Abenteuer Mallorca: Mit dem Rennrad über die Insel (Teil 1)

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„Beeeaarnnndd, kriege ich noch ein Foto mit dir?“ So ein bisschen groupiemäßig komme ich mir ja doch schon vor als ich mich mit einem breiten Grinsen neben den ehemaligen Radprofi Bernd Dittert stelle, der für die nächsten zwei Tage mein Guide sein wird. Es kommt ja nun auch nicht so oft vor, dass man Seite an Seite mit einem Weltmeister und Olympiasieger trainiert. Bernd zeigt mir die schönsten Strecken auf der Insel. Der gebürtige Sachsen-Anhalter hat das kalte Berlin gegen die Sonne Mallorcas eingetauscht – und die gibt es auch im Februar schon zur Genüge.

Als ich am Morgen mein supergeiles Carbon-Rennrad aus dem Fahrradkeller schiebe, bin ich mir plötzlich nicht so sicher, ob ich gruppenmäßig so die richtige Wahl getroffen habe. Eigentlich hatte ich ja vor, die Insel gemächlich als Radwanderer zu erkunden, aber die sportlich-elektrisierende Atmosphäre des Bike Teams hat mich inspiriert und motiviert, mich nun doch aufs Rennrad zu schwingen. Ich muss dazu sagen, ich bin ein ganz furchtbarer Rennradfahrer. Nicht fahrtechnisch oder konditionsmäßig – das geht beides noch einigermaßen. Nein, mein Problem ist, dass der Hobbyfotograf in mir mich ständig zum Anhalten zwingt, sobald sich ein schönes Motiv vor mir auftut. Das ist gruppendynamisch ziemlich lausig und meine ersten Eindrücke von Mallorca lassen mich zahlreiche Fotomotive erwarten. Und ich sollte recht bekommen.

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Auf dem Marktplatz der kleinen Stadt Santa Ponsa oder im Bikerjargon „der Abfahrtsplatz“ sammeln wir uns pünktlich um 12 Uhr. Wir, das sind alle Fahrradfreaks und wir Journalisten und Blogger, die mit Philips Bike Team in den nächsten Tagen gemeinsam unterwegs sind. Aber natürlich nicht alle gemeinsam – sondern je nach „Eignung“ in unterschiedlichen Leistungsklassen. Bernd führt an diesem Tag die „Mixed“-Gruppe an. Zu mir und Bernd gesellen sich nach und nach Hedwig und Erwin, ein beeindruckend sportliches Rentnerehepaar, Thomas, einer der fittesten aus der Gruppe und immer vorne mit dabei, Willfried und Stefan, die beide mindestens das Doppelte von meinem Gewicht die Berge hinaufschleppen müssen (Hut ab!) und Jürgen, ein Sportjournalist und langjähriger „Freund des Hauses“. Wir sind zusammen leistungsmäßig das schlappste, was unter den Radsportlern möglich ist. Aber im Gegensatz zu den Radwanderern haben wir ein Durchschnittstempo, was bei 16-18 Kilometern pro Stunde liegt und die meisten von uns sind auch auf Rennrädern unterwegs. Demnach sind wir auch die vorletzte Gruppe, die den Abfahrtsplatz verlässt.

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Es dauert keine zehn Minuten, dann haben wir Stadt und Verkehr hinter uns gelassen und fahren auf einer kleinen Landstraße vorbei an blühenden Bäumen durch die mallorcinische Landschaft. Auf den Wiesen blühen die Blumen und die Mandelblüte ist sogar schon fast vorrüber – und das im Februar. Das schreit nach dem ersten Fotostop.

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Zu meinem großen Glück – und dem meiner Mitstreiter – treffen wir immer wieder auf Pedro, der die ganze Gruppe mit einer echten Profikamera ablichtet. So bekommt jeder am Ende seiner Reise eine eigenen CD mit nach Hause, mit tollen Erinnerungen an den Urlaub. So muss ich mir auch nicht wie sonst Gedanken machen, wie ich bloß ein brauchbares Radfahrfoto von mir hinbekomme.

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Dann windet sich die Straße den ersten Pass hinauf. Da es sich bei der heutigen Tour um den sogenannten „Prolog“ handelt, dient dieser als kleiner Test, ob man sich auch der richtigen Gruppe zugeordnet hat. Übrigens ist es tatsächlich so, dass die Frauen sich meistens zu schlecht oder richtig einschätzen und die Männer häufig überschätzen. Hier ist auf jeden Fall Feingefühl gefragt, den „Blinden Passagier“ sensibel in die für ihn richtige Gruppe zu überreden. Schließlich soll das Radfahren ja für alle Spaß machen und keiner hat etwas davon, wenn jemand immer hinterherhinkt. Überhaupt finde ich es ganz großartig, dass man auch als Anfänger oder Sportmuffel bei Philip gut aufgehoben ist. Das Motto lautet: Alles kann, nichts muss. Und wenn einer morgens mal keinen Bock aufs Radfahren hat, dann bleibt er halt einfach daheim.

