Ich erinnere mich noch genau an den Reisebericht von Lisboa, den ich vor fünf Jahren in einer Zeitschrift verschlungen habe. Mit jedem Buchstaben verzehrte ich mich mehr nach der Hauptstadt Portugals mit ihrem Kopfsteinpflaster, den alten rappelnden Straßenbahnen, den zauberhaften Straßenblicken. Und doch sollte es lange dauern, bis ich selbst einmal auf eben diesem Pflaster stehen und mit eben diesen Straßenbahn fahren und durch eben diese Altstadtgassen schlendern sollte. Mein Reisetraum von Lissabon ist nun endlich wahr geworden.

Kommt mit auf einen Spaziergang durch die Siebenhügelstadt am Tejo!

Wir beginnen unseren Stadtrundgang an der Aveniada da Liberdade, die quasi die “Einflugsschneise” in die Altstadt Lissabons darstellt. Der Prachtboulevard zieht sich mehr als einen Kilometer hoch in den Norden der Stadt an dem sich trotz diverser Bausüden zahlreiche internationale Modehäuser und Designer angesiedelt haben. In der Mitte der beiden Fahrspuren befindet sich mit dem Jardim da Avenida da Liberdade eine kleine grüne Landzunge, die sich wie eine schattige Oase durch den Großstadtjungel zieht. Schatten braucht man an diesem Tag – es ist Anfang September und es sind gut und gerne dreißig Grad in Portugals Metropole.

Auf der Höhe der Rua de Satrire (übrigens unweit unseres Stay Cool Hostels) steht mitten im Grün das Monumento Grande Guerra. Das Denkmal des Künstlers Maximiano Alves aus dem Jahr 1931 erinnert an die im 1. Weltkrieg gefallenen portugiesischen Soldaten.

Entlang der Aveniada da Liberdade geht es gen Süden.

Nach circa einem Kilometer öffnet sich die Straße in den Praça Restauradores. Der riesige Platz wird dominiert von einem künstlerisch eher schlichten Obelisken,der dem siegreichen Aufstand gegen die spanische Herrschaft im Jahr 1640 gedenkt. Umringt wird der Platz von prachtvollen Bauten. Besonders auffallend ist das rosafarbene Kino Eden, welches in den dreißiger Jahren im Art-déco-Stil erbaut wurde.

Eine ruhige Seitenstraße führt uns in die Rua Portas de Santo Antão, die Essensmeile der Stadt. Ein Restaurant reiht sich hier an das nächste. Überall preisen die Kellner das beste portugiesische Essen, den edelsten italienischen Wein oder die frischesten Fischgerichte an.

Das Haus Nummer 58 hält eine ganz besondere Überraschung bereit. Hinter der schmalen Eingangstür der Casa dos Bicos verbirgt sich ein neuarabischer Innenhof, der mehr an Tausendundeine Nacht als an Portugal erinnert. Der einst als Casino eröffnete Stadtpalast ist inzwischen Sitz des Kulturzentrums der Provinz Alentejos. Im Obergeschoss befindet sich ein Restaurant, was wohl auch sehr empfehlenswert sein soll.

Über 200 Meter lang und fast 100 Meter breit erstreckt sich der Rossio im Herzen der Stadt. Schon im Mittelalter fanden auf diesem Platz, dessen offizieller Name Praça Dom Pedro IV sich nie durchgesetzt hat, Märkte und Volksfeste statt. Im Jahr 2001 wurde der Platz einer Grundsanierung unterzogen: die Gehwege wurden verbreitert und die Häuserfassaden überstrichen und auch der jahrhundertealte französische Brunnen wurde restauriert.

Das Wellenmuster soll übrigens an die Weiten des nahegelegenen Meers erinnern und den Platz bis ins unendliche fortsetzen.

Aber der Platz ist mehr als nur ein historisches Relikt. Auch heute noch ist er Treffpunkt vieler Lisboer – sei es auf dem Weg zur Arbeit oder zum Kaffeeklatsch mit Freunden oder zu Demonstrationen. Auf dem Rossio pulsiert das Lissabonner leben bis heute.

Baixa – Die Unterstadt

Am südlichen Ende des Rossios grenzt die pombalinsche Straßensymmetrie der Unterstadt an die Weiten des Platzes. Acht parallele Hauptstraßen kreuzen im rechten Winkel acht Querstraßen – für die Zeit um 1800 eine revoultionäre Bauweise, die auf den Premierminister Marqués de Pombal zurückzuführen ist. Alle Häuser wurden im Fertigbau errichtet. Die dafür verwendeten Steine stammten aus Manufakturen außerhalb der Stadt und wurden wie Legosteine nach einem festgeschriebenen Muster ineinandergefügt wurden. Das war für die damalige Zeit so visionär, dass die Häuser einer grundlegenden Sanierung unterzogen und anschließend der UNESCO als Weltkurturerbe vorgeschlagen werden sollen.

