Ait Ben Haddou – eine Wüstenstadt aus Lehm

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Es ist ein bisschen so, als würde man durch eine gigantische Sandburg laufen. Eine ziemlich alte Sandburg. Denn die Lehmwände rechts und links von mir sind mehr als 400 Jahre alt. Ganz schön faszinierend, wenn man bedenkt, dass diese Mauern bei einem Platzregen in sich zusammenfallen. Die Lehmbausiedlung Ait Ben Haddou liegt südlich von Marrakesch und ist eine der besterhaltendsten Marokkos. Seit 1987 steht der Komplex auf der UNESO-Weltkulturerbe-Liste – beispielhaft für die in Südmarokko typische, sogenannte Kasbah-Archiktekur.

Rund 200 Kilometer und die mehr als 4.000 Meter hohen Berge des Hohen Atlas trennen die die Wüstenstadt von Marrakesch. Und so gestaltet sich bereits die Fahrt dorthin äußerst spektakulär. Die zunächst noch grünen Hügel verwandeln sich mehr und mehr in eine rotbraune Berglandschaft.

Mein Tipps: Tagesausflug Aït Ben Haddou und Ouarzazate von Marrakesch oder gleich eine 3 Tage Wüstensafari Tour von Marakkesch in die Erg Chebbi inklusive Ait Ben Haddou

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Nach rund zweieinhalb Stunden Fahrt haben wir das Atlasgebirge hinter uns gelassen und verlassen die Hauptstraße 15 Kilometer südlich des Dorfes Amerzgane. Die zuvor asphaltierte Straße wird mehr und mehr zur Schotterpiste, so dass wir die letzten Kilometer nur noch langsam voran kommen. Schließlich kommen wir in einer Siedlung zum stehen. Das soll die berühmte Wüstenstadt Ait Ben Haddou sein? Hier sollen Filme wie Gladiator, Game of Thrones, Prince of Persia und die Mumie gedreht worden sein?

Was ich nicht wusste, ist das die Siedlung Ait Ben Haddou aus zwei Teilen besteht: einem alten Dorf, dem Weltkulturerbe sowie einem neuen Dorf, wo wir uns jetzt befinden und heute eigentlich alle Einwohner leben. Beide Dörfer werden von dem Fluss Asif Mellah getrennt und durch eine Brücke verbunden. Vom anderen Flussufer aus hat man einen fantastischen Blick über die ganze Anlage.

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Da der Fluss zur Zeit nur wenig Wasser führt, können wir mit Hilfe ein paar Sandsäcke trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen. Ein riesiger „Krater“ vor dem Eingang ins Dorf markiert die Überreste der Arena, in der Russell Crowe als Gladiator in dem gleichnamigen Film um seine Freiheit kämpfte.

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Auch wenn es durch die Ecktürme und Zinnen so wirkt als sei Ait Ben Haddou eine riesige Burg, handelt es sich um eine Wohnsiedlung. Typisch für die Kasbah-Architektur sind die mehreren eng aneinander gebauten und teilweise ineinander verschachtelten Häuser.  Daher bezeichnet man diese Art von Siedlung auch als Wohnburgen (Tighremts). Ein Tighremet ist meist dreistöckig und mit vier Ecktürmen versehen. Aber „in der Praxis“ wirkt das Dorf allerdings auf mich viel mehr wie ein Labyrinth von Türen, Toren, Lehm und Hütten, durch die wir nun streifen. Kaum vorstellbar, dass in den dunklen Lehmhäusern auch heute noch Menschen leben.

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Je weiter wir nach oben kommen, desto atemberaubender wird die Aussicht auf das Dorf, die Flußebene und die umliegende Steinwüste.