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Wir haben jedoch alle unsere erste Prüfung bestanden und genießen die Aussicht bei einer langen Abfahrt nach Andratx, einer kleinen Stadt im Westen der Insel.

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Von dort geht es dann weiter durch Obstwiesen nach Port Andratx, dem liegt wohl schönste Yachthafen der Insel.

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Segelschiffe und Motorjachten liegen hier Seite an Seite und manchmal kann auch den einen oder anderen Promi erspähen, die sich in den Hügeln rund um den Hafen, die schönsten Grundstücke gepachtet haben.

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Auf dem Weg nach Peguera beispielsweise erspähen wir die Finca von Claudia Schiffer, die aus Angst vor „Besuchern“ gleich die ganze Landzunge kaufte.

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Nun wird es Zeit für die Mittagspause, die wir gemeinsam in einem kleinen Café namens Café del Soul direkt an Strandpromenade genießen. Hier treffen wir auch die Radwandergruppe, die wegen ihrer kürzeren Strecke schon einige Zeit die Sonne genießt. Wenn ihr mal dort sein solltet: Unbedingt die Gambas probieren, die sind der Himmel und für mich mal wieder ein wundervolles Beispiel, dass Action und Genuss sehr wohl gut zusammenpassen. 😀

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Anschließend teilt sich die Gruppe. Der eine Teil fährt den direkten Weg zum Hotel – ich und ein paar andere nehmen den schöneren, aber längeren Weg über Es Capdellá zurück nach Santa Ponsa. Dieser führt vorbei an Obstwiesen voller Orangen und Zitronen über kleine Nebenstraßen.

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Zurück im Hotel wird es Zeit für einen gemeinsamen Feierabenddrink auf der Sonnenterrasse – ein tägliches Ritual bei Philips Bike Team. Gemeinsam mit den anderen Gruppen genießen wir den Sonnenuntergang und die angenehme Schwere in den Beinen und quatschen über die unterschiedlichen Touren bis es schließlich allen zu kalt wird.

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An diesem Tag falle ich wie ein Stein ins Bett und das Rauschen des Meeres begleitet mich sanft in den Schlaf. Ich bin gespannt, was der nächste Tag bringen wird, denn dann steht einer der schönsten Strecken der Insel auf dem Programm: Eine Panorama-Route an der Westküste. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

Informationen und Tipps

Mitfahren: Die Route nach Andratx und Port d’Antratx ist der wöchentliche Prolog bei Philips Bike Team, der im Falle der Mixed Gruppe 45 (mit der Schleife über Es Capdellá 55) Kilometer lang ist und jeden Sonntag auf dem Programm steht. Man kann natürlich auch an jedem anderen beliebigen Tag einsteigen, wenn man zum Beispiel nur ein verlängertes Wochenende auf Mallorca verbringen möchte.

  • KILOMETERHAIE: Durchschnittsgeschwindigkeit: 25 – 27 km/h, Tagesdistanz: 90 – 170 km
  • ROLLER: Durchschnittsgeschwindigkeit: 22 – 23 km/h, Tagesdistanz: 65 – 132 km
  • GENIESSER: Durschnittsgeschwindigkeit: 19 – 21 km/h, Tagesdistanz: 55 – 100 km
  • MIXED LONG DISTANCE: Durchschnittsgeschwindigkeit: 18 – 19 km/h, Tagesdistanz: 55 – 91 km
  • MIXED: Durchschnittsgeschwindigkeit: 16 – 18 km/h, Tagesdistanz: 44 – 70 km
  • RADWANDERER: Durchschnittsgeschwindigkeit: kein Limit, Tagesdistanz: 25-56 km

Wichtig: Wer sonst im Flachland trainiert, sollte bei seiner Durchschnittsgeschwindigkeit gut und gerne 5-10 Kilometer pro Stunde abziehen. Weitere Infos zu Philips Bike Team und den einzelnen Touren und Leistungsgruppen gibt es auf radsport-mallorca.de.

Nachfahren: Man kann die Route natürlich auch ohne Guide nachfahren, allerdings mit dem Nachteil, dass man viele kleinen Nebenstraßen nicht so leicht findet, die gerade den besonderen Reiz des Fahradfahrens auf Mallorca ausmachen, den so viele Radfahrer zu schätzen wissen. Übrigens: Während der Fahrt sollte man sich die anderen Radfahrer, denen man begegnet, genau ansehen, denn die Insel ist auch ein beliebter Trainingsort für die Profisportler im Frühjahr. Die richtigen Profis erkennt man daran, dass sie immer von zwei Begleitfahrzeugen (vorne und hinten) begleitet werden, damit sich kein ambitionierter Freizeitsportler an die Gruppe hängen und das Training stören kann.

Vielen Dank an Philips Bike Team für die Einladung nach Mallorca.

Randwandern bis Kilometerhaie – Noch mehr Radabenteuer gibt es bei meinen Reisebloggerkollegen:

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