Chiado – Die Oberstadt

Der Elevador Santa Justa verbindet die Baixa mit der Oberstadt. Der Fahrstuhl wurde im Jahr 1902 von einem Schüler Gustav Eiffels erbaut und bietet einen traumhaften Blick zum Castello und bis zum Tejo. Wer sich die fünf Euro für eine Fahrt sparen möchte, der nimmt einfach den Fahrstuhl im H&M im Gebäude nebenan. Dieser hat nämlich auch einen Ausgang zur Oberstadt auf der fünften Etage und nach einem kurzen Fußweg kann man ebenso die Aussicht genießen.

Alternativ lässt sich die Anhöhe des Chiado auch komplett zu Fuß vom Rossio aus über die Rua do Carmo erklimmen, an deren Ende sich der liebliche Platz Largo do Carmo befindet. Vorbei geht es durch ein wares Einkaufsmekka aus internationalen Modelabels und kleineren Boutiquen.

Auf dem geschichtsrächtigen Platz ist vom Einkaufstrubel nicht mehr viel zu spüren. In den umliegenden Kaffees sitzen die Menschen bei einem Glas Wein zusammen und auf der Parkbank sitzt ein junger Guitarrenspieler. Auch wir gönnen uns eine kleine Pause mit Blick auf die Ingreja do Carmo, in deren Ruine sich heute das archäologische Museum befindet. Die Kirche ist die einzige rein gotische Kirche Lissabons – leider wurde auch sie Opfer eines große Erdbebens, das 1755 die Stadt verwüstete.

Vom Largo do Carmo geht es zu Fuß hinab in die Unterstadt – vorbei am Praça Luís de Camões, benannt nach dem gleichnamigen portugiesischen Nationaldichter, der auch in Form einer Statue in der Mitte des Platzes thront.

Mit dem Largo do Chiado wartet nur ein paar Meter weiter auch schon der nächste liebliche kleine Platz auf uns. 1929 wurde an der Westseite des Platzes ein Denkmal für den Dichter António Ribeiro aufgestellt, der auch unter dem Namen Chiado bekannt ist.

Nach dem Vorbild der Mailänder Scala wurde Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Largo de São Carlos  das Teatro Nacional de São Carlos errichtet.

Der Praça do Municipio ist ein kleiner, ruhiger Platz mit schönen Schwarzweißmosaik, auf dem das Rathaus und das Berufungsgericht stehen. In der Mitte des Platzes erhebt sich eine gewundene Doppelsäule, die einst als Pranger diente und zudem das Emblem für das Stadtrecht bildete.

Das neoklassizistische Rathaus entstammt aus dem Jahr 1774, wurde jedoch 1863 bei einem Brand komplett zerstört. Im Jahr 1875 wurde das Gebäude in seiner heutigen Form fertiggestellt.

Vom Praça do Municipio ist es nicht mehr weit zum wohl bedeutendsten Platz der Stadt, dem Praça do Comércio. Durch einen klassizistischen Triumpfbogen gelangt man auf den riesigen Platz – der mit seiner Größe fast ein wenig deplaziert wirkt. Hier wo einst der Königspalast stand – bevor dieser bei dem großen Erdbeben zerstört wurde – öffnet sich Lissabon dem Fluss und dem Meer.

Während wir einem Tanzpaar bei einer Tangovorführung beobachten, geht die Sonne über Lissabon langsam unter. Der Himmel über dem Tejo färbt sich rosarot und Lissabon bereitet sich so langsam auf die Abendstunden vor. Die Luft ist mild, ein kühler Luftzug weht vom Fluss herüber. Aus den Fadorestaurants erklingt der typische, schwermütiger portugiesischer Gesang, auch die Bars im Kneipenviertel Barrio Alto bereiten sich auf einen weiteren feuchtfröhlichen Abend vor. Lisboas Nachtleben sucht Seinesgleichen – aber dazu ein andern Mal mehr…

Wie gefällt euch Lissabon? Ward ihr schon einmal dort? Was sind eure Lieblingsorte in der Hauptstadt Portugals?

Über den Autor: Jana

Hi, ich bin Jana. Unter dem Motto "Die Welt gehört dem, der sie genießt" reise ich um die Welt - immer auf der Suche nach neuen Abenteuern oder kulinarischen Leckerbissen.

