Der goldene Kreis – Island im Schnelldurchlauf

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Mein Herz klopft immer schneller, je weiter ich in die unglaubliche Landschaft eintauche. Island verbindet die Entspannung, die ich gerade so dringend brauche und die Lebendigkeit, die das Reisen ausmacht. Der Roadtrip durch Island ist wie eine Kur für meine Seele. Und er beginnt wie viele Islandabenteuer mit dem Goldenen Kreis – einem Tagesausflug in den Südwesten des Landes, der auf kleinstem Raum alles bietet, was das Land zwischen Feuer und Eis so ausmacht: mächtige Wasserfälle, aktive Geysire und atemberaubende Landschaften.

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Von Elfen und Trollen am Pingvallavatn

Schon vor dem ersten Etappenziel, dem See Pingvallavatn, dem größten See des Landes, halten wir gefühlte 1.000 Male an, damit ich diese unfassbare Landschaft fotografisch festhalten kann. Zunächst dachte ich, es wäre dieses Anfangsgefühl, wenn alles neu und unbekannt ist und man 1.000 Fotos an einem Tag macht, das sich irgendwann schon legen werde. Aber die teilweise minütlich wechselnden Landschaften, haben mich am letzten Tag noch genauso wie am ersten umgehauen, so dass sich auch der Abstand zwischen den einzelnen Fotostops nicht wirklich verringert hat.

Von Reykjavik führt uns der Weg zunächst über die Ringstraße nach Süden um uns schließlich über die Straße Nummer 36 ins Landesinnere zu bringen. Die Ausmaße des Pingvallavatn merkt man erst, wenn man an seinen Ufern entlangfährt. Und dabei haben wir nur maximal die Hälfte des Sees abgefahren. Am Nordufer des Sees begrüßt uns eine Armee von Steinmännchen, die einst die Trolle abwehren sollten. Die Isländer glauben übrigens bis heute noch an Elfen und Trolle. Das Bauamt Rekjavik bezahlt tatsächlich einen „Elfenbeauftragten“ um in einer Karte Orte einzuzeichnen, wo Elfen und Zwerge wohnen – um diese Bereiche bei der Bebauung auszusparen.

Mein Tipp: Island ohne Mietwagen? Wie wäre es mit dem einer ganztägigen Golden-Circle-Tour?

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Geschichte trifft Geologie: Der Nationalpark Pinvellir

Nur wenige Kilometer hinter den Steinmänchen beginnt der Nationalpark Pinvellir, der bereits seit 1930 besteht und seit 2004 auch zum Welterbe der UNESCO zählt. Hier vereinen sich die Geschichte Islands mit der Geologie und viel Natur. Vom Parkplatz führt ein Weg hinab in die Allmanagjá, die Allmännerschlucht, deren steile Basaltwände bis zu 40 Meter hoch ragen. Der gesamte Nationalpark ist geprägt von Spalten und Schluchten. Denn an diesem Ort treffen die Eurasische und die Amerikanische Kontinentalplatte eindrucksvoll aufeinander. Der Graben Pinvellir ist dabei die Fortsetzung des mittelatlantischen Rückens, eines unterhalb des Meeresspiegels liegenden Gebirges im Atlantischen Ozean.

Aber auch geschichtlich hat der Ort für die Isländer eine wichtige Bedeutung. Auf dem Lögberg wurden früher wichtige politische und gesellschaftliche Entscheidungen gefällt, wie zum Beispiel die Annahme des Christentums im Jahre 1.000. Am meisten begeistert mich jedoch die von dem Fluss Öxará durchzogene grüne Landschaft, die von schroffen Bergrücken umrahmt wird. Leider ist das Gebiet inzwischen Touristisch stark ausgebaut, so dass breite Wege und „bequeme“ Treppen in die Schlucht und durch das Gebiet am Flussufer führen. Auf der einen Seite können so auch Kinderwagen und ältere Menschen sowie Rollstuhlfahrer in den Genuss der traumhaften Landschaft kommen – auf der anderen Seite ist es doch ein starker Eingriff in die in Island sonst so unberührte Landschaft. Ein Zwiespalt!

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Das Heißwassertal Haukadalur

Weiter westlich wartet wohl eine der größten Touristenmagnete auf uns – deren Magie auch wir uns nicht entziehen können: der Geysir Stokkur. Auch wenn dieser bis zu 35 Meter hohe Geysir nicht der größte und lange nicht der einzige Geysir in Island ist, ist er dennoch der zuverlässigste und bekannteste. Brav spuckt er alle acht bis zehn Minuten seine riesige Wasserfontäne in die Höhe, begleitet von einem begeisterten Raunen der Menge, die sich um ihn herum versammelt hat und das hektische Klicken der Kameras.

Zunächst bildet sich eine zwei Meter breite blaue Blase, die anschließend explodiert und eine gigantische Fontäne in die Luft schleudert. Nach ein paar Sekunden ist der Spuk vorbei und der Zuschauerring löst sich auf. Immer und immer wieder aufs neue. Ich weiß nicht mehr wie viele Zyklen dieser Art ich beobachtet habe, bis ich schließlich meine Augen abwenden konnte. Keine 100 Meter neben dem aktiven kleinen Kerl, befindet sich der große Stóri Geysir, der mit seiner Fontäne von bis zu 122 Metern als größter Geysir der Welt gilt. Diese allerdings zeigt er jedoch nur noch sehr unregelmäßig.

