor, was seinen ganz eigenen Charme hat. Allerdings schlägt das Parken am Torfhaus mit 1,50 Euro pro Stunde zu Buche, das Parken in Oderbrück ist dagegen kostenfrei.

Du hast nicht so viel Zeit? Wie wäre es zum Beispiel mit einer kurzen Rundwanderung um den Oderteich?

Na, konnte ich dir Lust auf eine Winterwanderung auf den Brocken machen? Oder warst du vielleicht selbst schon im Schnee dort oben?

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