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12 Kommentare

  1. Hach! Danke für dieses schöne Erinnern…

    Wir waren vor ein paar Jahren zuletzt dort, als der beste aller Männer leider gerade einen äußerst schmerzhaften Fersensporn hatte und schlecht laufen konnte – für Lissabon natürlich eine ziemlich schlechte Voraussetzung. Ich liebe die Atmosphäre dort, die leicht morbide Schönheit der Stadt.

    Nur die portugiesische Küche finde ich leider ziemlich langweilig. Selbst für Fischliebhaber wie mich.

  2. Was mir ja aufgefallen ist: Auf den Fotos ist es teilweise menschenleer… Wo sind die Massen an Touristen, die eigentlich doch typisch für eine solche Stadt sind? War es wirklich so schön leer?

    Ganz besonders toll finde ich den Platz, der sich zum Meer öffnet. Das muss ein Traum sein, dort zu sitzen!

    Die H&M-Geschichte zeigt mal wieder, wozu Blogs gut sind. ;-)

    Bussi

    • Gute Frage, ist mir vor Ort gar nicht so aufgefallen, aber überfüllt war es in Portugal irgendwie nie… Den Tipp mit dem H&M hatte ich selbst von einem Blog – nämlich von Christoph von Vonunterwegs.com ;-)

  3. Hallo Jana,
    ich bin genauso überrascht wie Jessi, dass so wenig Leute auf den Bilder sind. Ward ihr ganz früh am Morgen dort? Darf ich mal fragen wie teuer dir der Urlaub in Portugal gekommen ist. Du sagtest ja was von einem engen Budget aufgrund der Bali Reise. Liebe Grüße Summer

    • Hi Summer, irgendwie ist mir das während dessen nie aufgefallen, aber es stimmt: Menschenmassen gab es in ganz Portugal nicht so wirklich. Wir waren übrigens Anfang September da… Unser Stadtbummel ging an diesem Tag etwa vom frühen Nachmittag bis zum Sonnenuntergang. Als wir am Praça do Comércio waren, ist es wohl so etwa 19 Uhr gewesen… Das Reisebugdet für die neuntägige Rundreise lag bei 600 Euro pro Person all-in-all – also mit sämtlichen Essens- und Getränkeausgaben, Hotels, Flug, Mietwagen etc. Ich finde Portugal ist eines der preiswertesten Reiseziele in Europa!
      Liebe Grüße, Jana

      • Hallo Jana, ich dachte immer Portugal sei teuer. Keine Ahnung wo ich das mal gehört habe. 600 Euro für 9 Tage all in finde ich absolut nicht teuer. Übrigens lese ich deinen Blog sehr gerne.
        Liebe Grüße Summer

  4. Wunderschön! 5,- Euro für den Santa Just müssen allerdings nicht sein – wenn man die Karte aufgeladen hat und vorzeigt wird eine normale einfache Fahrt abgebucht. H&M wusste ich noch gar nicht :-) schöner Geheimtipp! Du warst an Ecken, wo ich noch gar nicht war, aber das liegt bestimmt auch immer daran, in welchem Stadtteil man gerade übernachtet.
    Guten Rusch wünscht dir
    Kilchen

    • Siehste, das mit der Karte wusste ich wiederum nicht ;-) Ja, ich glaube auch es hat viel mit dem Hotelstandort zu tun ;-) Aber das war auch noch längst nicht alles von Lissabon! Ich kann mittlerweile sooo gut verstehen, warum die Portugal so liebst :-) Ein wundervolles Land!
      Liebe Grüße und dir auch einen guten Rutsch, Jana

  5. Sehr schöner Reisebericht. Ich liebe Lissabon. Das ist schon so faszinierend beim Landeanflug, wenn man all die hellen Häuserfassaden und das glitzernde Meer sieht.

  6. Liebe Jana, ich wünsche dir noch ein frohes neues Jahr!

    Hach, Lissabon. Schon toll. Nur an das Kopfsteinpflaster erinnere ich mich lieber nicht zurück ;-)

    LG
    Manuela

  7. Pingback: Am Ende der Welt: Das Cabo da RocaSonne & Wolken

  8. Lissabon ist meiner Meinung nach die schönste Stadt in Portugal. Besonders die Unterschiede im Anmut und der Architektur der einzelnen Stadtteile hat mich fasziniert. Leute liefen da bei meinem Besuch viele rum. Speziell am Praca do Commercio. Aber vielleicht wurden die Fotos ja vormittags gemacht, wo die Lissaboner sich noch vom Party machen ausruhen. Feiern können die sehr gut. Die Partys gehen oft bis in die Morgenstunden und länger;)

    • Hallo Matthias, Porto ist aber auch wunderschön! Die Fotos habe ich gegen Abend gemacht, vielleicht hatten wir einfach ein bisschen Glück ;-) Liebe Grüße, Jana

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