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Ich weiß nicht wieso, aber schon hier zieht mich die unendliche Weite der roten Steinwüste in ihren Bann und mein Herz klopft schneller, wenn ich daran denke, dass schon am nächsten Tag in einer richtigen Sandwüste übernachten werde. Schweren Herzens löse ich mich von dem Anblick und steige wieder hinab ins Dorf. Ein paar kleine Läden versuchen mit ein paar Souvenirs ein wenig Umsatz zu machen. Dass sie an diesem Tag viel Umsatz machen, bezweifele ich, da es März also noch Nebensaison ist und sich nicht wirklich viele Touristen in der Anlage verstecken. Über die Brücke geht es schließlich zurück ins neue Dorf und dann geht unsere Fahrt nach Süden weiter.

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Wissenswertes

Hinkommen: Ait Ben Haddou lässt sich entweder mit dem Mietwagen oder mit einer geführten Tour (von Marrakesch aus) besuchen. Öffentliche Busse bringen einen nur bis zur Straßenkreuzung 15 Kilometer südlich des Dorfes Amerzgane. Die restlichen 10 Kilometer müsste man dann entweder zu Fuß oder per Anhalter zurücklegen.

Anschauen: Auch wenn man es euch anders weiß machen will: Ein Besuch der Wüstenstadt kostet keinen Eintritt und ihr braucht auch keinen Touristenführer, um durch das Dorf zu laufen. Am besten erkundet man die Siedlung auf eigene Faust.

Essen: Im neuen Dorf haben sich ein paar Hotels und ein Restaurant angesiedelt. Wir haben in einem der Häuser nur eine kleine Suppe gegessen, aber Christina von Hallo Welt hat hier die beste Tagine ihrer Reise gegessen. Hätte ich das bloß vorher gewusst!!!

Fazit: Ait Ben Haddou ist definitiv einen Abstecher wert und auch bei einem Städtetrip nach Marrakesch, kann ich einen Ausflug dorthin nur empfehlen – alleine schon wegen der spektakulären Fahrt über den hohen Atlas und dem Wüsteneindruck, den die Landschaft vermittelt.

Was meint ihr: Ist Ait Ben Haddou eine Reise wert?

6 Kommentare

  • Stef sagt:

    Die Frage kann ich in ca. einem Monat beantworten, aber ich denke, dass es eine Reise wert ist 🙂 Freu mich sehr drauf, deine Fotos steigern meine Marokko Reiselust immer mehr 😉

  • Jessi sagt:

    Wow, das sieht toll aus! Witzig ist, dass auch ich gerade über ein Bauwerk geschrieben habe, dass ein bisschen an eine Sandburg erinnert… 🙂

    Sonnige Grüße
    Jessi

  • Vera sagt:

    Wow, das klingt alles traumhaft und sieht auch so aus 🙂 Ich gehe im November für eine Woche nach Marokko. Wo hast Du denn die geführte Tour gebucht (Im Hotel oder einem Reisebüro o.ä.)? wir wollen auch unbedingt so eine Tour von Marrakesch aus machen..war das insgesamt eine Tour mit der Stadt, Wüste, Übernachten in der Wüste usw.?
    Liebe Grüße!

    • Jana sagt:

      Hallo Vera, wir haben die Tour spontan über unser Hostel in Marrakesch gebucht, aber unsere Mitreisenden haben die Tour teilweise auch im Internet über GoMoCo http://gomoco.net/desert-trips-marrakech-3-day.html gebucht. Bezahlt haben wir ebenfalls rund 80 Euro für die drei Tage inklusive Transfer, Übernachtung, Frühstück und Abendessen. Preislich nicht zu schlagen, wenn man ein paar Abstriche in Kauf nimmt (Budget-Unterkünfte, Mittagshalt vor ausgewählten „Kooperationsrestaurants“). Aber grundsätzlich empfehlenswert, wenn man sich keinen Mietwagen nehmen und auf eigene Faust losfahren möchte. Ich wünsche dir auf jedenfall eine tolle Reise und viel Spaß in Marokko!!! Meld dich mal wie es war!!! Liebe Grüße, Jana

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