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Gullfoss – der goldene Wasserfall

Nur fünf Kilometer weiter wartet auch schon die nächste Attraktion auf uns: der Wasserfall Gullfoss, der goldene Wasserfall. Schon von weitem kann man das grollende Donnern hören, mit dem die Wassermassen 32 Meter tief in eine Schlucht stürzen. Der Gullfoss gilt als einer der schönsten Wasserfälle Islands. Spektakulär ist er nicht wegen seiner Tiefe sondern der unfassbaren Breite auf der das Wasser über zwei Terrassen in die Schlucht fließt. Ein Gefühl wie riesig der Gullfoss wirklich ist, bekommt man erst, wenn man in Relation dazu die Menschen auf der Aussichtsplattform betrachtet, die wie kleine Ameisen aussehen. Auch hier kann ich meinen Blick kaum abwenden, so fasziniert bin ich von diesem Naturschauspiel. Aber das soll mir auf dieser Reise noch öfters so gehen.

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Der Bischofssitz Skálholt

Auf der Straße 35 geht es nun wieder nach Südosten zurück nach Reykjavik. Kurz vor Skálholt sehen wir eine Horde Islandponys auf der Weide grasen. Es hat inzwischen leicht angefangen zu Regnen und die feinen Regentropfen sitzen wie Perlen auf den zotteligen Mähnen. Ich bin ja kein großes Pferdemädchen, aber beim Anblick eines kleinen pummeligen Islandponys werde sogar ich zum Pferdenarr. Der Ort Skálholt war bis ins 18. Jahrhundert der Bischofssitz und wichtiges politisches Zentrum des Landes. Die heutige Domkirche wurde jedoch erst 1956 erbaut – was man an der modernen Architektur schon erahnen kann.

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Das Vulkanmaar Kerið

Der Rückweg nach Rekjavik führt uns noch an einem letzten Highlight vorbei, dem Maar Kerið und seinem System aus Asche- und Schlackekegeln, das man von der Straße bereits gut erkennen kann. Der Regen ist nun stärker geworden und peitscht mir um die Ohren, als ich versuche den eindrucksvollen Krater aus rotbrauner Erde zu umrunden. Dafür bin ich nun fast alleine – ein Zustand, den man am goldenen Kreis tatsächlich sehr selten erlebt. Um auf den Krater steigen zu dürfen, muss man übrigens 200 Kronen „Eintritt“ bezahlen, welche der Instandhaltung des labilen Gebietes zu gute kommen.

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Die restlichen 60 Kilometer bis nach Reykjavik legen wir nun größtenteils im Nebel zurück. Das tut zur Abwechslung sogar mal ganz gut, denn so kann ich mich zurücklehnen und versuchen die ganzen Eindrücke des Tages zu „verdauen“ ohne minütlich mit neuen „bombardiert“ zu werden. Ich muss zugeben: Der Prozess des Verarbeitens ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Und ich ertappe mich immer wieder, wie ich mich in meiner Flut an Bildern verliere und es einfach nicht fassen kann, dass ich tatsächlich dort war und das alles mit eigenen Augen erleben durfte.

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Mein Island Guide: Der Goldenen Kreis

Länge der Route: Rund 300 Kilometer

Dauer: 4-5 Stunden Fahrzeit, insgesamt 8-10 Stunden je nachdem wie viel Zeit man sich an den einzelnen Stationen lässt

Hinkommen: Die Route beginnt und endet in Reykjavik und kann entweder mit dem eigenen Mietwagen oder mit einer geführten Tour bewältigt werden.

Meine Highlights: Dass man so viel Island auf engstem Raum erleben kann, der Geysir, den wir so in dieser Art kein zweites Mal auf der Insel erlebt haben, der Gullfoss

Mein Tipp: Selbst wer nur für einen Kurztrip nach Reykjavik kommt, sollte sich diesen Klassiker nicht entgehen lassen. Auf kleinstem Raum findet man alles, was Islands Landschaft so ausmacht. Natürlich ist das ganze längst kein Geheimtipp mehr und entsprechend viele Autos und Busse haben täglich ein und dasselbe Ziel. Wer mehr Zeit in Island verbringt, sollte die Tour auf JEDEN FALL am Anfang der Reise einplanen. Denn man bekommt so einen schönen Eindruck, was einen in den nächsten Tagen bzw. Wochen erwartet. Außerdem merkt man am Anfang nicht so, um wie viel voller es dort ist, verglichen mit dem Rest des Landes, wo man teilweise stundenlang keinem einzigen anderen Auto begegnet. Am Ende meiner Reise hätten mich die vielen Menschen sicher genervt – so war ich einfach nur fasziniert von der Landschaft und habe die anderen Touristen kaum bemerkt. Aber man darf natürlich nicht vergessen: „Voll“ hat in Island eine völlig andere Relation, als in vielen anderen Regionen dieser Erde. Einen Stau beispielsweise braucht man selbst hier nicht befürchten.

Wie hat euch die erste Etappe unseres Island-Roadtrips gefallen? Würdet ihr auch gerne mal nach Island reisen? Und wenn ihr schon mal dort ward würde mich interessieren, wie ihr den goldenen Kreis so erlebt habt!

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